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Was gesagt werden muss: Henryk M. Broder über Günter Grass' Israeldichtung

4. April 2012 VON Timo Stein
Schrift:
picture alliance
Henryk M. Broder, Günter Grass, Gedicht, Israel

Ein Gastbeitrag von Henryk M. Broder

Günter Grass hat ein Gedicht geschrieben. Es soll am Mittwoch in drei großen Tageszeitungen zugleich erscheinen. Der "New York Times", der "La Repubblica" und der "Süddeutschen Zeitung". Das Gedicht heißt: "Was gesagt werden muss" und beginnt mit diesen Worten:

"Warum schweige ich, verschweige zu lange ..."

Der unbefangene Leser könnte auf die Idee kommen, Grass wolle endlich erklären, warum er sein Gastspiel bei der Waffen-SS so lange verschwiegen hat. Aber dem ist nicht so. Über diese Phase seines Lebens ist der dichtende Moralist längst hinaus. Diesmal geht es ihm um mehr, um das nackte Überleben:

"Warum schweige ich, verschweige zu lange, was offensichtlich ist und in Planspielen geübt wurde, an deren Ende als Überlebende wir allenfalls Fußnoten sind."

Das "behauptete Recht auf den Erstschlag"

Grass will nicht mehr schweigen. Was ist der Anlass der logorrhoeischen Explosion? Das "behauptete Recht auf den Erstschlag" eines namenlosen Landes, das den Iran bedroht, der seinerseits von einem "Maulhelden" regiert wird.

"Doch warum untersage ich mir, jenes andere Land beim Namen zu nennen, in dem seit Jahren – wenn auch geheimgehalten – ein wachsend nukleares Potential verfügbar aber außer Kontrolle und keiner Prüfung zugänglich ist?"

Grass hat sich Schweigen verordnet, weil er nicht riskieren möchte, als "Antisemit" gebrandmarkt zu werden.

"Dieses allgemeine Verschweigen eines Tatbestandes, dem sich mein Schweigen untergeordnet hat, empfinde ich als belastende Lüge, auch als Zwang, der Strafe in Aussicht stellt, sobald er mißachtet wird; das Verdikt ‚Antisemitismus‘ ist geläufig."

Verbales Vorspiel zu einem Tabubruch

Es ist also das übliche verbale Vorspiel zu einem Tabubruch, der mit der Verantwortung des Dichters, eine Katastrophe zu verhindern, begründet wird. Bei Grass hört sich das so an:

"Jetzt aber, weil aus meinem Land, das von ureigenen Verbrechen, die ohne Vergleich sind, mal um Mal eingeholt und zur Rede gestellt wird, wiederum und rein geschäftsmäßig, wenn auch mit flinker Lippe als Wiedergutmachung deklariert, ein weiteres U-Boot nach Israel geliefert werden soll, dessen Spezialität darin besteht, allesvernichtende Sprengköpfe dorthin lenken zu können, wo die Existenz einer einzigen Atombombe unbewiesen ist, doch als Legende von Beweiskraft sein will, sage ich, was gesagt werden muß."

Grass hat schon immer zu Größenwahn geneigt, nun aber ist er vollkommen durchgeknallt. Ganztätig mit dem Verfassen brüchiger Verse beschäftigt, hat er keine der vielen Reden des iranischen Staatspräsidenten mitbekommen, in denen er von der Notwendigkeit spricht, das "Krebsgeschwür", das Palästina besetzt hält, aus der Region zu entfernen. Denn das ist nur "Maulheldentum", das man nicht ernst nehmen muss, so wie die Existenz einer einzigen Bombe "unbewiesen" ist, bis sie zum Einsatz kommt. In dem Falle würde Grass um die Opfer trauern und den Überlebenden Trost spenden, denn er fühlt sich dem Land Israel "verbunden".

Seit jeher ein Problem mit Juden

"Warum aber schwieg ich bislang? Weil ich meinte, meine Herkunft, die von nie zu tilgendem Makel behaftet ist, verbiete, diese Tatsache als ausgesprochene Wahrheit dem Land Israel, dem ich verbunden bin und bleiben will, zuzumuten."

