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Berliner Republik

Hans-Olaf Henkel„Wir brauchen ein Fukushima beim Euro“

Interview mit Hans-Olaf Henkel3. Mai 2012
picture alliance
Hans-Olaf Henkel,Konservatismus,Eurokritiker,Fukushima beim Euro
Eurokritiker Hans-Olaf Henkel
Schrift:

Was ist konservativ? CICERO ONLINE fragte den früheren Industrieboss und heutigen Eurokritiker Hans-Olaf Henkel, wie er diesen Begriff versteht. Im Interview bewertet er die Gesinnungen von Merkel, Gauck sowie den Piraten – und spricht über Szenarien, wie Deutschlands aus dem Euro aussteigen könnte

Seite 1 von 5

Hans-Olaf Henkel (71) war von 1995 bis 2000 Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie. Im vergangenen Jahr warnte er in dem Buch „Rettet unser Geld“ vor einem Zusammenbruch des Euro. Henkel ist Honorarprofessor am Lehrstuhl Internationales Management der Universität Mannheim.

 

Herr Henkel, was bedeutet für Sie der Begriff „konservativ“?
Das Gegenteil dessen, wofür ich stehe.

Das müssen Sie erklären.
Konservativ – das ergibt sich aus dem Begriff – heißt, dass man etwas „konservieren“ und „erhalten“ will. Ich dagegen stehe für Reformen und Veränderung.

„Konservativ“ heißt also: Status quo, Stillstand?
Ja. Das ist für mich irgendwie nicht positiv belegt, sondern negativ. Konservativ war Helmut Kohl, weil er nichts verändert hat. Und die Konservativen von heute, das sind die Kims aus Nordkorea oder Raúl Castros aus Kuba.

Warum ist der Begriff so negativ konnotiert?
Es gibt zwei Interpretationen. Im negativen Sinn sind alle Reformverhinderer gemeint, die an ihrer Macht festhalten. Die gibt es in der Demokratie genauso wie in Diktaturen. Und dann gibt es die positive Auslegung, wonach Konservative alte Tugenden und Werte nicht einfach über Bord werfen, nur weil es gerade dem Zeitgeist entspricht. In diesem Sinne bin ich konservativ.

„Die FDP hat sich versündigt“

Meinen Sie mit diesen „alten“ Tugenden etwa bürgerliche Werte?
Ich habe immer gefordert, den Begriff der Nachhaltigkeit auf alle Politikbereiche zu übertragen – und nicht nur auf den Umweltschutz. Wir müssen unseren Kindern die gleiche, möglicherweise sogar eine bessere Welt hinterlassen.

Im Wort „Nachhaltigkeit“ steckt das Verb „erhalten“. Das ist die exakte Übersetzung des lateinischen Wortes „conservare“. Hat also Konservatismus mit Nachhaltigkeit zu tun?
Ja, jetzt bin ich bei der positiven Interpretation, absolut. Der Gedanke ist einfach: Man braucht nachhaltige Sozialversicherungssysteme, Umweltschutz und Bildungspolitik. Und das ewige Schuldenmachen ist das Gegenteil von Konservieren, denn Sie schaffen keine Konserven, sondern Sie futtern Sie auf.

Bildergalerie: Was ist heute konservativ?

Wer ist denn im Moment der schlimmste Wegfutterer?
Wenn Sie sich die FDP anschauen, die sagt etwa in Nordrhein-Westfalen: „Wir wollen neue Wahlen und keine neuen Schulden.“ Aber die FDP hat sich genau wie alle anderen im Bundestag vertretenen Parteien versündigt. Sie hält an dieser absurden Einheits-Euro-Politik fest, die genau das Gegenteil einer nachhaltigen Politik darstellt. Das ist für mich – vorsichtig ausgedrückt – waghalsig.

Die Euro-Frage ist ja Ihr Steckenpferd...
...im Augenblick bin ich anscheinend der Einzige, der sagt: Ich war mal für den Euro und bin heute dagegen.

Lesen Sie auf der zweiten Seite, wie Henkels konservatives Europa aussieht

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Natürlich ist er konservativ!!!!

Ein Europa der Vaterländer, wann ist dieses ausgesprochen worden????

Will Europa und damit die Menschen in diesem Bereich zukünftig noch eine Chance in der Welt haben, ja dann ist der Euro nur ein Teil des Zusammenwachsens (übrigens einer Region mit 2000 Jahren gemeinsamer Geschichte und Völkervermengung)! Die nächsten Schritte müssen eine wirklich gemeinsame Wirtschafts- und Finanzpolitik bis hin zur gemeinsamen Außen- und Verteidigungspolitik (Euro-Armee) sein!!!!

Nur so wird vermieden, dass Europa in 100 Jahren das Armenhaus der Welt ist und irgendwie erinnert mich das ganze an die vielen Fürstentümer gerade im Deutschland des 19. Jahrhunderts!

