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 > Wie geht es weiter in der Causa Wulff?

Berliner Republik
Bundespräsident

Wie geht es weiter in der Causa Wulff?

von 
Cordula Eubel
Hans Monath
Albert Funk
Antje Sirleschtov
Jost Müller-Neuhof
4. Januar 2012
picture alliance
Wulff, BILD, Bundespräsident, Kredit-Affäre
Der Rückhalt für den Bundespräsidenten schwindet

Frage des Tages: Die Forderungen nach einer neuen Erklärung nehmen zu, die Zahl der Unterstützer nimmt ab. Was bedeutet das für den Bundespräsidenten?

Seite 1 von 2

Um den Kredit geht es längst nicht mehr – auch wenn noch immer nicht klar ist, ob Christian Wulff als damaliger niedersächsischer Regierungschef gegen das Ministergesetz verstoßen hat. Auch gegen seinen ehemaligen Sprecher Olaf Glaeseker wurde inzwischen wegen Urlaubsaufenthalten bei einem befreundeten Unternehmer Anzeige erstattet. Die Staatsanwaltschaft überprüft, ob ein Anfangsverdacht der Vorteilsnahme besteht. Für Wulff noch gefährlicher ist aktuell der Vorwurf, er habe in die Pressefreiheit eingegriffen. Nachdem am Montag bekannt geworden war, dass Wulff versucht hatte, die „Bild“-Zeitung an der Veröffentlichung eines Artikels zu hindern, melden sich jetzt weitere Journalisten mit dem Vorwurf, Wulff habe auch sie bei kritischen Artikeln bedrängt.

Wie schwer wiegt der Versuch des Staatsoberhaupts, ihm unangenehme Berichterstattung zu verhindern?

Die Pressefreiheit gehört zu den zentralen Werten der Demokratie und ist im Grundgesetz verankert. Aufgabe des Bundespräsidenten ist es, diesen Wert nicht nur in Sonntagsreden zu propagieren, sondern auch in seinem eigenen Handeln zu respektieren. Schon die Intervention gegen Recherchen der „Bild“-Zeitung wegen seines Hauskredits wirft ein schlechtes Licht auf den Amtsinhaber. Doch Wulff hat nach seiner Wahl zum Bundespräsidenten auch in weiteren Fällen versucht, Berichte zu verhindern. Damit ist ihm die erklärende Ausrede verbaut, er habe in einem Einzelfall im Eifer des Gefechts die Nerven verloren. Das einhellig vernichtende Urteil der Kommentatoren über den Versuch der Einflussnahme hängt sicher auch damit zusammen, dass die Presse die Voraussetzungen ihrer Arbeit grundsätzlich verteidigt und solch einen Regelverstoß nicht tolerieren kann.

Von wem hängt es ab, wie lange Christian Wulff noch im Amt bleibt?

Juristisch gesehen kann er allein darüber entscheiden, ob er weitermacht. Auch sein Vorgänger Horst Köhler war ja aus eigenem Antrieb zurückgetreten. Das Grundgesetz (Artikel 61) sieht nur die Möglichkeit vor, dass das Bundesverfassungsgericht den Bundespräsidenten absetzt. Allerdings müsste eine Zweidrittelmehrheit von Bundestag oder Bundesrat das Karlsruher Gericht zu einem Verfahren auffordern, wenn der Präsident in gravierender Weise gegen Bundesgesetze oder das Grundgesetz verstoßen hätte, was keine ernst zu nehmende politische Kraft behauptet. Allerdings dürfte es für Wulff politisch sehr eng werden, wenn die Koalition und vor allem die Bundeskanzlerin von ihm abrücken. Das auffällige Schweigen wichtiger Koalitionspolitiker zu den jüngsten Vorwürfen ist kein gutes Zeichen für das Staatsoberhaupt.

Wer hat gegenwärtig Interesse an einem Rücktritt des Bundespräsidenten?

