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Berliner Republik

CDU und MigrationWiderwilliges Einknicken vor der Realität

Von Petra Sorge31. Januar 2012
picture alliance
Integrationsgipfel, CDU, Maria Böhmer, