Wer sich ins Netz begibt, klagen Datenschützer, kommt darin um. Ganz so schlimm ist es Ruprecht Polenz nicht ergangen, aber eine blutige Nase hat er sich schon geholt. Und das ging so: Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag ist ein reger Nutzer sozialer Netzwerke. Besonders heiß her geht es auf seiner Facebookseite, wenn das Thema Nahost und das Zusammenleben von Israelis und Palästinensern behandelt wird.
In den vergangenen Jahren tat sich dabei die Lyrikerin Irena Wachendorff aus Remagen mit Engagement für einen arabisch-jüdischen Kindergarten und heftiger Israelkritik hervor. Einsprüche hebelte sie bevorzugt mit Hinweisen auf ihre Biografie aus: Ihr Vater sei „orthodoxer Jude“, der per Kindertransport aus Deutschland geflohen sei. Ihre Mutter habe Auschwitz überlebt und sei zuvor vom Kreisauer Kreis versteckt worden. Je verbissener ihre Israelkritik, desto doller die biografischen Details: Schließlich wollte sie sogar ihren Militärdienst in Israel abgeleistet haben.
Wem das nicht ganz koscher war, der wurde von Polenz, einem Unterstützer des von Wachendorff angeblich geförderten Kindergartens, auf der Facebookseite „entfreundet“. Nun stellt sich heraus: Polenz’ Schützling ist eine eingebildete Jüdin, deren Vater bei der Wehrmacht war und deren Mutter ganz gewiss nicht Auschwitz – oder sonst ein Lager – überlebte.
Und Polenz? Wütete zunächst gegen die Journalistin Nathalie Pyka, die die Geschichte aufgedeckt hatte („Man kann doch keinen umgekehrten Ariernachweis verlangen“) – und kommt nun doch langsam ins Grübeln. Parteifreunden gegenüber gab er sich zerknirscht. Da sei er doch glatt „einer Betrügerin“ aufgesessen. Einer Betrügerin, deren unverschämte Lügen man durchaus früher hätte erkennen können. jh











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