Für Angela Merkel würde es eine Niederlage bedeuten, wenn innerhalb eines Jahres der zweite von ihr erkorene Bundespräsident scheitern würde. Zudem ist die Mehrheit von Schwarz-Gelb in der Bundesversammlung nur noch sehr knapp. Schon Wulff war erst im dritten Wahlgang erfolgreich, das Risiko wäre hoch, mit einem neuen Kandidaten des bürgerlichen Blocks zu scheitern. Auf der anderen Seite kann die CDU-Chefin kein Interesse daran haben, dass die Kritik an Wulff die Chancen der Union in den Landtagswahlen von Schleswig-Holstein im Mai und in Niedersachsen im Januar 2013 schmälert.

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So darf es nicht weitergehen!

So darf das nicht weitergehen!
Christian Wulff macht keine Anstalten, seinen Berliner Amtssitz zu räumen. Er ist offenbar außerstande, die Tragweite seines Verhaltens und seiner Verfehlungen zu erkennen. Für einen Bundespräsidenten und einen "gelernten Juristen" in der Tat bemerkenswert !

Anstatt einen weiteren "Parteisoldaten" als Kandidaten ins Rennen zu schicken, sollte sich die Bundesversammlung endlich aufraffen, eine unabhängige, aber integre Persönlichkeit - möglichst weiblichen Geschlechts - als Kandidatin aufzubieten.

Vielleicht hat die "Affäre Wulff" auf diese Weise doch noch ihr Gutes und Deutschland erhält endlich eine würdige Bundespräsidentin oder auch einen würdigen Bundespräsidenten, politisch unbelastet und eine Repräsentantin bzw. ein Repräsentant des ganzen Volkes.

  • Antworten
Yvonne Walden04.01.2012 | 09:59 Uhr

Das Amt des Bundespräsidenten ...

sollte vielleicht durch direkte Wahlen besetzt werden um es der Kungelei durch die Mehrheitsfraktionen zu entziehen. Wulff ist der typische Verlegenheitskandidat, ohne besonderes politisches Profil. Auch wenn die repräsentative Funktion im Vordergrund steht, darf der Einfluß, den ein profilierter, annerkannter Politiker aus dieser Positon nehmen kann nicht unterschätzt werden. Aber wie wir an der Causa Wulff sehen, kann er auch ungewollt durch sein Scheitern auf die Bundespolitik Einfluß nehmen. Er steht jetzt auf der Abschussliste von Presse und Opposition und seine Demontage wird ebenso zur Beschädigung des Amtes beitragen, wie das Verhalten des Delinquenten selbst. Das der gegenwärtige Bundespräsident in dieser Affäre die notwendige menschliche Größe und Souveränität vermissen lässt, die man vom Inhaber des höchsten Amtes im Staate erwarten muss, ist offensichtlich. Falls er nicht bald selbst zurück tritt wird auch dieses Datum Teil der strategischen Planung zur Bundestagswahl, der verschiedenen Parteien. Damit ist die Funktion des Amtes nicht vereinbar.

  • Antworten
Christoph Kuhlmann04.01.2012 | 11:07 Uhr

Der natürliche Kandidat

für SPD und Grüne - man bewahre uns bitte vor diesem selbstverliebten Joachim Gauck - ist Michael Naumann. In der Süddeutschen Zeitung bringen einige Foristen Heribert Prantl ins Spiel. Aber den brauche ich noch als Journalisten, damit mir die Lektüre der SZ nicht vollkommen vermiest wird. Gute Journalisten sind bei denen ja mittlerweile auch eher rar. Zumindest in der Online-Edition. Aber natürlich gilt, you get what you pay for, weshalb man auch nicht meckern sollte.
Jetzt ist die Sache so: nicht dass ich Michael Naumann für einen schlechten oder überflüssigen Journalisten halte. Ganz das Gegenteil ist der Fall. Man sehe nur, was er aus dem vorher unlesbaren Cicero gemacht hat, und was aus Der Zeit seit seinem Ausscheiden geworden ist. Er ist Kosmopolit, Kulturbürger mit intelligenter Persönlichkeit und Sinn für Gerechtigkeit, kein Emporkömmling mit ständigem Bedürfnis nach positivem Feedback von irgendwelchen neureichen Parvenüs. Das ist doch schon einmal eine gute Ausgangslage. Leider würde er sich wohl in diesem Amt furchtbar langweilen.

