Das Internet ist verantwortlich für den Niedergang klassischer Medien. Heißt es zumindest. Diese ganze großen Konzerne, dazu Nutzer die neuerdings alles umsonst haben - das sollen die wichtigsten Gründe sein. Weswegen man über allerlei Befreiungsversuche aus dem digitalen Dilemma nachdenkt, zuletzt das missratene Leistungssschutzrecht. Dabei geht das alles am eigentlichen Kern vorbei. Das Internet wirkt nur wie ein Brandbeschleuniger in einem Haus, dessen Zusammenbruch schon viel früher begann.
Ich gehöre zu einer Generation, die noch in blanker Armut aufwuchs und es bis heute nicht fertig bringt, Dinge wegzuwerfen. Keine Sorge: Es kommen jetzt keine Geschichten vom Ende des letzten Kriegs und zu Essen habe ich auch immer ausreichend bekommen. Aber ich konnte die Geschichten und das Verhalten meiner Großeltern immer gut nachvollziehen, die beide während des 1. Weltkriegs geboren wurden und beide den 2. Weltkrieg mitmachten und bis ans Ende ihrer auch materiell durchaus glücklichen Tage eines nicht konnten: Dinge des täglichen Bedarfs wegzugeben. Ganz besonders schlimm bei Essen: Bevor etwas stehen gelassen wurde, musste es noch irgendwo reingezwängt werden. Weil man Essen nicht wegwirft und weil man ja nie weiß, welche schlechten Zeiten vielleicht mal wieder irgendwann auf uns zukommen.
So traumatisiert war ich nie, zumindest nicht, wenn es um die Dinge des täglichen Bedarfs geht. Knappheit, zumindest wenn man man die heutigen Maßstäbe anlegt, herrschte eher im Bereich Medien/Information/Journalismus. Ich erinnere mich, dass die “Tagesschau” das Informations-Hochamt war, bei dem man auch meine Großeltern unter überhaupt gar keinen Umständen stören durfte. Die “Tagesschau” war für sie ihr Fenster zur Welt, das einzige, das sie hatten. Daneben gab es noch eine Tageszeitung, die alles sein musste, ein bisschen Weltgeschehen, das übliche lokale Zeugs, die Anzeigen und die Sonderangebote. Radio gehört haben meine Großeltern eher selten und auch mein eigener Konsum war eher zurückhaltend. Was nicht am Medium, sondern am Angebot lag: Es gab eineinhalb Sender, die für mich in Frage kamen; wenn der Wind günstig stand und alle anderen Umstände ebenfalls passten, bekam ich Ö3 noch rein, das war für Jugendliche in Bayern ungefähr sowas wie früher ARD und ZDF für Menschen in Dresden.
Man nimmt also mit, was man kann. Auf die Idee, ein Medium nicht zu konsumieren, ist damals niemand gekommen. Alleine die Vorstellung, eine ungelesene Zeitung zu nehmen und sie wegzuwerfen - purer Frevel, Unsinn, undenkbar, indiskutabel. Bei einem Programm wegschalten? Keine wirkliche Alternative, weil man dazu erst einmal irgend etwas anderes haben hätte müssen, wo man hätte hinschalten können. Kurzum, Medien hatten einen Wert, einen materiellen ebenso wie einen immateriellen. Alleine schon deswegen, weil es ein Angebot gab, das man heute wohl verknappt nennen würde und das im Vergeich zu heute geradezu unvorstellbar knapp wirkt. Wenn man diese Geschichten jüngeren Menschen erzählt, kommt man sich automatisch so vor, als würde man vom Krieg erzähen, an dessen Ende man mit dem Bollerwagen durch die Straßen gezogen ist.
Dabei: So lange ist das alles noch gar nicht her, zu einem richtigen Massenphänomen ist die Digitalisierung mit all ihren gravierenden Folgen ja auch erst seit einigen Jahren geworden, Das dafür aber auch richtig. In einem Umfang, der heute Angebote ungeahnter Größenordnung möglich macht. Ganz egal, ob man heute von Texten, von klassischem Radio, von Bewegtbild, Fernsehen, Kino, Serien spricht - die Angebote in allen Sparten sind so riesig groß geworden, dass niemand mehr in der Lage ist, sie noch zu konsumieren.











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