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Weltbühne

Europa 2012Drei Feuerproben für den Euro

Von Eric Bonse29. Dezember 2011
picture alliance
Euro, EU, Ausblick 2012
2012 geht es für Europa und den Euro noch einmal ums Ganze
Schrift:

CICERO ONLINE schaut in einer Reihe auf die wichtigsten Themen 2012. Heute: Europa und der Euro: 2012 wird zum Schicksalsjahr für Europa. Die größte Gefahr geht dabei von der Politik aus - ausgerechnet Merkels Fiskalunion birgt erhebliche Risiken

Seite 1 von 3

Die Meldungen passen beim besten Willen nicht zusammen.

Da bereiten sich Engländer auf ihre Evakuierung aus Gibraltar und Malaga vor, weil sie einen Zusammenbruch der Eurozone mit massiven Unruhen und Übergriffen fürchten. Da flüchten Spanier und Griechen zu Hunderten nach Deutschland, um der heimischen Misere zu entkommen. Und da horten Geldinstitute aus ganz Europa Rekordsummen bei der Europäischen Zentralbank, weil sie kein Vertrauen mehr zueinander haben.

So schlimm sei es zuletzt nach dem Zusammenbruch der US-Bank Lehman Brothers 2008 gewesen, sagen Finanzexperten.

Doch gleichzeitig erklärt Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU), es gebe gar keine Eurokrise. Die Gemeinschaftswährung sei stabil, Sorgen mache ihm lediglich die Schuldenkrise in einigen Mitgliedsländern und die davon ausgehende „Ansteckungsgefahr“. Auch Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker gibt Entwarnung: Man habe alles im Griff. Überschuldete Länder wie Griechenland oder Italien bräuchten zwar „sehr solide Pläne zur Haushaltskonsolidierung“, aber die würden „gerade umgesetzt“.

Was stimmt denn nun? Steht die Eurozone kurz vor dem Zusammenbruch, droht 2012 ein „annus horribilis“ für Deutschland und die 16 übrigen Euroländer? Oder kommt im neuen Jahr alles wieder in Ordnung, weil die Politik der Konsolidierung greift und die Märkte wieder Vertrauen fassen? Selten gingen die Meinungen unter Politikern und Experten so weit auseinander, selten war eine Prognose derart schwierig. Die Zukunft des Euro hat sich, so scheint es, zu einer Glaubensfrage entwickelt.

Auf der einen Seite stehen die Untergangs-Propheten, die - wie der US-Experte Nouriel Roubini - vor einem „ungeordneten Szenario“ der Eurozone warnen. Einige Euroländer seien längst insolvent und könnten in der Währungsunion nicht überleben, fürchtet Roubini, der schon den Crash 2008 richtig vorausgesagt hat. Wenn die EU dies weiter leugne und auf eine Politik des „Weiter-so“ setze, drohe spätestens 2013, wahrscheinlicher aber schon 2012 der Zusammenbruch.

Auf der anderen Seite stehen Optimisten wie der Chef des deutschen Sachverständigenrates, Wolfgang Franz. Eine Zuspitzung der Eurokrise erwartet er ebenso wenig wie eine Rezession in Deutschland. Zwar werde sich das Wachstum abschwächen. Es sei jedoch unverantwortlich, eine Rezession herbeizureden - wie die Chefin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde. Die Französin hatte, nicht zuletzt mit Blick auf den Euro, vor einer Weltwirtschaftskrise wie in den 30er Jahren gewarnt.

Lesen Sie im zweiten Teil, was man in Brüssel von den Kassandra-Rufen Lagardes hält

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Ach, der Roubini

wird mal wieder dahergezogen, und seine richtige Voraussage des Subprime-Crash in den USA. Warum schreibt kein Journalist mal darüber, dass der Mann seit ca. 1998 jährlich irgendein Untergangsszenario vorhersagt, dabei bislang nur diesen einen Zufallstreffer gelandet hat?

