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 > Wie kann der Strom bezahlbar bleiben?

Berliner Republik

EEG-Umlage steigtWie kann der Strom bezahlbar bleiben?

Von Dagmar Dehmer16. Oktober 2012
picture alliance
Strom, EEG
Wie den steigenden Strompreis in den Griff bekommen?
Schrift:

Die Erneuerbare-Energien-Umlage steigt. Das kostet die Verbraucher viel Geld. Strategien, den Preis zu stabilisieren, gibt es viele. Nicht jeder Vorschlag ist aber auch umsetzbar.

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Die EEG-Umlage, aus der die Förderung erneuerbarer Energien bezahlt wird, steigt 2013 um 1,73 auf 5,277 Cent pro Kilowattstunde für Haushalts- und Gewerbekunden. Ein Großteil der Industriebetriebe wird weiterhin von der EEG-Umlage befreit. Die drastische Erhöhung ist vor allem auf vier Kostentreiber in der Umlage zurückzuführen: Bei der Festlegung des Kostensatzes für das Jahr 2012 haben die Übertragungsnetzbetreiber die Entwicklung des Börsenstrompreises falsch eingeschätzt. Sie haben mit steigenden Preisen gerechnet, tatsächlich ist er drastisch gefallen; wegen der Wirtschaftskrise und weil Wind- oder Solarstrom an der Börse mit Betriebskosten null gehandelt werden und den Preis so noch weiter senken.

Die Umlage errechnet sich aber aus der Differenz zwischen dem Börsenpreis und der garantierten Einspeisevergütung für die jeweilige erneuerbare Energie. Vor allem deshalb ist das Umlagenkonto 2012 lange Zeit im Minus geführt worden. Die Kosten dafür und die deshalb angefallenen Zinsen werden mit der Umlage 2013 nun wieder eingetrieben. Um eine negative Kontoführung 2012 zu vermeiden, wird zudem eine beträchtliche Liquiditätsreserve erhoben. Allein diese zwei Posten zusammen ergeben eine Erhöhung der Umlage um 0,64 Cent pro Kilowattstunde. Dazu kommen noch höhere EEG-Umlagenbefreiungen für die Industrie in einem Umfang von 0,27 Cent.

Der vierte Preistreiber ist der Ausbau der Solarenergie, der seit den anhaltenden Debatten über eine Förderkürzung seit drei Jahren explosionsartig verlaufen ist. Die Solarförderung treibt die Umlage um 0,33 Cent nach oben. Zwei dieser Faktoren sind Einmaleffekte, die schon 2014 die EEG-Umlage nicht mehr belasten werden (Kontoführung und Liquiditätsreserve). Die Kosten, die von 2013 an für die Solarförderung anfallen, werden bis zum Ende der Förderung unter einem halben Cent pro Kilowattstunde liegen.

Stromsteuer senken

Die FDP verlangt, die Stromsteuer in dem Umfang zu senken, in dem die Mehrwertsteuereinnahmen des Bundes durch den Anstieg der EEG-Umlage steigen. Es geht um rund 470 Millionen Euro Mehreinnahmen, wie die Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linkspartei geantwortet hat. Die FDP argumentiert, der Staat solle sich nicht „an der steigenden EEG-Umlage bereichern“. Außerdem hat die Partei den Bundestagswahlkampf 2009 damit verbracht, Steuersenkungen zu versprechen. Damit konnte sie sich jedoch nur bedingt durchsetzen. Gelungen ist ihr eine Steuersenkung für Hoteliers. Und nun will sie also die Stromsteuer leicht senken und begründet das vor allem mit den zu hohen Energiekosten von Niedrigverdienern.

Eine Stromsteuersenkung in einem Gesamtumfang von etwa 470 Millionen Euro dürfte sich allenfalls auf der Stromrechnung von Großverbrauchern bemerkbar machen. Seit 2003 liegt die Stromsteuer bei einem Satz von 2,05 Cent pro Kilowattstunde. Das Gesamtaufkommen 2011 lag bei 7,2 Milliarden Euro. Arepo-Consult hat im Auftrag der linksparteinahen Rosa-Luxemburg-Stiftung ermittelt, dass die Industrie bei der Stromsteuer in einem Umfang von 3,4 Milliarden Euro profitiert.