Wer ist da nun konservativ?

  • Antworten
Konrad B.04.05.2012 | 11:02 Uhr

Europa wird das Armenhaus

Europa wird das Armenhaus Europas sein; aber nicht wegen zu wenig EU, sondern wegen zuviel Europa. Die zunehmende Regulierung aller Lebensbereiche ist eine Dekadenzerscheinung und zeugt von deutlicher Wohlstandsmüdigkeit. Wir sind in einem ähnlichen Stadium wie das Rom des dritten vierten nachchristlichen Jahrhunderts. Ab 410 ging es bekanntlich merklich bergab. Damals hatten wir das dem frühen Christentum (im Kern eine Gleichheitsideologie) zu verdanken; heute ist es der herrschende Sozialdemokratismus.

  • Antworten
Joachim B. von Koch04.05.2012 | 15:13 Uhr

Eine Frage des guten Geschmacks

Wer eine Anpassung der Währungsverfassung an die unterschiedlichen Stabilitätskulturen in Europa vorschlägt, schwächt nicht die europäische Integration, sondern stärkt sie auf längere Sicht. Henkel hat insoweit recht, dass es ratsam ist, einen Integrations-Gang vorübergehend zurückzuschalten, um den Sculdenberg in hoffentlich 20 Jahren zu bewältigen. Andernfalls droht ganz Europa wachstumstechnisch der Stillstand, der sich in Griechenland und Spanien bereits eingestellt hat. Nur dadurch droht Europa, in den erwähnten "100 Jahren zum Aremnhaus der Welt" abzusteigen.

Hans-Olaf Henkel beschreibt mit dem Fukushima-Mechanismus zutreffend den Krisenopportunismus der Kanzlerin. Es wurde nämlich in der rückabgewickelten Energiewende deutlich sichtbar, dass die seinerzeitige Energiepolitik der Kanzlerin auf keiner Erkenntnisgrundlage aufgebaut war, die der Katastrophe von Fukushima länger als drei Tage standhielt.

Ob wir uns deswegen eine desaströse Entwicklung auf den Finanzmärkten herbeiwünschen sollten? Ein Vergleich mit dem Leid, das Fukushima verursacht hat, wäre zynisch. Und nein, Herr Henkel, auch im Übrigen, wir brauchen keine Verschärfung der Krise.

Thomas Oppermann lässt derzeit auf unsere Anregung prüfen, ob die ESM-Ratifikation nicht zumindest mit verfassungsändernder Mehrheit nur in Kraft gestzt werden kann. Vielleicht wachen dadurch ja auch die übrigen Abgeordneten auf, wenn sie erkennen, dass der derzeitige Regierungsentwurf zur ESM-Ratifizierung nicht verfassungskonform ist.

  • Antworten
Regierung4tel04.05.2012 | 14:11 Uhr

Der Chor der Gemeinsamkeit

Ich höre immer das Postulat Gemeinsamkeit. Gemeinsam sind wir stark, gemeinsamer Interessenschutz ist von Nöten, ein gemeinsamer Euroraum macht Europa stark gegen die globale Konkurrenz, eine gemeinsame europäische Union trägt zu einer gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik, einer gemeinsame Wirtschafts- und Fiskalpolitik bei. Gemeinsamkeit ist das Zauberwort, so singen sie es alle im Chor, die Chorknaben der Gemeinsamkeit. .

Wo ist die innere Stärke eines jeden Volkes geblieben? Die Integrität, die Individualität erfordert. Jeder weiß, dass es ohne Individualität keine Integrität gibt. Das gilt für den Einzelnen wie für die Völker innerhalb der Völkergemeinschaft. Wer die Interessen aller ausgleichen möchte, belohnt die Schwachen und bestraft die Starken. Er verletzt durch Überbetonung des Allgemeinen die Integrität des Einzelnen. Wer so denkt bastelt an der Interpretation seines Lebens nach der Stange. Er bedient die Herdeninteressen, verleugnet die Vielfalt. Er will ein System von Regeln, das genormte Interessen verfolgt.
Nur zu lasst uns das Allgemeine noch stärker betonen und unterwerft den Einzelnen unter den Standard einer gesichtlosen Masse. Statt einem Europa der Vielfalt haben wir dann bald ein Europa der Einfalt. Nur zu!

