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Bitte, kein „aber“ mehr!

13. September 2012 VON Timo Stein
Schrift:

Warum kein Film der Welt Terrorismus rechtfertigt

picture alliance
Libyen, Mohammed, US-Botschafter

Mit Granaten, Schusswaffen und selbst gebastelten Sprengkörpern attackierten Salafisten das US-Konsulat in der ostlibyschen Stadt Bengasi. Der US-Botschafter Chris Stevens und drei Mitarbeiter wurden getötet, auch mehrere libysche Sicherheitskräfte starben. Wenige Stunden zuvor marschierten in Kairo etwa 3000 Islamisten zur US-Botschaft, rissen die Fahnen herunter, verbrannten sie und hissten stattdessen die schwarze Fahne, die symbolisch für den angestrebten islamischen Gottesstaat steht. Darauf zu lesen: „Es gibt keinen Gott außer Gott und Mohammad ist sein Prophet“. Auch im Jemen gingen hunderte Demonstranten auf die Straße und stürmten die US-Botschaft in der Hauptstadt Sanaa. Mittlerweile haben die Proteste auch Tunesien und Marokko erreicht.

Was war geschehen? Ein Film kursierte und kursiert  im Netz. Ein Film eines jüdischen Amerikaners*, der den Propheten Mohammed mal in ein kriminelles, mal in ein homosexuelles Licht stellt. Ein wirklich schlechter Film, der fantasiebefreit gängige antimuslische Ressentiments aneinanderreiht. Vermeintlich Grund genug für viele Journalisten, diesen Film ins Zentrum der Berichterstattung zu heben und die eigentliche Nachricht, den terroristischen Akt, als Reaktion zu verharmlosen.

Berichtet wird über Nationalität und die Herkunft des Regisseurs, über den Weg der Verbreitung. Er sei Israeli, hätte das Geld für den Film von 100 Juden bekommen. Allein die Aufmerksamkeit, die die Berichterstattung auf den Urheber des Filmes lenkt ist tendenziös.

In ersten Reaktionen heißt es, die Gewalt sei nicht zu tolerieren, worauf zumeist ein „aber“ folgt, das die Geschehnisse als Reaktion auf besagtes Video relativiert.  Bitte,  kein aber mehr! Kein Film der Welt, noch dazu ein schlechter, kann und darf Auslöser für eine solche Anschlagswelle sein.

Doch viele Zeitungen verharren in gewohnter „Ja-aber“-Terminologie, schreiben, es handele sich um „gezielte Provokationen“, um „islamophobe Provokationen aus dem Ausland, die Wasser auf die extremistischen Mühlen der Salafisten lenken“. Auf die Spitze treibt es aber – mal wieder – das „Neue Deutschland“: „Nach den leichtfertig ausgelösten Massenprotesten infolge von Mohammed-Karikaturen und Koran-Verbrennungen hätte man das wissen können.“ Selber schuld also, hätte man ja mit rechnen können.

Nein. Gewalt und Mord, stehen in keinem Verhältnis zu filmischer Propaganda, so fürchterlich sie auch sein mag. In ein solches Verhältnis stellen es aber jene Medien, die derartige Kausalitäten erzeugen. Das ist der eigentliche Skandal. Scheinbar gleichgewichtig steht die Nachricht des auslösenden Filmes neben terroristischer Gewalt. Doch die Kausalitätskette ist eben nicht: Schlechter Film über religiöse Symbolik führt zu Gewalt. Nein, die Gleichung, wenn überhaupt, heißt: Fanatismus, Hass, Unwissen, religiöse Ideologie führen zu Gewalt und Terror.

Dass es sich um keine Reaktion, sondern um eine gezielte Aktion der Islamisten handelte, zeigt auch das Datum. Die Angreifer wählten den 11 September nicht zufällig. So suchten sie einen Vorwand, um gezielt Attacken zu starten und fanden ein fürchterliches Video. Es traf mit US-Botschafter Stevens ausgerechnet einen Mann, der gemeinsam neben jungen Muslimen gegen Gaddafi und für die Freiheit kämpfte.

Säkulare Kräfte und gemäßigte Muslime stehen vor großen Herausforderungen. Vorerst scheinen die Radikalen das Machtvakuum in Libyen zu füllen. Auch die Muslimbrüder in Ägypten haben das Wesen des Fanatismus verkannt, wenn ihr Sprecher Muhammad Ghozlan nun allen Ernstes die Regierung der USA auffordert, sich für den Film zu entschuldigen und die Verantwortlichen zu bestrafen.

 

*Nachtrag: Nach wie vor ist völlig unklar, wer überhaupt wirklich hinter dem Film steckt. Der erste Verdacht, dass es sich dabei um einen israelischen Jude namens Sam Bacile handeln könnte, hat sich nicht bestätigt. Die Spekulationen gehen indes munter weiter.

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Es würde mich nicht wundern,

wenn dieser Film von radikalen Islamisten hergestellt und verbreitet wurde mit dem Ziel, Hass und Terror zu säen. Das wurde jedenfalls erreicht.

