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Die "Clowns" machen Ernst

4. März 2013 VON Eric Bonse - Lost in EUrope
Schrift:

Gerade noch verhöhnte Peer Steinbrück die Italiener als "Clowns", nun dreht Beppe Grillo den Spieß um: In einem Interview spekuliert er über einen Austritt Italiens aus dem Euro. In sechs Monaten könnte es soweit sein

picture alliance
Beppe Grillo erhält die größte Aufmerksamkeit der Medien

Der Streit um die italienischen “Clowns” geht weiter. Nach dem Aufschlag von SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück keilte der Komiker Grillo nun zurück – der Deutsche sei ein “Flegel”.

Hinter den Verbalinjurien verbirgt sich ein wichtiger Konflikt: Es geht um die Frage, ob Italien im Euro bleibt – bei einem Austritt könnte den Euro”rettern” das Lachen vergehen.

Auf den ersten Blick streiten da zwei unverbesserliche Besserwisser. Die Bundesregierung in Berlin ist, so scheint es, ebenso wenig betroffen wie die EU in Brüssel. Steinbrück gegen Grillo, ein reines Medienspektakel?

Weit gefehlt. Spätestens seit Grillos Interview im “Focus” sollten in Berlin und Brüssel die Alarmglocken klingeln. Denn der Sieger der italienischen Parlamentswahl droht kaum verhohlen mit einem Austritt aus dem Euro.

In einem halben Jahr werde das politische System Italiens zusammenbrechen, sagte er. „Dann können sie die Renten nicht mehr zahlen und auch die öffentlichen Gehälter nicht mehr“.

Italien werde dann gezwungen sein, die Schulden neu zu verhandeln – oder aus dem Euro auszutreten. Wie er sich das vorstellt, sagte Grillo zwar nicht.

“Ich wäre für Online-Abstimmungen zum Euro”, sagte er der “Bild am Sonntag”, dem anerkannten Fachblatt für diese Fragen. Bindend wäre ein solches Votum aber wohl nicht.

Doch allein schon die Drohung muss den Euro”rettern” das Fürchten lehren. Bisher hatten sie gedacht, sie könnten Italien mit der Angst vor höheren Risikoaufschlägen und mit Spardiktaten disziplinieren.

Deutsche Politiker und Experten glauben dies offenbar immer noch; einige drohen unverblümt mit Sanktionen. Doch Grillo und Berlusconi ist damit nicht mehr beizukommen. Um die Spreads scheren sie sich einen ….dreck.

Völlig unerwartet scheinen ihnen die Märkte sogar noch recht zu geben. Bisher jedenfalls hält sich die Spekulation gegen Italien in engen Grenzen. Damit entfällt Merkels wichtigstes Disziplinierungsmittel (denn eine Troika gibt es in Italien nicht – Rom hängt noch nicht am Tropf des ESM, und es wird dies vermutlich auch nie akzeptieren).

Was aber, wenn Italien tatsächlich mit dem Euro-Austritt droht? Das wäre ein völlig neues Katastrophen-Szenario. Denn sehr schnell könnten sich Spanien, Portugal und wohl auch Griechenland anschließen.

Käme es tatsächlich so weit, so würde sich der Spieß umdrehen. Dann müssten plötzlich Berlin und Brüssel um ihren schönen Euro fürchten und versuchen, die Südländer mit Zugeständnissen bei der Stange zu halten.

Ich glaube zwar nicht, dass Grillo schon so weit gedacht hat. Doch gerissen ist er schon, dieser “Clown”. Gerissener als Steinbrück allemal. Und wie heißt es so schön: Wer zuletzt lacht…

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"Gerade noch verhöhnte Peer Steinbrück die Italiener als "Clowns", nun dreht Beppe Grillo den Spieß um: In einem Interview spekuliert er über einen Austritt Italiens aus dem Euro. In sechs Monaten könnte es soweit sein."

Reisende soll man nicht aufhalten, Herr Bonse. Sollen sie doch endlich gehen!

