Jump to Navigation
Startseite

Magazin im Mai: Nichts klappt, alle lieben sie: Das Geheimnis der verschlunzten Hauptstadt

Babel Berlin
  • Magazin
  • Mediathek
  • Literaturen
  • Service
  • Newsletter
  • Shop
  • Abo
  • Berliner Republik
  • Weltbühne
  • Kapital
  • Stil
  • Salon
  • Bücher
  • Themen der Zeit
  • Kolumnen
  • Blogs
  • Ressorts
  • Dossiers
  • Karikaturen
  • Suche

Suchformular


Mein Cicero


Sie sind hier: Startseite > Weblogs > Weblog von Christian Jakubetz - unhipster
 > Guidos Werk und Apples Beitrag

Blog: unhipster
früheren Post
Zurück zur Übersicht
nächsten Post
früheren Post
Zurück zur Übersicht
nächsten Post

Guidos Werk und Apples Beitrag

1. Oktober 2012 VON Christian Jakubetz - unhipster
Schrift:

Das Netz - macht alles schlimmer. Darin sind sich nahezu alle Digital-Sekptiker einig. Immer weniger Zeit, immer flachere Kommunikation, dazu immer mehr gestörte Menschen, die an den Anforderungen der ständigen Erreichbarkeit kaputtgehen. Das geht am eigentlichen Problem vorbei

Screenshot Apple
iphone,iOS6,nicht_stoeren,

Bei Apple waren sie im Aufspüren neuer Trends und dem, was Kunden in Zukunft mögen könnten, seit jeher gut. Ganz besonders gut ist man dort jetzt darin, den Menschen das wiederzugeben, was sie seit der Einführung des ganzen hyperaktiven digitalen Krimskrams erst so richtig zu vermissen beginnen: Freiheit, Ruhe, Selbstbestimmtheit. Das ist eine lustige Idee, weil das in etwa so ist, als würde ein Drogendealer gleichzeitig auch Plätze für Entzugstherapien anbieten. Aber das nur nebenher, eigentlich soll es ja an dieser Stelle darum gehen, was Digitalisierung mit uns so alles anrichtet. Und statt immer auf das Große und Ganze und irgendwie auch Theoretische zu schauen, ist es manchmal ganz hilfreich, wenn man einen Blick auf die Kleinigkeiten des Lebens wirft. Nur um dann festzustellen, dass die Einflüsse sehr viel weiterreichen als wie es der noch so kompetente Interneterklärbär jemals darstellen könnte.

Bei Apple, um wieder zum eigentlichen Ausgangspunkt zurückzukommen, haben sie jetzt in das neueste Betriebssystem für Handy und iPad eine Art Ruheknopf eingebaut. Wenn man die Option „Nicht stören“ wählt, dann blockiert das Gerät für diese Zeit alle Meldungen wie SMS oder Messenger; der Bildschirm leuchtet nicht auf, kurz gesagt: Man hat die Option, sich ein bisschen Abstand und Freiraum zu nehmen. Was in einem Zeitalter, in dem Menschen wie ich das Handy wie selbstverständlich neben dem Bett liegen haben, ein gewagter Schritt ist: Kann man sich da jetzt einfach so ausklinken und dem Rest der Welt mitteilen, gerade mal nicht von ihm behelligt werden zu wollen? Könnte ja immerhin als unhöflich verstanden werden, das.  Auch wenn es inzwischen Firmen gibt, die ihren geplagten Mitarbeitern Handyabstinenz verordnen. Und wo jeder durchschnittliche Dorfpsychologe darauf hinweist, dass man böse Sachen von dieser dauernden Erreichbarkeit bekommen kann. Dieses, wie hieß es doch noch, ach ja, richtig: Burnout.

***

Vor drei Tagen also zum ersten Mal ausprobiert. Ausgeklinkt aus dem dauernden Strom von Nachrichten, piepsenden Apps, Mitteilungen, die manchmal wichtig sind und meistens eben nicht. Eigentlich das normalste Ding der Welt, zumindest in analogen Zeiten. Ich kann mich an Zeiten erinnern, da galt es als wenigstens ungehörig, jemanden am Sonntag anzurufen, das machte man nicht – hieß es.  Heute sitzt man dann da und überlegt allen Ernstes, ob das jetzt wirklich in Ordnung ist, sich wenigstens am Samstag und am Sonntag abend diese Nicht-stören-Funktion zu genehmigen. So weit ist das also jetzt schon. Und vermutlich wäre man sehr schnell geneigt zu sagen: Natürlich, dieses Netz, dieser ganze digitale Kram.  Frisst die Zeit, raubt die Freiheit. Haben wir es doch schon immer gewusst und am Ende sind wir dann alle digital dement.