Grass bricht sein Schweigen, weil er nicht noch einmal mitschuldig werden möchte, weil er "der Heuchelei des Westens überdrüssig" ist und hofft, man möge sich vom erzwungenen Schweigen befreien, den Verursacher der Gefahr zum Verzicht auf Gewalt auffordern und darauf bestehen, dass eine unbehinderte und permanente Kontrolle des israelischen atomaren Potenzials und der iranischen Atomanlagen durch eine internationale Instanz von den Regierungen beider Länder zugelassen wird.

Während Israel über ein "atomares Potential" verfügt, haben die Iraner nur "Atomanlagen", die vermutlich der Stromerzeugung dienen. Der Verursacher der "erkennbaren Gefahr" ist Israel, das sich der Kontrolle entzieht, während der Iran nichts lieber tut, als seine "Atomanlagen" einer internationalen Aufsicht zu öffnen.

Grass hatte schon immer ein Problem mit Juden, aber so deutlich wie in diesem "Gedicht" hat er es noch nie artikuliert. In einem Interview mit "Spiegel Online" im Oktober 2001 sagte er, wie er sich die Lösung der Palästina-Frage vorstellt: "Israel muss nicht nur besetzte Gebiete räumen. Auch die Besitznahme palästinensischen Bodens und seine israelische Besiedlung ist eine kriminelle Handlung. Das muss nicht nur aufhören, sondern rückgängig gemacht werden. Sonst kehrt dort kein Frieden ein."

Tel Aviv und Haifa sind aufzugeben

Das war nicht mehr und nicht weniger als eine Aufforderung an Israel, nicht nur Nablus und Hebron, sondern auch Tel Aviv und Haifa aufzugeben. Ebenso wie die Hamas und die Hisbollah macht auch Grass keinen Unterschied zwischen den 1948 und den 1967 "besetzten Gebieten", für ihn ist "die Besitznahme palästinensischen Bodens und seine israelische Besiedlung eine kriminelle Handlung". So sieht es auch der iranische Staatspräsident.

Zehn Jahre später, im Sommer 2011, empfing Günter Grass den israelischen Journalisten Tom Segev zu einem Gespräch. Segev spricht fließend Deutsch, und so plauderte man unbeschwert und ohne Übersetzer zweieinhalb Stunden über alles Mögliche, auch die Reaktionen auf seinen Roman "Beim Häuten der Zwiebel". Die Debatte sei für ihn "sehr schmerzlich" gewesen, man habe ihm unterstellt, er habe sich freiwillig zur Waffen-SS gemeldet. "Die Wahrheit ist, dass ich eingezogen wurde, wie Tausende von Jugendlichen in meinem Alter."

Als Segev wissen wollte, warum der Holocaust in der "Zwiebel" nur am Rande vorkommt, antwortete Grass: "Der Wahnsinn und die Verbrechen äußerten sich nicht nur im Holocaust und hörten nicht mit dem Kriegsende auf. Von acht Millionen deutschen Soldaten, die von den Russen gefangen genommen wurden, haben vielleicht zwei Millionen überlebt. Der Rest wurde liquidiert."

Von Schuld- und Schamgefühlen verfolgt

Man musste kein diplomierter Mathematiker sein, um Grass’ Zahlenspiele zu Ende zu rechnen: Sechs Millionen deutsche Soldaten wurden von den Russen liquidiert. Dass tatsächlich etwa drei Millionen deutsche Soldaten in sowjetische Kriegsgefangenschaft gerieten, von denen etwa 1,1 Millionen nicht überlebten, spielt keine Rolle. Denn Grass geht es nicht um Zahlen, sondern um eine Zahl. Sechs Millionen. Das ist die Zahl, um die es immer geht. The Lucky German Number. Sechs Millionen tote Juden auf der einen, sechs Millionen tote deutsche Gefangene auf der anderen Seite, das gibt unterm Strich eine saubere Null.

Grass ist der Prototyp des gebildeten Antisemiten, der es mit den Juden gut meint. Von Schuld- und Schamgefühlen verfolgt und zugleich von dem Wunsch getrieben, Geschichte zu verrechnen, tritt er nun an, den "Verursacher der erkennbaren Gefahr" zu entwaffnen.

Die Deutschen werden den Juden nie verzeihen, was sie ihnen angetan haben. Damit im Nahen Osten endlich Frieden einkehrt und auch Günter Grass seinen Seelenfrieden findet, soll Israel "Geschichte werden". So sagt es der iranische Präsident, und davon träumt auch der Dichter beim Häuten der Zwiebel.

