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Berliner Republik

EnergiewendeMehr Planwirtschaft wagen

Von Michael Lühmann6. Juni 2012
picture alliance
planwirtschaft, energierwende, markt, subention
Die Fronten verhärten sich
Schrift:

Rösler und Gauck haben bei der Energiewende vor zu viel „Planwirtschaft“ gewarnt, dabei braucht Deutschland genau das: mehr Staat, mehr Planung. Wer den Märkten jetzt noch vertraut, handelt grob fahrlässig

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Ausstieg – das Wort hätte allerbeste Chancen auf den Titel „Unwort des Jahrzehnts“. Unlängst ist das Wort in Verbindung mit der Kernenergie pluralisiert worden. Der Ausdruck beschreibt gleich mehrere Wendemarken deutscher Energiepolitik. Und nun fügen Rainer Brüderle und Philipp Rösler – unter dem Beifall des Bundespräsidenten Joachim Gauck – diesen Volten eine weitere hinzu.  Ziel der nicht ganz neuen liberalen Ausstiegsgelüste: das Erneuerbare-Energien-Gesetz, welches die vorrangige Einspeisung und Vergütung von Strom aus erneuerbaren Quellen regelt.

Den liberalen Spitzen ist dieses Gesetz nicht der Hebel zum Gelingen der Energiewende, sondern vielmehr ein „reines Subventionsgesetz“. Planwirtschaft also, Sozialismus. Deshalb soll, zu Gunsten der Marktkräfte, die staatliche Umlage gestrichen werden. Der Ausstieg aus der Energiewende wäre beschlossen.

Dass die Liberalen unter den Augen des neuen Umweltministers Altmaier und ohne dessen Gegenwehr solche Pflöcke einrammen können, lässt erahnen, dass die Energiewende vom Röttgen in die Traufe geraten ist. Dabei ist ein solch gigantisches Projekt nicht im freien Spiel der Marktkräfte zu realisieren. Es braucht noch viel mehr Staat, noch viel mehr Planung, eine zentrale Koordination, einen öffentlichen Diskurs  und – ja – auch eine vernünftige Umlagenfinanzierung.

Schließlich waren es die freien Marktkräfte, die die Energiewende verhindert haben. In mühevoller Lobbyarbeit haben sie jahrelang den Ausstieg aus dem Atomausstieg der Regierung Merkel/Westerwelle begleitet. Brüderles Forderung, nun dieselben Versorger – mithin den Markt – über Strategien und Geschwindigkeit der Energiewende entscheiden zu lassen, wäre fahrlässig; das Vertrauen in den Markt  falsch und überdies ganz und gar ahistorisch.

Kernkraft wurde mehr subventioniert als erneuerbare Energien

Blickt man nur ein wenig interessiert zurück in die Geschichte großer bundesrepublikanischer Infrastrukturprojekte, so war es schon immer der Staat, der zunächst vorneweg schritt: Das gilt insbesondere für den Auf- und Ausbau der deutschen Kernkraftwerke. Die deutsche Industrie weigerte sich, in die friedliche Nutzung der Kernenergie einzusteigen – und das trotz einer heute nicht mehr nachvollziehbaren Atomeuphorie in Wissenschaft und Politik.

Daraufhin übernahm der Bund das finanzielle Risiko. Mit gigantischen Ausfallbürgschaften und hohen Anschubinvestitionen stützte er die Erforschung, den Bau und den Probebetrieb von Kernkraftwerken. Dieses Risiko scheute die deutsche Industrie, da ihr die Steinkohle als rentabler erschien. Auch der Einstieg in die kommerzielle Nutzung bedurfte staatlicher Planungsverfahren. Und vor allem: staatlicher Subventionen. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung geht von 50 Milliarden Euro an direkten Subventionen für die deutsche Kernenergie aus, das Forum Ökologisch-Soziale Markwirtschaft unter Einbezug indirekter Förderungen gar von 200 Milliarden Euro. Im direkten Vergleich mit den erneuerbaren Energien gewinnt die Atomförderung also noch immer: Heruntergebrochen auf den Strompreis liegt sie einen Cent pro Kilowattstunde über der EEG-Umlage.

