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 > Wir brauchen gar nicht mehr Kinder

Berliner Republik

Blödsinns-These der FamilienpolitikWir brauchen gar nicht mehr Kinder

Von Konstantin Sakkas6. Februar 2013
Picture Alliance
kinder,familienpolitik,elterngeld,kindergeld,förderung,geburten,geburtenrate,demografie,nationalismus,volk,volkswirtschaft,kinderkriegen
Wir brauchen nicht mehr Kinder
Schrift:

Mehr Kinder? Nein, Danke! Eine Polemik

Seite 1 von 3

Es kommt ziemlich selten vor, dass die Medien sich einig sind. Etwa beim Thema Familienpolitik. Allerorten liest man derzeit, die offizielle Familienpolitik der Bundesregierung sei eine „Katastrophe“. Die Kinderbetreuung sei zu wenig ausgebaut, Frauen würden durchs Muttersein immer noch an der Karriere gehindert, weshalb die deutsche Geburtenrate eine der niedrigsten Europas und der ganzen Welt sei, und das wiederum sei ja fatal, weil… Ja, warum eigentlich? Weil dann unsere Volkswirtschaft zusammenbricht? Weil das „deutsche Volk“ dann in fünfzig Jahren ausstirbt? Tja, warum eigentlich? Warum eigentlich brauchen wir so dringend Kinder?

Es ist Zeit, einmal mit diesen Mythen aufzuräumen, die immer noch durch unsere aufgeklärte Gesellschaft geistern. Zum einen: die Volkswirtschaft. Deutschland leidet seit 1990 an einem massiven Überschuss an Arbeitskraft. Meine Generation, die bestausgebildete nicht nur seit dem Krieg, sondern überhaupt seit es Deutschland gibt, steht arbeitsmarkttechnisch vor einem Scherbenhaufen. Die Konkurrenz in unseren geburtenstarken Jahrgängen ist erdrückend, Arbeitslosigkeit, ob offen oder verdeckt, geringfügige Beschäftigung oder Am-Tropf-der-Eltern-Hängen sind gang und gäbe. Umso größer wird der Segen sein für die kommenden Generationen, die in der Berufswelt endlich wieder Luft zum Atmen haben werden. Auch der vielbeschworene Fachkräftemangel in Deutschland ist eine Lüge. Jeder weiß es, keiner sagt es. Bei uns treten sich die Fachkräfte gegenseitig auf die Füße wie Häftlinge in einem indischen Knast. Wir haben keinen Fachkräftemangel. Wir haben keinen Geburtenunterschuss. Wir „brauchen“ nicht mehr Kinder.

Zum anderen: das „Volk“ selbst. Es ist kurios: zwar steht nirgends auf der Welt das Nationale so sehr im Schatten wie in Deutschland; wir haben keine Königin, keine Garderegimenter, kein trooping-the-colour. Moderatoren patzen regelmäßig bei der Anrede von Monarchen („Ihre Hoheit“), kein Schulkind kennt „den alten Barbarossa“ von Rückert, kein Abiturient wird einen Unteroffizier von einem Oberstleutnant unterscheiden können; aber bei dem Wort „Demografie“ werden plötzlich alle zu lauter kleinen Nationalisten. Deutschland stirbt aus! Wir werden überfremdet! So schallt es einem entgegen.

Seite 2: Aus der Demografie ergibt sich kein Argument

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Wie kurz gefasst! Sie

Wie kurz gefasst! Sie schreiben das Kinder nicht mehr zur Lebensabsicherung nötig sind. So ungefähr wie manche früher ihre Stromquelle mit "aus der Steckdose!" erklärten. Was juckt mich wo der Strom herkommt oder wer meine Rente zahlt. Aber wenn das Mißverhältnis zwischen Renten erwirtschaffenden und Renten beziehenden zu groß wird, wenn Kommunen unfähig sind ihre Verpflichtungen zu erfüllen mangels Steuereinkommen dann werden auch sie konkrete nachteile spüren.... aber das dieser Artikel wohl neben seiner reißerischen und bemüht individualistischen Attitüde vielleicht auch Quark ist, haben sie schon geahnt und noch das Mäntelchen Polemik demselben umgelegt.

  • Antworten
Gerald06.02.2013 | 19:56 Uhr

Cicero, was ist da los?

Schon wieder so ein Artikel, der so gut wie ohne Argumente auskommt. Demographie assoziere ich nicht mit Überfremdung, sondern mit Überalterung. " Den Errungenschaften der Technik und des Sozialstaates"- SOZIALSTAAT merkste was? Schonmal das Wort Generationenvertrag gehört? mehr Rentner, weniger Arbeitnehmer: nicht gut für den Sozialstaat.
Tut mir Leid, aber auch das hier ist eine Beleidigung meiner Intelligenz.

  • Antworten
Peter Knobloch 06.02.2013 | 20:17 Uhr

... um Schulden abzuzahlen

Dafür brauchen wir die Kinder. Deutschland könnte gut auch mit 50 statt 85 Mio Einwohnern leben. Zinsen müssen erwirtschaftet werden. Das geht nur, wenn die Wirtschaft wächst. Es wird schwierig bei sinkender Bevölkerung eine wachsende Wirtschaft zu haben. Die Menschen werden zwar immer weniger zur Produktion aber dafür mehr als Konsumenten gebraucht. Irgendwelche Idioten müssen doch den ganzen unnützen Krempel kaufen. Wer soll sich denn alle Jahr ein neues Handy, Auto, Computer kaufen, wenn nicht junge Menschen.

  • Antworten
GAST06.02.2013 | 21:22 Uhr

Tellerrand und so

Eigentlich ist das kein deutsches Problem, sondern eines von vielen Ländern. Richtig formuliert ist es so, dass die moderne Gesellschaft weltweit Probleme mit dem Nachwuchs hat. Nur dort wo Frauen unterdrückt werden, wächst die Bevölkerung. Das heißt, genau wie bei der Suche nach einer modernen Energieversorgung ist das eine Suche nach einer nachhaltigen Organisation der Gesellschaft. Gelingt das nicht, haben die modernen, gleichberechtigten Gesellschaften auf Dauer keine Chance.

