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Berliner Republik

Trauerakt für Neonazi-OpferWir brauchen einen Ruck für Integration

Von Hajo Funke22. Februar 2012
picture alliance
Rechter Terror, NSU, Zwickauer Trio, Mundlos, Integration
"Demütigungen, Mobbing, alltäglicher Rassismus müsste angesprochen werden."
Schrift:

Gegen diese Herausforderung ist die Suche nach einem Bundespräsidenten ein Leichtes: Am Donnerstag wird Kanzlerin Merkel beim Trauerakt für die Opfer des Rechtsterrors sprechen. Damit es keine wohlfeile Staatsinszenierung wird, braucht es ein konkretes, glaubwürdiges Versprechen. Ein Kommentar

Seite 1 von 2

Der Kniefall Willy Brandts vor dem Denkmal des Warschauer Ghettos 1970 war so ein Symbol. Die Rede des Bundespräsidenten Richard von Weizsäckers 1985 auch, als er die Erinnerung an die NS-Verbrechen anmahnte. Es ist keine leichte Aufgabe, vor der Angela Merkel am Donnerstag steht. Beim Trauerakt für die Opfer des Neonazi-Terrors im Konzerthaus Berlin muss die Bundeskanzlerin die richtigen Worte für die Familienangehörigen finden. Die Gedenkfeier – eine der bemerkenswertesten Veranstaltungen der Zeitgeschichte – wird aber nur dann keine wohlfeile, opferferne Staatsinszenierung, wenn sie ein Versprechen enthält, das konkret ist und glaubwürdig. Und damit es glaubwürdig ist, muss es wohl so schmerzhaft sein wie die Gesten Brandts oder Weizsäckers.[gallery:Rechte Gewalt- und Mordserie erschüttert Deutschland]

Man wird sehen, ob die Kanzlerin nicht nur Aufklärung über die Verbrechen will, sondern auch lückenlose Aufklärung über das Versagen der Sicherheitsbehörden. Wie konnte es sein, dass ein Teil der V-Leute und ihrer Führungspersonen die schrecklichen Taten der Terrorzelle verdeckte – oder sich sogar daran beteiligte?

Wird Merkel auch die Gründe ansprechen, die zu dieser herausragendsten rechtsextremen Gewaltbewegung seit der Einigung führten? In den Neunzigern – den entscheidenden Jahren der Bildung dieser Terrorzelle – wurde das Problem verharmlost und teilweise geleugnet. Dabei sind die Gründe offensichtlich: der Nährboden aus sozialen Erschütterungen und Verzweiflung, das Klima der Ausgrenzung und Abwertung, der Alltagsrassismus und seine mörderischen Folgen von über 150 Mordopfern. In den Kommunen sahen allzu viele Politiker feige weg, wenn die Gewalt eskalierte und sich kleine neonazistische Cliquen radikalisierten. In Teilen Sachsens oder Mecklenburg-Vorpommerns ist das bis heute so.

Wird sie den staatlich induzierten Rassismus ansprechen, der so lange von Teilen gerade ihrer Union in fremdenfeindlichen Kampagnen evoziert wurde? Ein Beispiel wäre die Kampagne zur doppelten Staatsbürgerschaft von Roland Koch. Auch die nationalkonservativen Reden des ehemaligen Innensenators von Berlin, Jörg Schönbohm, wären da zu nennen. Erst spät, als Innenminister Brandenburgs, dann aber beherzt, nahm sich Schönbohm des gewalttätigen neonationalsozialistischen Rechtsextremismus in Brandenburg an. Das Land hat sich seit einem guten Jahrzehnt als erstes in Ostdeutschland überhaupt um eine Kurskorrektur bemüht.

Seite 2: Wird Merkel die Extremismusformel korrigieren?

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"Wird sie den staatlich

"Wird sie den staatlich induzierten Rassismus ansprechen, der so lange von Teilen gerade ihrer Union in fremdenfeindlichen Kampagnen evoziert wurde? Ein Beispiel wäre die Kampagne zur doppelten Staatsbürgerschaft von Roland Koch. Auch die nationalkonservativen Reden des ehemaligen Innensenators von Berlin, Jörg Schönbohm, wären da zu nennen."

Die Frage der doppelten Staatsbürgerschaft als Ursache für den Rechtsterrorismus heran zu ziehen ist doch etwas gewagt.

Auch Konvervatismus, inklusive Nationalkonservatismus (man muss ihn nun wahrlich nicht teilen), sollte man nicht mit Neonazis verwechseln.

  • Antworten
Differenzierer22.02.2012 | 22:35 Uhr

Ein Versprechen auf was ...

Soll der zweifellos verachtenswerte Hass auf Migranten und die totale Inkompetenz staatlicher Behörden in Bezug auf Rechtsterroristen, die noch nicht einmal beim Fund großer Mengen Sprengstoff und zweier Rohrbomben sofort verhaftet wurden, zur Priveliegierung von Migranten führen? Darf der deutschen Gesellschaft, die sich im internationalen Vergleich als extrem generös in Sachen Asyl, sozialer Fürsorge gegenüber Migranten und Zuwanderung aus humanitären Gründen gezeigt hat, pauschal Rassismus unterstellt werden? Sollen unter dem Vorwand der gesamtgesellschaftlichen Buße für radikale Einzeltäter Migranten, denen innerhalb von drei Generationen die Integration nicht gelungen ist Sonderrechte eingeräumt werden? Wurde ihnen die Intergration verweigert, oder fehlte es an Anpassungsbereitschaft, die andere Gruppen Problemlos an den Tag lege? Sind solche Anpassungsleistungen überhaupt zumuttbar, ohne die kulturelle Identität der Menschen zu zerstören? Was hieße das für die Einwanderungspolitik? Fragen wie diese wurden 40 Jahre lang nicht beantwortet. Vielleicht wird es endlich mal Zeit Klartext zu reden.

