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Kapital

Deutschland 2030Die fetten Jahre kommen erst

Von Bert Rürup, Dirk Heilmann19. März 2012
picture alliance
Wohlstand, Deutschland, Reform, Europa
Prognose Wohlstand für Deutschland bis 2030
Schrift:

Die deutsche Gesellschaft ist reformfähiger als sie glaubt. Nutzt sie ihre Chancen, steht sie 2030 besser da als der Rest der G-7-Staaten

Seite 1 von 4

Hätten wir vor zehn Jahren die Autoren ernst genommen, die den Niedergang Deutschlands beschworen, dann hätten wir entweder resigniert auf dem Deck der Titanic einen letzten Cocktail genießen können, oder aber wir hätten das Land einer Rosskur à la Margaret Thatcher unterziehen müssen, um die Wende zur Wettbewerbsfähigkeit zu schaffen. Nichts von beidem ist geschehen, und trotzdem steht Deutschland erheblich besser da als vor einem Jahrzehnt.
Offenkundig ist die deutsche Gesellschaft reformfähiger und vernünftiger, als sie es selber glauben mochte.

Es bedurfte eines mutigen Bundeskanzlers Gerhard Schröder, der Reformen auf dem Arbeitsmarkt und im Sozialsystem auf Kosten seiner Wiederwahl durchsetzte, und einer gemeinsamen Anstrengung von Unternehmen und Gewerkschaften, um die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft so zu verbessern, dass sie die Chancen der Globalisierung besser nutzen konnte als andere Industrieländer. Ein radikaler Kurswechsel, der die Gesellschaft in ihren Grundfesten erschütterte, war das nicht, sondern eine Serie von Korrekturen an der Konstruktion unseres Gemeinwesens. Darauf können wir aufbauen.

Die Erfahrung des vergangenen Jahrzehnts sollte uns Mut machen für die kommenden Jahre. Wieder scheint der Problemberg übermächtig, der sich vor uns auftürmt: Die globale Finanz- und Wirtschaftskrise, die Krise der Europäischen Währungsunion, der Klimawandel und der demografische Wandel stellen uns vor große Herausforderungen. Doch unsere Analyse zeigt, dass es keinen Grund für neue Untergangsvisionen gibt. Wie im vergangenen Jahrzehnt wird sich erweisen, dass es nicht anonyme Mächte wie die Weltfinanzmärkte sind, die unsere Zukunft bestimmen, sondern wir in Deutschland mit unseren Entscheidungen. Das gilt vor allem für die Eurokrise. Jetzt muss die Kanzlerin ohne Rücksicht auf ihre Wiederwahlchancen handeln. Anders wird eine Lösung der Krise nicht zu erreichen sein. Und auch im Inneren darf es keinen Reformstillstand geben, vor allem, was die Anpassung der Sozialsysteme an die demografische Entwicklung anbelangt.

Wagen wir einmal einen optimistischen Blick voraus, in das Jahr 2030. Gehen wir davon aus, dass Deutschland auch in diesem Jahrzehnt die Chancen ergreift, die sich bieten. Dann sieht unsere Vision folgendermaßen aus:
Deutschland ist 2030 das Land mit dem höchsten Pro-Kopf-Einkommen in der G-7-Gruppe der großen Industriestaaten. Obwohl Europas Kernland durch den Aufstieg der großen Schwellenländer in der Weltrangliste der Wirtschaftsmächte vom vierten auf den sechsten Platz abrutscht, hat es seine Marktanteile im globalen Exportgeschäft besser behauptet als die USA und Japan.

Lesen Sie weiter, warum Deutschland das AAA-Rating durchgehend behält...

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Werden die Beiträge der beiden

eigentlich von Cicero bezahlt? Mehr Kaffeesatzleserei habe ich selten gelesen. Und, dass die bisherigen "Reformen" nicht die Gesellschaft erschüttert haben, kann man nur meinen wenn man an der Planung und Exekution der Agenda 2010 beteiligt war. Wer sind die Mietschreiber - ach ja ein bekannter Versicherungsvertreter von Maschmeyers Gnaden, der nicht nur die gesetzliche Rentenversicherung kaputt gemacht hat. Der zweite Autor Chefsvolkswirt vom Handelsblatt - alles klar!?

  • Antworten
pengertz18.03.2012 | 12:54 Uhr

Die fetten Jahre kommen erst.

"Heilmann"! Nomen est omen. Der 'Mann' der den Pessimismus 'heilt'. Sehr schön, wenn man an den Weihnachtsmann (und den Papst und den liebenGott/Allah) glauben kann.
"Wer niemals einen Traum gehanbt, wie arm ist der!".
Aber es kann natürlich auch ganz anders kommen.
Für mich (und die fünf Familien mit denen ich verwandt bzw. verschwägert bin) spielt das Jahr 2030 so gut wie keine Rolle mehr.
Wir (die Jahrgegänge 1934 bis 1948) sind dann mehr oder weniger tot.
Vielleicht gehören wir auch zu den 4 Millionen Pflegefällen, davon ca. 2 Millionen 'dement'. Jedenfalls gibt es unsere Familien 2035 nicht mehr. Keine Kinder - mit der Ausnahme meiner Tochter, die allerdings ihre Zukunft im Auland sieht - da. Das ist kein Verlust.
Nur keine Sentimentalitäten. Allerdings hat Deutschland zur Zeit ca.
7,5 Millionen sog. "strukturelle" Analphabeten. Das sind Menschen, die keine drei Worte verständig lesen bzw. schreiben können. In BERLIN leben 50 % der 'erwerbsfähigen' Bevölkerung (zwischen 15 und 65 Jahren) von einem sog. "Transfereinkommen". Andere Städte steuern diese Marke an.
Noch mehr Horror-Zahlen gefällig? Z.B. was/wieviel die "Rettung der EURO-Zone" kosten wird?
Aber wie heißt es so schön?: "Und noch am Grabe pflanzt der Greis die Hoffnung auf!". Also denn!

