Eine Webseite katholischer Extremisten macht sich seit Tagen über den verstorbenen Dirk Bach her. Und im Netz wird der Müll auch noch weiterverbreitet. Zeit darüber nachzudenken, ob man wirklich alles tolerieren muss. Bei manchen Seiten wäre die Antwort ganz einfach: Nein, muss man nicht. Verbieten.
In den letzten Tagen bin ich verdammt oft über einen Text gestolpert, der selbst mit der Bezeichnung “Zum Kotzen” nur sehr unzureichend beschrieben wäre. Auf einer Webseite befasste sich ein Wirrkopf mit dem Tod des Schauspielers Dirk Bach und behauptete darin u.a., Bach schmore jetzt in der “Homo-Hölle”. Daneben stand allerlei anderes Zeug. Meistens kann man bei solchen Sachen ja davon ausgehen, dass es einfach nur krude ist und das Schöne am Netz ist ja (ernsthaft!), dass jeder noch so krudes Zeug erzählen darf, solange er niemand anderem ernsthaft weh tut. Bei diesem Text, angeblich übrigens mit einer streng katholischen Motivation, ging es nicht darum, ob jemand krudes Zeug erzählt. Stattdessen rückte der Autor den verstorbenen Bach in die Nähe der Sodomie, unterstellte nicht mal unterschwellig Drogenmissbrauch und lancierte, der “verkommene” Bach sei einen verdienten und gottgewollten Tod gestorben.
Und während ich Ihnen das gerade so erzähle, denke ich darüber nach, dass ich jetzt eigentlich das machen müsste, was man im Netz so macht und was das Netz letztendlich ja auch ausmacht: einen Link setzen. Das wäre korrekt und richtig, damit Sie sich selbst ein Bild von diesem Text machen können. Aber: Macht man das? Verbreitet man solch einen Dreck auch noch weiter, in dem man darauf verlinkt? Wie Sie sehen, habe ich mich dagegen entschieden, aus genau diesem Grund: Ich gebe dem Dreck doch nicht Reichweite.
Viele andere haben sich in diesen Tagen anders entschieden, viele meiner Freunde und Bekannten. Niemand hat diesen Link irgendwo gepostet, weil er den Text auch nur im Ansatz richtig fand. Im Gegenteil, es war die reine Empörung. Zur Folge hat das aber im Netz anderes, absurderes: Seit drei Tagen bekomme ich automatisierte Mails, in denen mir diese Geschichte “empfohlen” wird - weil es ausreichend Freunde gab, die sie gepostet haben. Und selbst, wenn ich diese Mails ignoriert hätte, an dieser Geschichte gab es im sozialen Netz plötzlich kein Vorbeikommen mehr. Ich glaube, alleine bei Facebook bin ich auf 20 Freunde gestoßen, die den Link gepostet hatten.
Stellt sich also mal wieder die Frage nach den Grenzen. Die Frage danach, wie viel man aushalten können muss, wie viel Toleranz man aufbringen und wie viel an Gehässigkeit man ertragen muss. Und wie sinnig es ist, den Hasspredigern (auch wenn sie in diesem Fall aus der katholischen Ecke kommen) auch noch Raum zu Weiterverbreitung geben darf. Es ist zumindest ein frappierender Unterschied zwischen analoger und digitaler Welt: Im echten Leben müsste jeder, der sich derart äußert, mit empfindlicher Bestrafung rechnen. Im Netz soll es ok sein, weil es ja das Netz ist und jeder sagen darf, was er will? Man muss eine solche Seite, die nicht zum ersten Mal Texte dieser Art veröffentlicht, ernsthaft aushalten, weil das Netz frei ist? Diese Seite, deren Name hier bewusst nicht steht, ist fernab von allem, was man als durch das Recht auf freie Meinungsäußerung gedeckt bezeichnen könnte - trotzdem werden ihre Texte weiterverbreitet, trotzdem kann man sie liken, sharen, kommentieren.
Verboten? Keinewegs. Heute wurde nachgelegt: Dirk Bach sei auch ein Kinderhasser gewesen. Und noch etwas anderes. Aber diesen Begriff werden Sie hier nicht lesen. Weil man nicht jeden Dreck weiter verbreiten muss. Erst recht nicht im Netz.
Verbieten? Ja. Manchmal können Antworten auch ganz einfach sein.











32 Kommentare