  • Antworten
VerySeriousSam29.12.2011 | 12:26 Uhr

Der ratlose Leser

Der Artikel läßt den Leser etwas ratlos zurück.
Scheinbar gibt sich der Text neutral, indem er die verschiedenen Positionen und Einschätzungen der Eurokrise objektiv und sachlich referiert.

Die geschilderte Meinungspalette reicht von der pessimistisch-skeptischen Auffassung, der Euro stehe kurz vor dem Zusammenbruch (die englische Regierung, diverse Finanzexperten) bis zur bedenkenlos-hoffnungsfrohen optimistischen Ansicht von Schäuble und Juncker, die in der Art eines Johnny Controletti oder besser eines Hausmeister Krause meinen, alles im Griff zu haben.

Und er schildert die zwei grundsätzlich verschiedenen politischen Philosophien, die sich in Brüssel im EU-Ministerrat gegenüberstehen, wobei der Autor nur die Position von Frau Merkel skizziert, während er das „Brüsseler Rezept“ weitgehend unterschlägt; aus guten Gründen (s.u.).
Das Merkelsche Rezept heißt Sparen und Haushaltskonsolidierung, während das Brüsseler wohl bedeutet: Eurobonds, Transferzahlungen, Vergemeinschaftung von Schulden, eine noch höhere Schuldenaufnahme.

  • Antworten
Bakwahn29.12.2011 | 23:00 Uhr

Einige unartige Euphemismen (1): Refinanzieren, Refinanzierung

Ich möchte einige Begriffe und Formulierungen des Autors unter die linguistische Lupe nehmen.

Im Jahre 2012 muß Italien und auch Spanien viele Milliarden Euro an Schulden zurückzahlen. In der Presse werden unterschiedliche Summen genannt; jedenfalls geht es um ca. 500 Milliarden Euro, die zur Rückzahlung anstehen. Dazu sind diese Länder aber überhaupt nicht fähig. Der Text spricht in diesem Zusammenhang von „refinanzieren“. Diese so scheinbar harmlose Vokabel wird in allen seinen linguistischen Variationen in der Öffentlichkeit (Fernsehen, Rundfunk, Presse) immer dann verwendet, wenn es um die Rückzahlungen von großen Krediten geht. Sie wird als eine Art prägnante Zauberformel eingesetzt, die das gigantische Ausmaß der Schuldenkrise mit einem rosaroten Schleier verdecken soll. Mit diesen so elegant klingenden Begriffen wird in eindeutig euphemistischer Absicht etwas getarnt und vernebelt, nämlich die Bezahlung von Krediten durch weitere Schuldenaufnahme. Unbefangenen Rezipienten wird durch solche Begrifflichkeit das Nachdenken stillgestellt. Fragte man etwa das Publikum einer Fernsehdiskussionsrunde was den „refinanzieren und Refinanzierung“ eigentlich bedeutet, dann gäben mehr als ²/³ der Befragten falsche Antworten; da bin ich mir ziemlich sicher.

Eine weitere sprachliche Beschönigung (2): das Steuer herumreißen
Bei aller vorgeblichen Neutralität drängt sich dennoch die Vermutung auf, welches „Lösungsrezept“ der Verfasser im Geheimen favorisiert. Am Ende seines Textes referiert er das im kommenden Jahr zu erwartende Untergangsszenario. Dieses finanzielle Martyrium – das ist jetzt meine Interpretation dieses Artikels – sei ganz wesentlich durch die Durchsetzung und Anwendung der Merkelschen Spar- und Konsolidierungsdoktrinen mitentstanden. Dieser uns alle bedrohende Notstand kann nur durch folgende Radikalkur gelöst werden: „Es sei denn, die Politik reißt das Steuer erneut herum.“
Ein weiterer sehr arglistiger Euphemismus, denn die Metapher vom „Steuerherumreißen“ bedeutet nichts anderes, als das Deutschland in eine Schulden-, Haftungs-, Inflations- und Transferunion hineingezwungen werden soll.