Der Text ist zuerst erschienen bei WELTONLINE und zu finden auf der "Achse des Guten"

 

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21 Kommentare
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Ach ja, der übliche

Ach ja, der übliche Brodersche Antisemitismusvorwurf gegen jegliche Israelkritik.
Ich kritisiere ebenfalls die israelische Besatzungspolitik und mache ebenfalls keinen Unterschied zwischen den verschiedenen besetzten Gebieten.
Ich bestreite auch ein grundsätzliches Existenzrecht Israels.
Und ich kritisiere die Erstschlagüberlegungen gegen Iran.
Also bin ich auch ein böser Nazi mit SPD-Parteibuch, wie vermutlich auch Herr Grass.

  • Antworten
Mathias Leenders04.04.2012 | 17:03 Uhr

kritik an israels politik und antisemitismus

soweit mir bekannt sind nicht alle semiten israelis.einige ägypter sind
wohl auch semiten...also antisemitismus da hat israel solche art alleinvertreter anspruch und zuständigkeit für ja.?
keine frage auch, israel ist völkerechtswidrig annektiert worden.
das will doch wohl niemand bestreiten.also wieso meint man in israel,
man hätte das recht dem palästinensichen volk das recht auf einen eigenen staat zu verweigern??? ist das jetzt wieder antisemitismus??
oder israelischer rechtsnationalismus..?
wenn all die die nicht israelische staatsbürger sind, aber der jüdischen nation angehören den staat israel besser kritisieren würden,
hätte herr grass seine umständliche dichtung nicht gebraucht.....
und eine unkontrollierte atommacht ist eine unkontrollierte atommacht.
eine totalitäre diktatur ist eine totalitäre diktatur..das ist doch nie bestritten worden,oder?
auch ein vermeindlicher natovorposten soll die verträge zu d. inter-
nationalen strafgerichtshöfen unterzeichnen.sonst könnte es ja noch weitere shattilas geben..also so sehr ist isreal nicht den menschenrechten verhaftet wie es gemeinhin vorgegeben wird.
israel kann seine politische situation auch selbst entschärfen..
wenn es für sich nicht dauernd rechte in anspruch nimmt ,die es
seinen gegnern nicht zugesteht.ausreichend wasser wäre da eine selbstvertändlichkeit..ebenso wie das recht auf einen eigenen staat.das ist der israelische "bockmist".hat man von seiten der un
den israelis nicht auch ihren staat gewährt??
logisch der iran ist ein diktatorischer staat.das hat herr grass ja auch nicht in frage gestellt.aber wenn solche demokratien wie israel sich nicht in die internationale gemeinschaft der kontrollierten atommächte einfügen will,und sich lieber noch mehr land zusammen klaut,
was erwartet man dann von einer mehr oder minder religiösen diktatur??
landraub ist übrigens ein völkerechtsverbrechen.das sollte man mal herrn obernationalist in israel beipulen.
nein ich will nicht nach israel..mir gehen diese bezopften ultras gehörig auf den geist und der mißbrauch den die isrelis mit ihrer demokratie betreiben den hört sieht man ja.
solch ein u-boot bringt geld in deutschlands säckel...der mik...
schafft arbeitsplätze..nun gut, wenn die israelis sich damit sicherer fühlen..sie haben nun also die macht...aber nicht das recht... auf einen atomaren erstschlag. das wollte herr grass sagen.und das ist sein gutes recht.wie umständlich er es auch gesagt haben mag.
im übrigen ist es ekelig ihm seine ss-scheiße in diesem zusammenhang vorzuhalten...
bei einem herrn h.m.schleyer hat man das nicht getan...obgleich herr h.m.schleyer da ganz anders tätig war.selbst auf eine einbehaltung
des quandterbes hat man nicht rechtlich bestanden..
man soll also nicht so tun ,als ob sich wieder der böse deutsche
mit hernn grass erhebt..erich fried hat man auch nicht sonderlich
gemocht..weil er israel kritisierte..man soll halt nicht übertreiben..
niemand hat das recht auf einen atomaren erstschlag..nur
und das war gemeint.israel gefährdet den frieden in der region ist ja auch nicht falsch.selbst wenn der persische größenwahn gefährlicher ist.frieden beginnt im kleinen...und ausreichend wasser ist ein menschenrecht...die entlassung von palästinensischen gefangenen ist da schon ein guter schritt...man kann das geklaute land auch mit den intakten häusern zurückgeben...ohne sie zusprengen oder abzureißen.
mit mehr gutem willen und selbstkritik wäre die region zumindest ruhiger...

