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Berliner Republik

PiratenDigital naiv, neoliberal und gefährlich

Von Volker Schmidt20. September 2011
avesnow/flickr
Piraten, Piratenpartei, Abgeordnetenhaus, Berlin, neoliberal, gefährlich, naiv
"Johoho, und ne Buddel voll Rum" – In der Bundespolitik wirds "piratisch".
Schrift:

Alle haben die Piraten lieb, sympathisch sind sie und vielleicht ein wenig unbedarft. Aber kaum ein Wähler hat in deren Programm geschaut. Dort finden sich neben allgemeinen Floskeln und allerlei Unsinn auch Forderungen, die zeigen, Piraten sind längst nicht so selbstlos, wie sie sich geben. Im Kern sind sie eine neoliberale Partei. Ein Kommentar

Seite 1 von 2

Eines ist toll an den Piraten: Sie liefern Journalisten so schöne Metaphern. Jetzt haben sie also das Abgeordnetenhaus in Berlin „geentert“ – johoho, und ne Buddel voll Rum. Seltsam: Neoliberale Klientelparteien sind doch eigentlich gerade auf dem absteigenden Ast. Denn dies sind die Piraten im Kern. Ihr Hauptziel ist es, im Internet ungestört auf Kaperfahrt gehen zu können, mit möglichst wenig Regeln und ohne großes Bedauern für die, die nicht mitkommen.

Ein buntes Völkchen sind die Wähler der Piraten. Laut Infratest Dimap liefen neben vielen Nichtwählern vor allem Grüne, Linke und Sozialdemokraten zur schwarzen Fahne über. Ob die wissen, wen sie da gewählt haben?

Wer lesen kann, ist klar im Vorteil, Parteiprogramme zum Beispiel. Im Programm der Bundes-Piraten stehen drei große Kapitel zu Urheberrecht (weitgehend abschaffen), Patentwesen (dito) und digitale Kommunikation (für alle zugänglich machen) im Mittelpunkt und damit drei Kernthemen einer Technokratenpartei. Dafür stellen sich die Berliner Piraten mitten ins Leben. Ihr Grundsatzprogramm beginnt mit dem Recht auf Rausch.

Richtig ist, die Piraten durchpflügen politische Gewässer, die andere Parteien sträflich vernachlässigen. Gleich das Kapitel ihres Programms ist „Mehr Demokratie“ überschrieben. Wenn die Existenz der Freibeuter-Partei einen Sinn hat, dann den, Bürgerrechtsliberale jeglicher Couleur an alte Werte zu erinnern: den Schutz der Freiheit des Einzelnen und seiner unveräußerliche Rechte sowie eine Demokratie, die diesen Namen verdient. Da legen die Segler unter schwarzer Flagge das Enterbeil in eine klaffende Wunde der Parteiendemokratie – um die Metapher mal so richtig auszukosten.

Anders sieht es in der Wirtschafts- und Sozialpolitik aus. Diesen Themen widmen sich die Jungpolitiker nur in einem winzigen Kapitelchen weit hinten. Es trägt die Nummer elf und beschränkt sich auf die Forderung nach einem bedingungslosen Grundeinkommen für alle. Nun muss man kein Marxist sein, um zu wissen, dass Nachdenken über die Gesellschaft zwecklos bleibt, wenn man die materielle Basis ausblendet. Aber offenbar sitzt auf diesem Auge die schwarze Piratenklappe und verhindert den Durchblick.

Oder ist es vielleicht doch eher so, dass – Datenschutz hin, Grundeinkommen her – die Politik der Piratenpartei auf die Durchsetzung eigener Interessen gerichtet ist und auf einen Markt, der alles regelt? Das Berliner Wahlprogramm ist denn auch geprägt von der Forderung nach Deregulierung und freiem Wettbewerb. Einzig mit ihrer Kritik an der Privatisierung der Berliner Versorgungsbetriebe setzen sie einen kurzen anderen Akzent. Sonst geht es um Sonderprobleme der digitalen Bohème, um mehr Urbanität für die Kreativwirtschaft oder die Abschaffung der Pflichtmitgliedschaft in der Industrie- und Handelskammer. Das klingt nach Klientelpflege vom Feinsten – das immerhin können die Nachwuchspolitiker schon... Sind die Piraten also doch nicht so selbstlos, wie sie vorgeben? Steckt in der Piratenpartei ein neoliberaler Kern?

Bundeschef (oder metaphernmäßig Piratenkapitän) Sebastian Nerz kennt die Erklärung dafür, warum so viele vor allem junge Menschen (bei den unter 34-Jährigen 15 Prozent) ihr Kreuzchen bei den Freibeutern setzten: „Die Menschen vertrauen den etablierten Parteien einfach nicht mehr.“ Es mag sein, dass es für dieses Misstrauen den einen oder anderen Grund gibt – aber welchen gibt es denn, der Piratenpartei zu trauen?

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Ganz ehrlich man kann bei allen Parteien das Kotzen bekommen. Da sind die Piraten allerdings das kleinere Übel.

  • Antworten
Nobody´s perfect21.09.2011 | 09:17 Uhr

Allerdings

Für mich sind CDU, FDP, SPD und Grüne total verbrannt.
Da bleibt nur noch wenig Auswahl!

  • Antworten
Ralph Eisermann22.09.2011 | 16:50 Uhr

Was sollte denn, die

Was sollte denn, die Konsequenz daraus sein? Junge Naive blindlings wurschteln zu lassen?
Es kann einem manchmal vorkommen als hätte sich ein nicht unbeträchtlicher Teil der Bevölkerung in GZSZ oder ähnliches verirrt - als gäbe es keine Probleme von einer gewisssen Relevanz zu lösen und man müsste sich die Welt nur schön denken wie in einem Schülerzeitungsbeitrag zu 'Was würde ich denn anders machen, wenn ich groß bin und bestimmen könnte'.

  • Antworten
Carlo Siemers24.09.2011 | 17:23 Uhr

Wirtschaftskompetenzsimulation

Alle ereifern sich nun über die Fehlschätzung von Herrn Baum, doch die Wirtschafts- und Schuldenschätzkompetenz von FDP-Spitzenpolitikern ist doch keinen Deut besser, wie dieser peinliche TV-Auftritt zeigt: http://www.youtube.com/watch?v=1gVSRXrJVjk

  • Antworten
Silvana21.09.2011 | 09:50 Uhr

Meine Güte...

... weshalb denn so pessimistisch? Man sollte die Piraten erstmal machen lassen. Hinterher kann man ggf. meckern. Ich bin eher zuversichtlich. Vor allem mehr Transparenz täte unserem Staatsapparat (bzw. Land) mal sehr gut!

  • Antworten
dangeldong21.09.2011 | 09:52 Uhr

Widerlicher Artikel

Keine Ahnung, warum Volker Schmidt so ein großes Problem mit den Piraten hat. Es scheint mir jedenfalls schonmal keine Klarheit darüber zu herrschen, wie sich ihr Name entwickelt hat.