  • Antworten
Wolfram Wiesel18.03.2012 | 16:26 Uhr

Überheblichkeit

Ach, Herr Rürup, sie haben doch immer die Finanzwirtschaft bedient, die ein Eigenleben entwickelt hat, völlig abgekoppelt von der sogenannten Realwirtschaft. Sie haben doch als Wirtschaftswissenschaftler zu keinem Zeitpunkt vor bestimmten makroökonomischen Modellen und Entwicklungen mit seinen katastrophalen Verwerfungen gewarnt. Als Wissenschaftler tragen Sie ja auch keine Verantwortung, nicht wahr? Auf Ihren opportunistischen Rat geben wir gar nichts mehr. Auch nicht auf Ihre Sprechblasen. Als erfahrener Ingenieur weiß ich natürlich wo die Stärken Deutschlands liegen. Jede technische Erfindung ist eine sachliche Entdeckung, ein produzierter menschlicher Ausdruck, den wir Deutschen erfolgreich verkaufen können. Daher kommt unser Wohlstand. Dazu brauchen wir keinen Rat mehr von Ökonomen mit fehlendem Realitätsbezug.

  • Antworten
bernhard19.03.2012 | 11:35 Uhr

Wohl denen, die arm sind im Geiste, .....

„1965 werden wir den Kommunismus aufgebaut haben. Mama und Papa gehen dann nur noch 4 Stunden täglich zur Arbeit. Den Rest des Tages verbringen sie mit Sport und Kultur. Man braucht dann auch kein Geld mehr, wenn man einholen geht, denn jeder nimmt doch nur so viel mit nach hause, wie er wirklich braucht. .....“

Aus einem Propagandaheft zum 7-Jahresplan der DDR

Alles klar?!

  • Antworten
Peter Müller19.03.2012 | 12:17 Uhr

Nachtrag

Existiert eigentlich noch die MaschmeyerRürup AG in Frankfurt a.M.? Die wollten doch einmal weltweit Finanz-Ideen verkaufen, mit ökonomischer Kompetenz natürlich. Das wäre doch auch ein neues Betätigungsfeld für unseren Bundespräsidenten a.D. Wulff. Man kennt sich doch.

  • Antworten
bernhard19.03.2012 | 16:30 Uhr

Eine provozierende Vision

Eine provozierende Vision zweier Wirtschaftswissenschaftler von teilweise zweifelhaftem Ruhm, welche auf die Anpassungsfähigkeit der deutschen Gesellschaft baut.
Und im Kommentarbereich beschweren sich ausgerechnet Vertreter der Gesellschaftsteile, die gemeinhin für am reformfeindlichsten gehalten werden:
Alte, Ingenieure, und DDR-Fixierte.
Welch eine Ironie.

Ich als junger, attraktiver, bilungualer Smartphoneuser jedenfalls werde ich weder auswandern, noch meine Zukunft durch die Starrköpfe der Nation beeinflussen lassen, und falls Dr. Merkel nicht wieder gewählt werden sollte, inshallah, würde ich mich jedenfalls sehr über derart vorwärtsgerichtete Politiker an der Spitze unseres Staates freuen.

  • Antworten
robert.19.03.2012 | 17:19 Uhr

Finale

Die Fantasie des Autors verdient Respekt. Das ist aber auch das einzige, was mit Herrn Heilmann zugestehen kann. Die Exporterfolge Deutschlands beruhen auf einer Arbeitnehmerschaft, die es in 20 Jahren nicht mehr geben wird.
Deutschland ist (wie Japan) schon seit Jahrzehnten nicht mehr in der Lage, aus eigener Kraft zu wachsen. Jedes noch so kleine Wachstum muss immer durch den Export, also durch das Ausland initiiert werden. Wie kaum ein anderes Land in der Welt lebt Deutschland von der Dynamik anderer Volkswirtschaften. Nur Japan betreibt eine ähnlich intensive Variante der Trittbrettfahrerei. Aber nicht mehr lange. Im Jahr 2030 wird Japan praktisch aufgehört haben zu existieren. Es ist heute schon nur noch der Schatten eines Staates, trotz drittgrößter Wirtschaftskraft. Die japanische Wirtschaft bringt keine neuen Produkte mehr hervor. Deutschland profitiert deshalb sogar vom Niedergang Japans - doch das nicht mehr allzu lange. Der größere Teil der auf ihre Funktion als „flexible Arbeitnehmer“ reduzierten Unterschichten (und der unteren Mittelschichten) hat die eigene Reproduktion nahezu eingestellt. Es sind die Intelligenteren und Aktiveren, diejenigen, die sich selbst unter Kontrolle haben, die auf Kinder verzichten. Frankreich wird leben, wenn es ihm gelingt, sich der deutschen Politik zu verweigern. Die deutsche Gesellschaft hingegen altert so schnell, dass sie schon in wenigen Jahrzehnten nicht mehr in der Lage sein wird, ihre elementaren sozialen, ökonomischen und administrativen Funktionen zu gewährleisten (wie alles so kam und warum und was noch kommt).

  • Antworten
Dieter Staas19.03.2012 | 22:36 Uhr

Absurd

Man beachte den weiterführenden Link "Arbeitslöhne
Dumpingrepublik Deutschland"

  • Antworten
Schulze20.03.2012 | 05:13 Uhr

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