  • Antworten
Grinario05.03.2013 | 14:34 Uhr

Euro-Austritt ist keine Bedrohung, sondern eine Chance

Was bitte ist daran so bedrohlich, wenn Italien, Griechenland, Zypern etc., die mit dem Einheits-Euro wirtschaftlich niemals klar kommen können, aus der Einheits-Euro-Zone austreten? Das wäre vielmehr eine Riesenchance auf einen Neubeginn für alle Südländer und ein Geschenk für ein besseres Europa ohne Verarmung großer Teile der Bevölkerung. Offensichtlich hat der Herr Grillo das kapiert. Wir sollten endlich aufhören, einen Austritt aus dieser Eurozone als den Untergang Europas anzusehen. Das Gegenteil wird der Fall sein. Europa wird endlich wieder blühen können.

  • Antworten
Stephan Achner06.03.2013 | 13:43 Uhr

Grillo und die Folgen

Zwar mag Grillo eine dubiose Figur sein, aber in einem hat er Recht: Italien sollte aus dem Euro-Raum austreten. Dass er doch ein Politiker ist, und kein Clown, sieht man daran, dass er vor der letzten Konsequenz zurückschreckt: Italiens Austritt aus der EU. Es ist zwar historisch bedeutsam, dass Italien zu den Gründungsmitgliedern der EU gehört (>Römische Verträge<), aber Geschichte zählt heute nicht mehr so recht, wenn Menschen wie Machtmensch-Merkel und Komidianten wie Grillo die jeweiligen Tagesordnungen Europas vorgeben.
Meine Konsequenz: Italien raus aus Euro und EU!

  • Antworten
Peter Ripken06.03.2013 | 17:21 Uhr

Die "Clowns"machen Ernst

Folgen wir doch einfach Grillo: Italien raus aus der EU und der Euro-Zone. Das Rom der "Römischen Verträge" hat jetzt verspielt, es gibt immer weniger Italiener, die noch an Europa glauben. Das Rest-Europa kann dabei nur gewinnen.

  • Antworten
Peter Ripken06.03.2013 | 19:35 Uhr

Euro-Austritt

Die Frage ist, in welcher Währung werden die Schulden nach einem Euro-Austritt zurückgezahlt? Ich denke in Euro und deshalb dürfte nach einem Euroaustritt auch ein Schuldenschnitt anstehen. Das dürfte sehr teuer für die Gläubiger und damit auch z.B. für die deutschen Banken werden. Die deutschen Banken-Rettungsschirme dürften dann wieder gebraucht werden oder schnell noch die Anleihen versichern.

Ansonsten, stimme ich der Aussage des Textes zu. Italien lässt sich genauso wenig wie Frankreich disziplinieren. Weder von der EU, den Märkten oder Berlin. Bei Spanien konnte man das schon gut beobachten, ein Land, welches auch nicht pleite gehen durfte, weshalb man Wege fand zu helfen. Die 1000 Mrd Euro der EZB für alle Krisenstaaten, die 100 Mrd für spanische Banken, die zwei Rettungsschirme und das Versprechen der EZB zu unlimitierter Hilfe. Ach ja, es gab auch schon einige Käufe von Anleihen, ganz früher. Dann die ständigen Anpassungen des Zinssatzes und der Rückzahlungsbedingungen der EU-Kredite. Das alles zeigt doch, dass das was Grillo fordert längst gemacht wird. Allerdings gibt es auch Gegenforderungen und die will man nicht mehr. Ganz im Gegenteil, was Barsani Grillo anbietet, sieht nach klassischer linker Politik aus, die erst mal finanziert werden will. Grillo scheint mir Anarchist zu sein und ob man mit so einem "Staat" machen kann? Ein Gutes hat das alles: Es gibt keine Eurobonds. Gäbe es die, würden wir mit Italien und Grillo im Sommer mit Sicherheit in den Abgrund fahren. Eines ist sicher, wenn das so kommt, wird die SPD davon nicht profitieren.

  • Antworten
Robert07.03.2013 | 05:19 Uhr

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