Dass eine Wissenslücke zum Schuldenberg Berlins mit einer App gelöst wird, die dieses Wissen jetzt ständig aktualisiert und für eine breite Masse der Bevölkerung zugänglich macht, ist einzig und allein positiv zu bewerten. Hier von Lernrestistenz zu sprechen ist an den Haaren herbei gezogen. Das Gegenteil ist der Fall.

Dass es einen kostenlosen, sprich steuer.- bzw. kopfpauschalfinanzierten (durch alle Bewohner einer Stadt) öffentlichen Nahverkehr geben muss, ist in Zeiten der zunehmenden Urbanisierung nur wünschenswert und zukunftsweisend. Dass dieses Konzept sonst nirgendwo diskutiert wird zeigt nur die Ignoranz der etablierten Politik.

Das Leistungsschutzrecht soll außerdem so verändert werden, dass den Verantwortlichen mehr Schutz zukommt. Also zB Autoren und Künstlern mehr, als Verlagen. Das ist jedenfalls die Intention hinter der Forderung. Und das ist eine Forderung nach mehr Demokratie, die auch Sie hier wieder ignorieren.

Genauso, wie die Internetgemeinde den Plagiator und Zensursula enttarnt haben, wird die Zukunft mit steigender Transparenz zu mehr Mitsprache bei der Entwicklung von Gesetzen führen. Etwas, was Sie sich offensichtlich nichtmal vorstellen können, geschweige denn für wünschenswert halten.

Sie haben die Zeichen der Zeit nicht erkannt. Das ist genau der Punkt, warum es die Piraten gibt.

  • Antworten
Ben21.09.2011 | 09:57 Uhr

Transparenz

@Ben: "Steigende Transparenz und mehr Mitsprache bei der Entwicklung von Gesetzen" kann ich mir sehr wohl vorstellen, ich halte es auch für wünschenswert. Das steht im vierten Absatz. Für besonders demokratisch halte ich es übrigens nicht, von der eigenen Meinung abweichende Texte als "wi(e)derlich" zu bezeichnen. Die Herkunft des Namens Piratbyrån ist mir geläufig, was wollen Sie damit sagen?

  • Antworten
Volker Schmidt21.09.2011 | 10:27 Uhr

Antwort

Es gibt eine Anti-Piraten-Debatte, die ich widerlich finde. Anstatt zu begrüßen, dass Internetkompetenz und eine demokratische Entwicklung, die sich in Wikipedia, Arabischem Frühling, politischen Diskussionen auf Facebook, usw. manifestiert, in den politischen Alltag Einzug findet, wird überall nur kritisiert. Ich will sagen, dass die Piraten eben so heißen, weil das historisch so begründet ist. Ihr Artikel baut ja zum Großteil auch darauf auf, sich über den Namen lustig zu machen. Das klingt jetzt, als wäre ich persönlich angegriffen. Das bin ich nicht, ich bin auch kein Aktivist der Piratenpartei. Ich bin aber sehr wohl dafür, dass das Internet den politischen Betrieb verändert. Das bspw. Gesetzestexte online gestellt werden und dann von Privatpersonen gegengecheckt werden können. Diese Transparenz ist nicht nur die Antwort auf die immer größere Komplexität der (wirtschaftlichen, rechtlichen, politischen) Welt, sondern auch DAS Gegengewicht gegen den immer stärker werdenden Lobbyismus, der unsere Grundrechte bedroht - angefangen bei Atom bis zum ESM. Und ich habe den Eindruck, dass das keiner der etablierten Journalisten, die ich in den letzten Tagen gelesen habe, so sehen will oder kann oder darf.

  • Antworten
Ben21.09.2011 | 11:00 Uhr

Vorbei

Ich sehe schon, ich habe in Übereiferung an der Thematik vorbei geschrieben, weil Sie ja bereits zugestimmt hatten :) Dann eben ein anderer Punkt: Freier ÖPNV für alle. Wir überweisen Milliarden an Banken, Staaten usw. aber im Kleinen wird darauf geachtet, dass auch ja jeder seinen Fahrpreis zahlt. Also ich habe schon lange eine Telefonflat und trotzdem ist keine der großen Telefonfirmen pleite. Und ich möchte auch den Öffentlichen Rundfunk nicht missen. Also: Zwangsflat auf Öffentliche. Wenn 3,5 Mio. Berliner (plus zB Touristen über eine Übernachtungsabgabe) das finanzieren, was bisher nur der fahrende Anteil tut, sinken die individuellen Kosten. Und das kann sehr wohl sinnvoll sein, weil es eine Antwort auf die immer stärkere Urbanisierung ist. Und weil es einfach lächerlich ist das weiterhin so kleinkariert abzukassieren. Dann werden auch Leute, die kleine Strecken mit dem Auto fahren, weil sie die 2,30€ stören das in Zukunft mit der Bahn machen. Auch der kostenlose Zugang zum Internet kann interessant sein. Vielleicht schafft es ein Hartz4-Kind so sich mehr zu bilden als ohne. Immerhin ist das Netz eine nie dagewesene Quelle von Informationen. Sowas wird irgendwann ganz selbstverständlich sein. Im Übrigen ist das auch Sozialpolitik. Beim Grundeinkommen kann man geteilter Meinung sein. Aber weniger, weil es nicht finanzierbar wäre, sondern mehr, weil es erst recht die neu-feudalistischen Zustände in diesem Land zementieren würde. Was spricht aber dagegen, diese ganze überbordende Bürokratie abzuschaffen und zu sagen: jeder bekommt soundsoviel und das war's. Ob die "Wirtschaftsweisen", die die Krise 2008 nicht haben kommen sehen, ausrechnen können, ob das sinnvoll ist oder nicht bezweifle ich. Fakt ist abseits von den Details jedenfalls, dass die Piraten für eine Demokratiebewegung stehen, die im Netz schon längst präsent ist. Und die etablierten Medien halten es unten.

  • Antworten
Ben21.09.2011 | 12:10 Uhr

Naiv und gefährlich

Lieber Ben,
gut gesprochen.