Es war, wie der Historiker Joachim Radkau anmerkt, letztlich die „Schaffung von vollendeten Fakten“ seitens der Politik der sechziger und siebziger Jahre – immer unter Beteiligung der FDP – die der Kernkraft in Deutschland zum Durchbruch und den Stromkonzernen zu satten Profiten verhalf.  Auch der Bundesverkehrswegeplan, schon vom Namen her sinnfälliger Ausdruck planerischen Denkens, ist ein Kind jener Zeit. Eine ministerielle Arbeitsgruppe entwarf den ersten Bundesverkehrswegeplan, der unter anderem den Ausbau des deutschen ICE-Netzes vorantrieb – und bezahlte. Gleiches gilt für den ungleich teureren Aufbau Ost. Oder eben inzwischen für die Rettung der deutschen Banken. Immer folgten solche staatlichen Eingriffe der Logik, dass die Wirtschaft, die Banken, der Markt, im Angesicht solch großer Anstrengungen überfordert sein dürften.

Allein für die Energiewende gilt ein solches Szenario nicht. Dabei gleichen die Voraussetzungen verblüffend denen vergangener energiepolitischer Dekaden – nur diesmal ganz ohne atomares Restrisiko. Wieder scheut die Industrie die Kosten, wehrt sich gegen den Entzug der profitablen Kernkraft. Zugleich übernimmt der Staat dennoch Milliardengarantien für den Bau von Offshore-Anlagen. Und wieder bedarf es eines großen Verkehrswegeplans, nur nicht für Schienen-und Straßenwege,  sondern für Stromtrassen, Gaskraftwerke, Speicher und Ausgleichsreserven.  

Auf der folgenden Seite: Der Markt kann die Energiewende nicht stemmen

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Jetzt dreht cicero völlig am

Jetzt dreht cicero völlig am Rad, dass ist ja wohl der hahnebüchendste Blödsinn, der irgendwo geschrieben wurde.

Während in anderen Medien langsam die Kritik an der Energiewende lauter wird, weil alle Maßnahmen die bisher getroffen wurden der Natur mehr schaden als Nutzen und das langsam bekannt wird, schreibt hier offensichtlich einer, der nichts mitgekriegt hat.

Ich empfehle dem Autor sich mal zur Biomasseenergie kundig zu machen, sich den Film Bulb Fiction anzuschauen, sich über die schmutzige Wahrheit der Windmühlen und dem Thema Neodymabbau und der Thoriumschläme usw zu informieren, bevor er/sie hier solche Volksverdummung betreibt. http://www.spektrum.de/alias/klimatologie/biotreibstoffe-schaden-der-ozonschicht/1152902 oder hier wie Palmöl und E10 million von Menschen durch Hunger vernichtet und Regenwald zerstört: http://www.spektrum.de/alias/agrarkraftstoffe/blut-fuer-Oel/914171

  • Antworten
ab003207.06.2012 | 10:14 Uhr

Das ist pseudoreligiöses

Das ist pseudoreligiöses Gefasel. Die verstehen sowohl unter "Staat" als auch unter "Markt" irgendwelche abstrakten Kräfte und erkennen nicht, dass Menschen dahinter stecken. Unter diesen Menschen sind die Ideologen aber noch viel gefährlicher, als diejenigen, die nur geldgeil sind.

  • Antworten
Holger Pinter07.06.2012 | 10:24 Uhr

Fass ohne Boden

Herr Lühmann möchte nur die Solarindustrie schützen, nicht die "energieintensiven" wie Kupfer, Aluminium, Zement, Chemie. Wunderbar! Die bald entlassenen Arbeiter, die betroffenen Kommunen und die ausländische Konkurrenz werden sich freuen. Und das alles, weil eine Ideologie sich durchsetzen will.
Marktversagen: Der Markt versagt zu recht, wenn sich eine lebensunfähige, unwirtschaftliche Denkweise durchsetzen will. Den jetzt schon viel zu hohen Strompreis sollen diejenigen zahlen, denen das EEG-Gesetz und die "Erneuerbaren" intellektuelle Freude macht.

  • Antworten
Alb Traum07.06.2012 | 11:17 Uhr

Ordoliberalismus, Voll-Kosten-Ansatz

Meiner Ansicht nach ist die Ansicht Marktwirtschaft oder Planwirtschaft falsch. Ordoliberalismus ist die traditionelle deutsche Lösung. Wikipedia sagt: Eine marktwirtschaftliche Wirtschaftsordnung, in der ein durch den Staat geschaffener Ordnungsrahmen den ökonomischen Wettbewerb und die Freiheit der Bürger auf dem Markt gewährleisten soll.

Genau das hat es bisher gegeben und jetzt muß das halt auch noch für eine Energiewirtschaft mit einem höheren EE-Anteil geschaffen werden. Leider hat der Staat schon vorgegeben, dass Windkraftanlagen auf Hoher See den Hauptteil der EE liefern sollen. Besser wäre es gewesen wenn dies die Kosten der jeweiligen Energieart bestimmt hätten und zwar einschließlich der Leitungskosten und Speicherkosten.