  • Antworten
erich mühsam09.04.2012 | 02:04 Uhr

Noch heute morgen habe ich in der Zeit

einen wütenden Kommentar zu dem Artikel geschrieben, der prompt editiert wurde. Ich verglich den Iran mit Deutschland Mitte der 30er, das auch von einem "Maulhelden" regiert wurde, aber lassen wir das. Die Nazikeule bleibt das Monopol der Anderen, sie wachen eifersüchtig darüber. Inzwischen ist die Ablehnung des grassschen Gedichtes (Oh Rechtschreibreform!) so einhellig, dass ich mir eine Aufzählung von Gegenargumenten erspare. Ich frage mich nur, welche Moral bringt einen Menschen dazu, den verbal angedrohten Genozid zu übersehen und den Bedrohten wegen eines eventuell geplanten Präventivschlages gegen die Werkzeuge mit denen diese Drohung in die Untat umgesetzt werden kann Völkermord vorzuwerfen? Ist jetzt kompliziert formuliert, aber irgendwie erinnert mich diese Logik auch an mein Soziologiestudium.

  • Antworten
Christoph Kuhlmann04.04.2012 | 19:02 Uhr

Moderner Antisemitismus

1. Antisemitismus blüht im Nahen Osten. Deutsche Revisionisten wollen den Holocaust mit dem Fingerzweig auf Israels Politik relativieren. Da haben Sie recht, Herr Broder.

2. Das imperialistische Zeitalter seine Verbrechen (Britischen Empire, Frankreich, Spanien, Niederlande, Portugal, Japan, Italien, USA) kommen im öffentlichen Diskurs kaum vor. Die Revisionisten wollen auch das nutzen, um den Holocaust zu relativieren.

3. Der Holocaust ist ein Makel für den deutschen Nationalismus. Ein deutscher Nationalist ist neidisch auf Stolz-Briten und Stolz-Franzosen.

4. Israel und seine geopolitische Lage polarisiert natürlicherweise die Welt in Freunde und Feinde. Die Region ist ein wichtiger Energielieferant. Auch wenn sie es nicht glauben, es gibt Israel-Kritiker ohne zugleich Antisemiten zu sein.

5. Israel-Kritiker ohne antisemitische Ressentiments lassen sich vom Antisemitismus-Vorwurf nicht beeindrucken. Israel ist tatsächlich der militärische Vorposten der NATO im Nahen Osten.

6. Aus dem Rohstoffreichtum des Nahen Osten folgt automatisch eine interessegeleitete Haltung gegen Israel. Ohne Israel ist die militärische Sicherung der Ölvorkommen weitaus schwieriger. Nehmen Sie es den Israel-Feinden daher nicht übel anderer Meinung als Sie zu sein.

7. Israel verdient ein Existenzrecht als souveräner Staat, und es hat alles Recht der Welt sich zu verteidigen.

8. Günther Grass ist schon fast so peinlich wie Thilo Sarrazin.

  • Antworten
Ulysses Brand04.04.2012 | 20:23 Uhr

Polemik

Werter Herr Broder, ich habe eine schlechte Nachricht für Sie: Die Zahl der Leser, die Ihrer billigen Polemik applaudieren, schwindet von Tag zu Tag. Der graue Schleier lichtet sich und Sie werden damit leben müssen. Was nun an einer berechtigten Kritik an Israels Aggressionspolitik "antisemitisch" sein soll, wird vermutlich ihr Geheimnis bleiben. Mit dem arg instrumentalisierten Begriff "antisemitisch" verhält es sich wie mit einem inflationär eingesetzten Antibiotikum: Irgendwann bilden sich Resistenzen. Soll heißen: Ihre Verbalkeulen verlieren zunehmend an Glaubwürdigkeit.

  • Antworten
Marco Lorenz05.04.2012 | 01:22 Uhr

In China

ist ein Sack Reis umgefallen. Ob dass jetzt an dem Gedicht von Günter Grass lag (ist das überhaupt ein Gedicht?), weiß ich nicht.

Sehr differenziert finde ich auch das Urteil des Kommentators über die Deutschen und ihre Haltung zum Holocaust.

  • Antworten
Katharina K.05.04.2012 | 04:57 Uhr

Analyse oder was?

