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Überangebot ist der Medien Tod

4. März 2013 VON Christian Jakubetz - unhipster
Schrift:

Die Krise der klassischen Medien wurde nicht durch die Kostenfreiheit im Internet bedingt. Viel eher gibt es seit Jahren ein Überangebot an Informationsquellen. Nun ist die Zeit gekommen, in der der Fluss des Mittelmaßes von selbst abebbt

picture alliance
Das Netz - Schuld am Niedergang klassischer Medien?
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Das Internet ist verantwortlich für den Niedergang klassischer Medien. Heißt es zumindest. Diese ganze großen Konzerne, dazu Nutzer die neuerdings alles umsonst haben - das sollen die wichtigsten Gründe sein. Weswegen man über allerlei Befreiungsversuche aus dem digitalen Dilemma nachdenkt, zuletzt das missratene Leistungssschutzrecht. Dabei geht das alles am eigentlichen Kern vorbei. Das Internet wirkt nur wie ein Brandbeschleuniger in einem Haus, dessen Zusammenbruch schon viel früher begann.

Ich gehöre zu einer Generation, die noch in blanker Armut aufwuchs und es bis heute nicht fertig bringt, Dinge wegzuwerfen. Keine Sorge: Es kommen jetzt keine Geschichten vom Ende des letzten Kriegs und zu Essen habe ich auch immer ausreichend bekommen. Aber ich konnte die Geschichten und das Verhalten meiner Großeltern immer gut nachvollziehen, die beide während des 1. Weltkriegs geboren wurden und beide den 2. Weltkrieg mitmachten und bis ans Ende ihrer auch materiell durchaus glücklichen Tage eines nicht konnten: Dinge des täglichen Bedarfs wegzugeben. Ganz besonders schlimm bei Essen: Bevor etwas stehen gelassen wurde, musste es noch irgendwo reingezwängt werden. Weil man Essen nicht wegwirft und weil man ja nie weiß, welche schlechten Zeiten vielleicht mal wieder irgendwann auf uns zukommen.

So traumatisiert war ich nie, zumindest nicht, wenn es um die Dinge des täglichen Bedarfs geht. Knappheit, zumindest wenn man man die heutigen Maßstäbe anlegt, herrschte eher im Bereich Medien/Information/Journalismus. Ich erinnere mich, dass die “Tagesschau” das Informations-Hochamt war, bei dem man auch meine Großeltern unter überhaupt gar keinen Umständen stören durfte. Die “Tagesschau” war für sie ihr Fenster zur Welt, das einzige, das sie hatten. Daneben gab es noch eine Tageszeitung, die alles sein musste, ein bisschen Weltgeschehen, das übliche lokale Zeugs, die Anzeigen und die Sonderangebote. Radio gehört haben meine Großeltern eher selten und auch mein eigener Konsum war eher zurückhaltend. Was nicht am Medium, sondern am Angebot lag: Es gab eineinhalb Sender, die für mich in Frage kamen; wenn der Wind günstig stand und alle anderen Umstände ebenfalls passten, bekam ich Ö3 noch rein, das war für Jugendliche in Bayern ungefähr sowas wie früher ARD und ZDF für Menschen in Dresden.

Man nimmt also mit, was man kann. Auf die Idee, ein Medium nicht zu konsumieren, ist damals niemand gekommen. Alleine die Vorstellung, eine ungelesene Zeitung zu nehmen und sie wegzuwerfen - purer Frevel, Unsinn, undenkbar, indiskutabel. Bei einem Programm wegschalten? Keine wirkliche Alternative, weil man dazu erst einmal irgend etwas anderes haben hätte müssen, wo man hätte hinschalten können. Kurzum, Medien hatten einen Wert, einen materiellen ebenso wie einen immateriellen. Alleine schon deswegen, weil es ein Angebot gab, das man heute wohl verknappt nennen würde und das im Vergeich zu heute geradezu unvorstellbar knapp wirkt. Wenn man diese Geschichten jüngeren Menschen erzählt, kommt man sich automatisch so vor, als würde man vom Krieg erzähen, an dessen Ende man mit dem Bollerwagen durch die Straßen gezogen ist.

Dabei: So lange ist das alles noch gar nicht her, zu einem richtigen Massenphänomen ist die Digitalisierung mit all ihren gravierenden Folgen ja auch erst seit einigen Jahren geworden, Das dafür aber auch richtig. In einem Umfang, der heute Angebote ungeahnter Größenordnung möglich macht. Ganz egal, ob man heute von Texten, von klassischem Radio, von Bewegtbild, Fernsehen, Kino, Serien spricht - die Angebote in allen Sparten sind so riesig groß geworden, dass niemand mehr in der Lage ist, sie noch zu konsumieren.