  • Antworten
Christoph Kuhlmann23.02.2012 | 17:08 Uhr

"Wird es den Befreiungsschlag

"Wird es den Befreiungsschlag für die Integration der Schwächeren, vor allem der von Sarrazin rassistisch und sozialdarwinistisch gedemütigten Türken und Muslime und Arbeitslosen geben?"

Lieber Herr Funke,

welche Türken, Muslime und Arbeitslose meinen Sie denn?
Sicher nicht diejenigen, die hierzulande sehr passend in Fußballstadien ihrem Führer Erdogan zujubeln oder den Genozidleugner Kolat und seine Schäfchen, oder die, die die nach der Aufbringung der "Hilfsfoltte" für Gaza Hitler dafür kritisiert hatten, dass er nicht alle Juden umgebracht hatte. Oder die, die alles, was nichtttürkisch oder nichtmuslimisch ist, einschließlich anderer Migrantengruppen, als minderwertig ansehen (dazu schweigen die entsprechenden Verbände und ihre Vertreter geflissentlich und Ihre Pressekollegen interpretieren diesen vehementen Rassismus als "Resultat eine schweren Kindheit oder Liebesentzug durch die "autochtonen" Deutschen). Sicher nicht, denn diese gibt es ja gar nicht, es handelt sich ja nur um islamophobe und - da wir einmal dabei sind - xenophobe Halluziantionen!
Was Sie mit Ihrer Attacke auf Sarrazin versuchen, ist, mit der Kritik an seinen Erklärungen (die bis zu einem gewissen Grade nicht unberechtigt sind) auch die von ihm beschreibenen Phänomene zum Verschwinden zu bringen.
Damit weisen Sie sich indes als zu denjenigen gehörig aus, die z. Zt. aus der Nazi-Mordserie politisches Kapital zu schlagen versuchten. Als "normale" Opfer oder Opfer von irgendwelchen Querelen (Schutzgeld) waren die "Kleinunternehmer" bis dato völlig uninteressant.

Sie wollen Gewalt und Extremismus nur verdammt und bekämpft wissen, wenn sie von Rechts kommt. Für sie ist dies bereits ja die Mitte. So weist man indes - in rassisitscher Manier - Menschen, die nicht so denken, wie Sie und ihre Mitstreiter minderwertige Eigenschaften zu, was gar nicht gar so weit davon entfernt ist von dem, was Sie Sarrazin unterstellen.
Aber, vielleicht wollen Sie ja einen totalitären Wohlfahrtsstaat (mit entsprechendem "Ausschuss") à la DDR light mit einem Schuss Gottesstaat und den entsprechenden polizeilichen Einrichtungen, um dessen Feinde zu Raison zu bringen?
Ihre Sprache verrärt zumindest teilweise, dass Sie in der Jungen Welt oder dem "Spartakist" Karriere machen oder als Specher z. B. der Damen Lötzsch und Höger und Herrn Dierks ihr Brot verdienen könnten.

Ich indes wäre beleidigt, von Ihnen nicht als "Rechts" bezeichnet zu werden. - Dies ist die Paraphrase eines Briefes von Béla Bartòk an Dr. Joseph Goebbels, in dem er schrieb, er empfände es als Beleidigung, nicht zu den entarteten Künstlern gezählt zu werden.

  • Antworten
H. P. Rösler 23.02.2012 | 19:14 Uhr

Frau Merkels Entschuldigungs Rede

machte alle Deutschen quasi zu Mittaetern der Morde an Migranten und das nicht akzeptabel und ist sicherlich nicht hilfreich um bei Bio-Deutschen weniger Unmut ueber die Probleme durch Einwanderung aus dem muslimischen Kulturkreis. Schliesslich ,wenn man den Presseberichten glauben kann gibt es nur wenige Probleme mit anderen Einwanderern ,weil sie sich ohne besondere Anstoesse integrieren,die Sprache lernen und ihre Kinder zur Schule schicken und keine Extrawuerste verlangen.
Auch zu behaupten dass es an der dt.Gesellschaft liegt dass die Integration vieler Muslime nicht geklappt hat ist nicht korrekt. Schliesslich sind es Muslime,die sich in ihren Sprach und Kulturghettos zurueck gezogen haben,wo sie weder die deutsche Sprache lernten noch ihren Kindern die Sprache vermitteln konnten und die bei der Einschulung oft kein Wort Deutsch sprechen.
Wenn Frau Merkel sich aber fuer die deutsche Justix entschuldigt hat,die offenbar versagt hat um diese Mord Serie schon frueher aufzuklaeren dann soll sie es sagen. Ich fuer meine Person werde mich nicht entschuldigen,schliesslich habe ich niemanden umgebracht, zum Mord angestiftet noch hege ich Sympathien fuer schaebige Moerder.

  • Antworten
Karin S.Bryant25.02.2012 | 00:58 Uhr

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