Widerlich ist in diesem Fall ein Euphemismus. Ich würde das anders nennen. Naiv und gefährlich ist es wenn ein Politredakteur einer einflussreichen Zeitung den Wählerwillen von jedem 11. Berliner verächtlich runterputzt. Ohne sich offensichtlich Gedanken zu machen, warum es wichtiger ist, dass in der Politik endlich wieder einen Neustart beim Denken statt findet anstelle der immer gleichen Denkverbote alten Stils. Falls es Herrn Schmidt nicht gelingt selbst nachzudenken, hätte er doch seiner journalistischen Sorgfaltspflicht nachkommen können und zum Beispiel beim Kollegen von der Wirtschaftswoche acht gute Gründe finden können, warum die Piraten wirklich wichtig sind:
http://www.wiwo.de/technik-wissen/acht-gruende-fuer-die-piratenpartei-399927/

Das die bisherige Politik unfähig ist, die Finanzierung der Staatsaufgaben ohne Schulden durchzuführen kann man den Piraten nicht anlasten. Geld ist schließlich genug hier. In Deutschland. Seit Jahrzehnten Exportweltmeister. Jedes Jahr Überschüsse. Viele, viele Milliarden Privatvermögen. Steueraufkommen hauptsächlich durch abhängig Beschäftigte. Zinszahlung des Staates hauptsächlich an Vermögende. Rettungsschirme werden nur die ganz großen Probleme aufgemacht, dann aber richtig. Wenn da nichts mehr übrig bleibt für Kindergärten und Schwimmbäder, dann waren die Piraten schuld. Das, lieber Ben möchte ich nicht widerlich nennen, sondern böswillig um nicht noch schlimmere Ausdrücke zu gebrauchen.

Nein, durch Transparenz wird nicht alles gut. Ohne Transparenz aber kann aber nichts besser werden.

Lieber Herr Schmidt, vielen Dank für diesen Artikel. Habe soeben meinen Mitgliedsantrag bei den Piraten ausgefüllt.

PS Die Zwangsmitgliedschaft in der IHK mag Ihnen ja egal sein. Ist aber verfassungsrechtlich und europarechtlich bedenklich und verstößt klar gegen Artikel 20 der UN-Menschenrechtscharta.

  • Antworten
Markus30.09.2011 | 01:03 Uhr

Autoren und Künstler soll

Autoren und Künstler soll also mehr "Schutz zukommen" als den Verlagen. Bislang kämpfen aber die Verlage für mehr Schutz für ihre Autoren und Künstler.Wieviele ernsthafte Autoren, Künstler, Photographen, Musiker haben sich eigentlich mit der Urheberrechtsposition der PP solidarisiert? Und wo findet man sie auf den Wahllisten? Sollte es sich doch nur um eine klassische Konsumentenpartei handeln?

  • Antworten
michael naumann14.03.2012 | 17:36 Uhr

Und zur "wirtschaftlichen Kompetenz" noch ein kleiner Exkurs

http://gedankenerbrechen.wordpress.com/2011/09/21/von-den-vorteilen-fehlender-wirtschaftskompetenz/

  • Antworten
Ben21.09.2011 | 10:12 Uhr

Schlimm

Schlimm - das ist das Erste, was mir zu diesem Artikel einfällt.

Ein zorniger, selbsternannter "Piratenversteher" teilt nach allen Seiten aus, ohne einen Ansatz von objektiver Berichterstattung erkennen zu lassen.

Die Zeit, die für diesen populistischen und effektheischenden Wortsalat verwandt worden ist, hätte man besser verwenden können.

  • Antworten
Sven21.09.2011 | 10:21 Uhr

Neoliberal ohne Wirtschaftspolitik??

Den Piraten wird hier also ernsthaft Neoliberalität vorgeworfen, obwohl der Autor die Programmpunkte zur Wirtschaftspolitik nivelliert. Neoliberalität bezieht sich aber im Kern auf eine liberale Geld, Güter und Dienstleistungspolitik (Wirtschaftspolitik), welche aber nicht vorhanden sein soll. Absurd!

Ein Grundeinkommen als Idee baut auf dem Capability Approach vom Wirtschaftsnobelpreisträger Amartya Sen auf. Die Schwächsten werden vor allem bezügl. ihrer Verwirklichungschancen in der Gesellschaft gestärkt, weswegen der Markt darüber hinaus liberaler gestaltet werden kann. Das mag allenfalls linksliberal, Post-neoliberal o.ä. sein.

Ein liberalerer Arbeitsmarkt (freiere Zuwanderung, Anerkennung von Bildungsabschlüssen etc.) der durch einen PiratenAnsatz geschaffen wird, macht ansich das Liberale der Partei auch weiterhin links gerichteter als das was allgemein mit Neoliberalismus assoziiert wird.

Steuern und Finanzen ist hochkomplex und eins der wichtigsten Werkzeuge von Regierenden. Eine neue Partei, die nicht zuerst neue Werte in die Politik trägt, sondern gleich Werkzeuge will ich gar nicht haben.

Bei alten bestätigenden Werten wie Demokratie hingegen ist Software als Instrument unverzichtbar geworden. Hier ist es aber auch dringend notwendig, schliesslich sind den Anderen die demokratischen Werkzeuge verloren gegangen.

  • Antworten
Stefan Füsers21.09.2011 | 10:44 Uhr

Quote?

Techniker, Naturwissenschaftler und Administratoren statt SozialpädagogInnen, StudienrätInnen, ErzieherInnen und JuristInnen.

Das ist keine Bedrohung sondern ausnahmsweise mal Logik und Offenheit in der Politik!

  • Antworten
conni21.09.2011 | 11:31 Uhr

beleidigte Leberwurst

Schön, dass man hier so viel Blösinn und etwas über die Piraten lesen kann, erfahren die Menschen mehr über sie, Forderungen eines Grundeinkommens, kostenloser öffentlicher Personennahverkehr, Recht auf Rausch, freies Internet alles neoliberal und wenn es das nicht ist, ist es nicht finanzierbar, gähn kann ich nur sagen.
Man kann die Piraten bald in der realen Welt des Parlamentes erleben und dann evtl. seine Giftpfeile abschießen

  • Antworten
Guenter21.09.2011 | 11:41 Uhr

"Im Programm der Bundes

"Im Programm der Bundes-Piraten stehen drei große Kapitel zu Urheberrecht (weitgehend abschaffen), Patentwesen (dito) und digitale Kommunikation (für alle zugänglich machen) im Mittelpunkt und damit drei Kernthemen einer Technokratenpartei. Dafür stellen sich die Berliner Piraten mitten ins Leben. Ihr Grundsatzprogramm beginnt mit dem Recht auf Rausch."

Allein diese Aussage zeigt doch wie wenig Ahnung der Autor des Artikels im Umgebung mit den Neuen Medien hat: es wird ein neues Urheberrecht, Patentrecht und eine freie digitale Kommunikation benötigt werden.
Das jetzige Urheberrecht funktioniert zwar hervorragend für die klassischen Medien, aber für die Welt 2.0 sind diese Regelungen nicht geeignet.
Genauso muss man sich die Frage stellen, ob die jetzigen Patente mehr schützen oder eher die Entwicklung bremsen.
Und das die Piraten sich stark damit auseinander setzen ist richtig und gut so! Ob die Lösungen dann die Vorschläge der Piraten sind, wird man sehen....

..aber getroffene Hunde bellen halt laut.

  • Antworten
Viola21.09.2011 | 12:14 Uhr

Dumme Analyse...

