Jump to Navigation
Startseite

Magazin im Mai: Nichts klappt, alle lieben sie: Das Geheimnis der verschlunzten Hauptstadt

Babel Berlin
  • Magazin
  • Mediathek
  • Literaturen
  • Service
  • Newsletter
  • Shop
  • Abo
  • Berliner Republik
  • Weltbühne
  • Kapital
  • Stil
  • Salon
  • Bücher
  • Themen der Zeit
  • Kolumnen
  • Blogs
  • Ressorts
  • Dossiers
  • Karikaturen
  • Suche

Suchformular


Mein Cicero


Sie sind hier: Startseite > Weblogs > Weblog von Christian Jakubetz - unhipster
 > Ad Acta

Blog: unhipster
früheren Post
Zurück zur Übersicht
nächsten Post
früheren Post
Zurück zur Übersicht
nächsten Post

Ad Acta

4. Juli 2012 VON Christian Jakubetz - unhipster
Schrift:

Es wird vermutlich nicht lange dauern, bis niemand mehr weiß, was dieses ACTA eigentlich war. Erinnern wird man sich allenfalls an eine kurze wie heftige Auseinandersetzung. Trotzdem ist der gescheiterte Entwurf eines unsäglichen Abkommens mehr als eine von vielen Vorlagen, die mit der Zeit wieder in Vergessenheit geraten. ACTA ist das Sinnbild einer tiefen gesellschaftlichen Risses

picture alliance

Streng genommen gibt es heute nur noch zwei Lebensentwürfe. Der eine ist digital, der andere analog, dazwischen liegt nicht sehr viel. Bei den Kollegen des "Spiegel" reicht der 5. Geburtstag des iPhones inzwischen aus, um eine Titelgeschichte zu schreiben. Und kaum etwas sorgt für so heftige Diskussionen unter an sich vernunftbegabten Menschen, als wenn es um die Digitalisierung und ihre Folgen geht. Fast nirgendwo wird mit derart viel Unwissen und auch diffusen und irrealen Ängsten argumentiert wie bei diesen Themen. Smartphones? Sind letztendlich schuld an ungezählten Burnouts. Urheber? Müssen künftig unter der Brücke schlafen, weil die Netzgemeinde ihre Rechte abschaffen und alles umsonst haben wollen. Dass das Netz auch noch am Niedergang des Journalismus schuld ist, versteht sich von selbst. Aufrufe, Manifeste und Thesen geistern durch das Netz. Woran man wenigstens eines ablesen kann: Der eher analoge Teil der Gesellschaft hat vieles noch nicht begriffen, analog und digital sind die neuen Trennlinien des Lebens, man weiß noch nicht so genau, was da jetzt eigentlich passieren wird - aber man bekommt eine leise Ahnung davon, wie relevant das Thema Digitalisierung ist, ob man sich jetzt damit auseindersetzen will oder nicht. Totalverweigerung ist ja, wenn man so will, auch eine Form der Auseinandersetzung.

Jetzt also ACTA, eines der erstaunlichsten Phänomene der letzten Jahre. Man darf mit gutem Gewissen bestreiten, dass wirklich jeder, der dagegen auf die Straße ging oder im Netz protestierte, wirklich bis ins letzte Detail wusste, gegen was genau er da eigentlich war. Aber das war auch nicht der entscheidende Punkt. Vielmehr war es anderes: der Versuch, Phänomene einer digitalen Entwicklung, die schon lange Realität sind, mit herkömmlichen und deshalb untauglichen Mitteln zu bekämpfen. ACTA stand sinnbildlich für einen Konflikt zwischen zwei Lebensweisen, die immer schwieriger miteinander zu vereinbaren sind, wobei sich das analoge Lager vorwerfen lassen muss, sich kaum die Mühe zu machen, diese neue digitale Welt in ihrer ganzen Dimension begreifen zu wollen.

Stattdessen: Man stößt immer wieder auf das gleiche Muster. Ein Muster, mit dem versucht werden soll, die alte in eine neue Welt zu retten. Ganz egal, ob Unterhaltungsindustrie, Medien und alle anderen Branchen, die irgendwie von der Digitalisierung betroffen sind, diejenigen, bei denen die Entwicklung schon etwas fortgeschritten ist, haben allesamt ein böses Scheitern hinter sich. Die Musikindustrie hat über Jahre hinweg schlichtweg ignoriert, dass das Problem nicht das Internet und die bösen Raubkopierer sind. Stattdessen hat sie sich der Erkenntnis verweigert, dass das Problem ihr bisheriges Geschäftsmodell ist. Dass die Zeiten, in denen man ganze Alben am Stück verkaufte, take it or leave it, vorbei sind, weil die zahlende Kundschaft genau das nicht mehr wollte oder vielleicht einfach nur erkannte, dass es auch anders geht (man bemerkt übrigens im Nachhinein beim Blick auf die Sammlung dann erst, wie viele Alben im Regal stehen, von denen man zwei Drittel nie wirklich gehört hat).

Verlage klammern sich heute immer noch an die Vorstellung, Journalismus im Netz müsse irgendwie aussehen wie eine Zeitung und könne deshalb in seiner besten Form auch nur von Zeitungen gemacht werden; sogar der altehrwürdigen Tagesschau will man letztendlich ja untersagen, im Netz so etwas wie Texte zu verbreiten, weil das eben der den Zeitungen vorbehaltene Journalismus ist. Von Google ganz zu schweigen, der Konzern wird mindestens des Diebstahls an geistigem Eigentum bezichtigt, wenn nicht sogar schlimmer. Weswegen man jetzt ein Leistungsschutzrecht braucht, ein Gesetz, das ähnlich kläglich scheitern wird wie ACTA. Aber auch in diesem Fall gilt: Ein Leistungsschutzrecht soll den status quo bewahren, ein altes Geschäfts in eine neue Zeit retten, mehr nicht.