  • Antworten
Gabriele Rack04.01.2012 | 12:25 Uhr

Nachfolge Wulff

In der Tat sollten wir von eitlen Politgauklern und Statisten wie Gauck als Nachfolgekandidaten lieber absehen.

  • Antworten
Peter Petronius08.01.2012 | 12:14 Uhr

Rücktritt von Wulff

Ich appelliere an alle Bürger/Leser, die Wulffs Rücktritt wünschen, ihm persönlich zu schreiben. Das kostet ein paar Minuten und geht ganz rasch hier:
https://www.bundespraesident.de/DE/Header/Kontakt/kontakt-node.html

  • Antworten
larasara04.01.2012 | 14:41 Uhr

Der Fall Wulff

Verehrte Autorengemeinschaft!

Wie ich schon vor längerer Zeit auch hier schrieb: Wulff soll seinen Hut nehmen!
Hier, wie auch in den übrigen Medien, wird von der "Würde des Amtes", der "Beschädigung des Amtes". von einem mangelhaften "Vorbild Wulff" gesprochen.
Kein Amt hat "Würde", kein Amt kann beschädigt werden, kein Politiker und so auch kein Bundespräsident soll Vorbild sein. Ämter werden gemäß ihrem Zweck und Auftrag wahrgenommen und Poltiker (und die übrigen Bürger) sollen sich an die Gesetze halten. Mehr nicht.
Wulff hat dem Ansehen der Bundesrepublik Deutschland geschadet. Wulff hat nicht seinem Amtseid (Art. 56 GG) gemäß gehandelt. Hat Wulff vorsätzlich das Grundgesetz verletzt oder auch Bundesgesetze, soll er gemäß Art. 61 GG angeklagt werden.
Die Mitglieder des Bundestages oder auch Bundesrates sollen nicht weiter schwätzen - sie sollen handeln!

Aber Achtung: Nach Wulff droht noch Schlimmeres: Einer, der als "Diener zweier Herren" das Amt übernehmen könnte - ein evangelischer Pfarrer namens Joachim Gauck. Man kann vermuten, dass dann in einigen Jahrzehnten auch wieder Fürstbischöfe eingeführt werden.

Ich darf die Autorengemeinschaft zudem darauf hinweisen, dass es kein eigenes Grundrecht "Pressefreiheit" gibt, da JEDER das Recht hat, "...seine Meinung in Wort, Schrift und Bild zu äußern und zu verbreiten..." (Art. 5 Abs. 1 S. 1 GG).
Wenn Journalisten von Politikern verlangen, diese möge nicht schwätzen und die Gesetze beachten, dann sollen die Journalisten mit gutem Beispiel vorangehen und notfalls auch das Grundgesetz lesen.

Mit freundlichem Gruß
Bert Steffens
Freier Philosoph

  • Antworten
Bert Steffens04.01.2012 | 15:29 Uhr

Causa Wulff

Frau Merkel hat nun schon zum 2. mal einen Kandidaten bestimmt, der, wie man inzwischen unschwer erkennen kann, offenbar nicht geeignet ist, dieses "hohe" Amt auszufüllen. Herr Köhler war ganz offensichtlich nicht in der Lage mit berechtigter Kritik umzugehen und hat, beleidig wie ein kleines Mädchen, auf sehr unwürdige Weise sein Amt hingeschmissen. Selbst die Art und Weise seiner Rücktrittserklärung war, sehr zurückhalten geäußert, hochnotpeinlich. Herr Wulff hat sich nicht nur durch sein vorheriges Amt Vorteile bei der Geldbeschaffung durch Vitamin "B" herausgehandelt wenn nicht sogar aufdrängen lassen, sondern nun auch noch den unwürdigen Versuch unternommen, die Presse unter Druck zu setzen. Herr Wulff predigt Wasser (verbal hält er die Pressefreiheit für ein hohes Gut in unserem Land) und trinkt Wein. Wenn Herr Wulff das Amt des Bundespräsidenten nicht weiter schädigen will, sollte er besser heute als morgen reumütig zurücktreten.

  • Antworten
Jochen Döhring04.01.2012 | 17:40 Uhr

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