Die deutsche Gesellschaft ist reformfähiger als sie glaubt. Nutzt sie ihre Chancen, steht sie 2030 besser da als der Rest der G-7-Staaten
Hätten wir vor zehn Jahren die Autoren ernst genommen, die den
Niedergang Deutschlands beschworen, dann hätten wir entweder
resigniert auf dem Deck der Titanic einen letzten Cocktail genießen
können, oder aber wir hätten das Land einer Rosskur à la Margaret
Thatcher unterziehen müssen, um die Wende zur Wettbewerbsfähigkeit
zu schaffen. Nichts von beidem ist geschehen, und trotzdem steht
Deutschland erheblich besser da als vor einem Jahrzehnt.
Offenkundig ist die deutsche Gesellschaft reformfähiger und
vernünftiger, als sie es selber glauben mochte.
Es bedurfte eines mutigen Bundeskanzlers Gerhard Schröder, der Reformen auf dem Arbeitsmarkt und im Sozialsystem auf Kosten seiner Wiederwahl durchsetzte, und einer gemeinsamen Anstrengung von Unternehmen und Gewerkschaften, um die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft so zu verbessern, dass sie die Chancen der Globalisierung besser nutzen konnte als andere Industrieländer. Ein radikaler Kurswechsel, der die Gesellschaft in ihren Grundfesten erschütterte, war das nicht, sondern eine Serie von Korrekturen an der Konstruktion unseres Gemeinwesens. Darauf können wir aufbauen.
Die Erfahrung des vergangenen Jahrzehnts sollte uns Mut machen für die kommenden Jahre. Wieder scheint der Problemberg übermächtig, der sich vor uns auftürmt: Die globale Finanz- und Wirtschaftskrise, die Krise der Europäischen Währungsunion, der Klimawandel und der demografische Wandel stellen uns vor große Herausforderungen. Doch unsere Analyse zeigt, dass es keinen Grund für neue Untergangsvisionen gibt. Wie im vergangenen Jahrzehnt wird sich erweisen, dass es nicht anonyme Mächte wie die Weltfinanzmärkte sind, die unsere Zukunft bestimmen, sondern wir in Deutschland mit unseren Entscheidungen. Das gilt vor allem für die Eurokrise. Jetzt muss die Kanzlerin ohne Rücksicht auf ihre Wiederwahlchancen handeln. Anders wird eine Lösung der Krise nicht zu erreichen sein. Und auch im Inneren darf es keinen Reformstillstand geben, vor allem, was die Anpassung der Sozialsysteme an die demografische Entwicklung anbelangt.
Wagen wir einmal einen optimistischen Blick voraus, in das Jahr
2030. Gehen wir davon aus, dass Deutschland auch in diesem
Jahrzehnt die Chancen ergreift, die sich bieten. Dann sieht unsere
Vision folgendermaßen aus:
Deutschland ist 2030 das Land mit dem höchsten Pro-Kopf-Einkommen
in der G-7-Gruppe der großen Industriestaaten. Obwohl Europas
Kernland durch den Aufstieg der großen Schwellenländer in der
Weltrangliste der Wirtschaftsmächte vom vierten auf den sechsten
Platz abrutscht, hat es seine Marktanteile im globalen
Exportgeschäft besser behauptet als die USA und Japan.
Lesen Sie weiter, warum Deutschland das AAA-Rating durchgehend behält...













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