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Die missratene Inszenierung des Horst 2.0

9. Mai 2012 VON Christian Jakubetz - unhipster
Schrift:
picture alliance
Seehofer, Facebook, Falshmob, CSU, Facebook-Party

Wenn man den Bildern trauen darf, hat sich Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer am Dienstagabend etwas, nun ja, etwas schwer getan. Bei einer Party, zu der er selber eingeladen hat. Es war allerdings keine der üblichen Partys oder Veranstaltungen, zu der Politiker sonst gerne so einladen. Sondern eine Facebook-Party, was angesichts dessen, dass gerade ja alle über Piraten und digitale Gesellschaft und den ganzen Kram reden, erstmal keine schlechte Idee ist. Aber wie das mit Partys eben so ist: Die nette Idee alleine reicht natürlich noch nicht, die Gäste und der Gastgeber und vor allem das Motto der Veranstaltung müssen schon irgendwie zusammenpassen. 

Von Horst Seehofer weiß man (weil er es selber erzählt hat), dass er die “Ideen” für seine Facebook-Einträge hat und ein Mitarbeiter sie dann “technisch umsetzt”. Nun wäre es vermutlich hochgradig naiv zu glauben, dass ein viel beschäftiger Ministerpräsident nebenher auch noch twittert oder postet; es war ja auch immer eine Legende, dass Barack Obama selbst twitternd seine Wahl gewonnen habe. Trotzdem nahm man Obama aber aus unerfindlichen Gründen ab, dass es wenigstens so sein hätte können.

Das tut man bei Seehofer eher weniger, im Gegenteil: Stellt man sich Seehofer über seinem Twitter-Account brütend vor oder bei Facebook ernsthaft mit den Leuten kommunizierend, es schleicht sich ein Störgefühl ein. Genau das ist aber das Problem: Digitales Leben muss man tatsächlich (vor)leben -- und diejenigen unter uns, die schon lange ein Gefühl dafür haben, was echt ist und was eben nicht. Man sieht dann einen vermutlich eher analog denkenden Politiker, der eine Facebook-Party gibt. Und man kommt sich vor wie in einer missratenen Inszenierung von Politmarketing.

Das übrigens ist keine Sache der Parteienzugehörigkeit, man muss nicht Pirat sein, um digitale Glaubwürdigkeit auszustrahlen. Wohl aber braucht man eine Art digitale Expertise. Vielleicht sollte sich Seehofer vor der nächsten Facebook-Party mal mit den Kolleginnen Dagmar Wöhrl oder Doro Bär oder auch mit Peter Altmaier unterhalten. Die verraten ihm dann sicher auch wie das geht mit diesem digitalen Leben.

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2 Kommentare
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Horst 2.0

Wir können uns ja täuschen, aber die politischen Botschaften eines CSU-Vorsitzenden sind im digitalen Leben so nachgefragt wie sonst nur Eierlikör im P1.

  • Antworten
Regierung4tel09.05.2012 | 11:44 Uhr

Vollkommen richtig

Was Sie völlig zutreffend beschreiben, aber so nicht beim Namen nennen, ist das, worum es bei vielen Politikern mangelt: Authentizität.

Hotte Seehofer über Facebook im P1 ist ungefähr so wie Campino von den Toten Hosen auf einem Treffen des Sudetendeutschen Vertriebenenvereins oder Bob Dylan mit "The Times they are a-changin'" auf dem Oktoberfest. Es passt hinten und vorne nicht.

Es scheint sich noch nicht herumgesprochen haben, dass Politiker umso erfolgreicher sind, je authentischer sie sind. Negativbeispiel ist Norbert Röttgen. Dieses Lavieren und sowohl-als-auch-Geschwafel kann niemand mehr sehen. Zwitterbeispiel war der Guttenberg. So lang seine Fassade für wahr gehalten wurde, war er der absolute Renner. Umso tiefer musste er fallen, als sich herausstellte, dass nur Plastik war, was wie Gold schimmerte. Positivbeispiel wäre Peer Steinbrück. Oder aktuell auch Christian Lindner.

Es ist auch ganz klar, woran das liegt: nur wer sich traut, zu sein, wie er ist, ist glaubwürdig. Dann werden auch Schwächen akzeptiert. Schlimm wird es, wenn man von einem Politiker nicht weiß: Wer ist der Typ eigentlich? Wofür steht er?

  • Antworten
Exil-Berliner in München09.05.2012 | 15:32 Uhr

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