Mehr Kinder? Nein, Danke! Eine Polemik
Es kommt ziemlich selten vor, dass die Medien sich einig sind. Etwa beim Thema Familienpolitik. Allerorten liest man derzeit, die offizielle Familienpolitik der Bundesregierung sei eine „Katastrophe“. Die Kinderbetreuung sei zu wenig ausgebaut, Frauen würden durchs Muttersein immer noch an der Karriere gehindert, weshalb die deutsche Geburtenrate eine der niedrigsten Europas und der ganzen Welt sei, und das wiederum sei ja fatal, weil… Ja, warum eigentlich? Weil dann unsere Volkswirtschaft zusammenbricht? Weil das „deutsche Volk“ dann in fünfzig Jahren ausstirbt? Tja, warum eigentlich? Warum eigentlich brauchen wir so dringend Kinder?
Es ist Zeit, einmal mit diesen Mythen aufzuräumen, die immer noch durch unsere aufgeklärte Gesellschaft geistern. Zum einen: die Volkswirtschaft. Deutschland leidet seit 1990 an einem massiven Überschuss an Arbeitskraft. Meine Generation, die bestausgebildete nicht nur seit dem Krieg, sondern überhaupt seit es Deutschland gibt, steht arbeitsmarkttechnisch vor einem Scherbenhaufen. Die Konkurrenz in unseren geburtenstarken Jahrgängen ist erdrückend, Arbeitslosigkeit, ob offen oder verdeckt, geringfügige Beschäftigung oder Am-Tropf-der-Eltern-Hängen sind gang und gäbe. Umso größer wird der Segen sein für die kommenden Generationen, die in der Berufswelt endlich wieder Luft zum Atmen haben werden. Auch der vielbeschworene Fachkräftemangel in Deutschland ist eine Lüge. Jeder weiß es, keiner sagt es. Bei uns treten sich die Fachkräfte gegenseitig auf die Füße wie Häftlinge in einem indischen Knast. Wir haben keinen Fachkräftemangel. Wir haben keinen Geburtenunterschuss. Wir „brauchen“ nicht mehr Kinder.
Zum anderen: das „Volk“ selbst. Es ist kurios: zwar steht nirgends auf der Welt das Nationale so sehr im Schatten wie in Deutschland; wir haben keine Königin, keine Garderegimenter, kein trooping-the-colour. Moderatoren patzen regelmäßig bei der Anrede von Monarchen („Ihre Hoheit“), kein Schulkind kennt „den alten Barbarossa“ von Rückert, kein Abiturient wird einen Unteroffizier von einem Oberstleutnant unterscheiden können; aber bei dem Wort „Demografie“ werden plötzlich alle zu lauter kleinen Nationalisten. Deutschland stirbt aus! Wir werden überfremdet! So schallt es einem entgegen.











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