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Das globale Dorf

Sie kennen doch auch (generationsbedingt) die Thesen vom „Globalen Dorf“ eines Marshall McLuhan, oder „The Medium is the Massage“ (Das Medium ist die Botschaft), damals als prägende Diskussionsgrundlage einer neuen Medientheorie. In dieser Periode würde die Menschheit vom Individualismus abrücken und eine kollektive Identität auf Stammesbasis annehmen, so eine der vielen Botschaften. Dann kam das Internet.
Heute haben wir die Tendenzen zum unverwechselbaren Eigen-Leben, zur unerbittlichen Ausgrenzung, Lifestyle als Brauchtum und Folklore, Stadtteil als Stammesterritorium usw.. Die Gesellschaft hat sich ausdiffenziert mit unterschiedlichen Präferenzen. Das können wir heute schon an dem Phänomen „Trash TV" beobachten. Deren Angebote sollte man nur noch in verfassungsrechtlicher, soziologischer und gesellschaftspolitischer Hinsicht überwachen. Für die Anderen gilt, wer nicht in Qualität investiert, ob Sender oder Verlag, wird in diesem mehr als gesättigten Markt der Aufmerksamkeitsökonomie nicht überleben, so meine persönliche Prognose.

  • Antworten
bernhard jasper04.03.2013 | 18:01 Uhr

Wie wahr

Ich habe das Gefühl, dass wir im Zeitalter der Hypes leben. Begonnen hat das sicher auch schon vor längerer Zeit. Ich erinnere mich, dass in den 1970-er/1980-er Jahren überall Wollläden eröffnet wurden. Heute sucht man (fast) vergeblich nach einem. Dann waren es die Nagelstudios, die sich in jede noch so kleine Butze setzten, im vergangenen Jahr die Bubbletea-Läden. Was ich gleichermaßen beobachte, die Hypes gehen immer schneller vorbei. Gut zu sehen daran, dass es auch kaum noch einen Bubbletea-Laden gibt.
An mir selbst beobachte ich, dass mich diese Hypes extrem langweilen. Fernsehen habe ich mir schon vor Jahren abgewöhnt, weil es für mich einfach langweilig geworden ist. Ich kann mich an den vielen kurz-erblühenden Stars aus diversen Casting-Shows nicht erfreuen, sie nicht einmal ernst nehmen. Ich habe auch nicht das Gefühl, dass ich irgendetwas verpasse. Informiert – sogar quasi gegen meinen Willen – werde ich sowieso über all das. Denn höre ich mal Radio im Auto, werde ich zugequasselt mit Dschungel-Show, Top-Modells, Gesangstars etc.. Oder lese ich Online-Zeitungen oder gar eine Papierausgabe, so wird mir auch dort mitgeteilt, was mich nicht interessiert.
Es werden mit Sicherheit Zeitungen überleben. Nämlich diejenigen, die nicht einfach nur jeden Hype mitmachen und auf Hypes setzen sondern sich kritisch mit den gesellschaftlich-relevanten Themen auseinander setzen. Gerade das ist meines Erachtens der Mehrwert einer Zeitung: das gedruckte Wort von Journalisten, die sich mit einem Thema rundherum auseinander gesetzt haben.

  • Antworten
JournalistinBS05.03.2013 | 10:03 Uhr

> Es werden mit Sicherheit

> Es werden mit Sicherheit Zeitungen überleben.

Ja? Warum denn? Ist das auf totem Baum vermerkte Wort denn wertvoller als seine digitale Vorstufe? Hat es ein Cover und klingt wärmer?

Das "Überangebot" an Informationen betrifft nur allgemeine und nicht spezielle Informationen. Früher waren alle Informationen auch für einen selbst relevante Informationen, heute sind es praktisch keine mehr. Der nächste Schritt kann hier nur die Vorselektion als Leistung sein. Die individuelle Zeitung - aber diese ist keine Zeitung und man liest sie nicht auf Papier.

  • Antworten
proforma10.03.2013 | 11:56 Uhr

Cicero - Überangebot ist der Medien Tod?

Ich gebe Christian Jakubetz recht, dass sich der Markt regulieren und ein Überangebot – hoffentlich die „schlechten“ Publikationen - in der Versenkung verschwinden wird. Das Feindbild Internet führt dabei ebenso in die Irre wie eine Einschätzung, was denn Überangebot ist. Man kann diese Thematik aus der Sicht des Einzelnen und aus der des gesamten Marktes und wird dann feststellen, dass da sehr unterschiedliche Sichtweisen entstehen.

Aus meiner Sicht habe ich auf dem deutschen Markt eine immense – auch von mir gewollte - Bandbreite von Medien, nutze sie auch gezielt mit dem Wissen um eine eingeschränkte Utilisierung und bin bereit und tue dies, Geld dafür auszugeben. Fernsehen, Online-Dienste und Printmedien gehören dazu und da sähe ich noch einiges an Potential einer individuelleren Bereitstellung. Auf der anderen Seite ist die Frage zu stellen, ob jeder lesende Mensch (Untermenge von 82 Mio) mit seinen individuellen Vorstellungen erreicht wird und wie groß dieser Markt wirklich ist.