  • Antworten
Very Serious Sam13.09.2012 | 17:56 Uhr

Habt keine Furcht ...

Ein deutscher Prior vermutet, dass die 68-er angesichts der Schuld ihrer Väter den "Marsch durch die Institutionen" genutzt hätten, "die Schuld" abzuschaffen. Man könnte dem zustimmen, wenn da nicht die Fakten wären. Emmanuel Levinas, ein Philosoph des 20. Jh. meint, das Problem der Moderne sei nicht, dass nunmehr alles erlaubt sei, sondern, dass nunmehr alles "gleich-gültig" sei - was es nicht ist und nicht sein kann. Den Muslimen/Salafisten/Taliban/Al-Kheida... wie auch immer sie plakatiert werden, ist nicht alles gleich-gültig, da haben sie Recht, auch wenn ihre Methoden, so erfolgreich sie bei der Verbreitung des Islam waren, nicht für den Islam sprechen. Auch Religionen sind halt nicht alle gleich-gültig ...

  • Antworten
Blase15.09.2012 | 01:33 Uhr

SCHLIMMER ALS TERRORISMUS

SCHLIMMER ALS TERRORISMUS sind der BRUCH DES VÖLKERRECHTS und der ANGRIFFSKRIEGERISCHE AKT, die sich im Angriff auf das freie Geleit für den Botschafter und seinen Gesprächsauftrag sowie im Angriff auf das Territorium eines anderen Landes zeigen, zu dem die Botschaft ja gehört,

ist damit auch ein Angriff auf das friedliche Zusammenleben von Nationen und Religionen, der sich nicht nur in den Angriffen auf die westlichen Botschaften, sondern auch im fehlenden Schutz durch die betroffenen islamischen Regierungen zeigt, wie auch in den fehlenden klaren Zurückweisungen dieser Angriffe auf das Völkerrecht durch die westlichen Regierungen und die westlichen Medien, von den islamischen Regierungen und Medien mal gar nicht zu reden …

ja so schlimm ist die Sache, die in dieser völlig grenzenlosen Gewaltbereitschaft offenbar wird, für die sich wohl wirklich an einem 11. September immer ein Anlass finden lässt …

  • Antworten
Kriegsbeobachter16.09.2012 | 02:29 Uhr

Danke für diesen Beitrag.

Danke für diesen Beitrag.
Die von den Alt-68er Mediendackeln kolportierte Einordnung des Propaganda-Videos als sine-qua-non der terroristischen Mordanschläge erinnert mich von der Argumentation her, an die in früheren Zeiten verbreitete Narrative, die anzüglich gekleidete Frau habe ihre Vergewaltigung provoziert. Einfach Widerlich!

  • Antworten
Jannek16.09.2012 | 20:32 Uhr

Antwort auf Jannek

Lieber Jannek,

im letzten Punkt gebe ich Ihnen uneingeschränkt Recht: diese Darstellung von Vergewaltigungsopfern als Schuldige ist pervers.

Ich habe in dem Beitrag jedoch keinerlei Kritik an "Alt-68er Mediendackeln" herauslesen können. Was die 68-er Generation geleistet oder verbockt hat, will ich hier nicht diskutieren. Ich finde es aber Schade, dass hier eine sachliche Forendiskussion hier wieder mit gruppenbezogenem Bashing versaut wird. Da kann ich ja gleich wieder taz- oder Zeitforen lesen

  • Antworten
Christian18.09.2012 | 11:54 Uhr

Es erinnert alles ganz stark an die Mohammed Karikaturen

Seltsam ist, dass die gewaltsamen Ausbrüche nicht nur sehr zeithah zueinander stattfanden, sondern sich auch in solchen Ländern ausbreiteten, in denen "You tube" auf der blacklist steht und gar nicht aufgerufen werden kann. Demonstriert wird also gegen etwas Unbekanntes. Wie zu Zeiten der Mohammed Karikaturen, da tauchten die dänischen Flaggen auch schneller in den abgelegendsten Staaten, als die eigentlichen Steine des Anstosses..... Die sind in solchen Fällen aber auch ganz und gar nebensächlich. Die Obermullahs und -muftis befehlen und das Volk greift an. Es werden noch harte Zeiten auf uns zukommen!

  • Antworten
er scheiner16.09.2012 | 21:01 Uhr

Es erinnert alles ganz stark an die Mohammed Karikaturen

Seltsam ist, dass die gewaltsamen Ausbrüche nicht nur sehr zeithah zueinander stattfanden, sondern sich auch in solchen Ländern ausbreiteten, in denen "You tube" auf der blacklist steht und gar nicht aufgerufen werden kann. Demonstriert wird also gegen etwas Unbekanntes. Wie zu Zeiten der Mohammed Karikaturen, da tauchten die dänischen Flaggen auch schneller in den abgelegendsten Staaten, als die eigentlichen Steine des Anstosses..... Die sind in solchen Fällen aber auch ganz und gar nebensächlich. Die Obermullahs und -muftis befehlen und das Volk greift an. Es werden noch harte Zeiten auf uns zukommen!

  • Antworten
er scheiner16.09.2012 | 21:01 Uhr

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