So ein herber Artikel erscheint eigentlich nur, nachdem das Ignorieren einer neuen Strömung nicht mehr funktioniert. Absolut lächerlich wie hier versucht wird, die Piraten in eine Ecke zu stellen. Aber macht nur weiter so, dann werden immer mehr Menschen aufmerksam, wie dumm die alten Denkstrukturen sind.

  • Antworten
bgetube21.09.2011 | 12:30 Uhr

Das Bedingungslose

Das Bedingungslose Grundeinkommen ist das Gegenteil von neoliberal. Und es ist eine monumentale Forderung, wie können Sie da sagen, die Piraten blenden die materielle Basis aus? Messen Sie die Substanz eines Programms an der Wortanzahl? Das BGE alleine ist substanzieller als die gesamten Wirtschaftsprogramme der anderen Parteien zusammen, die doch nur ihre anachronistischen Platitüden über die Schaffung von Arbeitsplätzen abgeben. Es geht darum, Arbeit und Einkommen zu trennen. Aber so etwas können andere Parteien noch gar nicht denken.

  • Antworten
B.21.09.2011 | 12:57 Uhr

Nicht gleicht beleidigt sein

Liebe Piraten und sonstige Pro-Piraten,

seid doch nicht gleich beleidigt. Der Bericht ist differenzierend und stellt die derzeitigen Zustände und unzulänglichen Fähigkeiten der Piraten offen und klar dar.

Muss muss hier ja nicht den Autoren oder den Artikel als widerlich bezeichnen - auch wenn man hier annonym posten kann...

  • Antworten
Hans im Glück21.09.2011 | 13:05 Uhr

Fehler

Die Piratenpartei hat sich vom bedingungslosen Grundeinkommen inzwischen abgewand!
Im Vordergrund steht nun ein anreizorientieres System, indem versucht wird, die Leistungsgesellschaft auf fast alle Bereiche aus zu dehnen.

So sollen z.B. Ärzte nach Erfolg bezahlt werden.

  • Antworten
pansy21.09.2011 | 13:53 Uhr

Unzulängliche Fähigkeiten?

Zuersteinmal habe ich nicht den Autor als widerlich beschrieben und mein Beitrag kann auch nicht so verstanden werden, wenn er ist mit "Widerlicher Artikel" überschrieben.

Weiterhin: Nur, weil einer sagt, er kennt sich mit etwas nicht aus, muss er nicht weniger Fähigkeiten in dieser Hinsicht haben, als jemand, der ständig vorgibt alles zu wissen. Mir ist jemand lieber, der selbstkritisch Fehler eingestehen kann (und anschließend an ihnen arbeitet). Diese ganze Verlogenheit ist gar nicht mehr auszuhalten.

Zweitens bin ich (wenn ich mich jetzt mal persönlich angesprochen fühlen soll), wie schon beschrieben, nicht beleidigt, sondern bestürzt über die ach-so-bürgerlich-freiheitliche Berichterstattung einer neue, demokratischen, und demokratisch gewählten Partei an dieser Stelle hier.

Und drittens tut Anonymität oder nicht nichts zur Sache. Volker Schmidt hätte meinetwegen auch gern ein Synonym, zB Karheinz Meier, verwenden können. Im Gegenteil. Der Autor ist jedem Kommentator hier erstmal überlegen, weil er das Recht hat und bekommt sich öffentlich in einem anerkannten Medium so zu äußern. Gäbe es diese Kommentarfunktion hier nicht, wäre sein Einfluss noch viel größer, weil der Widerspruch nicht seinesgleichen finden würde. Jetzt zu sagen, ich hätte einen Vorteil, weil ich meinen Namen nicht hinter den Beitrag schreibe ist lächerlich.

  • Antworten
Ben21.09.2011 | 16:02 Uhr

Anonym oder nicht

Na gut, ich schenke Ihnen das "widerlich", da hab ich schon schlimmeres lesen müssen. Und das Fass mit der Anonymität hätte ich von mir aus gar nicht aufgemacht, man hat sich schon dran gewöhnt. Aber wenn ich manche Foren lese, denke ich schon sehnsüchtig an die Zeiten zurück, wo Leserbriefe nur gedruckt wurden, wenn sie namentlich gekennzeichnet und mit einer Adresse versehen waren. Das hat nichts mit Zensur zu tun, sondern mit sowas wie Anstand, finde ich. Das geht jetzt gar nicht gegen Sie, Ben - wäre ich hier nicht Autor, sondern ein User von vielen, hieße ich wahrscheinlich auch anders. Es hat sich halt so eingebürgert. Warum eigentlich? Wenn sich die Piraten in einem halben Jahr als doch eher linkslibertär entpuppen - sind ja noch jung, kann ja noch werden - können Sie und jeder, der diesen Text per Google findet, mir vorwerfen, was ich für einen Mist geschrieben habe (tun Sie ja eh schon). Wenn ich recht behalte, kann ichs Ihnen nicht unter die Nase reiben.

  • Antworten
Volker Schmidt21.09.2011 | 17:55 Uhr

Richtig

Lieber Herr Schmidt, da haben Sie allerdings Recht. Allerdings bin ich auch kein gelernter Journalist und ich verdiene damit auch nicht meinen Lebensunterhalt. Es war - wie gesagt - auch eher die Masse an Anti-Artikeln, die bei Cicero (und anderswo) so hereinbrach. Nehmen Sie's bitte nicht persönlich! In einem halben Jahr kräht eh kein Hahn mehr danach. Bis dahin wurde die Mehrwertsteuer um 10%punkte erhöht, weil wir den ESM-Vertrags-Schuldenberg an unsere imperialistischen Freunde (nein, ich bin kein Mitglied der Linksfraktion) abtragen müssen. Da haben wir dann andere Probleme. Oder aber die Piratenpartei hat bis dahin technologisch unterstützt und für jeden einsehbar aufgedeckt, an wen wir jedes Jahr jetzt schon 40 Milliarden Euro ZINSEN zahlen. Wenn Sie mir ihre E-Mailadresse schicken antworte ich Ihnen auch gern nicht-anonym. Viele Grüße, Ben

  • Antworten
Ben23.09.2011 | 14:35 Uhr

Maßstab

"Würden die Berliner an die Piraten denselben Maßstab anlegen wie an andere Parteien, dann..."

Würden Journalisten den gleichen Maßstab an die Piraten wie an andere Parteien anlegen, dann würden nicht solcherlei Kampagnenartikel dabei herauskommen, sondern man würde die Partei erst einmal zurückhaltend 100 Tage lang beobachten, anstatt gleich nach der Wahl Angst und Schrecken zu verbreiten.