Was da im Kleide einer Analyse daherkommt, ist nichts Anderes als ein mehr oder weniger dümmliches Geplappere und macht sich aus wie der Dackel, der an einer Eiche sein Beinchen hebt!

  • Antworten
Gerhard Falk05.04.2012 | 13:02 Uhr

Herrn Broders Antisemitismuskeule

Über die Person Broder braucht man keinen Gedanken verschwenden.
Unbestritten ist, dass das Existenzrecht Israels nicht in Frage gestellt werden darf. Das heißt aber nicht, dass den derzeitigen Machthabern jeder Rechtsbruch gegenüber dem palästinensischen Volk verziehen werden muss.
Der von mir bewunderte israelischer Journalist, Schriftsteller und Friedensaktivist, Träger vieler internationaler Preise, u.a.Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis,Aachener Friedenspreis, Alternativer Nobelpreis, Carl-von-Ossietzky-Preis, schrieb kürzlich:"Seit einiger Zeit ist die Welt gegenüber Palästina selbstzufrieden geworden. Alles scheint ruhig. Netanyahu ist es gelungen, die Aufmerksamkeit der Welt von Palästina auf den Iran zu lenken. Aber in diesem Land steht nichts still. Während es so aussieht, als geschähe nichts, wachsen die Siedlungen unaufhörlich. Und so wächst der Groll der Palästinenser, die dies mit eigenen Augen sehen."
Ein weiterer Punkt: Ich zitiere Sebastian Engelbrecht(D-radio) "Wenn die israelische Regierung über das heimliche Atomprogramm des Iran spricht, dann tut sie das im Angesicht einer durchaus realen Bedrohung. Aber sie tut das auch in dem Wissen, selbst Nuklearmacht zu sein - ohne das offen zuzugeben.
Im Dezember 2006, vor fünf Jahren, sprach der damalige israelische Ministerpräsident Olmert aus, was bis dahin kein Regierungspolitiker in Israel zugegeben hatte. In einem Interview mit dem deutschen Fernsehsender N24 kam ihm versehentlich ein Satz über die nukleare Macht seines Landes über die Lippen.
"Iran droht offen, explizit und öffentlich, Israel von der Landkarte zu tilgen. Kann man da behaupten, das sei dieselbe Ebene, wenn sie den Besitz von Atomwaffen anstreben wie Amerika, Frankreich, Israel, Rußland?"
Olmert reihte mit diesem Satz Israel wie selbstverständlich in die Riege der Atommächte ein. Offiziell aber hat Israel keine Atomwaffen - und doch weiß alle Welt, dass Israel eine Nuklearmacht ist.
Mittlerweile unterstützen nicht nur die USA und Frankreich die Atommacht Israel, sondern indirekt auch Deutschland. 1999 begann die Bundesrepublik Deutschland mit der Lieferung von U-Booten des Typs "Dolphin". Fachleute nehmen an, dass sie mit Atomraketen ausgerüstet werden können."
Die derzeitige israelische Regierung will keinen Frieden, will keine Zweistaatenlösung, deshalb muss eine Kritik erlaubt sein.

  • Antworten
Ric Mueller05.04.2012 | 13:18 Uhr

Danke

Sehr geehrter Herr Broder,
danke fuer den klaren Text nach den bruechigen Versen ... Guenther Grass ist fuer mich (west)deutsches Schamgefuehl und nicht verarbeitete Vergangenheit. Gut dass die Generation nun langsam abdankt, hoffe wir koennen ihre ueberladene Erbschaft auch Geschichte wird. Nur die ueberladene, wohlgemerkt.

  • Antworten
Th. Norlander05.04.2012 | 13:23 Uhr

Geschlossene Kommentarfunktionen

sagen sehr viel aus über die Angst der Meinungsbeamten in Deutschland. Warum auf BILD, wo ja bekanntlich sich "ganz Deutschland ob des irren Gedichtes schämt" keine Kommentare geschrieben werden dürfen, sollte klar sein. Es würde sich heraus stellen, dass 80% der Leser "Antisemiten" wären.
Grass Gedicht ist sicher kein Bravourstück der Literatur. Aber es ist ein Werk, dass mehr Lösungsansätze zur Konfliktlösung beinahltet, als die vielen UN Vermittlungsversuche und erst Recht, als deutsche Waffenexporte.
Wenn Kunst und Meinungen nicht mehr frei sein dürfen und eine Staatsdoktrin mehr wiegt, als die Redefreiheit; eine Freundschaft wie so vieles alternativlos ist, dann hat die Demokratie ein Problem! Sie ist dann nämlich keine mehr!

