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 > Wie die Alten aus der Statistik verdrängt werden

Berliner Republik
Arbeitslose

Wie die Alten aus der Statistik verdrängt werden

von 
Marie Amrhein
1. Februar 2012
picture alliance
Arbeitslose, Arbeitslosenstatistik, 58er-Regelung, Ursula von der Leyen
Auch die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft wirbt mit geschönten Arbeitslosenzahlen

Die neuesten Arbeitslosenzahlen verheißen nur Gutes. Auf den ersten Blick. Denn wer genau hinsieht, der erkennt eine geschönte Statistik: Alte werden kurzerhand aus der Arbeitslosenstatistik herausgerechnet

Seite 1 von 2

Die neusten Arbeitslosenzahlen sind draußen. Und sie verheißen zunächst einmal Gutes: Wir haben 3,082 Millionen Erwerbslose – 264.000 weniger als noch vor einem Jahr. Zwar sind die Zahlen im Vergleich zum Vormonat gestiegen, so ist es aber jedes Jahr im Januar. Schaut man auf die Menschen, die mittlerweile wieder in Vollzeitbeschäftigungsverhältnissen stecken, sieht es ähnlich rosig aus: Deutschland ist wieder annähernd auf dem Stand, den es vor der großen Wirtschaftskrise hatte.

Arbeitsministerin Ursula von der Leyen verkündete die neuesten Zahlen denn auch voller Zuversicht. Auf dem Arbeitsmarkt sei von einer Abschwächung nichts zu erkennen, die grundsätzlich positive Entwicklung halte an. Dem will auch Brigitte Pothmer, arbeitspolitische Sprecherin der Grünen, nicht wirklich widersprechen. Ja, der Trend sei ermutigend. Aber etwas anderes macht Grünen und Linken Sorgen: Die Beschönigung der Arbeitslosenstatistik.

Mit einem Trick nämlich werden ältere Arbeitslose aus der offiziellen Statistik herausgerechnet. Auf der einen Seite verkündet die Politik seit Jahren, dass die Menschen in Zukunft länger arbeiten sollen. Auf der anderen Seite aber werden alte Arbeitslose, die Problemfälle also, aus der Wahrnehmung der Öffentlichkeit getilgt. Und wer nicht wahr genommen wird, um den kümmert sich auch niemand mehr.

Im Dezember vergangenen Jahres sorgte eine diesbezügliche Anfrage der Grünen für großen Wirbel. Es ging um die gezielte Verschönerung der Arbeitslosenstatistik durch die sogenannte 58er-Regelung, die folgendes besagt: Über 58-jährige Arbeitslose, die seit mindestens einem Jahr keine Jobangebote vom Arbeitsamt erhalten haben, rutschen aus der Arbeitslosenstatistik heraus. Für die hiesigen Zahlen von Frau von der Leyen bedeute das, so Brigitte Pothmer: „Im Januar 2012 waren offiziell etwas mehr als 571.000 Menschen zwischen 55 und 65 Jahren arbeitslos gemeldet, darunter circa 273.000 Arbeitslosengeld-I-Bezieher sowie 298.000 Hartz-IV-Bezieher. Tatsächlich waren in diesem Monat aber weitere 107.000 Personen über 58 Jahren ohne Job.“

Die Anzahl der Personen, die so unter den Teppich gekehrt werden, steigt seit der Einführung der 58er-Regelung im Januar 2008 durch die große Koalition. Und sie hat in diesem Monat einen neuen Höchststand erreicht. So entledigt sich das Arbeitsamt einer großen Anzahl unangenehmer Kunden –und das Arbeitsministerium lästiger Zahlen. Besonders in Bezug auf das Bild langfristig älterer Erwerbsloser ergibt sich so ein geschöntes Bild, kritisiert denn auch Pothmer und fügt hinzu, dass diese Regel sozusagen einen Anreiz für die Jobcenter schaffe, den über 58-Jährigen keine Jobangebote zu machen. Annelie Buntenbach, Vorstandsmitglied des Deutschen Gewerkschaftsbundes, gibt zu Bedenken, dass der Druck auf Arbeitslose sowieso schon massiv erhöht worden sei. „Auch ältere Hartz-IV-Empfänger über 58 Jahre müssen weiterhin jede Arbeit annehmen bis an die Grenze der Sittenwidrigkeit.“ Deswegen sei es absurd, diese Gruppe aus der Statistik zu streichen.

Auf der nächsten Seite lesen Sie, was das Arbeitsministerium zu den vorwürfen sagt

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wen wundert´s

Wen wundert´s, sind doch fast alle öffentlichen Statistiken getürkt, gerade auch die Inflationsrate. Wer Preise von heute mit denen vor 10 Jahren vergleicht und 100 % Inflation beobachtet, der fragt sich, wie man dann auf 2 % durchschnittliche Inflationsrate für die letzten 10 Jahre kommen kann. Selbst Güter, die aus China importiert werden, sind wesentlich teurer geworden, aber noch viel teurer ist alles geworden, was im Inland produziert wird wie Services, Strom, Mieten, einfach alles, was der Mensch zum Leben wirklich braucht. Ein Beispiel mehr, wie die Politik und ihre Diener lügen.