Ein anderes Beispiel war der Wahlabend im rbb, als die Journalistin Böhme den Piratenvertreter Andreas Baum schonmal seine Diäten auf den Cent vorrechnet und fragt, was er denn jetzt damit anzufangen gedenkt. Ich finde das einfach nicht verhältnismäßig und unterste Schublade. Keinem etablierten Politiker hätte sie je so eine Frage gestellt.

  • Antworten
gth21.09.2011 | 17:15 Uhr

Ein paar Fragen

Woran macht der Autor den "Neoliberalismus" der Piraten fest?
Und wie definiert er diesen? Als Vulgärmarktradikalismus im Sinne der aktuellen FDP (also die, außer bei deren Apologeten, allgemein gebräuchliche Interpretation) oder als Wiederbelebung des Linksliberalismus à la Baum und Hirsch? Falls Ersteres, wo ist dies bei den Piraten zu finden? Falls Letzteres, wieso ist dies gefährlich?

  • Antworten
Andreas21.09.2011 | 18:04 Uhr

Wer lesen kann...

Ist es nicht der die das Neoliberale in uns allen? Genau - Erst mal Sorgen machen, das können wir am Besten! Gute Nacht, gäääähn

  • Antworten
Hans Meyer21.09.2011 | 20:48 Uhr

Das links-grüne Establishment sorgt sich

um die sorgsam aufgebaute Hegemonie. Wenn die Piraten-Partei ein paar Löcher in den Filz knabbert, dann ist das mehr als zu begrüßen.

  • Antworten
Tuvia Deuczman22.09.2011 | 01:04 Uhr

Ich begrüße das Erstarken einer neuen Partei!

Wie diese heißt, ist völlig gleichgültig. Besonders sympathisch sind mir die Piraten, weil sie eben nicht Kompetenz an bestimmten Chromosomensätzen festmachen und endlich! Sachkompetenz in Bezug auf neue Medien in die Politik bringen. Die "Alten Männer mit Kugelschreibern" haben schon genug Schaden angerichtet, in dem sie alles verbieten wollen, was entweder von ihnen nicht verstanden wird oder was sie als Gefahr für die eigene Machtvollkommenheit ansehen. Jetzt einzelne Punkte des Parteiprogramms herauszugreifen und polenmisch niederzumachen, ist die typische reaktionäre Reaktion, egal, ob von rechts oder links. Die Pfienzer, die jammern, dass die Piraten ihnen Stimmen weggenommen haben, sollten sich lieber fragen, wie das passieren konnte. Meine Antwort: seit Jahren wird die öffentliche Meinung konsequent ignoriert, es werden am liebsten Gesetze in Hinterstübchen ausgeschnappst, um anschließend wider besseres Wissen als "alternativlos" im Schnellverfahren spät nachts durchgewunken zu werden. Das Durchwinken wäre ja an sich nicht schlecht, aber schon beim Frühstück merkt der aufmerksame Zeitungsleser, dass schon wieder über Nacht ein Stück Bürgerrecht das Klo hinuntergespült wurde und das ohne jede Berechtigung und für den angeblichen Zweck auch noch völlig wirkungslos oder sogar fördernd! Der allgemeine Tenor ist doch der, dass der Bürger Normalo nackt vor den Behörden stehen soll, jede Bewegung im Internet wird aufgezeichnet, während sich unsere Politiker stets und ständig auf den (illegalen) Fraktionszwang oder "Sachzwänge" berufen, auf Nachfrage aber vom Thema eigentlich überhaupt keine Anhnung haben und nur aus dem Bauch heraus entscheiden. Mir ist eine Partei lieber, deren Mitglieder zugeben, von einem bestimmten Thema gerade mal nichts zu wissen, aber wenige Stunden später eine öffentlich nutzbare Möglichkeit schaffen, diesem Umstand abzuhelfen. Hut ab! Ach ja, die öffentliche Meinung zu respektieren und als gewählte Vertreter der Bürger diese Meinung zu unterstützen, ist nicht neoliberal oder populistisch, sondern Umsetzung des Wählerauftrags, also originäre Aufgabe der Politiker. Im Augenblick meint jeder in Berlin, mehr zu wissen und daher das Volk erziehen zu müssen. Das muß aufhören! Der Souverän ist das Volk, sind die Wähler, nicht das Parlament oder schlimmer, heimlich agierende Lobbygruppen.

  • Antworten
Mauermer22.09.2011 | 08:30 Uhr

Unterschied zwischen Theorie und Praxis

Der Kommentator scheint zur etablierten Gesellschaft in Berlin zu gehören. Er muss sich fragen lassen, wie es sein kann, dass die Piraten eine solche Menge von Stimmen in Berlin gewinnen konnte. Anscheinend ist es dem Establishment nicht gelungen, die Menschen auf Kurs zu halten. Das müssen sie sich selber zurechnen und können sie nicht einer jetzt demokratisch gewählten Partei ankreiden. Das gilt im übrigen auch für Parteien am rechten Rand des Spektrums: Wenn sie von den anderen Bürgern (und hier wohl in der Hauptsache Nichtwählern) zugelassen werden, müssen wir uns fragen, wie das das sein kann und was wir unternehmen müssen, um das zu ändern.
Für die Piraten gilt jetzt aber der Unterschied zwischen Theorie und Praxis. Sie haben die schwierige Aufgabe, ihr Parteiprogramm in den nächsten Jahren an die Realität des Parlaments und des Haushaltes anzupassen. Sie haben zum Teil frische Ideen, zum Teil aber auch (nach bisheriger Einschätzung) Forderungen, die nicht umsetzbar erscheinen. Das erinnert mich an den alten Winston Churchill: Das Unmögliche fordern, um das Mögliche zu erreichen. Es ist gut, wenn endlich jüngere Menschen zur Politik und damit zur Übernahme von Verantwortung für unsere Gesellschaft finden. Das haben wir älteren doch jahrelang beklagt, das es nicht so war. Und haben übersehen, das wir den Menschen keine Antworten auf ihre Fragen - die in ihrer Stellung eben völlig anders sind - als unsere Lebens-Vorstellungen, geben konnten.
In der Realität wird sich jetzt zeigen, ob die Piraten diese Verantwortung auch wahrnehmen können und ihre Vorstellungen auch an die Realität anpassen können. Dazu wünsche ich Ihnen - bei aller inhaltlicher Kritik die ich noch hätte - erst einmal viel Erfolg. Gespannt bin ich darauf, ob es ihnen gelingt, auch die älteren Bürger auf ihren Weg mitzunehmen. Und auch, die Gruppe der Nichtwähler zu verkleinern (und vor allem damit, auch die absolut links- oder rechtslastigen Gruppierungen im Nirwana der 5 % - Hürde verschwinden zu lassen).

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Wolf am Rhein22.09.2011 | 08:46 Uhr

Häh?