!!! Ein solches Europa, verehrter Eric Bonse, auch wenn es eines Tages noch so demokratisch organisiert sein sollte, wollen wir nicht !!!

  • Antworten
Bakwahn29.12.2011 | 23:03 Uhr

einige Nachträge:

Auch die verbreitete und in der Öffentlichkeit immer wiederholte Formulierung von der „europäischen Transferunion auf Kosten des deutschen Steuerzahlers“ ist eine beschönigende Umschreibung. Es betrifft nicht nur den deutschen Steuerzahler, sondern die gesamte deutsche Volkswirtschaft mit all den massiven negativen Folgen für uns alle. In einer solchen Schulden-, Haftungs-, Inflations- und Transferunion würden ungezählte Milliarden unserer Volkswirtschaft entzogen und in die Schuldenstaaten gepumpt. Das ergäbe einen unerträglichen Wohlstandsverlust bei uns, und in den Empfängerländern würden die Geldzuflüsse die notwendigen Reformen nur blockieren. Es würde nur noch schlimmer.

Übrigens hat sich in Deutschland der Länderfinanzausgleich längst ad absurdum geführt: es gibt nur noch drei Geber- aber 13 Empfängerländer. Bremen und Berlin denken überhaupt nicht daran, ihre Defizite abzubauen und Maßnahmen durchzusetzen, die die wirtschaftliche und damit die finanzielle Situation ihrer Länder verbessern könnten.

Wer mehr lesen möchte, hier sind meine Kommentare zu einem Aufsatz des Chefredakteurs des Cicero Michael Naumann mit dem Titel: Das Loch von Athen.
Happy reading:
http://www.cicero.de/kapital/griechenland-euro-rettung-das-loch-von-athen/46264