Aber könnte es nicht sein, dass es genau andersrum ist? Dass wir auf das Netz schimpfen und es für allerlei Unheil verantwortlich machen, aber in Wirklichkeit etwas meinen, was einem irgendwie unheilvollem Zeitgeist geschuldet ist? Es ist ja nicht die Digitalisierung, die unser Leben schneller macht, sondern eine merkwürdige Ideologie, auf die wir uns in den letzten beiden Jahrzehnten eingelassen haben (oder einlassen mussten, ganz wie man will). Es ist dieser Zeitgeist, der nach Westerwelle schmeckt und nach Jungen Liberalen riecht. Einer, demzufolge die ständige Leistung, die dauernde Erreichbarkeit, das selbstverständliche Arbeiten am Wochenende und gerne auch mal am späten Abend salonfähig geworden sind. „Freizeitpark Deutschland“ ist schon zu den Zeiten eines Kanzlers Kohl zu einem geflügelten Schimpfwort geworden. Und auch die Schröder-Agenda 2010 zielte letztlich, ob richtig oder nicht, nur auf eines ab: Mehr Leistung, mehr Arbeit, mehr Wirtschaft. Was aus einer Gesellschaft werden soll, die sich ausschließlich über Arbeit und Leistung definiert, wagt schon seit vielen Jahren niemand mehr zu fragen.

Umso absurder ist es, wenn sich jetzt plötzlich die Reden und die Artikel und die Beiträge häufen, in denen (der „Spiegel“ machte es vor) plötzlich das Netz und die Smartphones aufgefordert werden, endlich mal still zu sein. Das Netz wird als neue Geißel der Gesellschaft ausgegeben, dabei geißeln sie sich alle schön selbst seit Jahren. Man will ja schließlich kein Minderleister sein, weswegen man sich im Hamsterrad der ständigen Erreichbarkeit und der unbedingten Leistungsfähigkeit bewegt. Das würden sie aber auch so machen, ganz ohne iPhones, Tablets und Messaging-Apps. Was für ein Blödsinn also, wenn man handyfreie Zonen und Zonen quasi per Verordnung einrichten will oder die Einrichtung einer nicht-stören-Funktion als einen Fortschritt in Richtung bessere Zukunft sehen will.

Mit dem Netz und seinen Geräten umzugehen, das ist erlernbar. Es sind einige wenige Tricks und Kniffe, dann funktioniert das, wenn man will. Was uns daran hindert, ist nicht eine Technik, ist nicht ein simples Gerät. Sondern ein gesellschaftlicher Kontext, in dem „Minderleister“ eine der schlimmsten vorstellbaren Beschimpfungen ist.

***

Nebenher festgestellt: Nach zwei Abenden mit  aktiviertem „nicht stören“ gestern abend glatt das Einschalten des Ausschaltens vergessen. Heute früh aufgewacht, aufs Smartphone geschaut. Es wäre eh nix gewesen.

Twitter
drucken
merken
in mein Dossier
versenden

Zu diesem Artikel gibt es
2 Kommentare
Diese Blogeinträge könnten
Sie auch interessieren:


Twitter
Diese Blogeinträge könnten Sie auch interessieren:


Abhilfe

Wissen Sie was? Diese ständigen Selbstbemitleidungen und solche dann doch nicht ganz ernst gemeinten Artikel gehen mir auf den Keks! Wenn Sie ein Problem mit Erreichbarkeit oder Techniküberforderung haben - schaffen Sie diesen Blödsinn ab! Ich hab auch kein Smartphone oder IPad oder so was. Bei mir zuhause steht sogar noch ein W48 mit Wählscheibe rum. Und ich bin sicher nicht
weniger von dieser Welt als andere. Aber dieser Schnickschnack ist eben alles andere als wichtig.

Und wenn Sie ein Problem damit haben, dass Leute "wer-weiss-was" von Ihnen denken und Sie das Gefühl haben, ohne diese ganze Kommunikation nicht mehr dazu zu gehören - schaffen Sie sich gefälligst neue Freunde an die an echten Beziehungen interessiert sind. Mitmenschen die andere aufgrund eines solchen Verhaltens als nicht vollwertige, eventuell gar anachronistische Wesen betrachten, sollten mal ihr Menschenbild überdenken und vor allem einen Therapieplatz beantragen (den brauchen sie wegen ihrer Technikobsession ja eh früher oder später).