Nur wer den Frieden liebt und an gleichberechtigter Partnerschaft mit Israel interessiert ist, kann so ein Gedicht wie Grass schreiben. Alle anderen bellen oder keifen nur. Sei es die Achse des Bösen oder die Achse des Guten. Eh zwei Seiten der selben Medaille.

Ich sage Danke Günter Grass! Mögen Sie nicht gekennedyt oder gemöllemannt werden! Die Welt im schwarz-weiss Schleier des Henryk M. Broder gehüllt, wäre ein trauriger Ort!

  • Antworten
Goeran05.04.2012 | 15:58 Uhr

Grass & Broder

Es ist wie immer: Was nicht "political correctness" ist, ist auch nicht erlaubt.Wenn man sich nicht "stromlinienförmig" äußert, wird man in eine Ecke (hier die antisemitische) gestellt. Bitter ist, wenn einzelne Worte/Sätze aus dem Zusammenhang zitiert werden, wie es heutzutage in der Presse üblich ist.

  • Antworten
Karl-Heinz Görmann05.04.2012 | 16:48 Uhr

Grass & Broder

Es ist wie immer: Was nicht "political correctness" ist, ist auch nicht erlaubt.Wenn man sich nicht "stromlinienförmig" äußert, wird man in eine Ecke (hier die antisemitische) gestellt. Bitter ist, wenn einzelne Worte/Sätze aus dem Zusammenhang zitiert werden, wie es heutzutage in der Presse üblich ist.

  • Antworten
Karl-Heinz Görmann05.04.2012 | 19:05 Uhr

Broderline

Bemerkenswert, dass sich eine Kulturzeitschrift wie Cicero nicht zu schade ist, einen journalistischen Proleten wie Broder auftreten zu lassen, um jemandem wie Grass zu kommentieren.

Warum nicht Arno Dübel um eine Kritik an Arbeitsministerin von der Leyen bitten? Na ja, da käme wohl mehr dabei raus als bei Broders "Kritik" an Grass.

Zu Broder meint der israelische Soziologe Moshe Zimmermann:

"[wenn] man bedenkt, dass Henryk M. Broder den Ludwig-Börne-Preis bekommt, dann schäme ich mich als Jude.

Wenn er und andere Juden seines Schlags die Repräsentanten des deutschen Judentums sind, dann möchte ich mit diesem Judentum nichts zu tun haben. [...]

… soll dieser Mann wirklich in einer Linie mit dem Aufklärer Börne stehen? Das ist lächerlich. Das deutsche Judentum wurde einmal von Heinrich Heine, Walter Benjamin, Theodor W. Adorno und Ernst Toller vertreten.

Die heutigen selbsternannten Repräsentanten des Judentums in Deutschland stellen das Gegenteil dieser Traditionslinie dar.

Denn sie instrumentalisieren den Antisemitismusdiskurs in einer Art und Weise, dass sie mehr als jeder andere den Antisemitismusbegriff entleeren." (http://bit.ly/HpLAkj)

Lieber Cicero: bitte wahren Sie Ihr Niveau. Dazu gehört auch der Verzicht auf billige Quotenbringer wie Broder.

  • Antworten
MarcHelms05.04.2012 | 21:47 Uhr

Der Zeiten Lauf

Mir scheint, auch der Herr Broder wird langsam alt ...

Hella

  • Antworten
Hella06.04.2012 | 02:25 Uhr

H. Broder über G. Grass

H. Boder stimme ich völlig zu bis auf einen Satz: "Die Deutschen werden den Juden nie verzeihen, was sie ihnen angetan haben."
Diesen Satz möchte ich in aller Form für zahllose Deutsche zurückweisen.
Ich kenne in meiner weiten Umgebung niemand, der so denken würde. Sondern zahllose Menschen sind sich des grauenvollen Unheils des Antisemitismus bewußt und des großen wunderbaren Erbes des jüdischen Volkes auf dessen Säule zu einem guten Teil das Beste unserer abendländischen Kultur ruht.
Damit will ich nicht bestreiten, daß nach wie vor offener und latenter Antisemitismus auch in Deutschland vorhanden ist und zwar nicht nur bei Grass. Aber für "die Deutschen" trifft das nicht zu. Da bin ich mir ganz sicher.