  • Antworten
Bakwahn29.12.2011 | 23:05 Uhr

Drei Feuerroben für den EURO

Sehr geehrter Herr Bonse,
die Feuerproben mag es geben und wahrscheinlich werden sie auch irgendwie bestanden. Das sind relativ kurzfristige Probleme. Die
langfristige Frage lautet: "was geschieht mit EUROPA, wenn Deutschland nicht mehr zahlen "kann".?
Halten wir fest: die sog. "Transfer-Union" haben wir längst. Und, wenn
man mal von den einzelnen Betrügereien absieht, mit guten Gründen.
(Siehe fRANZ-ULRICH WILLEKE: "Deutschland, Zahlmeister der EU". Seit
der Wiedervereiigung zahlt Deutschland (real) etwa die Hälfte der
Umverteilungmaschine via Brüssel).
Halten wir fest: auch wenn Deutschland nur Vorteile (alle Vorteile!) der Einführung des EURO hat (hätte), der Euro wäre nie eingeführt worden, wenn die "DM" so "schwach" wie DRACHME/LIRA/PESETE/ESCUDO und in Grenzen FRANC, gewesen wäre. Bitte nicht zu "naiv" sein.
(Die stabile/starke DM wurde aber von den Deutschen erarbeitet, nicht von den Griechen).
Halten wir fest: die überwiegende Zahl der europäischen Länder wird riesige Probleme haben, wenn Deutschland ökonomisch nicht mehr funktioniert. Deutschland soll - so sieht es ein Entwurf vor - in Zukunft Strafe zahlen, wenn es mehr als 6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts als Leistungsbilanzüberschuß ausweist. Dabei wird völlig übersehen, dass Deutschland z.B. pro Kopf mehr importiert als FRANKREICH, dass die Deutschen riesige Summen als Touristen im Ausland, (auch in Europa!) ausgeben, dass die deutschen Produkte kaum deshalb gekauft werden weil sie 'billig' sind, sondern weil sie (meist) technisch besser (anspruchsvoller) sind.
Halten wir fest: Griechenland hat so gut wie keine international wettbewerbsfähigen Produkte und ist auch im Tourismus in vielen Belangen nicht mehr international wettbewerbsfähig.
Halten wir fest: Griechenland hat über 600 Millionen Dollar "Marshall-Plan-Hilfe" erhalten. (Deutschland 1,4 Milliarden).
Griechenland hat von 1976 bis 2008 133,5 Milliarden EURO/ECU/RE via Brüssel erhalten. Griechenland hat über 300 Milliarden EURO per Staatschuldverschreibung eingesammelt. (Geld, das praktisch 'weg' ist, auch wenn man das jetzt 'Umschuldung' bzw. 'Schuldenerlaß' nennt, um einen Banken-Crasch zu verhindern. Griechenalnd hat über 100 Milliarden sog. "TARGET 2"-Gelder, praktisch eine Art Kontokorrentkredit der Bundesbank via EZB an die griechische Nationalbank, erhalten. Griechenalnd ist 'pleite'. Jetzt kann man nur noch darüber streiten, wieviel hundert Milliarden EURO es kostet und wie lange es dauern wird, um Griechenland wieder zu einem ökonomisch wettbewerbsfähigen Mitglied der EU zu machen.
Zur Zeit kann Griechenland mit seinen Steuereinnahmen seinen 'normalen' Staatshaushalt (Beamte/Rentner/Armee/Infrastruktur etc.) - ohne Zins- und Tilgunszahlungen - nicht bestreiten.
Zur Zeit kann Griechenland seine Importe nicht mit seinen Exporten (Dienstleistungen) bezahlen.
Halten wir fest: wenn die sog. "geburtenstarken Jahrgänge Deutschlands 'in Rente' sind, spätestens ab 2030, dann wird Deutschland, das ja auch 2011 und 2012 immer noch aufschuldet, d.h. seine Zinsen mit neuen Schulden bezahlt, ca. 25 Millionen Rentner, davon ca. 4 Millionen Pflegefälle, davon wiederum ca. 2 Millionen 'dement' haben.
Halten wir fest: für die andern Europäer ist Deutschland "an allem schuld", aber sie werden sich wundern, wenn Deutschland "nicht mehr schuldig" wird, d.h keine Exportüberschüsse mehr hat, d.h. seine Bürger keine Auslandsreisen mehr machen können. Und den Deutschen sei gesagt, dass man sie langfristig per Inflation so wie 1923 und 1945 enteignen wird.
Aber die Welt wird deshalb nicht untergehen.
CARPE DIEM und immer fröhlich bleiben.

  • Antworten
Wolfram Wiesel30.12.2011 | 09:23 Uhr

Heiter bis wolkig

Alles halb so wild, die Untergangspropheten übertreffen sich in dunklen Vorahnungen, so daß selbst halbwegs optimistische Zeitgenossen die Lage düsterer sehen als sie ist. Italien ist auf einem guten Weg, Portugal erfüllt durch einen Finanztrick die europäischen Vorgaben bem Abbau der Neuverschuldung, Spaniens Defizit ist nüchtern betrachtet im internationalen Vergleich gering und Griechenland müsste eigentlich nur die fälligen Steuern eintreiben um sich zu finanzieren. Irland schafft es sowieso und braucht bis 2013 keinen Rettungsschirm mehr. Natürlich werden die Untergangsszenarien noch für eine Weile den Eurokurs drücken, was wiederum gut für den Export und die europäische Wettbewerbsfähigkeit ist. Deutschland verdient bisher an Bürgschaften und Krediten und es gibt keinen Grund, warum es nicht so weitergehen sollte. Die Wachstumsprognosen fallen sowieso immer zu pessimistisch aus. Irgendwann haben wir dann die gewünschte Stabilitäts- und Fiskalunion und können uns um die wahren Schuldensünder der Weltwirtschaft kümmern, Japan und die USA. Dann kann auch die zweite Ursache der "Krise" beseitigt werden, die unregulierten Finanzmärkte. Alles wird gut.

