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 > Wie die Regierung die Energiewende schön redet

Berliner Republik

Schwarz-GelbWie die Regierung die Energiewende schön redet

Von Petra Sorge5. Juni 2012
picture alliance
Sonnenuntergang, Windkraftanlage, Energiewende, Kind, Solarförderung, erneuerbare Energien
Problem Energiewende weggelächelt: Gar nichts ist gemacht
Schrift:

Die Energiewende ist genau ein Jahr alt, doch man müsste eher sagen, dass sie noch nicht einmal richtig geboren ist. Schwarz-Gelb feiert seinen Nicht-Erfolg trotzdem schon mal – und FDP-Wirtschaftsminister Rösler will die Reform schaffen: mit weniger Fördermitteln, weniger Staat und noch weniger Ideen. Ein Kommentar

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So viel Schulterklopfen und Händeschütteln hat man in den vergangenen Monaten in der schwarz-gelben Koalition selten gesehen. Lachend, tuschelnd, fast freundschaftlich saßen der FDP-Wirtschaftsminister Philipp Rösler und sein neuer Kabinettskollege, CDU-Umweltminister Peter Altmaier, am Dienstag bei der Konferenz „Ein Jahr Energiewende“ nebeneinander.

Was für ein entzückendes Geplänkel: Altmaier freute sich, „dass ich hier sprechen darf“ – im Eichensaal des Bundeswirtschaftsministerium, einem Raum, der „fast so groß“ sei wie sein eigenes Haus. Er erinnerte daran, dass er erst vor zwei Wochen zum Minister ernannt wurde. „Und kurz danach haben Philipp Rösler und ich regierungsamtlich und offiziell beschlossen, uns zu mögen.“

Welch für ein Kontrast zur restlichen Regierungstruppe: Die gilt als so zerstritten, dass immer mal wieder über einen Bruch der Koalition spekuliert wird. Dass die drei Parteichefs von CDU, CSU und FDP auf dem „Koalitionsgipfel“ überhaupt noch miteinander redeten, reichte am Montag schon für eine Schlagzeile.

Besonders zerrüttet war das Verhältnis zwischen Rösler und Altmaiers Vorgänger Norbert Röttgen. Monatelang stritten diese in aller Öffentlichkeit zum Beispiel über eine Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes – Rösler drang auf eine Kürzung der Solarförderung. Als sich die beiden endlich geeinigt hatten, kassierte jedoch die rot-grüne Opposition den Gesetzentwurf im Bundesrat - mit Unterstützung der CDU Sachsens.

Dagegen lautet das Motto des neuen öko-ökonomischen Traumpaares: weglächeln, kleinreden, grün anstreichen. Philipp Rösler attackierte zunächst die Kritiker von Schwarz-Gelb: „Es ist ein Pauschalurteil, dass in den vergangenen zwölf Monaten nichts passiert sei.“ Dabei sei er „fest davon überzeugt, dass wir für die Größe der Aufgaben ein gutes Stück vorangekommen sind.“ Vieles sei jedoch noch gar nicht öffentlich gewesen.

Rösler muss so etwas sagen – schließlich trägt er als Wirtschaftsminister maßgeblich die Verantwortung für den Pfusch, den die Regierung jetzt als „Energiewende“ verkaufen will. Nirgendwo ist er bislang als oberster Energiemanager (für Rösler ohnehin ein Horrorbegriff) aufgefallen. Seine ganze Energie ging stattdessen in ein ganz anderes Projekt: die Rettung der FDP – und seiner eigenen Haut.

Dabei müsste doch gerade der Sturz Röttgens als abschreckendes Beispiel dienen: Der CDU-Politiker war zu sehr damit beschäftigt, an seiner eigenen Parteikarriere zu feilen – und verlor obendrein noch eine Landtagswahl. Weil er sich monatelang nicht richtig um das wichtigste Projekt dieser Bundesregierung gekümmert hatte und sich viele Probleme angesammelt hatten, warf Kanzlerin Merkel ihn gnadenlos raus, um einen Neustart zu ermöglichen.

Denn Tatsache ist, die Energiewende stockt, wichtige Grundsatzentscheidungen wurden bislang nicht getroffen. Die Bundesländer arbeiten nicht zusammen, der Bau neuer Gaskraftwerke, die nach der Atomkraft die Grundlast sichern sollen, verzögert sich. Vor allem aber stockt der Ausbau des Leitungsnetzes.

