Nils Minkmar, der Feuilletonchef der FAZ, liebt das ganz große politische und gesellschaftliche Panorama. Aber als anständiger Saarländer eilt er jetzt auch den saarländischen Piraten zur Hilfe
Seit der geschätzte Kollege Nils Minkmar das Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung leitet, lese ich es mit größerem Gefallen denn je. Was auch daran liegt, dass er sich nicht mit den üblichen Petitessen der Kulturbewertungsindustrie aufhält, sondern das ganz große Panorama ausbreitet, nämlich von „S“ wie Saarland bis hin zu „S“ wie SPD.
Wobei ich als gelernter Teilzeit-Saarländer manchmal den Eindruck habe, die beiden Begriffe seien irgendwie identisch, weil das Saarland als Underdog unter den westdeutschen Flächenstaaten dessen Bewohner zu permanenter Solidarität miteinander zwingt und noch dazu einen sozialdemokratischen Selbstbehauptungswillen befördert, wie er sich beispielsweise Samstag nachmittags in der Kneipe „Glühwürmchen“ an der Kaltenbachstraße nahe dem St. Johanner Markt manifestiert: ungezwungen bierselig, aber im Grunde dann schon auch mit dem nötigen Ernst.
Um als Ortsfremder die allgemeine Befindlichkeit der Saarländer zu verstehen, empfehle ich die Lektüre „Mafia – zentrale Herrschaft und lokale Gegenmacht“ des Soziologen Henner Hess, der darin sehr schlüssig argumentiert, warum die Bevölkerung einer häufigen äußeren Machtwechseln unterworfenen Landschaft (in diesem Fall Siziliens) dazu neigt, gewisse – nun ja – Parallelstrukturen auszubilden. Dank populärerer Stoffe zum gleichen Thema wissen wir zudem, dass etwa die Familie Don Corleones durchaus ihre inneren Zwistigkeiten pflegt, die einzelnen Clan-Mitglieder sich aber im Fall der Bedrohung von außen zusammenballen wie eine Faust. Dann wird zugeschlagen, bis kein Auge ohne Bluterguss bleibt.
Insofern war es natürlich ein ziemliches Wagnis, das mein Kollege von Cicero Online einging, als er die Chuzpe besaß, der saarländischen Piratenpartei-Chefin ein bisschen im Netz hinterher zu stöbern. Ob die junge Frau sich früher über Hamsterzucht, erotische Romane oder eine angebliche Vorliebe für glatzköpfige Soldaten ausgelassen hat, das ist weder meine Baustelle noch lässt es mich nachts unruhig schlafen (ich bin bei solchen Gelegenheiten immer nur ganz froh, dass solcherlei Botschaften in meiner Jugend noch auf Schulbänke gekratzt und nicht bis zur nächsten Wiedervorlage ins Internet gestellt wurden).
Der Kollege Minkmar hingegen war als Saarländer natürlich zur uneingeschränkten Waffenbrüderschaft verpflichtet und feuerte heute auf Seite 1 des von ihm verantworteten Kulturteils eine publizistische Boden-Boden-Rakete von Frankfurt zu uns nach Berlin. Ich gebe zu: ein durchaus beeindruckendes Feuerwerk zur Verteidigung des Saargebiets. Aber hat das wortgewaltige Projektil auch getroffen?
Sagen wir so: An der Feinjustierung lässt sich sicherlich noch ein bisschen arbeiten. Okay, dass der Feuilleton-Chef der FAZ seiner Landsmännin Jasmin Maurer (so heißt die besagte Saar-Piratin) eine Namensgleichheit mit der Schlagersängerin Blümchen unterstellt (bürgerlich: Jasmin Wagner), kann in der Google-Hektik des Redaktionsalltags schon mal passieren. Besonders charmant ist es angesichts von Blümchen-Hits wie „Kleiner Satellit (Piep, piep)“ allerdings nicht. Aber das sollen die beiden Saarländer unter sich ausmachen.
War es nicht gerade die FAZ, die in Wulffs Privatleben herumwühlte?












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