  • Antworten
Robert07.06.2012 | 11:39 Uhr

Faktencheck Subventionen

Die Zusatzkosten die durch die EEG Umlage verursacht wurden werden für das Jahr 2011 auf 13 mld Euro geschätzt. Die Netzbetreiber prognostizieren dass die EEG Umlage 2013 von heute 3,59 auf 4,8 bis 5,2 Cent pro kWh steigt. die Jahreskosten steigen also auf mindestens 18 mld Euro jährlich. Unter Voraussetzung das die EEG-Umlage nicht weiter steigt, (was ausehrst zweifelhaft ist) werden die EEG-Umlage summen in den kommenden 11 Jahren fast 200 mld Euro kosten. Eine summe, die dem entspricht, was laut dem FÖSM, 50 Jahre Subventionierung der Kernkraft gekostet hat. Versteckte kosten der Erneuerbaren wie Netzausbau, Energiespeicher, Garantien, Forschung usv. nicht eingerechnet. Wir reden nur von der EEG-Umlage.
Kernkraft hat Jehrzehntelang über 20% des Stroms in Deutschland produziert. Wind und Solar produzierten 2011 gerade mal 11%... Der grösste Kostentreiber Photovoltaik produzierte gerade mal 3% (verbrauchte aber über 50% der EEG-Umlage einnahmen).

  • Antworten
Kroll07.06.2012 | 13:20 Uhr

Guter und zutreffender Artikel

Nur die Offshore-Anlagen sehe ich kritischer!
Die Dezentralisierung der Energieversorgung würde lange Leitungen weitgehend überflüssig machen und würde die letzten verbliebenen Naturrefugien der Nord- und Ostsee schützen. Außerdem sind diese Offshoreanlagen technisch viel schwieriger und anfälliger als kleinere Anlagen im Land verteilt, im Verbund mit Blockheizkraftwerken, KWK etc. http://www.nek.upb.de/forschung/devs

  • Antworten
A. Franke07.06.2012 | 13:46 Uhr

Mehr Staat = mehr Sozialismus = mehr DDR

Wer nach mehr Staat ruft, wird den Mangel ernten!
Als Lesetipp habe ich Ayn Rand - Der Streik ( http://www.pur-web.info/ayn-rand-der-streik.php ), die schon vor über 50 Jahren über dieses Thema geschrieben hat. Und leider, ist dieses Thema immer noch hochaktuell. Warum müssen die Menschen nur immer erst wieder Elend kennenlernen, um aufzuwachen aus ihren utopischen Ideologien???

  • Antworten
Purwebber07.06.2012 | 15:13 Uhr

Was hat denn bitte die DDR mit Sozialismus zu tun?

Sozialismus bedeutet im Kern, dass die die allgemeinen Produktionsmittel, die für jeden Bürger notwendig sind, nicht Einzelnen gehören, sondern dem gesamten Volk, welches darüber bestimmt.

Das war genau wo in der DDR der Fall?

Nebenbei hat Planwirtschaft nur dann ein Problem, wenn sie die Realität ignoriert. Dieses Problem gibt es aber genauso abseits der Planwirtschaft. Wenn ein Mutterkonzern den Töchtern einen absoluten Müll vorschreibt und diese damit zugrunde richtet, hat man exakt das Problem, welches auch in Planwirtschaften auftrat. Ebenso wenn eine Firma für sich Mist entscheidet.

Das hat mit Planwirtschaft per se nichts zu tun.

Weshalb bei der Energiewende Planwirtschaft notwendig ist, ist simpel:
Die Energiewende ist für sich gesehen wichtig, nicht, damit sich irgendwer die Taschen vollstopft. Die soll gar keinen Gewinn abwerfen, die soll unsere Zukunft sichern, weil wir nunmal nicht ewig wertvolle Ressourcen verheizen können.

  • Antworten
seyinphyin13.06.2012 | 01:17 Uhr

Weniger Staat = mehr Raubtierkapitalismus = Wertvernichtung

Wer nach weniger Statt ruft, wird Wertvernichtungen in Billionenhöhen ernten, wie in der Finanzkrise gesehen. Die Entleerung des Liberalismus und dessen Reduktion auf den Neoliberalismus hat mehr Werte vernichtet, als der Sozialismus? Was selbst Frank Schirrmacher (FAZ) schon längst kapiert hat, treibt anderswo noch fröhliche Urstände. (Auch hier eine Lesetipp: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buergerliche-werte-ich-beginne-zu-glauben-dass-die-linke-recht-hat-11106162.html)

Wer in der Energiepolitik weniger Staat fordert (Tepco ist inzwischen im Übrigen ebenso verstaatlicht wie EnBW, nein, letzteres, das waren nicht die Linken, das war Mappus (CDU)), der wird weitere atomare Katastrophen und einen gigantischen Atommüllberg ernten.