  • Antworten
Dr. Michael Schneider-Flagmeyer06.04.2012 | 11:38 Uhr

Mag sich Moshe Zimmermann

Mag sich Moshe Zimmermann über Broder schämen, ich tus nicht. Broders direkte Sprache gefällt Ihnen nicht, aber an den von Broder genannten Fakten kommen Sie nicht vorbei. Ich schäme mich umsomehr für Grass, ein deutscher Dichter, der in der Politik herumtrampelt wie der berühmte Elefant und sich beim Toteaufrechnen auch noch mal eben um 5 Mio. vertut.

  • Antworten
someone06.04.2012 | 17:25 Uhr

Schnauze voll von Kriegen

Die Anwohner der arabischen und israelischen Mittel -und Unterschicht sollten unter Berücksichtigung der kolonialen Vergangenheit der geistigen Zukunft auch im Namen ihrer nachfolgenden Generationen Raum zum Zusammenwachsen in Frieden gewähren - und die Politiktechnokraten sowie Kriegsgewinnler aussen vor lassen.
Ich möchte in diesem Leben nochmal daunten mit allen einen schönen Urlaub machen und mal locker feiern.

  • Antworten
Party Bohne07.04.2012 | 19:25 Uhr

grass

vielleicht nur anti-zionistisch-gar nicht -semitisch??!!@@

  • Antworten
jewels09.04.2012 | 16:24 Uhr

Oh Henry

gefragt wie es dzu komme, dass der irre Breivik in seinen Schriften mehrfach Broder als großes Vorbild herausstellte antwortete dieser sinngenäß:"ihn würden im Moment andere Sachen interessieren, z.B. wo er Ersatzteile für seinen engl. Morris herbekommen könne.

Das ist die schnoddrige Art, in der dieser Wicht jede Verantwortung für seine publizistische Arbeit beantwortet.

Dafür wurde er von dem Journalisten Markwart(Focus) anlässlich der Verleihung des Börne Preises mit standing ovations bejubelt, "brutallissimo" war das Lob, dass er ihm
zurief.

In einer 20:00 Ausgabe der Tagesschau, meinte Broder bezüglich des Grass Gedichts, nun habe er(Grass) "ausgeschissen".

Ich denke nicht nur wegen dieser letzten Entgleisung, kann man diesem ewiggestrigen feschen Henry nur noch mit der unter aufgeklärten Menschen üblichen Verfahrensweise begegnen:

Sieht man einen peinlichen, aufdringlichen und eifernden Schwätzer, den eigenen Weg kreuzen, wechselt man besser die Straßenseite.

  • Antworten
L.Boerne10.04.2012 | 22:01 Uhr

123

sind die rabbiner in israel,die die flagge des staates israel verbrennen und seine existenzberechtigung leugnen,auch anti-semiten?

  • Antworten
dieter fischer15.04.2012 | 00:44 Uhr

Broders „Vielfalt der

Broders „Vielfalt der Religionen“ gibt es nicht mehr!

Nur unter den Römern gab es mal so etwas wie "Vielfalt der Religionen".

Heute gibt es nur noch die Monokultur der jüdischen Tradition:

Juden > Christen, Muslime > Protestanten > Kapitalisten > Marxisten > Kommunisten > Faschisten > Nazis > Hollywood & amerikanische Pseudowissenschaft > Zinswirtschaft & globales Kapital > etc.

Die einzige Vielfalt ist die Biodiversität -- die aber kaputt gemacht wird durch die jüdische Tradition!

Das erfolgreichste Mem (Ideologie) aller Zeiten war die „jüdische Kultur“, denn von ihr hängen alle Kulturen heute ab: Christen, Muslime, Protestanten, Kapitalisten, Marxisten, Nazis, Hollywood, Neonazis, Pseudohistoriker etc. - und keiner merkt, dass er ein Sklave der 2000jährigen dummen jüdischen Tradition ist.

Darum: Durchbrecht diesen jahrtausendealten Teufelskreis und seid nicht mehr die Sklaven dieser „jüdischen Tradition“: Juden > Christen > Kapitalisten > Kommunisten > Nazis > ...

  • Antworten
apocalypse201210.10.2012 | 21:17 Uhr

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