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 > Wir brauchen eine Bürgerpartei gegen die Finanzwirtschaft

Berliner Republik

MarktmachtWir brauchen eine Bürgerpartei gegen die Finanzwirtschaft

Von Frank A. Meyer21. Juli 2012
picture alliance
Kapitalismus,Occupy,Sozialdemokratie,Finanzmärkte
Ist moderner Kapitalismus denkbar ohne Kämpfe?
Schrift:

Finanzökonomische Mächte ruinieren Demokratien, Gesellschaften und Menschen. Wir brauchen wieder radikalen Respekt vor Recht und Ordnung - kein schlechtes Programm für eine Bürgerpartei! Ein Kommentar

Seite 1 von 3

Im Berliner „Admiralspalast“ stellte der Philosoph ­Richard David Precht dem SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier folgende Frage: „Können Sie sich eine Welt vorstellen, in der die Banken keinen Gewinn machen dürfen?“ Der konnte sich so etwas partout nicht vorstellen und beschied dem vollen Saal: „Es geht doch nicht darum, ob ich mir das vorstellen kann!“

Vielleicht geht es aber doch gerade darum: um das politisch Vorstellbare – um Visionen. Gesellschaftliche Visionen.

Für Sozialdemokraten wäre es das Naheliegende, sind die Genossen doch mit eben diesem Ziel in die Geschichte eingetreten. Aber was für eine Gesellschaft soll es denn bitte sein? Natürlich eine andere als die real existierende, eine bessere selbstredend.

Nur, wie sähe die aus? Sozialistisch kann sie nicht mehr sein. Der Traum endete als Albtraum. Wenn es aber Sozialismus nicht ist, und auch nicht dessen aufgehübschte Version des demokratischen Sozialismus – was wäre dann das Ziel?

Vielleicht hilft ein Blick in die Geschichte. Die historische Leistung der Sozialdemokraten, nicht nur der deutschen, war die Modernisierung der bürgerlichen Gesellschaft, man könnte auch provokativ sagen: des Kapitalismus.

Ist ein moderner Kapitalismus, ist eine moderne Demokratie, ist ein moderner Rechtsstaat denkbar ohne die Kämpfe der Genossen um Liberté, Égalité, Fraternité? Lenin glaubte, die Französische Revolution zu vollenden. Soziale Demokraten – überall in Europa – haben sie mit der bürgerlichen Gesellschaft kompatibel gemacht.

Die SPD will es nicht wahrhaben, aber es ist doch wahr: Sie steht für die bürgerliche Gesellschaft. Und das bedeutet auch – die SPD ist eine durch und durch bürgerliche Partei. Weiß die Partei das? Die Naturwissenschaftlerin Angela Merkel hat sich die Formel von der „marktkonformen Demokratie“ zurechtgelegt: „Wir werden Wege finden, die parlamentarische Mitbestimmung so zu gestalten, dass sie trotzdem auch marktkonform ist.“

Jens Weidmann, Merkels Bundesbankpräsident, verdeutlicht es so: „Die Märkte müssen weiterhin die Richterfunktion zur Disziplinierung der südeuropäischen Länder ausüben.“ Also zur Disziplinierung von Demokratien! Nur der südeuropäischen? Natürlich nicht. Der Demokratien überhaupt!

Bildergalerie: Die Bilder der Ära Ackermann
  • Josef Ackermann, Deutsche Bank, Finanzkrise, Börse
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  • Josef Ackermann, Deutsche Bank, Finanzkrise, Börse, Jürgen Fitschen, Anshu Jain
  • Josef Ackermann, Deutsche Bank, Finanzkrise, Börse, Jürgen Fitschen, Anshu Jain

Im gleichen Kontext sei noch der Politiker-Flüsterer Josef Ackermann zitiert, zehn Jahre lang Chef der Deutschen Bank: „Die Finanzmärkte sind – ungeachtet der Tatsache, dass auch sie irren können – die beste Schuldenbremse.“ Das wäre dann: die Oberhoheit der Märkte über die Budgethoheit der Parlamente.

Montesquieus drei Gewalten hat sich eine vierte hinzugesellt: die Finanzwirtschaft, in Deutschland an erster Stelle die Deutsche Bank. Im Grundgesetz ist das global spekulierende Institut nicht vorgesehen. De facto aber regiert es im Kanzleramt mit.

Oder, wie die Frankfurter Allgemeine schreibt: „Heute ist die internationale Kompetenz der Bank gefragt; ihre Vertreter erklären der Politik, unter anderem, die Zusammenhänge in der globalen Finanzwelt. Inwieweit die Bank daneben gesellschaftliche und allgemein politische Debatten begleitet oder sich lieber auf das eigene Gewerbe beschränken will, muss die Führung entscheiden.“

Lesen Sie weiter über die Zerstörung von Demokratie, Gesellschaft und Menschen...