  • Antworten
Heinz Pelzer04.05.2012 | 17:00 Uhr

Interessant ist doch, daß man

Interessant ist doch, daß man in den USA und in GB den Banken Grenzen setzte, während es im €uro-Raum immer weiter geht, mit dem Hinauswerfen von Steuergeldern zur Rettung von sonstwem, vor allem natürlich der Banken.Auf diese Weise werden einzelne immer reicher, während die Länder verarmen.
Übrigens sehe ich nicht, daß die Kanzlerin für "Menschenrechte" eintritt. Sie redet nur davon und das in einem Ton, der die Frage aufwirft, ob sie wirklich glaubt, souveränen Staaten öffentlich und undiplomatisch Befehle erteilen zu können. Dies schadet dem Ansehen Deutschlands und nützt niemandem.

mit freundlichen grüßen

  • Antworten
saito05.05.2012 | 10:19 Uhr

Wir brauchen ein Fukushima beim Euro.

Vermutlich wird es aber keinen Knall, sondern ein langsames "Verenden"
geben. Es gibt das sarkastische Bonmot des LE FIGARO:
"Maastricht ist Versailles ohne Krieg. (Die Deutschen zahlen)."
Und zwar so lange bis sie pleite sind.
Von jetzt 40,5 Millionen zwischen 25 und 59 Jahren geht die Bevölkerung auf 32,5 Millionen in dieser Altersklasse zurück. Bis
2030: (Siehe 'Gunnnar Heinsohn'). Dazu kommt die Auswanderung von ca.
100 000 Deutschen im Alter zwischen 25 und 45 Jashren. Pro Jahr.
In der Regel gut qualifziert.
Wir haben ca. 7,5 Millionen sog. "strukturelle" Analphabeten in Deutschland und ca. 50 % der 15 bis 65-Jährigen in BERLIN sind sog.
"Transferempfänger", d.h. sie müssen, aus welchen Gründen auch immer , von der Gesellschaft unterhalten werden.
Irgendwo zwischen 2030 und 2040 wird der Spruch vom "Sparhaushalt" - obwohl weiterhin "aufgeshculdet wird - nicht mehr funktionieren.
Schau'n wir mal.
Für Herrn HENKEL: da die anderen die finanzielle Beute nicht mit der
Türkei teilen wollen, denn die Türkei hätte ja erhebliche Ansprüche an die EU, wird es in den nächsten 20 Jahren keinen Beitritt der Türkei als Vollmitglied zur EU geben.
Übrigen: die Türkei hat zur Zeit ca. 10 % Inflation und ca. 80 Mrd Dollar Außendhandelsdefizit pro Jahr.

  • Antworten
Wolram kWiesel05.05.2012 | 12:31 Uhr

Der Dilettant

Henkel stellt in diesem Interview einmal mehr unter Beweis, dass er schon rein intellektuell nicht auf der Höhe des Problems ist. Seine seit Jahren tradierten Worthülsen überzeugen nicht. Sie sind Rudimente einer verlorenen Zeit, in der die neoliberalen Sprüche noch nicht durch die Realität ad absurdum geführt waren. Henkel hat nichts dazugelernt, er vertritt genau den verknöcherten Konservatismus, den er bei anderen anprangert. Er spricht über die Euro-Krise wie der Blinde von der Farbe. Seine ökonomischen Kenntnisse sind erschreckend naiv und unwissenschaftlich. Gut, dass die Talkshowverantwortlichen ihn in meiden. Henkel hat außer überkommenen Ressentiments nichts mehr zu bieten. Henkel scheut die Gründung einer Partei nicht, wegen seines Alters, er ist schlicht überfordert und würde damit seine Entzauberung nur noch beschleunigen.

  • Antworten
popper05.05.2012 | 12:45 Uhr

Statthalter des Großkapitals

Hans-Olaf Henkel entpuppt sich einmal mehr als Statthalter der politisch-tonangebenden Herrschenden Klasse. Er war jahrzehntelang Leitender Angestellter eines US-Konzerns, nämlich IBM, also einer absoluten Gewinnmaximierung immerzu verpflichtet, koste es, was es wolle (Faktor Kapital beherrscht unangefochten den Faktor Arbeit).

Sein Denken und sein politisches Weltbild sind mit den Vorstellungen und Wünschen der Allgemeinheit deshalb kaum kongruent.

Auch wenn sich Henkel gerne als Wortführer "der Duchschnittsdeutschen" aufspielt und sich um das Ersparte von Frau Meier und Herrn Müller sorgt, er ist und bleibt dem Großkapital eng verbunden, auch wenn er dies zu überspielen versucht.

Und das Großkapital hat ein übermächtiges Interesse an der sogenannten EURO-Rettung, weil die Börsenplayer bekanntlich nicht aus dem Arbeitnehmerlager kommen, sondern ganz klar deckungsleich sind mit dem Unternehmertum und deren Interessenverbänden, vertreten durch die "Finanzindustrie".

Die sogenannte EURO-Rettung zielt also darauf ab, die immensen Kapitalanlagen der Großbanken weltweit nicht zu gefährden. Und daran arbeitet Hans-Olaf Henkel auf seine Weise emsig mit.

  • Antworten
Yvonne Walden06.05.2012 | 17:58 Uhr

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