Was soll denn dieses Bashing? Der Erfolg der Piraten ist dem Umstand geschuldet daß zum einen die etablierten Parteien nur das Sprachrohr von Großkonzernen und Verwaltung sind und ihre Wähler seit Jahren übel verarschen. Daß die CDU von den gesellschaftlichen Folgen des Internets keine Ahnung hat wundert nicht wirklich - der wäre es am liebsten das gesamte Angebot im Internet wäre eine Veranstaltung von Großkonzernen. FDP und SPD haben ihre Wähler verraten und endlich bekommen auch die Liberalen die Quittung dafür. Und die Grünen haben jede Menge Sauereien mit der SPD mitveranstaltet und sind dazu noch eine wenig technikaffine Partei. Die Linke schließlich betreibt Mauernostalgie und macht sich damit lächerlich, sie verfügt zwar über einige ansehnliche junge Damen aber das macht ihre Politik auch nicht sexy, zumal in Westberlin - sie steht sich selbst im Weg. Die Netizens, der Avantgarde sich noch bei SPD und Grünen sowie in der linken Szene rumgetrieben haben (siehe auch ein Artikel auf Spiegel online) haben ihre Heimat verloren, in netzpolitischer wie wiso Perspektive. Also eröffnet sich hier eine neue gesellschaftliche Konfliktlinie die die Piraten besetzen, und diese werden schnell dazulernen. Allerdings wird der heilsame Schock auch bei der SPD und den Grünen gewisse Lernprozesse anstossen.

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Ralph Eisermann22.09.2011 | 14:55 Uhr

"... weshalb denn so

"... weshalb denn so pessimistisch? Man sollte die Piraten erstmal machen lassen."

Lol, das haben alle über die FDP auch gesagt.

Und jetz kommt die nächste neoliberale Partei. Deutschland wird nicht schlau. Leider auch der Nachwuchs nicht

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Wolfgang 22.09.2011 | 22:26 Uhr

Wenn "neoliberal" mal nicht schlecht ist

Der Begriff "neoliberal" hat einen schlechten Klang. Denn er diente in den letzten Jahrzehnten vor allem dazu, eine Wohlstandskonzentration bei wenigen und eine Verarmung weiter Bevölkerungsteile durchzusetzen, sowie die allgemeine Sicherheit abzubauen: Gesundheit, Altersversorgung, soziale Grundsicherung. All diese Dinge nicht als staatlich gewährleistete Grundansprüche, sondern als individuell zu bezahlende Leistungen, und wer die sich nicht leisten kann, hat eben Pech gehabt. Dann die Menschen versklaven: Arbeitslose durch Schikanen und willkürliche Kürzungen in Ausbeutungsjobs zu Löhnen kaum über Hartz IV zwingen.

Der Begriff des Neoliberalismus ist durch Machwerke wie die Agenda 2010, Ausbeutung fördernde Lobbyorganisationen wie die INSM und nicht zuletzt die Finanzkrisen der ungeregelten Märkte, deren Folgen die Allgemeinheit tragen soll, in Verruf geraten. Ist es liberal, wenn ein Gesundheitsminister sich Lobbyisten der privaten Krankenversicherungen ins Büro holt und "Gesundheitsreformen" in ihrem Sinn ausarbeiten lässt?

Aber:
Warum soll ein Unternehmer nicht Freiheit haben, zu machen, was er will? Muss er in ein Korsett von zehntausenden Gesetzen und Vorschriften, in Verwaltungs- und Bürokratieapparate, die keiner mehr überblickt, gezwängt werden? Soll er sich in einem Minenfeld von Monopolen, wie Trivialpatenten, Markenrechten (schon einfache, gängige Wörter als Marken) und Geschmacksmusterschutz bewegen, von denen man fast zwangsläufig immer einige verletzt, oder lieber einfach drauflos werkeln und sich um wichtigere Dinge kümmern? Innovation geht immer noch von Entwicklern aus, nicht von Behörden und nicht von Rechtsanwälten für überzogenes "geistiges Eigentum"!

Natürlich müssen auch Unternehmer Verpflichtungen einhalten - man erlaubt ihnen die Gier, dafür müssen sie dann eben das gesicherte Leben der anderen Menschen mit absichern, Löhne unter der Hungergrenze bei astronomischen Profiten im leistungslosen Gelderwerb der Kapitalmärkte muss der Staat verhindern. Und sie müssen ein Mindestmaß an Rücksicht nehmen: nicht die Umwelt verseuchen, Gewinne nicht durch Schädigung anderer erwirtschaften (Abzocke), nur ein paar Beispiele. Das sollten aber nur ein paar elementare und einleuchtende Regeln sein, nicht eine unbeschränkte Gängelei!

Wenn es in dem Sinne gemeint wäre, könnte ich auch "Neoliberalismus" akzeptieren. Was dagegen unter Reagan, Thatcher, Schröder & Co passiert ist, war dagegen vor allem die Versklavung der eigenen Bevölkerungen, damit wenige die maximalen Profite heraus pressen konnten.

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bbirke24.09.2011 | 00:14 Uhr

Recht auf Rausch

So so, es beginnt damit... komisch, seh ich nicht. Das erste Mal steht Rausch auf Seite 16. Und von "Recht auf Rausch" steht da auch nix.
Ach, ich weiss, die pösen Purschen haben das einfach inzwischen geändert.
Oder wo hat der werte Herr eben dieses Zitat her?

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Jürgen A. Erhard24.09.2011 | 16:19 Uhr

Einfach lächerlich

wer die Entwicklung im Internet seit mehr als 10 Jahren verfolgt, der weiß warum es Piraten gibt. Eine Enklave der Freiheit wird durch Kommerzialisierung und politische Regulierung den allgemeinen Standards der Gesellschaft angepasst. Alles was den etablierten Parteien dazu einfällt sind Verbote, Datenspeicherung und Bundestrojaner um die Bürger auszuspionieren. Das schöne an der Demokratie sind die Freiräume, die es ermöglichen relativ konfliktfrei aneinander vorbei zu leben. Wenn diese Freiräume durch Wirtschaft und Staat abgeschafft werden, wenn die Internetpionier mit einem Web zweiter Klasse abgespeist werden sollen, damit große Multis ihre Filme und Videos besser verkaufen können, wenn Schüler und Studenten von gierigen Anwaltsfirmen wegen ein paar Downloads mit Wucher Strafgebühren ausgenommen werden, dann ist es ein Zeichen einer funktionierenden Demokratie wenn Parteien wie die Piraten entstehen. Jede neue Partei braucht ein Thema, das die anderen vernachlässigen. Die Freiheit im Internet ist so ein Thema. Das Internet ist in seiner Bedeutung mit der Ökologi oder der sozialen Frage vergleichbar. Wer das nicht kapiert, auf den lohnt es sich nicht zu warten.