  • Antworten
Robert07.02.2013 | 00:56 Uhr

Selig sind die armen im Geiste...

... denn im Gegensatz zum Kinderkriegen ist das Blödsinnschreiben ein Wert an sich und der Fachkräfteüberschuss erdrückend, wenn nicht jeder Möchtegern-Starjournalist mehr bestbezahlte Aufträge zu Füßen gelegt bekommt, als er selbst bei minimaler Recherche und maximaler Zeichenzahl pro Stunde abzuarbeiten in der Lage ist.

  • Antworten
Karl Schade07.02.2013 | 08:46 Uhr

Demographie = Demagogie

"Die Jugend liebt heutzutage den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt vor den älteren Leuten und schwatzt, wo sie arbeiten sollte. Die jungen Leute stehen nicht mehr auf, wenn Ältere das Zimmer betreten. Sie widersprechen ihren Eltern, schwadronieren in der Gesellschaft, verschlingen bei Tisch die Süßspeisen, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer."

So Sokrates, der griechische Philosoph der Antike. Wie Recht er hat! Trotzdem gibt es immer noch Menschinnen, die Kinder gebären in diesem Deutschland. Wie sagt es der westfälische Volksmund so schön: "es ist des Menschen größtes Leid, was er sich selbst andeit."

  • Antworten
Frank Linnhoff07.02.2013 | 09:03 Uhr

@sakkas

Was soll denn das gewesen sein? Ein Leserbrief resp. Provo-Posting? Das ist nicht das Niveau, das ich von CICERO erwarte!

  • Antworten
Matthias E.07.02.2013 | 09:27 Uhr

Arroganz gepaart mit Dummheit

Arroganz gepaart mit Dummheit und Ignoranz - und das springt mich ausgerechnet aus der Cicero an? Ich habe mich so geärgert über dieses billige Niveau, dass dies wohl zur Kündigung meines Abos führen wird. Argumentationsfreie Texte auf Stammtisch-Niveau kann ich auch beim Friseur lesen. Mehr fällt mir dazu beim besten Willen nicht ein.

  • Antworten
A.J.07.02.2013 | 10:15 Uhr

Man muss es dem Mann nachsehen,

er ist jung und braucht Geld. Ansonsten sollte man gewarnt sein. Zitat: "Sie (die 30jährigen-M.E.)sind, wenngleich in vermeintlich komfortablen Verhältnissen geboren und groß geworden, viel mehr auf sich selbst, die eigene Kraft und das eigene Selbstvertrauen geworfen als die Generationen vor ihnen. Ihr Leitmotiv sind keine Ideologien, sondern ein harter Individualismus, ihre Lebensmuster schwanken zwischen Chaos und Suche nach Ordnung." Alles klar? Harter Individualismus gepaart mit chaotischer Lebensführung und Schlampigkeit. Was dabei rauskommt, kann man im Artikel besichtigen.

  • Antworten
Matthias E.07.02.2013 | 11:07 Uhr

Wo sind Ihre wissenschaftlich unterlegten Zahlen

als Gegenargumente?

  • Antworten
Mona Vogelsang07.02.2013 | 13:37 Uhr

Warum nicht gleich Klartext

Gemeint ist wohl, dass keine Kinder gebraucht werden, da das Arbeitskräftepotential auch durch Einwanderung gelöst werden kann. Dabei spart man zusätzlich Lohnkosten. Damit sind weder Kinder noch Familien systemrelevant und somit schon mal zu teuer. Ganz anders sieht es bei bankrotten Banken aus. Da wird gezahlt, koste es was es wolle.
Frauen und Männer gibt es nicht mehr. Das sind nach Genderideologie gleichgeschaltete Arbeitsmaschinen, die am besten homosexuell sein sollten, damit das Problem Kind gar nicht erst entsteht. Das Phänomen der Überbevölkerung löst man am besten mit Einführung von CO2-Zertifikaten - auch im privaten Bereich.
Vorstellungen und Einrichtungen die diesem menschenverachtenden Irrsinn nicht entsprechen werden als reaktionär und geschäftsschädigend verunglipft und bekämpft.
Die "Schöne neue Welt" von "1984" ist offenbar in greifbare Nähe gerückt und die Mahnung "Wehret den Anfängen!" sollte nicht nur im Zusammenhang mit Rechtsextremismus gelten.

  • Antworten
Domingo07.02.2013 | 10:43 Uhr

Hat der Autor Kinder oder

Hat der Autor Kinder oder schon mal über dsa Kinder kriegen nachgedacht? Ich denke nicht, denn dann wüsste er, dass ein Paar (wahlweise Alleingebärende) sich immer Gedanken macht über die Vereinbartkeit von Familie und Beruf. Und da kommt die Familienpolitik eben doch ins Spiel...Im Übrigen möchte ich den jungen Schreiberschnösel sehen, wenn er als 30jähriger in einem Land leben müsste, in dem alle anderen über 65 Jahre alt sind.