Der Anteil der Mehrwertsteuer am Strompreis ist nach Angaben des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) seit 1998 von 2,33 Cent pro Kilowattstunde auf 4,11 Cent gestiegen. Jede Strompreiserhöhung, auch aufgrund von höheren Brennstoffkosten, schlägt sich in einer höheren Mehrwertsteuer nieder.

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Atomausstieg gibt's nicht für lau

Jeder, der gedacht hat, dass es den Atomausstieg umsonst gibt, darf getrost als Tagträumer bezeichnet werden. Erneuerbare Energien sind nun mal auch nicht beliebig reproduzierbar. Wenn dann die Nachfrage steigt, steigt auch der Preis - eine ökönomische Binsenweisheit. Vielmehr sollte der Nutzen der Energiewende in den Vordergrund gestellt werden. schließlich kann ein Atomunfall wie in Japan auch bei uns nicht gänzlich ausgeschlossen werden. Flugzeugabstürze und bewaffnete Konflikte kann es überall geben, der Oberrheingraben mit den AKWs Biblis und Phillipsburg ist eine tektonisch fragile Zone, so dass ein Verharren an dieser Technologie zumindest fragwürdig ist. Das Hin- und Hergeschiebe des Atommülls nebst der politischen Verantwortung zeigt, dass langfristig Alternativen gebraucht werden. Die Kosten werden steigen, das ist klar. Augenwischerei ist es, behaupten zu wollen, mit Energiesparen könnte der Anstieg aufgefangen werden. Das Gegenteil ist der Fall: Jeder Haushalt braucht immer mehr Elektrogeräte vom Zweitfernseher über das Dritt-Handy bis hin zum Pedelec. Das Angebot an Elektroautos ist überschaubar, aber wenn das Öl alle ist, bleibt neben den unzuverlässigen Bussen und Bahnen nichts anderes. Der Traum, dass alle Autos nur billigen Nachtstrom tanken wird auch nicht in Erfüllung gehen, denn gerade für längere Fahrtstrecken werden die Batteriekapazitäten bis auf weiteres unzureichend sein. Austauschbatterien an den Tankstellen? - nein, danke - wie soll denn der Laie auf die Schnelle die Qualität der der Dinger überprüfen???. So werden wir unterm Strich mehr Strom zu höheren Preisen je Kilowattstunde benötigen, was aber allemal besser ist als die Strapazen, die Bevölkerung in Fukushima in der Zeit nach dem Reaktor unfall durchgemacht hat.

  • Antworten
Leuchte201216.10.2012 | 14:58 Uhr

@ Leuchte2012

In Japan hat es wegen eines Tsunamis und eines Erdbebens unendliches Leid gegeben. Keinesfalls wegen Fukushima. Deswegen ist niemand zu Tode gekommen. Und das sollte eigentlich ein Argument für Kernkraft sein, vor allem wenn man die neuesten Entwicklungen in diesem Bereich denkt (Thorium, Gen 4).

Und um auf ihre Frage zu kommen, Frau Dehmer: Wie kann der Strom bezahlbar werden? Die Antwort darauf ist ganz einfach. Diese unsinnige Energiewende sofort beenden.

  • Antworten
Quentin Quencher17.10.2012 | 09:38 Uhr

Energiesparen rein kontraproduktiv?

Man stelle sich vor, alle würden Strom sparen, und damit auch die kostenmäßigen Umlageanteile zur Erneuerung unseres Energiesystems als Ganzes. Woher käme dann das Geld für den Ausbau der Netze, Solarzellen und Windräder her? Vermutlich würden diese fehlenden Gelder auf die Kilowattstunden aufgeschlagen werden, die man unbedingt braucht und nicht einsparen kann. Denn die Energiewende muss ja von uns Stromverbrauchern bezahlt werden. Vermutlich währe Energiesparen rein kontraproduktiv.

  • Antworten
Ich-denke-mal17.10.2012 | 12:23 Uhr

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