Seite 2: Rösler und Gauck warnen vor der „Planwirtschaft“

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Athleten der Energiewende

Uneingeschränkter Beifall zu diesem Text: Wenn Rösler jetzt plötzlich eine Quotenregelung fordert (statt der Einspeisevergütung), dann doch deshalb, weil er zulange mit den Lobbyisten großer Energiekonzerne kuscheln durfte. Weil diese wiederum unserem chronisch Erfolglosen mit einem profilierenden Erfolgskonzept und einem politischen 'Alleinstellungsmerkmal' winkten, auf dass die Energiewende garantiert NICHT komme und überdies auch noch MEHR Geld ins System fließe, was unter anderem ja auch gut ist für einen kleinen Energiekonzern.

Italien und England haben aus genau diesen beiden Gründen ihre Quotensysteme schnellstens wieder abgeschafft und durch Einspeisesysteme ersetzt, weil damit nichts mehr voranging, während die auflaufenden Kosten den Staaten die Haare vom Kopf fraßen. Man könnte daher vermuten: Die FDP will keine Energiewende erreichen, aber mit Hilfe des verlogenerweise übernommenen Begriffs von der 'Energiewende' ihre gewohnte Klientel finanziell weich pampern dürfen.

  • Antworten
Klaus Jarchow06.06.2012 | 10:53 Uhr

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz ist ein reines Subventionsgesetz

sagt Rösler, und damit hat er ausnahmsweise recht. Was rotgrün da eingeführt, rotschwarz und schwarzgelb weitergeführt haben, ist eine reine Subvention der Betreiber von Solarstromanlagen, und der Industrie drumherum. Bereits die bisher zugesagten Fördermittel betragen über 100 Milliarden Euro an Umverteilung, koste es die Stromkunden, was es wolle.

Auch den angeblichen positiven Einfluss auf Exporterfolge darf man ruhig genauer betrachten: es geht dabei mitnichten um Solartechnologie, wie der Artikel glauben machen will. Sondern vor allem um Windanlagen.

Unterm Strich werden mit der Solartechnik wie bereits bei Kernenergie, Kohlebergbau oder Transrapid mit Unsummen politisch/ideologisch gewollte Industrien gefördert, die nachher im Export so gut wie nichts einbringen. Für die deutschen Bürger bleiben stets: nur Kosten.

Also bitte nächstes Mal genauer recherchieren, lieber Cicero.

  • Antworten
VerySeriousSam06.06.2012 | 11:20 Uhr

Energiewende

Aha, die Energiewende muss man wollen, egal wieviel sie kostet. Schließlich hat der Staat genug Geld. Hauptsache, es gibt eine Wende. Dass alle Wendeanstrengungen für die Katz sein könnten, darf man nicht einmal denken. Wieviel einfacher wäre es, die AKW würden weiter produzieren. Die Welt haben wir mit der Wende nicht gerettet.

  • Antworten
Odo Götzmann06.06.2012 | 13:22 Uhr

"FDP, die mag ich nicht"

Der Kommentar wirkt recht reflexartig.

Die Bombe wurde von den Grünen gelegt.

Die Suppe dürfen jetzt die Folgeregierungen auslöffeln

Herr Rösler argumentiert völlig schlüssig.
Und die Erfolge Ludwig Erhards sollten den jetzigen Planwirtschaftlern ein Vorbild sein.

Was die Kommentatorin hier nicht sagt,
die "Träumer" aber sofort und klasklar erkannt haben:

a) Es würde bedeuten, dass jeder für den Strom bezahlen müsste, den er für richtig hält, den er haben möchte und den er auch bezahlen möchte. Und dass kann teuer werden.

und b)
Die Lizenz zum Geld-Drucken auf Umlagebasis, also auf Kosten anderer würde versiegen, weil besonders die ineffizienten PV-Anlagenerrichter überlegen müssten, ob die Menschen solch teuren Strom wirklich haben wollen.

Der Dame geht es also um Lobbyismus. Ganz einfach.

  • Antworten
Karl Letis07.06.2012 | 13:39 Uhr

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