Das Scheitern von ACTA steht aber auch noch für etwas anderes. Fernab aller Piraten-Debatten hat sich im Netz eine Kultur des schnell organisierten, wirkungsvollen und effizienten Protestes ergeben. Ein Protest, der schneller und eben auch wirkungsvoller ist als Gesetzesentwürfe und die Abläufe in der analogen Welt. Eine digitale Gesellschaft hat sich durchgesetzt - es wird nicht das letzte Mal bleiben.

Womöglich aber könnte die Sache mit ACTA, wenn alles gut geht, dauerhaft etwas bewirken. Nämlich darüber nachzudenken, wie aus dem Graben zwischen analog und digital etwas Konstruktives werden kann. Die besonneren Stimmen - also diejenigen, die nicht den ganzen Tag mit Manifesten und flammenden Appellen beschäftigt sind - fordern schon lange, statt des generellen Grabenkrieges nach praktibalen, pragmatischen und realisierbaren Lösungen zu suchen, ob es jetzt um das Urheberrecht geht, um das Leistungsschutzrecht oder um die Zukunft der Musikindustrie. Wie diese Lösungen aussehen können, mag zum jetzigen Zeitpunkt noch völlig offen sein. Sicher ist: Mit Strafen, Verboten und Besitzstandswahrung wird das nicht funktionieren.

ACTA lässt grüßen.

Twitter
drucken
merken
in mein Dossier
versenden

Zu diesem Artikel gibt es
2 Kommentare
Diese Blogeinträge könnten
Sie auch interessieren:


Twitter
Diese Blogeinträge könnten Sie auch interessieren:


sehr cool, danke

sehr cool, danke

  • Antworten
Hullio02.10.2012 | 10:30 Uhr

Ad Acta | Cicero Online

Simply want to say your article is as astounding. The clearness to your submit is simply cool and that
i can think you're knowledgeable in this subject. Well along with your permission let me to take hold of your RSS feed to stay updated with drawing close post. Thank you one million and please keep up the gratifying work.

  • Antworten
Marsha21.10.2012 | 16:11 Uhr

Ihr Kommentar zu diesem Artikel

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.
Bildergalerie

Erste Figuren, letzte Ideen – die Karikaturen der Woche

zur Bildergalerie
Anzeige

Kisslers Konter

Dienstagskolumne von Alexander Kissler

Fetischisierung der Sexualität über die Grenzen hinaus

Im Zentrum der Kritik: Theodor-Heuss-Preisträger Daniel Cohn-Bendit

Kisslers Konter: Die Grünen geraten aufgrund früherer Positionen zur Pädophilie unter immer heftigeren Druck. Sicher ist: Das Thema wird die Partei noch lange beschäftigen


DAS NEUESTE AUS DEN BLOGS VON CICERO ONLINE

Bild des Benutzers Christian Jakubetz - unhipster
Ruhe bitte, wir arbeiten gerade!

Netzgemeinde? Digitaler Graben, gesellschaftliche Kluft? Unfug - tatsächlich handelt es sich…

zum Blogeintrag

Frage des Tages

Klone der Schöpfung
In Kooperation mit dem Tagesspiegel
zur Frage

Thema der Woche

150 Jahre SPD: Vom Fürstenfeind zur Kaviarlinken
zum Dossier
Sollte die Bundeswehr Drohnen kaufen?
Das Cicero-Meinungsbild

Das Verteidigungsministerium will unbemannte Flugkörper kaufen. Ist das ethisch zu vertreten?

Umfrage
Die Türkei muss in die EU, fordert Gerhard Schröder im Cicero. Hat er Recht?
Ja, ein Beitritt ist dringend nötig, um die Region zu stabilisieren
15%
Nein, die EU wäre heillos überfordert
85%
Gesamtstimmen: 752
zur Umfrage
Medizin, Gesundheitssystem, krank
Dossier

Wie krank ist unser Gesundheitssystem?

zum Dossier

Dossier

Nordkorea zündelt

zum Dossier

Mittelstand,Mittelschickt,Bürgertum,Internetstore AG
Dossier

Mythos Mittelstand

zum Dossier

Anzeige
Anzeige

Video

„Deutschland wird nicht mehr zu den G8 gehören“

Video
alle Videos
Anzeige

Jetzt den Newsletter von Cicero Online abonnieren

Liebe Leserinnen und Leser. Gerne informieren wir Sie regelmäßig über das aktuelle Angebot von Cicero Online. Bitte tragen Sie ihre E-Mail-Adresse ein und wir schicken ihnen montags bis freitags unseren täglichen Newsletter.

E-Mail*
Anrede
Vorname
Nachname

Anzeige

Weitere Angebote des Ringier Verlags: Monopol – Magazin für Kunst und Leben | Geschenkidee.de – Der Shop für ausgefallene Geschenkideen
© Cicero 2013
  • Impressum
  • Nutzungsbedingungen
  • AGB
  • Stellenangebote

Weitere Angebote des Ringier Verlags: Monopol – Magazin für Kunst und Leben | Geschenkidee.de – Der Shop für ausgefallene Geschenkideen
© Cicero 2013
 
RESSORTS
Startseite
Berliner Republik
Weltbühne
Kapital
Stil
Salon
Bücher
Karikaturen
Bildergalerien
Videos
Blogs
Dossiers
Newsletter
 
  • Datenschutz
  • Impressum
  • Redaktion
© Cicero Online 2013zum Seitenanfang