Mehr Menschen, mehr Mobilität, mehr giftige Klimagase: Die globale Gemeinschaft steht in den kommenden Jahrzehnten vor riesigen Herausforderungen. Doch es ist noch nicht zu spät, sagt Ralf Fücks, Leiter der Heinrich-Böll-Stiftung. In einem neuen, durchaus optimistischen, Buch plädiert er für ein intelligenteres Wachstum
1: Nachhaltiger Wohlstand für alle
Weltweit machen sich gerade Milliarden Menschen auf den Weg in die industrielle Moderne. Für die Weltwirtschaft bedeutet das eine stürmische Wachstumsperiode: Die globale Wirtschaftsleistung wird sich in den kommenden 25 Jahren glatt verdoppeln.
Das ist eine gute und eine alarmierende Nachricht zugleich. Gut, weil damit sinkende Kindersterblichkeit, längere Lebenserwartung, bessere Bildung und sozialer Aufstieg in großem Stil einhergehen. Alarmierend, weil eine Verdoppelung des Ressourcenverbrauchs und der Emissionen von heute auf einen ökologischen Super-Gau hinausliefe. Das alte, ressourcenfressende und energieintensive Wachstumsmodell ist nicht steigerbar. Deshalb lautet die zentrale Herausforderung der kommenden Jahrzehnte, das globale Wachstum in eine grüne Richtung zu lenken.
2: Europa als Vorreiter
Europa hat das Potenzial, zum Vorreiter der neuen industriellen Revolution zu werden. Zwar hat die Wirtschaftskrise die Reserven vieler Menschen aufgezehrt. Der Weg aus der Krise führt nicht nur über eine gerechtere Verteilung des Reichtums, sondern vor allem über eine Innovationsoffensive, die Europa an die Spitze der ökologischen Modernisierung hievt. Deshalb wäre es fatal, bei der Energiewende auf die Bremse zu treten. Denn sie beweist, dass der Abschied von der fossil-nuklearen Energieversorgung ökonomisch erfolgreich sein kann.
3: Aus weniger mehr machen
Die ökonomische Wertschöpfung muss vom Naturverbrauch entkoppelt werden. Dafür braucht es eine doppelte Kraftanstrengung: eine kontinuierliche Steigerung der Ressourceneffizienz sowie die weitgehende Dekarbonisierung der Ökonomie, also der Übergang zu erneuerbaren Energiequellen und Rohstoffen. Die alte Formel: Steigerung des Outputs (der Produktion) durch gesteigerten Input (Rohstoffe, Energie) führt zum Ruin des Planeten. Die Formel der Zukunft heißt: Aus weniger mehr machen.
4: Investieren in die Zukunft
Die ökologische Transformation des Kapitalismus ist ein gewaltiges Innovations- und Investitionsprogramm: es geht um ressourceneffiziente Technologien, regenerative Energien, intelligente Stromnetze, neue Werkstoffe, vernetzte Stoffkreisläufe, Elektromobilität, Modernisierung des öffentlichen Nah- und Fernverkehrs, Umbau der Städte, CO2-Recycling, High-Tech-Biolandwirtschaft etc. Die grüne industrielle Revolution führt zu einer neuen langen Welle des Wachstums, vergleichbar der Elektrifizierung oder dem Siegeszug der digitalen Technologien.
5: Wachsen mit der Natur
Wir müssen zu einer neuen Synthese zwischen Natur und Technik, die der Philosoph Ernst Bloch seinerzeit als „Allianztechnik“ bezeichnet hat. Die Evolution hat großartige Erfindungen sonder Zahl hervorgebracht, von denen die Biotechnologie etwas lernen kann. Dazu gehört das Produzieren und Konsumieren in vernetzten Stoffkreisläufen: die Natur kennt keinen Abfall.
Die Geschichte der menschlichen Zivilisation ist eine Geschichte der schrittweisen Emanzipation von den Zwängen der Natur. Jedes Zeitalter hat die Sphäre der menschlichen Fähigkeiten und Möglichkeiten vergrößert. Es geht jetzt darum, diese Fortschrittsgeschichte mit der Natur fortzuschreiben – nicht gegen sie.
6: Grenzen des Wachstums, Wachstum der Grenzen
Die menschliche Zivilisation hängt an einem halbwegs stabilen Klima, an der Fruchtbarkeit landwirtschaftlicher Böden und an intakten Wasserkreisläufen. Überschreiten wir die Belastungsgrenzen der Ökosysteme, drohen schwere Krisen und Verwerfungen. Insofern gibt es sehr wohl ökologische Grenzen des Wachstums. Der springende Punkt ist, dass aus diesen „roten Linien“ keine fixen Grenzen für die ökonomische Wertschöpfung (vulgo Wirtschaftswachstum) folgen.
Unsere allerwichtigste Ressource heißt Kreativität. Dazu gehört auch die Fähigkeit, Knappheitskrisen durch Innovationen zu überwinden. Der „Faktor Energie“ ist zum Beispiel gar nicht begrenzt: Die Sonne und die Geothermie bieten nahezu unerschöpfliche Energiequellen.











3 Kommentare