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Berliner Republik

Prostitution„Wir setzen männliche Sexualität mit Gewalt gleich“

Von Marie Amrhein 5. März 2013
picture alliance
Prostitution: "Sie macht, er lässt machen"
Was Freier wünschen: Sie, aktiv, oral
Schrift:

Über das Prostitutionsgewerbe kursieren zahlreiche Mythen. Werden die Huren auf Deutschlands Straßen wirklich alle zu ihrem Job gezwungen? Wünschen ihre Freier tatsächlich wilden Sex, bei dem sie ihre Partnerin unterdrücken? Eine Spurensuche

Seite 1 von 3

Wenn Männer sich eine Frau in einem Bordell aussuchen, dann wollen sie mit ihr roughen, wilden Sex haben. Das, was sie bei ihrer eigenen Frau nicht bekommen. Sie wollen penetrieren, unterdrücken. So ist das gängige Klischee, wenn in Betroffenheitsmanier über das schlimme Schicksal von Prostituierten gesprochen wird. Wenn in deutschen Kriminalfilmen Huren und der Straßenstrich zum Thema gemacht werden, dann geht es um Frauen, die aus den verschiedensten Gründen zum Sex gegen Bezahlung gedrängt werden, um gewalttätige Zuhälter, um Zwangsprostituierte.

Die gemeine Realität ist eine andere. Die Vorstellung, dass Männer in den meisten Fällen zu einer Hure gingen, um Gewalt auszuüben, ist falsch. So zumindest hat es die Soziologin Christiane Howe in ihren Recherchen vor Ort beobachtet: Ein Gang ins Freudenhaus bedeutet für die Freier dagegen häufig Überwindung: „Im Bordell hat die Sexarbeiterin die Hausmacht, sie bestimmt, sie legt die Regeln fest. Dass Frauen die komplette Verfügungsgewalt über ihren Körper abgeben, wenn sie für Sex Geld bekommen“, sei ein grotesker Fehlschluss. Und der basiert vor allem darauf, „dass wir männliche Sexualität mit Gewalt gleichsetzen“.

Die Freier, die Howe im Bordell begegneten, waren oft schüchterne Typen. Im Puff geht es nicht um ihre Lust, sondern um seine. Nach dem Motto: Sie macht, er lässt machen. Für eine Studie ließen Dieter Kleiber und Doris Velten 1994 über 600 Freier befragen, welche Praxis am meisten gewünscht wurde. Das Ergebnis: Sie, aktiv, oral. Auf dem zweiten Platz lag der klassische Geschlechtsverkehr. Die Freier wollen also nicht die Passivität, die Verfügungsgewalt. „Sie freuen sich daran, dass es direkt zur Sache geht, sie endlich einmal begehrt werden und nicht dem alltäglichen Leistungsdruck ausgesetzt sind“, folgert Howe.

Manche Freier, wenn auch die wenigsten, ziehen denn auch den schnellen, billigen Straßenstrich zum Vollzug vor. Hier, an der Kurfürstenstraße in Berlin, die so gar nichts gemein hat mit ihrem großen und glänzenden Namensvetter, dem Kurfürstendamm, stehen die ärmsten Dirnen der Stadt. „Eigentlich zähle ich sie nicht einmal zu den Prostituierten“, sagt Pastor Fuhr. Es sind Frauen, die von der Not getrieben diesen Job ausüben. Sie tun das weder routiniert noch geschäftsmäßig. Die Mädchen, die traditionsgemäß in der Nähe von Fuhrs Apostelkirche stehen, sind Drogenabhängige, die das Geld für den nächsten Schuss brauchen.

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Dieser Bericht, so interessant er auch sein mag, spiegelt doch aber nun wirklich nur den Querschnitt eines kleines Kiezes in Berlin wieder. Er ist mit Sicherheit nicht auf den kompletten Bereich der Prostitution zu übertragen. Aber selbst wenn diese Mädchen bereits in ihren Heimatländern im Milieu gearbeitet haben, so geschieht dieses häufig eben nicht freiwillig. Genauso wenig, wie die meisten dieser Frauen auch nicht freiwillig nach Berlin kommen. Es stecken in den meisten Fällen eben doch "Menschenhändler" dahinter. Und für viele dieser Mädchen ist der Rauschgiftkonsum oder der Griff zum Alkohol die einzige Möglichkeit mit dieser Tätigkeit fertig zu werden. Und dieses ist nicht meine Erfindung, sondern durch viele Untersuchungen, Recherchen und Polizeiakten belegt.Was mich allerdings ärgert, ist dieses komplette Verschweigen dieser Tatsachen in dem Bericht. Auch im Kiez um die Kurfürstenstraße gibt es zwei Treffs, wo sich die "Freunde" dieser Frauen treffen, um über ihr Eigentum zu "wachen". Auch dieses hätte man eigetlich recherchieren können.

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Lutz Bucklitsch06.03.2013 | 14:46 Uhr

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