Ja, Satire darf das. Sie muss es sogar. Sie darf Papst Benedikt, seines Zeichens heiliger Vater und oberster Beamter einer nicht zu unterschätzenden religiösen Minderheit durch den Kakao, in diesem Fall sogar durch chamois-farbige Limonade oder was auch immer ziehen. Sie muss es, weil für die Satire Grenzüberschreitungen konstitutiv sind.
Humor endet nicht an der religiösen Haustür. Und Satire, die es sich zur Aufgabe macht, der Gesellschaft in scharf-humoristischer Diktion den Spiegel vorzuhalten, schon gar nicht. Sie muss von Zeit zu Zeit, um im Bilde zu bleiben, die Tür eintreten, um spitzzüngig über die Schwelle schreiten zu können.
Na klar. Religiöse Befindlichkeiten sind die sensibelsten unter den humorbefreiten. Es sind liberalitätsferne Relikte, Inseln monotheistischer Ernsthaftigkeit. Mag sein. Doch, für Mohammed-Karikaturen oder Papst-Titanic-Titel gilt: Aushalten!
Und, sind wir doch ehrlich, die Religion macht es den Satirikern auch leicht. Nicht von ungefähr sind sie des Humoristen liebstes Kind. Religion bietet sich für Satiriker deshalb an, weil sie nicht selten gelebte Satire ist. Entsprechend musste dem Mann im weißen Gewand, der sich selbst für unfehlbar hält, letztlich visuell nicht viel hinzugefügt werden. Ein gelber Fleck genügte, um aus dem König den Hofnarr zu machen.
Dabei gibt es noch ganz andere Ungeheuerlichkeiten, gegen die der Papst vermutlich bald zu Felde ziehen wird: So wird der oberste Patriarchat des wohl einflussreichsten Glaubensvereins nicht selten in schillernd weißen Frauenkleidern dargestellt. Auch wird diesem Mann vorgeworfen, er gehöre einer Clique an, die Homosexuelle diskriminiere und antisemitischen Piusbrüdern die Hand reiche. Er soll einem konspirativen Zirkel alter Männer vorstehen, die in einem eigens gegründeten Staat Politik machen und jenseits demokratischer Kontrolle Gesellschaften formen. Maßlose, absurde Vorwürfe. Ketzer sagen ihm gar Unfehlbarkeit nach. Dem weiblichen Geschlecht würden gleiche Rechte verwehrt, und und und. Gegen solche ungeheuerlichen Vorwürfe wird der Papst wohl bald genauso entschlossen vorgehen, wie gegen den im Vergleich harmlosen Titanic-Titel. Dafür wünschen wir ihm Glück und viel Kraft.
Verbündete gibt es genug. Beispielsweise der Sprecher der Christsozialen Katholiken (CSK) in der CSU (ja, es gibt sie noch), Thomas Goppel, der dem Satiremagazin nun entschlossen entgegenruft: „So geht man mit Menschen nicht um, mit dem Papst schon gar nicht.“ Äh ja, der Papst als Übermensch, für den selbstverständlich exklusive Rechte gelten. Da braucht es also erst einen mittelmäßigen Titanic-Titel, damit uns ein mittlerweile ins hinterste Glied getretener CSU-Politiker sein wahres Menschenbild offenbart. Schon recht, Herr Goppel.
Aber Achtung, es wird noch besser. Goppel beklagte, Titanic-Chefredakteur Leo Fischer wisse nicht, was sich gehöre. Jemandem, der so handle, würde er persönlich „die Lizenz zum Schreiben entziehen“. In einem Goppelstaat wäre so etwas natürlich möglich. Dort gäbe es Schreiblizenzen. Wo kämen wir denn auch hin, wenn man seine Meinung frei äußern dürfte?
Vielleicht ließe sich ja auf diesem Wege auch eine Partnerschaft anregen. Aus dem Duo Goppel-Papst, könnte eine Troika des Glaubens werden. Zusammen mit Martin Mosebach, der jüngst forderte, Gotteslästerei unter Strafe zu stellen, könnten das heilige Triumvirat ein zünftiges Regelwerk zusammenstellen.
Vielleicht ist es aber auch einfach an der Zeit, Blasphemie zum Menschenrecht zu erklären, den Religionen ihren Sonderstatus zu nehmen und an demokratisch säkulare Tugenden zu erinnern. Ja, wer schützt eigentlich den diesseitigen Bürger vor jenseitigem Schwachsinn? Oder alles nur liberales Geschwätz?
Und ist der eigentliche Skandal nicht vielleicht ein ganz anderer? Nämlich der, dass dieser Vereinspräsident eines vorsintflutartigen Männerbundes zum x-ten Mal den Titel Deutschlands größter Satire-Magazins ziert. Liebe Titanic-Redaktion, lieber Herr Fischer, warum räumen Sie einer Minderheit soviel Platz ein? Patrick Döhring schmückt ja auch keinen Spiegel-Titel.
Wie auch immer. Das Magazin Titanic ist jedenfalls fest entschlossen, gegen das Urteil den weltlichen Weg der Instanzen zu gehen, „notfalls bis zum Jüngsten Gericht“, wie es hieß. Auf diesem Weg, viel Glück und Gottes Segen.











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