Mein Anspruch ist anhand zweier zitierter Texte – Bernhard Pörksen in brand eins im Sept. 2012 - darstellbar:

... "Nach meiner Wahrnehmung sind Printmedien ein unübertroffenes Medium der Reflexion, weil sie durch die unvermeidlich verzögerte Berichterstattung den zweiten Gedanken erzwingen. Wenn Sie ein Printmedium produzieren, müssen Sie an einer Art Informationshärtung arbeiten, die Sie idealerweise zwingt, grundsätzlicher nachzudenken. Ich halte es für fatal, dass die intellektuelle Elite des Landes sich kaum für die Printmedien einsetzt." ...

"Das Web 2.0 ... ist die blitzschnelle, kostengünstige und barrierefreie Vernetzung und Information. Wo ist das vergleichbar attraktive Mantra für die Printmedien? Die Idee eines Mediums des zweiten Gedankens, der Reflexion ist gewiss noch nicht massentauglich genug - vielleicht so etwas wie: Wer nachdenkt, liest nach." ...

Und der Anspruch des „Marktes“? Man stelle sich vor, alle jungen Menschen würden mit ihrer Bildung à la Evangelische Gemeinschaftsschule Berlin Zentrum auch an das Thema Medien herangeführt. Wie groß wäre dann der Markt, von den bunten Blättern mal abgesehen?

  • Antworten
Herbert Nau05.03.2013 | 11:23 Uhr

Weiterbildung

Verfolgt man die Entwicklung in der Medienbranche der letzten Jahrzehnte (ich selbst bin in dieser Branche nicht tätig), dann fällt in erster Linie eines auf: die Ratlosigkeit, wenn es darum geht, die Entwicklungen richtig einzuordnen. Ich fasse mich jetzt kurz. Ein Magazin wie „Cicero“ kann, wenn es Sich-unterscheiden-will, nur „elitär“ daherkommen, jedoch zurückhaltend und nüchtern, eher manifestierend als diese „moderate“ Beliebigkeit. Man muss nicht jede Mode mitmachen! Übrigens, ist das auch gut modern. Viele meinen die Aufgabe einer Zeitung oder Zeitschrift ist die Meinungsbildung- das ist kalter Kaffee. Die Qualität der Inhalte ist heute entscheidend. Qualität ist ein Wert an sich, in einer Zeit, wo die „Pluralität“ und „Vielfalt“ der „Meinung“ in den Massenmedien gleichgeschaltet ist. Die „Diktatur des Relativismus“, Beliebigkeit, anything goes, wird heute oft von halbwegs gebildeten Menschen beklagt. Warum wohl? Weil sich die Gesellschaft ausdifferenziert hat und erheblich gebildeter ist, als noch vor 30 Jahren. Auch gibt es viele Stimmen in den Medien, die gegen Wahrheit und Wissen verstoßen (teilweise aus ideologischen Gründen) und reinen privaten Interessen. Und dann noch, Qualität erkennt man an der Gründlichkeit- vor Schnelligkeit. Auch meinen viele Medien- und „Meinungsmacher“, sie bilden die sogenannte „Realität“ ab, was ist das eigentlich, die sogenannte Realität in der heutigen Zeit?

P.S.: Insofern-Weiterbildungsprogramme in der Branche wären vielleicht hilfreich- wie für uns alle.
Grüße Bernhard Jasper!

  • Antworten
bernhard jasper05.03.2013 | 19:32 Uhr

Schlecht redigiert

Zum Inhalt: Diese Ätsch-Texte der digitalen Journalisten wiederholen sich derart, dass ich allmählich an Textbausteine glaube. Dazu sind im ersten Absatz so viele Tippfehler, dass ich überhaupt nicht weiterlese. Was ist daran nun so viel besser als an den bösen klassischen Medien, auch wenn die sicher nicht so viel Qualität beinhalten, wie sie gern behaupten?

  • Antworten
Redakteurin06.03.2013 | 17:05 Uhr

Angebot vs. Nachfrage

Danke für den Artikel! Der gefällt mir ;-)

Ich denke auch, dass das LSR ein Eigentor der Verlage werden wird und das Problem des "Zeitungssterbens" nicht lösen wird. Es gibt einfach zu viel Angebot für zu wenig Nachfrage. That's it.

Für Journalistinnen und Journalisten ist das natürlich schlecht, aber so funktioniert unsere Marktwirtschaft nun mal.

@Redakteurin: Diese "Ätsch-Texte" sind das Äquivalent zu den Texten der großen Zeitungen zum pösen pösen Internet. Auf Tippfehlern rumreiten zeugt auch nicht unbedingt von ehrlichen Diskussionwillen.

  • Antworten
Hives08.03.2013 | 12:35 Uhr

Gratiszeitungen

Eben lese ich "Ari heißt Löwe", die Erinnerungen des israelischen Journalisten Ari Rath, eines geborenen Wieners. Und da stoße ich auf Seite 165 auf folgenden Satz:

"Und wie wenig journalistische Qualität heute geschätzt wird, zeigen die zahllosen Gratis-Boulevardzeitungen, die zu einer ernsthaften Bedrohung nicht nur des Journalismus, sondern der Demokratie werden können."

Spannende Lektüre....

  • Antworten
Klaus Henning12.03.2013 | 22:47 Uhr

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