Wenn man sich schon Gedanken macht, dann doch am besten solche die das "Problem" dahinter auch lösen. Also hören Sie auf, solche gar nicht konsequent gemeinten Meinungen in die Welt zu setzen. Entweder-Oder, was anderes gibt es hier nicht als Ausweg. Guten Tag!

  • Antworten
Kommentator02.10.2012 | 17:06 Uhr

Wissen Sie, natürlich denke

Wissen Sie, natürlich denke ich ab und an darüber nach, wie man den ganzen Spuk ein wenig in den Griff bekommen könnte. Die schlechteste und umkonstruktivste Lösung, die mir eingefallen ist, war allerdings die, den ganzen Kram wegzuwerfen und mir ein Telefon mit Wählscheibe zuzulegen.

Aber trotzdem danke für die Anregung.

  • Antworten
Christian Jakubetz03.10.2012 | 09:23 Uhr

Ihr Kommentar zu diesem Artikel

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.
Bildergalerie

20 Gründe, auf den Mars umzuziehen

zur Bildergalerie
Anzeige

Marie Amrhein

Sonntagskolumne: Mein Sozialstaat

Angie, gib' die Wohnung frei

Deutschland ächzt unter akutem Wohnungsnotstand

In Deutschland herrscht akuter Wohnungsmangel. So zumindest wirkt es für die Menschen in den Ballungsräumen der Republik. Und dabei geht es nicht nur um den schönen Altbau mit Balkon im Prenzlauer Berg, Mitte oder Kreuzkölln


DAS NEUESTE AUS DEN BLOGS VON CICERO ONLINE

Bild des Benutzers Eric Bonse - Lost in EUrope
Hollandes Offensive kommt zu spät

Frankreichs Staatschef Hollande will eine Wirtschaftsregierung für die Eurozone. Auf einer…

zum Blogeintrag

Frage des Tages

Klone der Schöpfung
In Kooperation mit dem Tagesspiegel
zur Frage

Thema der Woche

150 Jahre SPD: Vom Fürstenfeind zur Kaviarlinken
zum Dossier
Sollte die Bundeswehr Drohnen kaufen?
Das Cicero-Meinungsbild

Das Verteidigungsministerium will unbemannte Flugkörper kaufen. Ist das ethisch zu vertreten?

Umfrage
Die Türkei muss in die EU, fordert Gerhard Schröder im Cicero. Hat er Recht?
Ja, ein Beitritt ist dringend nötig, um die Region zu stabilisieren
16%
Nein, die EU wäre heillos überfordert
84%
Gesamtstimmen: 685
zur Umfrage
Medizin, Gesundheitssystem, krank
Dossier

Wie krank ist unser Gesundheitssystem?

zum Dossier

Dossier

Nordkorea zündelt

zum Dossier

Mittelstand,Mittelschickt,Bürgertum,Internetstore AG
Dossier

Mythos Mittelstand

zum Dossier

Anzeige
Anzeige

Video

„Deutschland wird nicht mehr zu den G8 gehören“

Video
alle Videos
Anzeige

Jetzt den Newsletter von Cicero Online abonnieren

Liebe Leserinnen und Leser. Gerne informieren wir Sie regelmäßig über das aktuelle Angebot von Cicero Online. Bitte tragen Sie ihre E-Mail-Adresse ein und wir schicken ihnen montags bis freitags unseren täglichen Newsletter.

E-Mail*
Anrede
Vorname
Nachname

Anzeige

Weitere Angebote des Ringier Verlags: Monopol – Magazin für Kunst und Leben | Geschenkidee.de – Der Shop für ausgefallene Geschenkideen
© Cicero 2013
  • Impressum
  • Nutzungsbedingungen
  • AGB
  • Stellenangebote

Weitere Angebote des Ringier Verlags: Monopol – Magazin für Kunst und Leben | Geschenkidee.de – Der Shop für ausgefallene Geschenkideen
© Cicero 2013
 
RESSORTS
Startseite
Berliner Republik
Weltbühne
Kapital
Stil
Salon
Bücher
Karikaturen
Bildergalerien
Videos
Blogs
Dossiers
Newsletter
 
  • Datenschutz
  • Impressum
  • Redaktion
© Cicero Online 2013zum Seitenanfang