  • Antworten
Roland Kaiser07.02.2013 | 10:48 Uhr

Der Staat ist die aufgehobene Liebe

Herr Sakkas, Sie haben sich ja in einem längeren Beitrag mit dem Titel „Das Geburtsjahr der Moderne“ unter „Zeitenwende 1913“ auf Cicero-online beschäftigt. Es ist noch gar nicht lange her, da dienten Kinder dem Überleben. Die agrarische Familienallianz bildete damals auch eine Produktionseinheit. Die Großfamilie mit Großeltern und Enkeln (Generationskette) unter einem Dach, die Familie als Produktions- und Lebenseinheit. Die industrielle Entwicklung und notwendige Auswanderungsprozesse (alle konnten an einem Ort nicht mehr ernährt werden), brachten diese ursprüngliche Allianz zum Zerfall. Die Menschen benötigten jetzt die Individualisierung, Spezialisierung und die Überschätzung der Sexualität und natürlich auch Wissens-Lust (Bildung). Die Struktur der Familie veränderte sich, auch die Erziehung der Kinder. Das hat auch die Beziehungsarbeit verändert. In den 60iger Jahren gab es dann Thesen wie, die Befreiung von Sexualität sei die Befreiung von Herrschaft, sei die Befreiung von Sexualität. Man lernte auch, dass es Liebe und Sexualität im Staat nicht gibt, da gibt es Gesetze. Der Staat, so könnte man formulieren, ist die aufgehobene Liebe. Zitat:„…denn die Grundlage der Kultur ist, neben der Arbeitsteilung, die Liebe und damit die Triebbefriedigung. Die Liebe führt historisch zur Bildung der Familie, nicht nur die Liebe in ihrer sexuellen Form (Beziehung zwischen Mann und Frau), sondern auch in ihrer „zielgehemmten“, zärtlichen Gestalt (Beziehung zwischen Mutter und Kind). Zwischen Liebe und Kultur gibt es jedoch zugleich einen Gegensatz. Die Familie widersetzt sich dem Ziel der Kultur, der Bildung immer größerer sozialer Einheiten“ (Sigmund Freud). Ich würde auch bei diesem Thema die sich veränderten Produktionsverhältnisse im Laufe der Zeitgeschichte näher ins Auge fassen, dann würden viele gesellschaftlichen Veränderungen in unserer gegenwärtigen Zeit deutlicher. Auch das Thema „Männer, die die Welt nicht braucht“, würde in einem anderen Licht reflektiert.

  • Antworten
bernhard jasper07.02.2013 | 11:35 Uhr

Keine Kinder = Tod

jawohl, wir brauchen keine Kinder!
dann waere der Author dieses "Artikels"
auch nicht geboren...
(natuerlich Kinder koennte man auch
ausleihen, z.B. aus Afrika, oder Asien.)

  • Antworten
Nick Nolte07.02.2013 | 12:21 Uhr

@Nick Nolte (?) Wo ist das Problem?

Schade, wenn er nicht geboren worden wäre - ich finde Ihre Aussage übrigens ziemlich schofel! Die Gedanken des Verfassers sind jedoch keine Einzelmeinung. Wer genügend Grips und/oder Geld hat, ist sowieso Weltbürger.

  • Antworten
Mona Vogelsang07.02.2013 | 13:51 Uhr

Sie schreiben mir aus der Seele! Wieso Polemik?

Wir haben in D die Altersabsicherung bisher nicht über Demographie sondern über Leistungssteigerung hingekriegt. Es gibt dazu auch eine nette Reklame der Sparkassen...
Wer als Frucht der Liebe Kinder hat, für den ist es mit Sicherheit eine wunderbare Sache, man sollte sich selbst und die Blagen jedoch nicht so wichtig nehmen. Und bitte nicht als nationale Aufgabe! Wir werden Völkerwanderungen weiter haben, alles ist im Fluß, kein Status ist zu konservieren.
Natürlich will ich in einem organisierten Gebilde leben, dass meine Rechte und Pflichten in der Allgemeinheit zu meiner Zufriedenheit regelt - säkularer Staat, Gleichberechtigung, keine Diskriminierung; Verschlechterungen hier würde ich nicht hinnehmen wollen. Ob jedoch meine Nachbar schwarz, weiß, gelb oder gepunktet ist, wenn er meine Ansichten unterstützt, ist er willkommen.

  • Antworten
Mona Vogelsang07.02.2013 | 13:36 Uhr

Ja, wieso Polemik?

Kann und möchte Ihnen voll zustimmen! Warum diese zum Teil mehr als bissige (verbissene) Reaktion einiger Kommentatoren? Auch wenn`s eigentlich nicht zu meiner Antwort auf Ihre absolut zutreffende Aussage gehört - ich mag Cicero sehr und erfreue mich sehr oft über durchaus kontrovers, meist aber recht niveauvoll geführte Debatten; diesmal bin ich jedoch wirklich ein wenig schockiert über - meiner Ansicht nach - einige wirklich unangemessene, ja zum Teil fast bösartige Äußerungen.

  • Antworten
Carmen Grim07.02.2013 | 19:29 Uhr

Zu jung für dieses Thema

In einem Punkt gebe ich Herrn Sakkas recht, nämlich dem im letzten Absatz: Genauso, wie Adenauers "Kinder kriegen die Leute immer" bereits unzutreffend war, ist die moderne Variante der Familienpolitik: "Kinder wollen die Leute immer" falsch. Wer zukunftsfähige Familienpolitik machen möchte, sollte sich als erstes vom Alle-wollen-Kinder-Dogma lösen. Viele Menschen wollen - aus durchaus nachvollziehbaren Gründen - heute keine Kinder mehr.

Ansonsten merkt man dem Artikel an, dass der Autor über keine ausreichenden Lebenserfahrungen verfügt, um angemessen über das Thema reden zu können. Beispielsweise schreibt er mit Bezug auf seine Großeltern: "... und damals war so gut wie jede Frau 'berufstätig', nur nannte man es nicht so". Doch das ist leider nur die halbe Wahrheit.

Als ich - als 68er - nach meinem Studium meine ersten Jobs annahm, saßen in den meisten Büros überwiegend Männer. Frauen wurden Sekretärinnen, Datentypistinnen und ähnliches. Viele arbeiteten Teilzeit. Ausnahmen gab es zwar auch damals schon, doch sie waren eher selten. Und man erinnere sich: Erst 1976 las zum ersten Mal eine Frau (Dagmar Berghoff) die Tagesschau. Erst 1973 moderierte mit Carmen Thomas zum ersten Mal eine Frau eine Sportsendung im Fernsehen, und zwar 'Das aktuelle Sportstudio' im ZDF. Ihr wurde mit größter Häme begegnet. Zu Beginn ihrer zweiten Sendung las sie beispielsweise die Kritik der Bild-Zeitung vor, über eben jene Sendung, die gerade erst begann! So sah die Realität zu Beginn der 70er Jahre aus, als der Babyboom der 60er Jahre abrupt in den Pillenknick überging.