In diesem Sinne, einen guten Rutsch!

  • Antworten
Christoph Kuhlmann30.12.2011 | 11:42 Uhr

Das Problem ist der "deutsche" Euro

Der Euro ist eine Rentnerwährung. Er erzeugt automatisch einen deflationären Wirtschaftsraum, weil er die immer von Auf- und Abwertungsprozessen (und damit auch von Inflation) begleitete wirtschaftliche Dynamik regelrecht unterbindet. Er soll Inflation verhindern, indem er Wachstum verhindert und damit Er-werbschancen vernichtet. Eine solche Währung muss jede Wirtschaft abwürgen, auch die deutsche. Nur kann es sich Deutschland leisten, die Dynamik (d.h. den Einkommenszuwachs der gut abgesicherten Schichten) über Jahrzehnte durch Abwertung der Einkommen der unteren Schichten, insbesondere durch permanent steigende Sozialabgaben und durch Leistungskürzungen (also durch eine auf die Sozialkassen konzentrierte Inflationierung) und natürlich durch Flexibilisierung, also durch systematische Lohnkürzungen, zu finanzieren. Wachstum kann dann bestenfalls noch von außen, also durch den Export, kommen. Länder, die, wie Frankreich, den Sozialstaat für Alle propagieren, aber auch Länder wie die USA, die eine dynamische Wirtschaft benötigen, um sändig neue Erwerbs-Chancen zu schaffen, brauchen eine flexible Währung (wie alles so kam und warum und was noch kommt).

  • Antworten
Dieter Staas30.12.2011 | 12:29 Uhr

Baakwahn sei Dank für seine Worte

...aber es wird nichts nutzen. Der Staat - die europäischen Schulden-Staaten - werden schon Wege finden, um letzlich auf Kosten der "Braven" zu leben. Hoffnung gibt's da nicht wirklich.
Also denn: CARPE DIEM und immer fröhlich bleiben.
Hauptsache "gesund". Auf der 'TITANIC' waren ja auch alle gesund.....und es haben auch welche überlebt.

  • Antworten
Wolfram Wiesel30.12.2011 | 13:32 Uhr

Es ist noch nicht zu spät, aber die Zeit drängt.

Wehrt Euch! Die Parteiendiktatur ist dabei unsere freiheitlich, demokratische Grundordnung aufzulösen.
Artikel 20 Grundgesetz:
"(1) Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat.
(2) Alle staatsgewalt geht vom Volk aus. Sie wird vom Volke in Wahlen und Abstimmungen und durch besondere Organe der Gesetzgebung, der vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung ausgeübt.
(3) Die Gesetzgebung ist an die verfassungsmäßige Ordnung, die vollziehende Gewalt und die Rechtsprechung sind an Gesetz und Recht gebunden.
(4) Gegen jeden der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist."
Wehrt Euch, wir sind das Volk!

  • Antworten
Immanuel30.12.2011 | 13:37 Uhr

In aller Kürze und mit

In aller Kürze und mit höchster Geschwindigkeit geschrieben, weil ich mit meiner Tochter in die Düsseldorfer Altstadt einen Saufen gehen möchte.

@ Wolfram Wiesel
Danke für die Blumen.

Auch Ihr Kommentar beschreibt die finanztechnische Realität der EU und der Eurozone in markigen Worten sehr treffend. Kann mich dem anschließen.
Wo kann ich den von Ihnen genannten Aufsatz finden?
Franz-Ulrich Willeke: "Deutschland, Zahlmeister der EU"

@ Christoph Kuhlmann
Ich teile Kuhlmanns Optimismus nur in sehr beschränktem Maße:

(1) Irland hat als einzige Volkswirtschaft die Chance, die durch seine Immobilienblase hervorgerufene Bankenkrise zu meistern. Warum? Weil die irische Ökonomie sehr leistungsstark, produktiv und wettbewerbsfähig ist! Irlands Problem ist also nicht die Staatsverschuldung, sondern eine Bankenkrise, da viele Banken auf faulen Krediten sitzen, die nie wieder zurückkommen.

