Wie glücklich es sich in welchem Fleckchen Deutschland jeweils lebt, kann ein jeder jetzt im neu erschienenen Glücksatlas nachlesen. Wer entgegen den Studienergebnissen als Hamburger trotzdem unzufrieden ist oder als glücklicher Essener durchs Leben geht, der weiß, wie es Wolfgang Schäuble mit der Opposition geht
Nun haben wir es schwarz auf weiß: Deutschland ist glücklich. Glücklicher als seit vielen Jahren auf jeden Fall. 2006 noch belagerten wir in Sachen allgemeiner Glückseligkeit Platz 15, nun haben wir uns auf den neunten Platz hervorgearbeitet. Ja, ein wenig auf Kosten der anderen, der Griechen, Spanier und Italiener: Die Schuldenkrise pusht das Land, vor allem unsere Psyche. Denn, so wusste schon in den 1970er Jahren der amerikanische Wirtschaftswissenschaftler Richard Easterlin: Glücklich ist, wer mehr hat als sein Nachbar. Zu diesem Ergebnis kommt zumindest die Forschergruppe von Emnid für den aktuellen Glücksatlas, den sie im Auftrag der Deutschen Post erstellt hat.
Wolfgang Schäuble sieht das ähnlich. Der Herr über die deutschen Finanzen hat gerade seinen Bundeshaushaltsentwurf für 2013 vorgestellt und ist ganz beseelt davon, wie geschickt er das vorhandene Geld verteilt hat: „Wir sind - in aller Bescheidenheit - für viele europäische Staaten ein Vorbild“, posaunte er in der vergangenen Woche während der traditionellen Generaldebatte zum Bundeshaushalt. Deutschland sei nunmehr „schockresistent“ und „für die Krise gut gerüstet“, der Bundeshaushalt gerettet. Ein gutes Gefühl.
Denn darum geht es – ums Gefühl. Nicht um Zahlen und Fakten. So zumindest mag es dem Wähler vorkommen, hört er die Interpretationen der Opposition zu Schäubles Glückshaushalt: Die soziale Schieflage im Land werde verstärkt, Klientelpolitik und Schönfärberei betrieben, Ungerechtigkeiten eingemeißelt!
So wetterte Joachim Poß, Vize-Fraktionsvorsitzender der SPD. Nicht nur seine Partei schielt mit einem Auge gen Bundestagswahlkampf, der auf genau diese sozialen Fragen ausgerichtet werden soll: Soziale Ungleichheit, Arbeitslosigkeit, Kinderarmut, Reizthema Rente.
Seite 2: Nichts ist so wichtig im Wahlkampf wie die Seelenverfassung der Wähler











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