  • Antworten
bleibtreu01.02.2012 | 15:43 Uhr

Arbeitslosigkeit in Deutschland

Die Massenerwerbslosigkeit in Deutschland
ist eine überwindbare Absurdität

Die deutsche Bundesregierung schönt die Arbeitslosen-Statistik, weil sie mit dem Problem Arbeitslosigkeit nicht fertig wird. Gedanken zu der Frage, wie man mit dem Problem fertigwerden kann:

Vorbemerkung: Die Massenerwerbslosigkeit in Deutschland – wir haben heute in Deutschland mindestens fünf Millionen Erwerbslose; nur wer sich selbst täuscht oder sich täuschen läßt, sieht das anders – ist keineswegs nur das Problem der Erwerbslosen. Schließlich geht es voll zu Lasten der Erwerbstätigen, daß die Erwerbslosen keine Steuern und keine Rentenversicherungsbeiträge zahlen – können. Da die Erwerbslosen sehr wohl die Leistungen unseres Staates und der Rentenversicherung nutzen, kommen die Erwerbstätigen für die entsprechenden Vorteilsnahmen der Erwerbslosen auf. Würden die Erwerbslosen selbst zahlen können, wäre es möglich, Steuern und entsprechende Abgabensätze zu senken; die Erwerbstätigen behielten mehr Geld zu ihrer eigenen Verfügung und wüßten dann auch gewiß, was sie mit dem ihnen belassenen Geld anfangen möchten. – Vernünftig ist also, daß sich auch die Erwerbstätigen für die Überwindung der Seuche Erwerbslosigkeit interessieren.

[Anm.d.Red.: Bitte fassen Sie sich kurz. Persönliche Adressangaben und Telefonnummern werden von uns entfernt.]

  • Antworten
Günter Woltmann-Zeitler01.02.2012 | 19:50 Uhr

Und nichts als die Wahrheit…

Wie die Alten aus der Statistik verdrängt werden, versucht Marie Amrhein an Hand der Arbeitslosenstatistik zu zeigen. Dabei verweist sie zu Recht auf die vielen über 58-Jährigen Arbeitslosen, die in der Bundesanstalt für Arbeit in einer Nebenbuchhaltung statistisch versteckt werden, so dass sie für den Arbeitsmarkt und die Arbeitsvermittlung im Prinzip unsichtbar sind. Das ist wohl wahr.

Die Frage ist, warum geschieht das? Will die Politik Versagen verschleiern, weil sie nicht genügend Arbeitsplätze bereitstellen kann? Kann sie das überhaupt? Ist Politik heute ordnungspolitisch überhaupt noch in der Lage signifikantes wirtschaftliches Wachstum zu generieren? Und wenn nicht, fällt dann alleine den Unternehmen die Aufgabe zu Arbeitsplätze zu schaffen, insbesondere dem Mittelstand? Sollen dann 10 Prozent der Bevölkerung immer dafür sorgen dass alle Arbeit haben? Und ist zukünftiges Wachstum nicht in erster Linie von neuen technischen Ideen der Ingenieure abhängig, denn immerhin sind wir ein Industriestandort? Kann Politik diese Ideen politisch verordnen? Und was ist, wenn die technische Intelligenz der Gesellschaft sinkt, weil sie überaltert ist, was dann? Ist das vielleicht ein Grund warum Unternehmen immer mehr in Asien investieren, obwohl die Politik ihnen hier Säcke voller Geld vor die Tür stellt? Dass es trotzdem nicht zur Zufriedenheit für alle reicht, ist dass die alleinige Schuld der Politik oder der Ökonomie? Hieße das nicht ihre Macht und ihre Möglichkeiten maßlos zu überschätzen?

Und was hat das alles mit der geschönten Arbeitslosenstatistik zu tun. Ich meine sehr viel! Wenn kein Wachstum mehr in dem Maße möglich ist, so dass alle Arbeit finden, tritt eine besondere Art von Innovation ein, nämlich extensive Mangelverwaltung oder anders ausgedrückt: Rigoroses staatliches Kostenmanagement.

Und schon bin ich mitten drin im Pulverfass geschönter Arbeitslosenstatistik. Denn Arbeitsvermittlung, wenn nicht genügend Arbeit vorhanden ist, ist Mangelverwaltung und die kostet Geld, viel Geld. Und da wir in einer Quotengesellschaft leben, gibt es auch in der Arbeitslosenvermittlung so etwas wie eine Effizienzbilanz. Dabei wird der gesellschaftliche Aufwand der Vermittlung dem Nutzen gegenübergestellt. Wird die Quote zum Vorteil des Nutzens nicht erreicht, so wird nicht mehr vermittelt, höchstens nur noch zum Schein, damit der Politik kein Versagen angerechnet werden kann. Das haben alle Regierungen praktiziert.

Dazu kommt, dass jedes statistische Ergebnis von der Fragestellung und der Voraussetzung abhängt, unter der die Fragestellung untersucht wird. Und weil das so ist, kann man beides so einrichten, dass man zu jedem gewünschten statistischen Ergebnis kommt.

So gesehen ist das Ergebnis in der Arbeitsstatistik immer auch ein politisch gewolltes. Wenn wundert es: Niemand! Wer hier ein anderes Ergebnis wünscht muß die Fragestellung ändern und beweisen, dass sie bei ihm von unpolitischer, nicht Interessen geleiteter Natur ist, wenn er sich selber nicht unglaubwürdig machen will. Wer das kann, solle bitte vortreten.

So bedient jedes statistische Ergebnis letztlich bestimmte Interessen, entweder die der momentanen Regierung oder der Opposition, je nach Marktlage oder politischer Opportunität. Es ist für beide ein politisch mediales Steuerungsmittel. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

  • Antworten
Heinz Pelzer02.02.2012 | 07:59 Uhr

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