(2)Spanien: Der Grad der Verschuldung im Verhältnis zum BIP als einziges Kriterium ist unzureichend. Man muß auf die Wettbewerbsfähigkeit der Volkswirtschaft insgesamt schauen.Und da hat Spanien eher schlechte Karten. Beispiel Tourismus: Heute ist ein Urlaub in Spanien teurer als an der deutschen Ostseeküste.
Weitere konkrete Einzelheiten in meinen Kommentaren bei diesem Link:

http://www.cicero.de/berliner-republik/wir-lieben-europa-und-noergeln-am-euro/46604

(3)Italien:
Bin mal gespannt, wie die Italiener im Jahre 2012 die anstehenden Milliardensummen an Rückzahlungen meistern wollen.

Zu Griechenland:
Verehrter Christoph Kuhlmann, wie es um die Steuereintreibung in Griechenland bestellt ist, sieht man an diesem Bericht; happy reading:

http://www.welt.de/politik/ausland/article13789195/Ruecktritte-Athener-Steuerfahnder-geben-auf.html

(4)Die griechische "Volkswirtschaft":
Wie es um die griechische Volkswirtschaft bestellt ist, zeigte schonungslos ein kurzer Fernsehbericht auf, der vor gut 2 Monaten gesendet wurde. Es ging um Reparaturarbeiten an der Athener U-Bahn. Der leitende Ingenieur (LI) zeigte dem Kamerateam den Sanierungsbedarf an Gleis- und Signalanlagen, an Rolltreppen, Verkabelung und Schaltkästen sowie den Bedarf an neuer Steuerungssoftware etc. Am Ende der Führung stellte der LI nüchtern-sachlich, aber auch mit einem Schuß unverhohlenem Sarkasmus fest:

"Wenn wir das Geld aus den Fördertöpfen der EU bekommen, dann kommt dieses Geld in unserer Wirtschaft gar nicht an, es kommt Firmen und griechischen Arbeitnehmern gar nicht zu Gute. Denn wir haben überhaupt keine griechischen Firmen und Unternehmen, an die wir diese Aufträge vergeben könnten! Es existieren keine griechischen Firmen, bei denen wir das benötigte Material einkaufen könnten und es gibt keine Firmen, die wir mit den Reparaturarbeiten beauftragen könnten! Wir sind gezwungen, die Arbeiten ausländischen Unternehmen zu übertragen."

Aber von den ca. 4 Millionen griechischen Arbeitnehmern sind 1 Million als Beamte, Angestellte und Arbeiter im öffentlichen Dienst beschäftigt.
Fazit:
!!! Griechenland verfügt überhaupt nicht über das, was man üblicherweise als Volkswirtschaft bezeichnet!!!

Wie wollen die Griechen diese gigantische Schuldenlast abtragen? Die schaffen doch noch nicht einmal die Zinszahlungen. Griechenland ist pleite!
Und jetzt gut Schluck: Altbier, das leckere Dröpke.