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Christoph Kuhlmann24.09.2011 | 17:46 Uhr

64 Milliarden

Ganz ehrlich, ich kann nicht verstehen, warum dieser "viele Millionen"-Spruch so aufgebauscht wird. Das ist doch schon wieder typisches Standard-Politiker-Gehacke: Oh, da hat einer einen Formfehler gemacht, auf ihn mit Gebrüll! Aber hatte er denn Unrecht? 65 Mrd. SIND "viele Millionen". Und sich diese Summe vorzustellen ist etwa so, als wolle man sich 10 Millionen Lichtjahre vorstellen. Das übersteigt die Fähigkeit des Menschen. Ja, man kann damit rechnen, aber sich diese Dimensionen nicht wirklich innerlich zu eigen machen.
Kann jemand, der nicht über den exakten Schuldenstand einer Stadt informiert ist, dennoch sinnvolle Wirtschaftpolitik vorantreiben? Natürlich kann es das. Wichtiger als die dumme platte Zahl ist nämlich das Wissen "Berlin befindet sich haarscharf am Rande der Pleite und wäre ohne Transferzahlungen in der Form nicht mehr lebensfähig". Und dieses Bewußtsein ist bei den Piraten durchaus vorhanden, da bin ich sicher.
All die anderen abgedroschen "Argumente" möchte ich hier gar nicht kommentieren. Dass "kostenlos" eben etwas anderes ist als eine gemeinsam finanzierte Flatrate wurde ja von anderen Kommentatoren schon angesprochen. Und auch die Frauenquote nervt. Was soll diese kleine, neue Partei denn machen? Frauen auf der Straße zwangsrekrutieren?
Für mich persönlich (und das sage ich als ehem. FDP-Mitglied) gibt es derzeit nur noch 2 Alternativen im politischen Spektrum: Piraten oder Nichtwähler. Arrrr.

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nordpirat24.09.2011 | 19:49 Uhr

...

Schöner Kommentar!

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gth25.09.2011 | 00:27 Uhr

Welche Parteien sind wirklich "gefährlich"?

"Gefährlich" im Sinne von demokratiegefährdend oder gar staatszerstörend sind keineswegs "Die Piraten", sondern die etablierten Parteien, die zunehmend als verlogen und unglaubwürdig entlarvt werden.

Immer mehr Wählerinnen und Wähler erkennen inzwischen, daß sie durch diese langjährig-regierenden Parteien und ihre Vorstände hingehalten und hinters Licht geführt werden.

Alle Staatsgewalt geht nämlich keineswegs vom Volke aus, sondern von den Wirtschafts- und Arbeitgeberverbänden sowie von der Finanzindustrie, die allesamt über ihre Lobbyistinnen und Lobbyisten die politischen Abläufe weltweit geschickt steuern, so auch in unserem Land.

Ein gutes Beispiel für Deutschland ist der Verband der pharmazeutischen Industrie, also der Arzneimittelhersteller. Hierzulande sind Arzneimittel nach wie vor erheblich teurer als in vielen unserer Nachbarländer. Warum eigentlich? Weil es der Markt hergibt und Patientinnen und Patienten über ihre Krankenkassen anonym zur Kasse gebeten werden.

In allen anderen Bereichen der Wirtschaft laufen die Dinge ähnlich. Die etablierten Parteien einschließlich SPD und GRÜNE hängen seit langem "am Tropf des großen Geldes", das heißt, sie werden mit hohen Spenden gleichsam ruhiggestellt und zu willfährigen Helfern derjenigen, die mit ihrer Geldmacht unser Staatswesen steuern und Gesetzesvorlagen "frei Haus" liefern.

"Die Piraten" sind nur diejenigen, die erfreulicherweise Licht ins Dunkel dieser Machenschaften bringen wollen. Gut so.

Ob die Vorstandsmitglieder der CDUCSUSPDFDPGRÜNE dadurch aufwachen werden, ist ungewiß. Zu angenehm ist es nämlich, sich finanziell "bedienen" zu lassen und aus dem Vollen zu schöpfen.

Wann endlich erkennt auch DIE LINKE, daß sie sich nicht mit sich selbst zu beschäftigen hat und ihre Nabelschau beenden muß, sondern aufklärend zu wirken hat, um weiterhin wahrgenommen und gewählt zu werden?

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Yvonne Walden25.09.2011 | 11:33 Uhr

Welche Parteien sind wirklich"gefährlich"?

Gut gebrüllt Löwin!Aber wenn bei den Piraten erst mal Blut (Geld/ein klein weinig Macht)geleckt wurde,was wird sie dann noch von den anderen unterscheiden??

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Apostat08.05.2012 | 01:06 Uhr

Libertär

Die Adepten der Piratenpartei erweisen mit ihrem "Die anderen sind noch schlimmer" der Partei einen Bärendienst. Die Geisteshaltung, die sich hier zeigt, hätte Herr Schmidt besser antizipieren sollen statt sich auf Etiketten zu versuchen, die nur sehr selten treffen. Zumal er im Laufe seines Artikels selber die Wortassoziationen zur Freibeuterei überstrapaziert.

Die Piraten sind mitnichten liberal, schon gar nicht "neoliberal", sondern eine libertär-anarchistische Bewegung - allerdings ohne jegliche zusammenhängende Programmatik. Der Trick ist, dass man genau diese Leerstellen als Marke "verkauft" und damit massenweise Protestwähler geriert (zumindest in Berlin). Die Piraten werden auf lange Sicht nur überleben können, wenn sie einen Anpassungsprozess wie weiland die Grünen durchmachen. Die Parallelen sind manchmal verblüffend.

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Gregor Keuschnig25.09.2011 | 16:32 Uhr

Danke

Eigentlich wollte ich gerade meinen Senf dazugeben, aber Ben und Nordpirat haben im Prinzip schon alles geschrieben. Danke :)

  • Antworten
Ma-Cell29.09.2011 | 23:35 Uhr

Also ersten mal sind die

Also ersten mal sind die anderen Parteien auch nicht besser, die ham halt was in ihrem Konzept stehen mit Steuern, Sparen usw..., aber das ist alles totaler Bullshit! Eigentlich könnten die es auch gleich aus ihrem Parteiprogramm weg lassen, den Schulden machen wir so oder so in Massen. Ein Sparprogrämmchen das in 10 Jahren ne halbe Milliarde bringt *lach*, wie das schon klingt. Zur Erinnerung: 2 Billionen Euro Staatsschulden.
( Zu diesem Thema geile Doku: http://www.ardmediathek.de/ard/servlet/content/3517136?documentId=9798848 )
Kindergärten werden schließen? Also wie ich das mitbekomme gehen immer mehr Kindergärten jetzt schon Pleite, sowie Schulen, Jugendtreffs usw... und diese Scheiße wurde von CDU, SPD, FDP und wie se alle heißen produziert und nicht von den Piraten.
Also warum den Piraten schon vorher irgendwas vorhalten? Sie hatten noch nicht mal die Chance uns eines besseren zu belehren und beweisen, dass sie es können.
Also hört mal mit eurem dummen Gerede auf und schreib wenigstens wie es ist und nicht was sein könnte!

