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Blog: Lost in EUrope
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Nichts ist gelöst

11. Juni 2012 VON Eric Bonse - Lost in EUrope
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Nach Griechenland, Irland und Portugal braucht nun auch Spanien die Hilfe der Euro-"Retter". Das bisher kaum verschuldete Land soll bis zu 100 Mrd. aus dem Euro-Rettungsschirm bekommen. Doch den offiziellen Antrag hat die Regierung in Madrid immer noch nicht gestellt, der wurde auf später verschoben. Auch sonst ist fast alles offen: von der endgültigen Kreditsumme bis zur Frage, aus welchem Topf das Geld kommen soll. Klar ist nur, dass die Krise weitergeht.

Nun sind sie alle erleichtert. Spaniens Premier Rajoy, weil er das Schlimmste vermeiden konnte - die Unterwerfung seines stolzen Landes unter das Schreckensregime der Troika. Vorerst soll "nur" der Bankensektor unter Kuratel gestellt werden, die "Men in black" müssen zuhause bleiben. Finanzminister Schäuble ist auch froh, weil nun angeblich der Euro stabilisiert wurde (zum wievielten Male eigentlich?). Spanien sei auf einem "guten Weg", gab Schäuble zu Protokoll.

Auch die Eurogruppe gibt sich erleichtert (hier die offizielle Erklärung). Dabei ist die spanische Krise in keiner Weise gelöst, im Gegenteil: man hat wieder nur an den Symptomen herumgedoktert. Es handelt sich nämlich weder um eine Staatsschuldenkrise noch um einen klassische Bankenkrise, wie vor zwei Jahren in Irland. Im Kern handelt es sich um eine Vertrauens- oder Marktkrise: Madrid braucht nur deshalb Hilfe, weil die Zinsen am Kapitalmarkt zu hoch gestiegen sind.

Die Renditen lagen zuletzt knapp unter sieben Prozent, und damit nahe bei der "Todeszone", bei der eine Finanzierung über den Kapitalmarkt zu teuer wird. Deshalb, und nur deshalb ist die spanische Regierung nicht in der Lage, ihre während der Finanzkrise vor vier Jahren erstaunlich stabilen Banken zu rekapitalisieren. Die 40 Mrd. Euro, auf die der IWF den Bedarf geschätzt hat, wären in normalen Zeiten Peanuts. Der Markt schwimmt in Geld, er könnte es locker finanzieren.

Doch warum spielen die Anleger nicht mit, warum sind die Spreads so hoch gegangen? Neben dem mißlungenen Krisemanagement Rajoys springen zwei Gründe ins Auge. Zum einen steht Spanien seit Jahr und Tag auf der Liste der so genannten PIGS-Staaten, die angelsächsische Anlager zum Abschuß freigegeben haben. Zum anderen hat die Griechenland-Krise der konservativen Regierung in Madrid einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Die Spreads stiegen zum ersten Mal vor einem Jahr, als Schäuble eine Umschuldung Griechenlands forderte. Und sie gingen erneut vor ein paar Wochen in die Höhe, als Schäuble den Griechen unverhohlen mit Rauswurf aus der Eurozone drohte. Es ist also die verfehlte deutsche Krisenpolitik, die Spanien zum Verhängnis geworden ist. Gleichzeitig war es Berlin, das die Spanier unter den Rettungsschrim drängte (siehe"Breaking the rules" I und II).

Und warum hat Berlin so gedrängt? Nun, zum einen nahen die Wahlen in Griechenland. Da sich Schäuble weiter die riskante Option "Grexit" offenhalten will, musste er wohl oder übel etwas tun, um den zu erwartetenden Schock an den Märkten abzufangen - und Spanien zu sichern. Zum anderen sind deutsche Banken in Spanien besonders exponiert. Rund 146 Mrd. haben sie investiert, mehr als Franzosen oder Italiener. Kein Wunder, dass es Merkel und Schäuble so eilig mit der "Rettung" haben.

Und wie geht es jetzt weiter? Nicht gut, gar nicht gut, fürchte ich.Die Märkte werden sich nicht beruhigen, da der ganze von Deutschland eingefädelte Deal auf wackligen Füssen steht. Warum ist der IWF nicht dabei? Woher kommt das Geld, aus dem EFSF oder aus dem ESM? Was passiert mit Altschulden, wenn der ESM vorrangig bedient wird? Und wieviel soll die ganze Aktion eigentlich kosten? Das sind die Fragen, die die Märkte bewegen (erste Details hat zerohedge).

Antworten wollen die Euro-"Retter" erst in ein paar Wochen, vielleicht erst im Juli liefern. Doch dann, so fürchte ich, könnte die Lage am Markt für Spanien so schlimm geworden sein, dass die so genannte Bankenrettung nicht mehr ausreicht und ein volles "Anpassungsprogramm" fällig wird, inclusive "Men in Black" und neuer Marktpanik. Ich hoffe, dass ich mich täusche. Denn sonst könnte dies der letzte Sommer des Euro werden...

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