  • Antworten
Marcel Steindorf07.06.2012 | 16:55 Uhr

Ob Markt oder Plan ist egal

Die chinesischen Staatskonzerne stellen Stromtrassen, Gaskraftwerke, Speicher und Ausgleichsreserven in ihrem Land ja ohne Probleme in Massen auf.

Anscheinend haben die Chinesen einen besseren Plan von der Sache als unsere Politiker und die deutschen "Marktkräfte".

@Purwebber
Ayn Rand - Der Streik: Eines der schlechtesten Bücher, die ich je gelesen habe. Nichts für ungut. Zuviel Ideologie.

  • Antworten
Humanpirat07.06.2012 | 20:31 Uhr

Zuviel Ideologie

@Humanpirat
Das mag sein. Aber für mich immer noch die ehrlichste und wenn es um eine friedliche und Zukunft mit Wohlstand geht - die erfolgversprechendste. Wo bitteschön sind die Oberschlauen, die alles planen und bis ins Detail richten können? In der DDR hieß das: Die Partei, die Partei hat immer recht!
Soll das jetzt heißen: Die FED, die EZB hat immer recht?
Und Energiewende ist für mich schon gar kein Argument zur Planwirtschaft. Das ist für mich nur noch Irrsinn. In einer echten Marktwirtschaft gäbe es keine "Energiewende". Da würden sich echte und nachhaltige Alternativen zu den derzeitigen Systemen entwickeln und zwar schrittweise ohne Holterdipolter.

  • Antworten
Purwebber04.07.2012 | 15:02 Uhr

Mehr Planwirtschaft wagen

psydo-intelekueller Schwachsinn, der dann -per CICERO- auch noch ungestraft "unters Volk" gebracht wird

  • Antworten
Rolf Schmitz-Keitel08.06.2012 | 09:47 Uhr

Noch mehr Planwirtschaft?

Dia alte DDR hatte das Glück, von uns aufgenommen und saniert zu werden, das wird Deutschland wohl nicht mehr gelingen, wenn die Verprasserei von Milliarden € (Aktuell schon 160 Mrd € Verbindlichkeiten fürs EEG) so weitergeht.

Aber die Ökolobby hat viel Rückhalt in Medien und Politik, das war die Atomlobby ein Knabenchor dagegen...

  • Antworten
Willi Stock08.06.2012 | 18:44 Uhr

Die alte DDR

Hatte das "Glück" von uns (genauso wie von "Mütterchen Russland") missbraucht und nach der Wende ausgeschlachtet worden zu sein. Das ist alles. Wie ich es immer hasse, wenn wir unser Schuld nicht eingestehen. Was in der Ex-DDR alles zugrunde gerichtet wurde, statt günstig restauriert zu werden, nur damit sich da ein paar westdeutsche Firmen gesund stoßen konnten und bloß keine Konkurrenz entstand.

Elende Lügen.

Und die Kosten der Energiewende bekommen wir sowieso, außer Sie wollen in die Steinzeit zurück. Der einzige Unterschied ist: Wer jetzt schon anfängt, die Wende durchziehen, spart sich die immer exzessiveren Kosten für die immer seltener werdenden Ressourcen. Mal abgesehen davon, dass wir gerade Öl für weit bessere Dinge gebrauchen können, als billige Energiegewinnung. Einen derartigen Stoff einfach nu zu verbrennen ist sowieso krank.

  • Antworten
seyinphyin13.06.2012 | 01:21 Uhr

Planwirtschaft?

Planwwirtschaft ist für mich ein Begriff mit unangenhmen Beigeschmack.
Allerdingshabe ich mich immer wieder einmal gefragt, warum der Staat darauf zerzichtet einen eigenen Anteil der Wirtschaft zu sichern. Warum werden die Stromnetze nicht verstaatlicht? Warum verzichtet man auf Einahmen aus einem eigenen staatlichen Wirtschaftssektor, um die Schulden des Staates zu bezahlen? Aber dazu fehlt Frau Merkel der Weitblick und der Mut.

  • Antworten
Otmar Schütze09.06.2012 | 09:05 Uhr

Danke für diesen Artikel -

Danke für diesen Artikel - Stimme Ihnen 100%-ig zu.

  • Antworten
HerrK15.06.2012 | 02:23 Uhr

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