Heute sind Frauen in all diesen Bereichen stark präsent, mitunter gar in der Mehrheit. Und: Sie arbeiten nicht nur ein bisschen zu, sodass man sie - bei familiärer Beanspruchung - schnell mal ersetzen könnte, sondern sie streben selbst Karriere an.
Die Arbeitsmarktsituation ist heute - auch bei den gut Ausgebildeten - unter anderem deshalb so angespannt, weil so viele Frauen arbeiten, und zwar nicht nur in Teilzeit und behelfsmäßig, wie es früher überwiegend der Fall war, sondern Vollzeit und in verantwortungsvollen Positionen. Gleichzeitig bekommen sie hierdurch nur wenige Kinder, und zwar je anspruchsvoller und qualifizierter der Beruf ist, desto weniger. Es handelt sich um eine sogenannte Opportunitätskostenproblematik.

Mein Vater war gebildet (Doktortitel in Chemie), meine Mutter besaß nur die mittlere Reife, obwohl sie genauso intelligent war wie er. Aber eine berufliche Karriere war zu der Zeit für Frauen im Allgemeinen noch nicht vorgesehen, was sich erst mit der Pille und dem Wirken der 68er gravierend änderte. Zusammen hatten meine Eltern vier Söhne. Meine Mutter war zeitlebens immer nur Hausfrau und Mutter gewesen, eine Tätigkeit, die sie voll und ganz beanspruchte, ich weiß, wovon ich spreche. Heute - und da bin ich mir ganz sicher - würde sie sicherlich ebenfalls etwas studieren, einem qualifizierten Beruf nachgehen und bestenfalls ein Kind haben. Mich gäbe es dann beispielsweise nicht mehr.

Das, was damals zu ihrer Zeit durchaus noch Usus war und auch Sinn machte, ist heute kaum mehr lebbar. Dass gut ausgebildete Männer sich eine Frau suchen und mit ihr eine Familie mit mehreren Kindern gründen, macht nur dann Sinn, wenn dies mehr oder weniger alle in der Gesellschaft tun, wenn die Gesellschaft von der Struktur her eine patriarchalische ist. Dann sind auch die Löhne und Gehälter hinreichend hoch und die Familiensituation ausreichend gerecht. Und dann erhalten Familien entsprechend viel Beachtung. Ich erinnere mich beispielsweise, als im Betrieb meines Vaters mal etwas entwendet worden war. Seine sorgenvollen Worte am Mittagstisch: "Ich kann den Mann doch nicht entlassen, der hat Familie". Man vergleiche dies mit der aktuellen Umgehensweise in vergleichbaren Fällen!

Die Familienpolitik hat heute vor allem ein Problem: Sie versucht das patriarchalische Ernährermodell (die Eltern finanzieren ihre Kinder im Wesentlichen selbst) mit der Gleichberechtigung der Geschlechter zu kombinieren. Das ist prinzipiell unmöglich. Ich selbst habe schon einiges darüber an Literatur verfasst, doch ich befürchte, man wird die Triftigkeit der Argumente erst verstehen wird, wenn längst alles zu spät ist.

Unter der Gleichberechtigung der Geschlechter muss endlich ein (Ausbildungs-)Beruf für Familienarbeit mit eigenen Kindern geschaffen werden. Frauen (und meinetwegen auch Männer) müssen sich entscheiden können, ob sie lieber Lehrerin, Ärztin, Kindergärtnerin, Angestellte oder Familienmangerin mit z. B. fünf eigenen Kindern werden möchten, letzteres aber eben nicht für umsonst, wie es seit dem Patriarchat der Fall ist, sondern gegen gutes Geld und mit entsprechender Altersversorgung. Unter Gleichberechtigungsbedingungen kann es nicht sein, dass man zwar mit jedem Blödsinn Geld verdienen kann, für fokussierte und qualifizierte Familienarbeit mit mehreren Kinder aber ausgerechnet nicht.

Führt man so etwas nicht endlich ein (indem man weiterhin vom Kern her patriarchalische Familienpolitik betreibt), wird es immer so weitergehen wie bislang : Ein Paar ohne Kinder kann mit zwei Einkommen ein halbwegs gutes Leben führen, während das Paar mit drei oder vier Kindern nur ein Einkommen besitzt, um 5 oder 6 Menschen zu ernähren. Je mehr Kinder man hat, desto problematischer wird die Situation. Und dieses Problem lässt sich leider mit keiner Vereinbarungslösung aus der Welt schaffen. Wer von einer Verbesserung der Vereinbarkeit spricht, hat zumeist nur das Paar mit einem Kind im Blick, nicht aber Familien mit drei oder mehr Kindern, obwohl die Demografen immer wieder darauf hinweisen, dass der allgemeine Geburtenrückgang vor allem auf das Verschwinden größerer Familien zurückzuführen ist.

Aus diesem Grund halte ich viele Debatten um die Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf letztlich für Fakes. So etwas ist in einem modernen Staat zwar erforderlich, es ist aber nicht die Lösung unserer Familienproblematik, obwohl es immer wieder behauptet wird.

  • Antworten
Peter Mersch07.02.2013 | 14:36 Uhr

@Peter Mersch: Diskussionsausschluß aufgrund fehlenden Alters?

Wir beide sollten aus ähnlichen Jahrgängen stammen - wir sind die Vergangenheit. Welche Schlüsse 40 Jahre Jüngere ziehen, das ist die Zukunft.

Im Gegensatz zu Ihren Ausführungen jedoch gibt Sakkas Erkenntnisse wieder, die ich (auch) bereits mit 25 J. hatte. Wieso bei Ihnen der Hinweis kam, Sie seien "68er" ist mir im Hinblick auf die vielen Worte, für mich ohne schlüssigen Zusammenhang, ein Rätsel.

Insofern ist Sakkas für mich ein Hoffnungsträger ;-). Und keinesfalls aufgrund fehlenden Alters zu diskreditieren. Die Fähigkeit eineindeutigen respektive logischen Denkens ist davon unabhängig.

  • Antworten
Mona Vogelsang08.02.2013 | 13:28 Uhr

@Mona Vogelsang: Von Diskussionsausschluss war nicht die Rede

Da haben Sie mich falsch verstanden. Ich wies in erster Linie darauf hin, dass Herr Sakkas in seinem Artikel Fehlschlüsse formuliert, weil er den entscheidenden Übergang von einer vorwiegend patriarchalischen in eine gleichberechtigte Gesellschaft weder mitgestaltet noch erlebt hat.