Bakwahn
Hamburg Bangkok Düsseldorf

  • Antworten
Bakwahn30.12.2011 | 20:34 Uhr

Drei Feuerproben für den EURO

Wenn sich die Zeitungsmeldung bewahrheitet, dann will Griechenland die Banken dazu zwingen - freiwillig - auf 75% ihrer Forderungen zu verzichten.
Ein wichtiger Hinweis für Investoren (vor allem aus Asien) in Zukunft
europäische Anleihen zu kaufen. Vor allem Anleihen von den sog. PIIGS-Ländern, die in den nächsten Monaten ca. 500 Milliarden EURO "refinanzieren" (siehe BAKWAHN) müssen.
Wenn die Meldung stimmt, dann hat die EU Griechenlands Katasterwesen jahrelang bezuschußt, aber Griechenland kann dem Staat gehörende Immobilien nicht verkaufen, denn es mangelt an verlässlichen Katasterunterlagen.
Noch mehr Beispiele gefällig? Können im Dutzend nachgereicht werden!
Aber nun soll (gem. BRÜSSEL), der sog Eigenanteil bei der Finanzierung von Kohäsionsprojekten auf fünf Prozent gesenkt werden.
Man macht also "mehr von demselben", d.h., obwohl Griechenland das
meiste Geld aus Brüssel erhalten hat und trotzdem wirtschaftlich am
schlechtesten dasteht, will man nun noch mehr Geld (von anderen, dem
Stuerzahler anderer Länder) "hineinpumpen".
So soll die EU, der EURO gerettet werden.
Einen "GUTEN RUTSCH" ins Jahr 2012.

  • Antworten
Wolfram Wiesel31.12.2011 | 12:15 Uhr

Drei Feuerproben für den Euro

Sehr geehrter Herr Bakwahn:
"FRANZ-ULRICH WILLEKE": "Deutschland, Zahlmeister der EU", OLZOG-Verlag, München 2011". ISBN 978-3-7892-8332-1
Nicht, dass Deutschland zahlt ist dsas Problem, denn dafür lassen sich ja nachvollziehbare Gründe anführen, sondern dass so getan wird als ob Deutschland kaum etws zahlen würde und der große (eigentlich der einzige) Profiteur von EU und/oder EURO wäre. Und: "Die Deutschen sind schuld" (Frau LAGARDE, Herr PRODI u.a.).
Schn 1990 veröffentlichete (angeblich?) LE FIGARO das sarkastische Bonmot: "Maastricht ist Versailles ohne Krieg (Die Deutschen zahlen)".
Also: CARPE DIEM UND FRÖHLICH bleiben ....

  • Antworten
Wolfram Wiesel01.01.2012 | 11:35 Uhr

Der Grenznutzen der Erkenntnis

Über die Eurokrise ist schon so viel gesagt und geschrieben worden, dass sie langsam „schmeckt“ wie ein verdorbenes Fleischgericht. Und doch kann man nach einer Weile den Appetit auf den gleichen „Braten“ wieder anregen. Hier scheint das Gesetz vom abnehmenden Grenznutzen nicht zu funktionieren.

Obwohl jeder weiß, dass die Zukunft unberechenbar ist, scheint sich keiner mit diesem Tatbestand abfinden zu wollen. So liegt es nahe, dass alle mit irgendwelchen Vorhersagen unterwegs sind. Ängste rationalisieren nennt man das. Das führt dazu, dass professionelle „Vorhersager“ tatsächlich meinen sie hätten ein Ereignis richtig vorausgesagt, nur weil es zufällig eingetreten ist. So verhindert offenbar das Kaffeesatzlesen ein weiteres Absinken des Grenznutzens dieser Erkenntnis.

  • Antworten
Heinz Pelzer02.01.2012 | 09:07 Uhr

Euro-kDiskussion, Grenznutzen und Zukunft für Herrn PELZER

Weil, wie wir wissen, die Zukunft ungewiss ist, sollen wir wohl nicht mehr darüber diskutieren, vielleicht auch spekulieren. Oder?
Tja, wenn man denn immer wüßte, wann, bei wem, der Genznutzen ereicht ist. Herr PELZER weiß das sicherlich.
Man kann natürlich den Marsch durch die Wüste ohne Wasser beginnen.
Wenn man will.
Man kann natürlich die finanziellle Rettung Griechenlands ins Auge fassen, ohne darüber nachzudenken, was das kosten wird.
Wenn man will.
Der Grenznutzen für solche Überlegungen ist eben zu gering.
Auch gut.
Also: CARPE DIEM und immer fröhlich bleiben. Und an den abnehmenden Grenznutzen von Fröhlichkeit denken ....

