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Berliner Republik

Anderes WachstumZwölf Thesen für eine grüne Revolution

Von Ralf Fücks28. Februar 2013
picture alliance
Wir brauchen eine neue Synthese zwischen Natur und Technik
Wir brauchen eine neue Synthese zwischen Natur und Technik
Schrift:

Mehr Menschen, mehr Mobilität, mehr giftige Klimagase: Die globale Gemeinschaft steht in den kommenden Jahrzehnten vor riesigen Herausforderungen. Doch es ist noch nicht zu spät, sagt Ralf Fücks, Leiter der Heinrich-Böll-Stiftung. In einem neuen, durchaus optimistischen, Buch plädiert er für ein intelligenteres Wachstum

Seite 1 von 2

1: Nachhaltiger Wohlstand für alle

Weltweit machen sich gerade Milliarden Menschen auf den Weg in die industrielle Moderne. Für die Weltwirtschaft bedeutet das eine stürmische Wachstumsperiode: Die globale Wirtschaftsleistung wird sich in den kommenden 25 Jahren glatt verdoppeln.

Das ist eine gute und eine alarmierende Nachricht zugleich. Gut, weil damit sinkende Kindersterblichkeit, längere Lebenserwartung, bessere Bildung und sozialer Aufstieg in großem Stil einhergehen. Alarmierend, weil eine Verdoppelung des Ressourcenverbrauchs und der Emissionen von heute auf einen ökologischen Super-Gau hinausliefe. Das alte, ressourcenfressende und energieintensive Wachstumsmodell ist nicht steigerbar. Deshalb lautet die zentrale Herausforderung der kommenden Jahrzehnte, das globale Wachstum in eine grüne Richtung zu lenken.

2: Europa als Vorreiter

Europa hat das Potenzial, zum Vorreiter der neuen industriellen Revolution zu werden. Zwar hat die Wirtschaftskrise die Reserven vieler Menschen aufgezehrt. Der Weg aus der Krise führt nicht nur über eine gerechtere Verteilung des Reichtums, sondern vor allem über eine Innovationsoffensive, die Europa an die Spitze der ökologischen Modernisierung hievt. Deshalb wäre es fatal, bei der Energiewende auf die Bremse zu treten. Denn sie beweist, dass der Abschied von der fossil-nuklearen Energieversorgung ökonomisch erfolgreich sein kann.

3: Aus weniger mehr machen

Die ökonomische Wertschöpfung muss vom Naturverbrauch entkoppelt werden. Dafür braucht es eine doppelte Kraftanstrengung: eine kontinuierliche Steigerung der Ressourceneffizienz sowie die weitgehende Dekarbonisierung der Ökonomie, also der Übergang zu erneuerbaren Energiequellen und Rohstoffen. Die alte Formel: Steigerung des Outputs (der Produktion) durch gesteigerten Input (Rohstoffe, Energie) führt zum Ruin des Planeten. Die Formel der Zukunft heißt: Aus weniger mehr machen.

4: Investieren in die Zukunft

Die ökologische Transformation des Kapitalismus ist ein gewaltiges Innovations- und Investitionsprogramm: es geht um ressourceneffiziente Technologien, regenerative Energien, intelligente Stromnetze, neue Werkstoffe, vernetzte Stoffkreisläufe, Elektromobilität, Modernisierung des öffentlichen Nah- und Fernverkehrs, Umbau der Städte, CO2-Recycling, High-Tech-Biolandwirtschaft etc. Die grüne industrielle Revolution führt zu einer neuen langen Welle des Wachstums, vergleichbar der Elektrifizierung oder dem Siegeszug der digitalen Technologien.

5: Wachsen mit der Natur

Wir müssen zu einer neuen Synthese zwischen Natur und Technik, die der Philosoph Ernst Bloch seinerzeit als „Allianztechnik“ bezeichnet hat. Die Evolution hat großartige Erfindungen sonder Zahl hervorgebracht, von denen die Biotechnologie etwas lernen kann. Dazu gehört das Produzieren und Konsumieren in vernetzten Stoffkreisläufen: die Natur kennt keinen Abfall.

Die Geschichte der menschlichen Zivilisation ist eine Geschichte der schrittweisen Emanzipation von den Zwängen der Natur. Jedes Zeitalter hat die Sphäre der menschlichen Fähigkeiten und Möglichkeiten vergrößert. Es geht jetzt darum, diese Fortschrittsgeschichte mit der Natur fortzuschreiben – nicht gegen sie.

6: Grenzen des Wachstums, Wachstum der Grenzen

Die menschliche Zivilisation hängt an einem halbwegs stabilen Klima, an der Fruchtbarkeit landwirtschaftlicher Böden und an intakten Wasserkreisläufen. Überschreiten wir die Belastungsgrenzen der Ökosysteme, drohen schwere Krisen und Verwerfungen. Insofern gibt es sehr wohl ökologische Grenzen des Wachstums. Der springende Punkt ist, dass aus diesen „roten Linien“ keine fixen Grenzen für die ökonomische Wertschöpfung (vulgo Wirtschaftswachstum) folgen.