Ich hatte beispielsweise in der Grundschule (damals: Volksschule) einen Klassenlehrer, mein älterer Bruder eine Klassenlehrerin, was damals eher selten war. Heute beträgt der Frauenanteil bei den Grundschullehrern 90 Prozent! Meine Mutter (und nicht mein Vater) hörte ich über die Klassenlehrerin meines Bruders sagen: "Die hat vermutlich keinen Mann abbekommen." So war das damals. Und diese Verhältnisse änderten sich binnen ganz weniger Jahre. Wurden beispielsweise Mitte der 1960er Jahre noch ca. 18 Kinder je 1.000 Einwohner geboren, so waren es ab 1975 nur noch ca. 10, wobei es im Wesentlichen bis heute geblieben ist. Gleichzeitig stieg seitdem die Arbeitslosigkeit beträchtlich an. Bei den Zahlen des Statistischen Bundesamtes fällt auf, dass dies ganz wesentlich an der gestiegenen Zahl der Erwerbspersonen liegt (insbesondere der erhöhten Erwerbsbeteiligung von Frauen). Dieser Fakt wird aus politischen Gründen leider immer "weggelogen". Es wird dann so getan, als hätten Frauen schon immer gearbeitet, und zwar gleich viel wie heute. Nun, meine Mutter jedenfalls nicht, die hatte dafür aber 4 Kinder, was heute - im gebildeten Umfeld - die absolute Ausnahme darstellt.

Was würde denn passieren, wenn solche Frauen plötzlich wieder mehr Kinder bekämen? Die Antwort liegt auf der Hand:
1. Die Frauen würden dem Arbeitsmarkt entzogen und ihn damit entlasten.
2. Man bräuchte mehr Erzieherinnen, Lehrerinnen, Wohnraum, Spielsachen, Freizeitparks, McDonalds etc. Die Kinder würden also Arbeitsplätze schaffen.

Herr Sakkas begeht einen klassischen Fehlschluss, indem er behauptet, mehr Kinder würden die Arbeitslosigkeit erhöhen. Wann denn? In 25 Jahren vielleicht, wenn sie auf den Arbeitsmarkt drängen, vorher hätten sie die genau umgekehrte Wirkung.

Und stellen Sie sich vor, in Deutschland würden exakt 0 Kinder geboren. Man würde Kinder - wie es im Artikel gleichfalls angedacht wird - ausschließlich aus dem Ausland "beziehen". Dann lässt sich schon jetzt prognostizieren: Die Arbeitslosigkeit wäre extrem hoch. Vielleicht könnte eine erfolgreiche Exportwirtschaft noch einiges mildern, aber ansonsten wäre das so.

Womit ich zu einem Punkt komme, der in Sakkas Artikel gleichfalls angesprochen wird: Es wird oftmals so getan, als ginge es den Nachwuchsförderern mehrheitlich um den Erhalt des deutschen Volkes (als Rasse sozusagen). Das ist Unsinn. Tatsächlich handelt es sich bei einer bevorzugten Migrationspolitik um Kolonialismus. Im Rahmen der Griechenlandkrise wurde bereits von Politikern öffentlich gesagt: "Liebe Griechen, wenn ihr gut ausgebildet seid und in eurem Heimatland keine Arbeit findet, dann kommt doch zu uns. Deutschland sucht händeringend Fachkräfte." Das hört sich zwar menschenfreundlich und politisch korrekt an, ist aber bei Lichte betrachtet Kolonialismus. Denn hierdurch würden wir den Griechen ihre besten Kräfte entziehen, die später an entscheidenden Stellen (beim wirtschaftlichen Neustart) fehlen.

Außerdem macht man sich hiermit sowohl über die Bildungspolitik als auch die Gleichberechtigung lustig. Denn wozu sollte Deutschland die Bildungsanstrengungen erhöhen und für mehr Chancengleichheit beim eigenen Nachwuchs sorgen, wenn in Dritte-Welt-Länder unter viel schlechteren Bildungsbedingungen großgewordene Menschen es auch ohne die vielen teuren Bildungseinrichtungen schaffen und vergleichbare Fähigkeiten erlangen?

Und schließlich sagt man damit auch: "In unserer gleichberechtigten wohlhabenden Gesellschaft bekommen die Frauen nur noch ganz wenige Kinder. Aber glücklicherweise gibt es noch genügend arme patriarchalische Gesellschaften auf der Erde, wo die Frauen unterdrückt werden und ganz viele Kinder bekommen. Deren Früchte wollen wir ernten." Ich halte das für eine Verballhornung der Gleichberechtigung der Geschlechter.

  • Antworten
Peter Mersch11.02.2013 | 14:07 Uhr

Endlich!

Endlich!
kommt, in Gestalt von Konstantin Sakkas, einer, der mal frische Luft hereinlässt in die vermufften Rumpelkammern der sozial- und familienpolitischen Geglaubtheiten. Nicht die Argumente des Autors sind erschreckend, sondern die teilweise haarsträubenden Leserkommentare. In ihnen bestätigt sich wieder einmal ein ebenso verleugneter wie alter Erfahrungssatz: Wenn es um Bevölkerungsfragen geht, dann schaltet die Masse der Menschen das Großhirn aus und denkt mit dem limbischen System. Freie Fahrt den trieb- und emotionsgesteuerten Phrasen! Die gelbe Gefahr, der Russe kommt, Deutschland wird islamisch – wir brauchen mehr Kinder! Immer wieder ins Feld geführt wird auch die Gefährdung des Sozialstaats. Sicher, wenn das Renteneintrittsalter von 65 Jahren (oder 67) als gottgegeben angesehen wird, dann nimmt zwangsläufig die Zahl der zu versorgenden Nicht-Erwerbstätigen zu. Weil wir heute ganz einfach länger leben. Gegen diese nur sozialversicherungstechnische „Überalterung“ aber helfen nicht mehr Kinder. Bei uns in Deutschland liegt die Geburtenrate deutlich unter 2 Kinder/Frau. Was, wenn sie höher wäre? 230 Menschen leben auf dem Quadratkilometer. Das ist relativ viel. Und ich denke, das reicht. Die Verhaltungsforschung weiß: Wenn eine Population eine gewisse Dichte erreicht, hört sie auf, sich zu vermehren. Wäre gut, auch mal daran zu denken.
Jürgen T. Honig, Schweden

  • Antworten
Jürgen T. Honig07.02.2013 | 14:38 Uhr

Ich kann Ihnen nur zustimmen!

