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 > Ziemlich beste Feinde

Berliner Republik

Philipp Rösler und Christian LindnerZiemlich beste Feinde

Von Constantin Magnis26. April 2012
picture alliance
FDP, Konkurrenten, Wahlkampf, Philipp Rösler, Christian Lindner, Parteispitze
Erbitterte Konkurrenten: Philipp Rösler und Christian Lindner
Schrift:

Das Märchen von zwei Parteifreunden, die einst auszogen, um gemeinsam die FDP zu retten – und die darüber zu erbitterten Konkurrenten wurden

Seite 1 von 4

Dieser Artikel ist eine Leseprobe aus der Mai-Ausgabe des Cicero zum Thema "Republik der Rechthaber - Moral-Standort Deutschland".

Ab jetzt am Kiosk erhältlich oder direkt hier bei uns im Online Shop!

 

 

 

Die Auferstehung des gerade erst Zurückgetretenen nimmt ihren Anfang in Overath bei Köln. Es ist ein lauer Märzabend, und Christian Lindner lässt sich von seinem Wahlkreis als Kandidat für die Landtagswahlen aufstellen, als formeller Start seiner Spitzenkandidatur in Nordrhein-Westfalen. Er sitzt breitbeinig und zufrieden auf dem Podium, unter ihm werfen 40 Kreisvertreter 40 Stimmzettel in eine Dose, auf allen 40 wird sein Name stehen, natürlich, und die aufgeregte Dame mit dem Blumenstrauß tippelt schon auf ihn zu, bevor die Stimmen gezählt sind. „Alles neu macht der Mai“, verspricht das Poster am Bühnenrand. So beginnt das liberale Ostermärchen von Lindner, dem auserkorenen Erlöser der FDP. Und wie in jedem Märchen gibt es nicht nur den Helden, sondern auch den, der am Ende zu fallen hat, die alte Schrumpelhexe: Philipp Rösler. Das Ungerechte an dieser Geschichte ist nur, dass sie einmal ganz anders begonnen hatte: mit zwei Brüdern, die gemeinsam ausgezogen waren, den Drachen zu schlagen. Aber so kam es nicht.

[gallery:Die FDP im Krisenwahlkampf: Von Daumen, Fröschen und Zerwürfnissen]

Es ist die Genervtheit von der inhaltlichen Verflachung der Westerwelle?FDP, die den jungen Rösler, FDP-Chef in Niedersachsen, und den jüngeren Lindner, Generalsekretär der NRW?FDP, von Möllemann spöttisch „Bambi“ getauft, verbindet. Entschlossen, dem Liberalismus zu frischer Blüte zu verhelfen, planen sie 2008 den Entwurf eines neuen, freidemokratischen Kursbuchs. Westerwelle pfeift sie zurück, eine Grundsatzdebatte kann er sich wegen anstehender Wahlkämpfe nicht leisten. Erst im Mai 2009 geben Rösler und Lindner deshalb ihr Buch: „Freiheit: gefühlt, gedacht, gelebt“ heraus – ein Plädoyer für eine thematische Öffnung der FDP. Sie stellen es in der Berliner „Böse-Buben-Bar“ vor. Den Verdacht eines Journalisten, das Buch sei ein Angriff auf Westerwelle, weist Lindner weit von sich. Im Gegenteil, erklärt er: Sie seien die Prätorianergarde des Parteivorsitzenden.

Der Sold folgt nach den Bundestagswahlen: Lindner wird zum Generalsekretär der Bundespartei gekürt, Rösler zum Gesundheitsminister. Doch knapp ein Jahr später meutert die Wache bereits: Im Dezember 2010 einigen sich Lindner, Rösler und ihr Mitstreiter Daniel Bahr am Esstisch von FDP-Fraktionsvize Patrick ­Döring darauf, dass Westerwelle fallen muss. Im Januar darauf fordern Lindner, Rösler und Bahr mit ihrem „Jetzt erst recht“-Neujahrsappell in der FAZ „Erneuerungsprozesse“ in der FDP. Und als die Liberalen im März in Baden-Württemberg aus der Regierung fliegen und in Rheinland-Pfalz ganz aus dem Parlament kippen, fordert Ex-Parteichef Wolfgang ­Gerhardt die jungen Verschwörer auf, „sich jetzt zu zeigen“.

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