  • Antworten
Stefan13.03.2012 | 22:11 Uhr

Liberalismus bei den Piraten ?

Sind die Piraten neoliberal ?

Klares Nein. Neoliberalismus ist eine geistige Strömung in Nachfolge des Ordoliberalismus. Die Piraten-Mitglieder wissen nichts über den Liberalismus. Ihr Verhältnis zum Neoliberalismus ist in etwa das Verhältnis von deutschem Weihnachtsfest zu Weihnachten in Singapur.

Ist die Forderung nach einem anderen Urheberrecht neoliberal ?

Nein. Bei der Urheberrechtsfrage geht es um einen Konflikt zwischen zwei Wirtschaftszweigen, die eine Partei ist die traditionelle Unterhaltungsindustrie (Film, Literatur, Musik und TV), die andere Partei ist die Internetökonomie.

Die Reorganisierung der Produktion nach dem Netzwerkmodell macht ein neues Urheberrecht notwendig.

Die Medieninhalte bleiben weiterhin besitzbar, allerdings werden die Eigentümerrechte an den Medieninhalten an das Eigentumsrecht an der Hardware und die Kosten der Datenautobahn gekoppelt. D.h. Vermögensumverteilung von der traditionellen Unterhaltungsindustrie auf die Internetriesen.

Das Internet macht andere Arbeitsformen und globale Arbeitsteilung möglich. Es mag sein, dass die Technologie durch Pornos und Filesharing ausgereift ist. Der Totengräber des Urheberrechtes wird aber der globale Markt sein mit seinem inhärenten Zwang zu Innovation und Wettbewerbsfähigkeit. Da ist das Urheberrecht ein Hindernis.

Sind die Piraten frauenfeindlich ?

Nein. Zwar gibt es anti-feministische männerbewegte Leute in der Piratenpartei, weil sie hoffen mehr Öffenlichkeit zu bekommen. Diese Gruppen docken immer an junge aufstrebende Parteien an. Ich glaube, am Ende werden diese Gruppen nützliche Aufmerksamkeit generieren und dann hinauskomplementiert.

Die geringe Zahl von Frauen hat nichts mit Anti-Feminismus zu tun, sondern mit der zweigeschlechtlichen Sozialisation in der Familie, Schule, Beruf und Medien. Es wäre ungerecht, einer Kleinstpartei den Vorwurf zu machen, diese Sozialisationsergebnisse nicht auf der Stelle verschwinden lassen zu können.

Haben Piraten keine Ahnung von Steuerpolitik ?

Das ist richtig. Steuerpolitik ist eine komplizierte Materie, in die man nur mit Experten weiterkommt. Von einer jungen Partei ist es nicht zu erwarten, dass sie gute Steuerpolitik machen kann. Zumal die Piraten über keinen Think Tank verfügen.

Haben Piraten Ahnung von Sozialpolitik ?

Nein. Sozialpolitik ist vorwiegend Sache der Sozialdemokraten, Gewerkschaften, Linken und der Kirche, da sie neben Zeitungen, Banken (Kirche) und Stadtteilläden über die nötige Infrastruktur und Massenbasis verfügen, um Sozialpolitik machen zu können. Niemand sollte von den Piraten Sozialpolitik erwarten.

Sind die Piraten Technokraten ?

Nein. Das Internet ist durch seine Hardware Smartphone, Netbook, PC ein kostengünstiges Massenmedium. Eine Technokratie ist eine Herrschaftsform der Spezialisten mit Geheimwissen. Gerade das Internet wird aber das Geheimbleiben erschweren. Stattdessen wird es andere Manipulationstechniken aufwerten wie Gerüchteküchen, Informationsflut und Informationsfälschung.

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Herr Heinrich14.03.2012 | 21:27 Uhr

Linksliberale Partei

Dass die Piraten neoliberal im Sinne von Wirtschaftsliberalismus der F.D.P. wären, kann ich nicht erkennen. Hierüber kann man sich erst ein abschließendes Urteil erlauben, sobald die Partei auch in der Wirtschaftspolitik ein umfassendes Programm generiert hat. Die Positionierung zum Urheberrecht ist für mich das Gegenteil davon; denn wer wirtschaftsliberal ist, ist zwar für weniger staatliche Regulation des Marktes, kann sich aber durchaus dafür einsetzen, dass den Rechteinhabern der Staat mit einem effektiven Rechtsschutz vehement zur Seite springt.

Die Piraten füllen aber teilweise das Vakuum aus, das durch das Beiseiteschieben echter Linksliberaler von Format wie Burkard Hirsch oder Gerhard Baum entstanden ist; auch die Grünen haben diese Felder eher vernachlässigt. So arbeitet z.B. die altehrwürdige Bürgerrechtsbewegung Humanistische Union schon seit Jahren (!) konstruktiv mit den Piraten zusammen, da sich etliche inhaltliche Gemeinsamkeiten ergeben haben: Datenschutz, zensurfreies Internet und staatliche Transparenz.

Allerdings sehe ich z.B. schon, dass das bedingungslose Grundeinkommen ein liberales und kein sozialistisches Modell ist. Aber das liegt einfach daran, dass spiegelbildlich die Hartz-Gesetze nicht zum Rückzug des Sozialstaats, sondern im Gegenteil zu einem bürokratischen Monstrum geführt haben, mit dem der Staat die Arbeitslosen verwaltet und kontrolliert.

Echter Liberalismus hingegen (und ich denke, dass die Piraten ihn vertreten) entspringt einem freiheitlichen Geist und setzt sich dafür ein, dass der Einzelne weder vom Staat noch von der Macht der Wirtschaftsunternehmen schikaniert oder ausgebeutet wird.

  • Antworten
Duisbursch05.04.2012 | 22:21 Uhr

Aktionismus statt Denken/Wissen

Einige der Kommentare verfolgen den Tenor: Hauptsache neu und anders - aber qualifiziert, egal.
Kritik am der aktuellen Demokratie: Nicht wegzudenken, aber einfach alte Probleme durch neues Gewurschtel/Unkenntnis ersetzen - das überhaupt als Lösung ins Auge zu fassen, scheint doch mehr als ein wenig bedenklich.
Wenn ich schon so etwas lese wie altes verkrustetes Denken - ein bisschen konkreter müsste es dann doch schon sein: In welcher Frage wird in welcher Hinsicht falsch/unzureichend/nicht weit genug gedacht, welche Aspekte werden übersehen, sollten anders bewertet werden?
Mir wird langsam Angst und Bange, weil hingerotzte Kritik mehr zählt als vielleicht nicht gleich durchschaubare Zusammenhänge. Dieses substanzlose Genörgel bringt Nichts auch nur einen Millimeter weiter.

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Clemens26.05.2012 | 20:14 Uhr

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