Es gibt viele Themen, die Aufgeregtheit an sich ziehen, aber das Kinderkriegen weckt nachhaltig die wütendsten Reaktionen.
Mir hat der Artikel sehr gut gefallen, weil er die wesentlichen Argumente und Vorurteile auf dne Punkt bringt.
Aber irgendwie scheinen Menschen das Kinderkriegen als letztes Refugium einer eigenständigen Entscheidung zu verteidigen, einerseits. Andererseits wird hiermit naürlich erbittert um den eigenen Wert und den sinn von desser Vermehrung gestritten. Dass dieser Wert nach den nun mal geltenden ökonomischen Regeln nicht mehr existiert und dass auch die Ökonomie weder die Masse noch Überqualifikation benötigt, will einfach nciht wahrgehabt werden.
Wie der Autor sagt (und wie viele überlesen): wer Kidner MÖCHTE, weil er Kinder MAG, soll sie bekommen. Aber gesamtgesellschaftlich gibt es dafür keien Notwendigkeit - im Gegenteil.

  • Antworten
Leo08.02.2013 | 10:14 Uhr

@A.J. Bei mir ist es umgekehrt:

Ich lese CICERO seit einiger Zeit gelegentlich (print) und verfolge die Diskussionen auf CiceroOnline. Irgendwann kann das Ganze mal in ein Abo münden. Heute ist mir eher nicht danach.
Man kennt das ja von ähnlichen Foren, dass sich da gewisse Trolle rumtreiben, die- geschützt durch die Anonymität des Netzes- die abstrusesten Gedanken äussern. Nun- wir sind ein freies Land und müssen das aushalten, auch wenn es manchmal weh tut. Bedenklich wird es, wenn der CICERO-Autor selbst so ein Wesen ist, einer, der um jeden Preis auffallen will, weil Aufmerksamkeit in unserer Zeit eine Währung ist, die gegen EURO getauscht wird. An dieser Stelle sollte die Redaktion ins Spiel kommen und sich fragen, ob derartige Beiträge dem eigenen Anspruch nach "politischer Kultur" gerecht werden. Ich jedenfalls erwarte Beiträge von gesellschaftlicher Relevanz, kluge und anregende Gedanken mit edler Feder aufgeschrieben. Der Nachwuchs mag woanders üben...

  • Antworten
Matthias E.07.02.2013 | 17:30 Uhr

Gefahr der Unterpopulation?

Ein wesentlicher Punkt ist doch, das die Weltbevölkerung geradezu im Übermaß wächst und abgesehen von hier gut erkannten versteckten Ängsten um einen vagen deutschen Volkskörper eine Reduzierung der Geburtenrate nicht unbedingt der schlechteste Export der westlichen, sozial mehr abgesicherten und vor allem emanzipatorischen Gesellschaft ist. Ein überbordendes Wachstum, wie etwa in Deutschland vor dem ersten Weltkrieg oder noch viel drastischer in Indien heute wäre mit dem Ressourcenverbrauch pro Kopf in Deutschland und den Möglichkeiten der Erde zur Bereitstellung der Ressourcen nicht erstrebenswert und ist in historischen Maßstab gesehen auch nicht natürlich. Südkorea etwa, das innerhalb von drei Generationen eben auch Frauen Bildungs- und Aufstiegsmöglichkeiten gab und u.a. somit nicht nur einen beispiellosen gesellschaftlichen/wirtschaftlichen Aufstieg, sondern auch eine Eindämmung des Bevölkerungswachstums erreichte, ohne auf restriktive Maßnahmen á la China zurückzugreifen, zeigen in welche Richtung weltweit die Bemühungen gehen sollten um nicht noch innerhalb dieses Jahrhunderts durch eine sehr hohe Population die Ressourcen zu überspannen. Zudem hat Herr Sakkas mit seinen Analysen bezüglich der Arbeitssituation recht. Sehr hohe Geburtenraten sorgen oft für eine zusätzlich erhöhte Jugendarbeitslosigkeit und können - wie etwa in Panarabien - zusammen mit einer Wirtschaftslage, die nicht ausreichend Jobs zur Verfügung stellt eine höchst explosive und gefährliche Situation erstellen. Die geringe Geburtenrate der vergangenen Jahre garantiert in gewisser Weise auch politische Stabilität und Sicherheit in Deutschland, so dass die Babyboomer auch weiterhin ihre Politik durchsetzen und nicht durch wirklich größere Gruppen nachfolgender Generationen in Frage gestellt werden.
In Deutschland ist zumindest nicht das eigentliche Problem das zu wenig Kinder geboren werden und wenn dann oft aus weniger privilegierten Kreisen, sondern das die, die geboren werden durch mangelnde Betreuung und Fehler im Bildungssystem zu oft unzureichend in die Möglichkeit versetzt werden, gesellschaftlich und wirtschaftlich aufzusteigen und zu partizipieren. Dies wird wohl zunehmend durch Einwanderung kaschiert werden - übrigens auch heute schon, schließlich ist der 'Volkskörper' ja zuletzt wieder gewachsen und bei 82 Mio. weiter sehr hoch. Frauen aber einzureden, ihre Bildung und ihr scheinbarer Unwille sei ein Übel, ist gerade angesichts der vorangegangenen Debatte um Geschlechtergerechtigkeit geradezu zynisch.

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quaestor07.02.2013 | 18:18 Uhr

Bitte nur Vergleichbares vergleichen.