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Ich fürchte die meißten

Ich fürchte die meißten Politiker handeln in Sachen Weltfinanzsystem eher wie die drei berühmten Affen, ob aus Unwissenheit, oder weil sie den Durchblick haben, aber zu feige sind sich dagegen zu stellen, da es sie selbst ja nicht trifft, sei einmal dahin gestellt. Herr Georg Schramm erklärt sehr schön, warum die Weltfinanz so katastrophal abläuft, und, dass selbst amerikanische Präsidenten den Schritt bereuen, der FED soviel Macht gegeben zu haben, aber leider verwechseln wohl auch hier einige im Publikum politisches Kabarett mit Comedy.

  • Antworten
Nanuu7321.07.2012 | 18:27 Uhr

Wir haben eine bürgerliche

Wir haben eine bürgerliche Partei, wie sie Hayek gerne gesehen hätte. Dummerweise erwähnt sie nie einer. Die Partei der Vernunft hat genau das vor, was der Autor hier fordert.

  • Antworten
Thomas21.07.2012 | 22:37 Uhr

Die Partei der Vernunft

mag das vertreten, was der Autor hier fordert. Nur ist sie mit "Splitterpartei" eigentlich schon überhöht bezeichnet und ich sehe bei ihr auch keine Entwicklung zu einer einflußreichen politischen Kraft. Und warum gibt es eine solche Entwicklung nicht?
Das, Thomas sollten Sie sich und die Parteigänger der PdV einmal fragen.

  • Antworten
Bambus0723.07.2012 | 16:37 Uhr

Partei

Ich brauche keine Partei. Ich denke selber.

  • Antworten
EuroTanic22.07.2012 | 00:08 Uhr

Die Partei gibt es schon:

Die Partei gibt es schon: Partei der Vernunft
http://www.parteidervernunft.de/

  • Antworten
amigihome22.07.2012 | 09:13 Uhr

Es gibt sei bereits, die Partei gegen die Finanzwirtschaft!

Die Büergerrechtsbewegung Solidarität nämlich! Deren Konzepte würden es ermöglichen, die Finanzwelt ein für alle Male an die Kandare zu nehmen!

  • Antworten
Peter Hoppe22.07.2012 | 19:39 Uhr

Politik und Schulden

Ist das wirklich so schwer zu begreifen, dass nur der Abbau der Staatsverschuldung beendet oder zumindest stark beschränkt den Einfluss der Finanzwelt auf die Politik? Und sieht jemand in Deutschland eine Partei, die ihre Wahlverprechen nicht über mehr Schulden realisieren würde? Ist das vielleicht die SPD des Herrn Gabriel und der Frau Kraft mit ihren Konjunkturprogrammen? Oder die CDU mit ihrer "Energiewende"? Und was macht der Wähler? Er belohnt die Schuldenmacher! Und dann empört sich, dass die Macht der Banken immer grösser wird. Und woher sollen die "armen" Politiker das nötige Geld bekommen. Vielleicht hat von Hayek doch recht gehabt?

  • Antworten
HenrykU22.07.2012 | 20:02 Uhr

krise des kapitalismus

in Frage stehen zwei8 korrupte Grossen : Bank und Politiker.Beide aufeinmal kann man nicht korrigieren.Beginnen wir im Rahmen der Verfassung die Anderung : Partei A mit Partei B in Vierjahreswechsel
an die Macht , Nicht langer.Schon der Reihe nach.Die Probleme des Staates losen und nicht Vorrang fur politische Techtelmechtel erlauben.Dann heften die Augen der Politiker nicht mehr an den Wahlen
und tun was sie sollen nicht wollen

  • Antworten
stefaniabraileanu24.07.2012 | 09:48 Uhr

Keiner hat Bock auf Politik geschweige denn Verantwortung...

Es gibt inzwischen einfach zuviele Menschen, die besseres zu tun, als in die Politik zu gehen.

Wer tritt denn heute noch in eine Partei ein?

Typischer Weise wird die Schuld an der Politikverdrossenheit "den Parteien" in die Schuhe geschoben. Das ist aber viel zu einfach gedacht. Jeder einzelne Bürger hat die Pflicht sich politisch in dem ihm zu Gebote stehenden Maße zu engagieren und einzubringen. In einer pluralistischen Demokratie geht das nur im Verbund mit Gleich- oder Ähnlichgesinnten.

@EuroTanic ... und alleine erreichen Sie rein gar nichts.

  • Antworten
Wolf Echter24.07.2012 | 15:04 Uhr

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