  • Antworten
Wolfram Wiesel02.01.2012 | 12:45 Uhr

Egal was Politiker zur krise

Egal was Politiker zur krise so ablassen um die Völker zu beruhigen, es trat immer das gegenteil ein. Wenn Wullf, Merkel,Schäuble und Rösler behaupten alles sei beherrschbar, dann ist das schlichtweg gelogen und soll nur zur Beruhigung dienen, damit keiner auf die Idee kommt sein Geld auszugeben, bevor es nichts mehr wert ist.

  • Antworten
reiner tiroch02.01.2012 | 17:10 Uhr

Die Irrlichter der Propheten

@ Wolfram Wiesel

Lieber Wolfram Wiesel,
ironisch gesprochen heißt einen Plan machen, den Irrtum gegen den Zufall auszutauschen, das wusste schon Eugen Roth. Damit meine ich nicht, dass sich alle ungeplant in die Zukunft begeben sollen. Ganz im Gegenteil, jeder der sich darauf einlässt muß im Vorgriff einen Plan machen, sonst braucht er sich erst gar nicht zu bewegen.

Was mich stört sind die vielen prophetischen Prediger, die glauben sie können die weitverzweigten unendlichen Kausalketten des wirtschaftspolitischen Geschehens sozusagen in einer Gesamtschau von Anfang bis weit in die Zukunft zielgenau beschreiben. Diese Vorherseher, die offenbar jede Weggabelung kennen. Die nicht einsehen wollen, das sich alle in einem offenen System befinden. Ein System, das von den Menschen einen Prozess der kleinen Schritte verlangt. Dieser fordert von ihnen an jeder neuen Weggabelung erst einmal stehen zu bleiben und zu überlegen, ob der alte Plan noch mit den neuen Realitäten übereinstimmt und wenn nicht, ob er geändert werden muß.

Diese induktive Vorgehensweise ist den meisten Vorhersehern völlig fremd. So erscheint Ihnen jede Planänderung als ein Zickzackkurs. Offenbar nicht wissend, dass kein Plan ein göttliches Expose ist, dessen Weg immer nur bequem gerade ausführt. Nur diese Propheten meine ich. Es sind Personen, die sich lieber mit ihrem scheinbaren Ganzheitsblick in den luftigen Höhen der Metaphysik aufhalten und dort ständig herumspekulieren statt den Boden der Realität mit kleinen Schritten zu betreten um das Gefühl des Landens zu erlernen ohne dabei das weit entfernte Ziel aus den Augen zu verlieren.

In diesem Reigen der Vorherseher ist vor allem Roubini zu nennen, dieser ständige „Katastrophenmelder“, der jedem Menschen suggeriert er sei im Besitz aller Informationen und könne sozusagen wie die Spinne im Netz jede Regung des Netzes von Anfang bis zum Ende übersehen. Er glaubt daran wie an eine Berufung, nur weil er in seiner Glaskugel den Subprime-Crash in den USA richtig vorausgesagt hat. Ungeachtet der vielen nicht eingetretenen Vorhersagen wie VerySeriousSam treffend in seinem Kommentar bemerkt.

Roubini wendet dabei er ein einfaches Prinzip an: Unverblümt posaunt er jeden Tag eine neue Katastrophe in die Welt, so dass irgendwann die ganze Welt davon überschwemmt wird. Das ist so, als wenn ich überall Tretminen auslegen würde und anschließend predige, dass eine Katastrophe bevorstehe. Welch ein Wunder! Nur darauf wollte ich kritisch hinweisen. Ich hoffe, ich habe die Dinge etwas zurechtrücken können.

  • Antworten
Heinz Pelzer02.01.2012 | 22:41 Uhr

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