Vergleiche mit China oder den arabischen Ländern sind natürlich eindrucksvoll- gehen aber an der Sache vorbei. Ich denke, den meisten Befürwortern der "Kinder-Familie" geht es um die ganz normale Reproduktion der Gesellschaft. Und da ist zwischen der derzeitigen Geburtenrate von weniger als 1,3 und der anzustrebenden von ca. 2,1 jede Menge Gestaltungsspielraum, ohne dass es zu einem Überangebot von jugendlicher Arbeitskraft kommt. Man macht sich in unserer auf Individualismus aufgebauten Gesellschaft leider angreifbar, wenn man den Begriff des Normalen gebraucht. Ob nun ein, zwei oder drei Kinder als "normal" anzusehen sind, sei dahingestellt. Die Form unserer Bevölkerungs"pyramide" ist es m.E. jedenfalls nicht. Zuwanderung kann das Problem nicht lösen, weil sie neue Probleme aufwirft, ohne die alten wirklich zu lösen. Man muss sich wirklich endlich mal von diesem ökonomistischen Ansatz lösen, der den Menschen nur als Produktivkraft sieht. Der Begriff des z.B. in der DDR s.g. "Menschenmaterials" sollte nicht im schickeren Gewand neoliberaler Polemik auferstehen dürfen.

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Matthias E.08.02.2013 | 10:45 Uhr

Geburtenrate verzerrt

Die Geburtenrate ist in Deutschland durch die späten Geburten auch verzerrt - aber natürlich nicht bei 2,1. Ich möchte auch nicht eine Ökonomisierung des Menschen in der Gesellschaft, sondern meine, jeder einzelne sollte, wenn er kann und möchte in die Lage versetzt werden gesellschaftlich und wirtschaftlich aufzusteigen und teilzuhaben, was in der Masse wirtschaftliches Wachstum zur Folge hat.
Ich wollte die Frage nach den Nachwuchssorgen in einen weltweiten Zusammenhang betrachten und denke schon, dass auf dieser Ebene eine deutlich geringere Geburtenanzahl anzustreben ist. Südkorea zeigt ja auch, dass nachhaltiger gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Aufschwung und Emanzipation und geringere Geburtenrate wohl sehr gut miteinander korrelieren können. Das Extrembsp. Arabiens (das zugegeben auch nicht den hohen Entwicklungsstand hat wie Dtl.) könnte allerdings auch ausgetauscht werden mit Südeuropa, wo trotz niedriger Geburtenrate defacto eine ganze Generation vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen ist und die Wirtschaft nicht in der Lage ist Jobs bereitzustellen. Auch dort droht politische Instabilität. Und Stichworte wie Generation Praktikum und prekäre Jobverhältnisse bis in bestausgebildete Kreise ist auch in Deutschland nicht unbekannt. So gesehen ist die niedrige Geburtenrate hier auch ein gesellschaftliches Korrektiv. Sakkas Artikel zielt ja auch mehr auf die in der Debatte mitschwingende Anklage gegen junge Menschen, zu wenig Kinder zu bekommen, was ich ähnlich raushöre und aus obigen Gründen ungerecht finde.

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quaestor08.02.2013 | 12:51 Uhr

Nun wird langsam ein Schuh draus,

nämlich dass es in Ländern mit starkem Bevölkerungswachstum eine Geburtenkontrolle geben sollte und in Ländern wie Deutschland, Japan u.a. eine Förderung von Nachwuchs. Es mag ja ein bisschen plump klingen, aber wäre es nicht ein weltpolitisch hehres Ziel, auf diese Weise die Weltbevölkerung annähernd konstant zu halten?
Übrigens wird die s.g. Generation Praktikum so lange keine Jobs finden, solang unsere Unternehmen unter dem Deckmantel der Weltoffenheit und eines angeblichen Fachkräftemangels billige, aber gut qualifizierte Arbeitskraft importieren, unter anderem aus Süd(ost)europa. Da werden wir noch viel erleben in den nächsten Jahren...

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Matthias E.08.02.2013 | 14:35 Uhr

Die Förderung

des Nachwuchses in punkto Bildung sollte weltweit verstärkt werden - mit dem Ziel auch Mädchen weltweit daran teilhaben zu lassen. Je höher der Bildungsgrad junger Frauen, umso höher ist so weit ich weis der allgemeine Wohlstand eines Landes (innerhalb der hochentwickelten Länder sicherlich weniger ausgeprägt, aber im weltweitem Kontext). Außerdem führt ein höherer Bildungsgrad zu niedrigeren Geburtenraten. So könnte man ganz ohne Geburtenkontrolle, sehr elegant die Geburtenrate weltweit einpegeln, mit gesellschaftlichem und wirtschaftlichem Nutzen. Vielleicht wird die Menschheit auf lange Sicht wieder kleiner werden, was bei einem höheren Wohlstand und einer ausgereiften Ressourcennutzung im Gegenzug aber nicht die schlimmste aller Konsequenzen wäre.
Recht haben Sie womöglich darin, dass versucht wird den Überschuss an Arbeitskräften durch Einwanderung hoch zu halten, allerdings ist die Geburtenrate in Dtl. dafür (beruhigender Weise?) zu gering und viele Unternehmen zu inflexibel was die Anforderungen an die Fachkräfte von außerhalb angeht. Fast ist man gewillt zu sagen, dass sich die deutschen Arbeitgeber durch die Familien und Frauen gegenüber beinah schon feindliche Lobbyismusarbeit auf lange Sicht ein sehr dickes Ei gelegt haben. Ich hätte begrenztes Mitleid.