Unsere allerwichtigste Ressource heißt Kreativität. Dazu gehört auch die Fähigkeit, Knappheitskrisen durch Innovationen zu überwinden. Der „Faktor Energie“ ist zum Beispiel gar nicht begrenzt: Die Sonne und die Geothermie bieten nahezu unerschöpfliche Energiequellen.

Seite 2: Die Natur als Gemeingut

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Wie meinen?

"Deshalb wäre es fatal, bei der Energiewende auf die Bremse zu treten. Denn sie beweist, dass der Abschied von der fossil-nuklearen Energieversorgung ökonomisch erfolgreich sein kann."

Erfolgreich für die Betreiber der Anlagen, für die Industrie drumherum, und natürlich für den Staat, der sehr hohe zusätzliche Steuereinnahmen hat. Nicht aber für die Bürger, die durch per Saldo immer höhere Subventionen für erneuerbare Energieen immer noch höher belastet werden. Das Geld fehlt an diversen anderen Ecken und Enden, damit wird zu allem Übel auch noch der Binnenkonsum reduziert.

So eine gesamtgesellschaftlich völlig kontraproduktive Politik gut zu finden, dazu gehören schon ganz spezielle Realitätswahrnehmungen und Interessenlagen.

  • Antworten
VerySeriousSam01.03.2013 | 09:19 Uhr

das soll als Orientierungshilfe dienen?

Die ersten acht Thesen sind platte Allgemeinplätze das es mich schon ein wenig geärgert hat. Natürlich stimmen die Sachen aber die sind ja schon in Schulbüchern und allgemeinen Tageszeitungen angekommen. Dafür muss man kein neues Buch schreiben. Interessant wird es meiner Meinung nach erst bei Punkt neun. Das Problem zwischen Demokratie bzw. Freiheit und Ökologie. Prinzipiell muss da kein Widerspruch bestehen aber die Industrienationen ohne Zwang dazu zu bringen radikal ihren Lebensstandard zu ändern ist nicht sehr wahrscheinlich. Wenn man aber allen Menschen auf der Welt gleichen Anspruch auf Ressourcen zuspricht würde dieses Ändern natürlich ein Senken des (materiellen) Lebensstandards bedeuten. In Anbetracht einer weiter wachsenden Weltbevölkerung und einer gleich groß bleibenden Erde wird Freiheit und Ökologie zu einem Konflikt werden. Leider bietet Herr Fücks hier auch nur einen Allgemeinplatz nachdem er das Problem klugerweise angesprochen hat. Danach kommen wieder nur nette Sprüche wie Moral und Zusammenarbeit der Akteure. Unglaublich! So eine heile, problembewusste Welt hat es nie gegeben und vermutlich wird es sie nie geben. Wir werden Auseinandersetzungen über die Ressourcenverteilung und die Rechte auf Umweltnutzung führen werden. Hoffentlich auf zivilisierte Art und Weise. Dabei wird es krasse Interessenkonflikte geben bei denen sich kein Konsens finden lassen wird. Der letzte Punkt, die Wiederentdeckung des Fortschritts ist dann der zweite gute Punkt in den zwölf Thesen. Ich habe den Eindruck bei all den technischen Innovationen die wir gerade in immer kürzeren Abständen präsentiert bekommen, dass die breite Gesellschaft im Moment sehr rückwärtsgewandt ist. Berechtigterweise haben wir große Sorgen und Zweifel wenn wir an die Zukunft denken. Um aber kreative Lösungen für die heutigen Probleme zu finden und noch viel mehr um mutige Gesellschaftliche Entscheidungen zu treffen ist ein positiver Blick auf die Zukunft nötig. Ohne das Vertrauen in unsere produktiven Kräfte treiben wir nur, geleitet durch die schönen Sachzwänge voran. Von den zwölf Thesen halte ich also nur eine, die neunte, für einen wichtigen Beitrag zu der Diskussion. Die zwölfte These ist ebenso wichtig aber eine positive, hoffnungsvolle Fortschrittsidee kann man kaum initiieren, oder?

  • Antworten
? Martin01.03.2013 | 10:37 Uhr

Umdenken!

Komplett umdenken, nicht nur Bio-blah-bla, die "gruene Revolution" muss auch in den Koepfen stattfinden, weg von dem Wachstums-Kommerz-ueber-alles-Wahn, da liegen die echten Probleme, sonst haben wir keine Probleme, das groesste und wahrschenlich am schwersten zu ueberwindende Problem ist das der Gier, der Machtgeilheit und des Nicht-teilen-wollens und die fortschreitende Teilnahmslosigkeit, so als bestuende die Welt heute nur noch aus digitalen Impulsen auf dem smart-phone! Wenn ich da auf die "Medien-Lndschaft" blicke, hier im Cicero, der RTL-Artikel dann weiss ich Bescheid, wenn die Leute weiterhin solchen Verbloedungsmuell vorgesetzt bekommen, ist es summa-summarum auch kein Wunder das die Menschen so sind wie sie in den "modernen Leidkulturen" nun mal sind, oder besser: nun mal funktionieren!

  • Antworten
mk02.03.2013 | 12:04 Uhr

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