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quaestor08.02.2013 | 18:55 Uhr

Kinder sind ein Geschenk

Glück und Unglück sind subjektiv. Für mich sind Kinder ein großes Glück und Geschenk! Bei der Erziehung der Kinder, ist natürlich auch Zuverlässigkeit und Verantwortung bedeutsam. In dieser Organisationszeit braucht man auch Managementqualitäten und manchmal starke Nerven, jedoch „wächst man an der Aufgabe“ und braucht nur partiell externe Unterstützung. Wir wären jedoch niemals auf die Idee gekommen, unsere Kinder z.B. im Alter von nur einem Jahr in eine „Krippe“ ab-zu-geben (entwicklungspsychologisch). Auch haben wir niemals nach dem Staat gerufen. Wir haben dafür gesorgt und sichergestellt, dass unsere Kinder auf eine verbindliche Fürsorge bauen konnten. Dafür sollten dann auch die Karriere und Statussymbole (eine scheinbare individuelle Bereicherung) zurückstehen können. Wir haben das Modell der wechselseitigen Kinderbetreuung und Versorgung gewählt. Mir ist bewusst, dass die Lebenssituationen der Menschen unterschiedlich sind, die Gesellschaft hat sich ausdifferenziert mit unterschiedlichen Präferenzen. Von daher muss Flexibilität ins System der Betreuung. By the way: Die Kinder haben sich prächtig entwickelt und sind eigenständige Persönlichkeiten geworden, die uns große Freude bereiten. Deshalb darf ich sagen: Nur Mut zu Kindern, etwas Sinnhafteres gibt es im Leben nicht.

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bernhard jasper08.02.2013 | 08:34 Uhr

<Etwas Sinnhafteres gibt es

<Etwas Sinnhafteres gibt es im Leben nicht...> Genau! Diesen Argumenten kann ich nur zustimmen! Auch mich erfüllt mit Sorge die Vorstellung,alle Kleinkinder ab dem Alter von 12 Monaten liessen sich problemlos und nur zu ihrem eigenen Vorteil zwecks früher "Förderung" in einer <KITA> (Kindertagesstätte) "abgeben"!
Ich glaube,dass wir neben den selbstverständlich zu schaffenden Voraussetzungen für die Vereinbarkeit von Beruf und Familien immer auch die individuellen Schicksale,d.h.Voraussetzungen sehr unterschiedlicher Art von Mann,Frau,Eltern bzw.deren Kindern im Blick behalten sollten,um nicht jeweils "das Kind mi dem Bade auszuschütten"...d.h.dann wieder neues Leid durch gesellschaftliche Ansprüche jedweder Art zu erzeugen :auf jeden Fall kann es nicht angehen,dass w i r t s c h a f t l i c h e Argumente über die wirklichen Interessen von Kindern gesetzt werden.
Kinder müssen bei all unseren Überlegungen für oder gegen sie an die erste Stelle gesetzt werden und vor allem die Möglichkeit erhalten gute, tragfähige Bindungen in den ersten Lenbensjahren aufbauen zu können.

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Jenny Hela09.02.2013 | 07:47 Uhr

Die heilige Familie

wurde von einem Herrscherhaus des 18. Jahrhunderts erfunden und zwar in einer agrarischen Gesellschaftsordnung. Von Einzahlungen bei einer Rentenversicherung war damals freilich nicht die Rede. Der Autor des Artikels deckt hier u.a. vollständig zu Recht die verlogene Vermischung besagter heiliger Familie ( möglichst mit Stammbaum bis hin zu Karl dem Großen ) mit Kindern als volkswirtschaftlichem Faktor auf. Vorausgesetzt diese sind ein volkswirtschaftlicher Faktor und können mit 67 Jahren auf eine lückenlose Kontenklärung gem SGB VI zurückblicken.

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Peter Lyssy08.02.2013 | 20:43 Uhr

Wohlstand statt Kinder

"...wir, die immer die anderen danach fragen, wer wir sind nie aber wagen uns selbst diese Frage zu stellen, inmitten von so viel Philosophie, Humanität und Höflichkeit und erhabenen Grundsätzen nur eine trügerische und hohle Fassade besitzen, eine Ehre ohne Tugend, Verstand ohne Weisheit und Vergnügen ohne Glück."

J.J.Rousseau

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Domingo10.02.2013 | 13:47 Uhr

Produktivitätszuwachs

Was immer wieder vergessen wird in Sachen Überalterung der Gesellschaft:

Was ist mit den Produktivitätssteigerungen?

Wenn die Kapitaleigner nicht den gesamten Rahm abschöpfen würden und man die Produktivitätssteigerungen (zumindest teilweise) in die Rechnung mit einbeziehen würde, dann hätten wir kein demografisches Problem! Wir würden zwar trotzdem schrumpfen, aber ist das in einem so überbevölkerten Land ein Problem? Es keine statische Größe, dass ein Arbeitnehmer keinen Rentner ernähren kann. Wenn der Arbeitnehmer entsprechend viel erwirtschaftet, dann kann er 10 Rentner ernähren!

Beispiel: Früher erwirtschaftete ein Bauer auf seinem Feld soviel Weizen, um seine Familie zu ernähren. Derselbe Bauer kann heute hunderte von Familien ernähren mit dem Weizen, den er anbaut. Wo ist eigentlich das Problem?

Das Problem ist, dass die Kapitaleigner sich auf Kosten der Bevölkerung diese Steigerungen komplett aneignen und dann behaupten, es wäre kein Geld da und wir hätten ein demografisches Problem.

Mumpitz!

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Andrea10.02.2013 | 15:01 Uhr

Woher kommen denn die Produktivitätszuwächse?

Sicherlich kommen sie zu einem Teil aus der gestiegenen Qualifikation der Arbeitnehmer. Zum überwiegenden Teil kommen sie jedoch aus dem Einsatz von Kapital. Könnten sich die Kapitaleigner die Früchte des Kapitaleinsatzes nicht mehr aneignen (an "komplett" hindern sowohl die Steuern als auch die höheren Kosten besserqualifizierter Arbeitnehmer), dann würden sie schlicht und einfach nicht mehr investieren. Was dabei auch für die Arbeitnehmer herauskommt, sehen Sie in den wenigen noch existierenden steinzeitkommunistischen Ländern dieser Welt wie Kuba und Nordkorea.

Sicherlich: die Vermögenden profitieren überproportional vom Kapitalismus. Die Arbeitenden leben in dessen hochentwickeler Form jedoch auch deutlich besser als in jeder anderen Wirtschaftsordnung.

Also: macht die Rentenrechnung ohne signifikante Produktivitätssteigerungen einzuplanen! Den Großteil werden Kapitalkosten und Inflation fressen.

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Karl Schade13.02.2013 | 12:38 Uhr

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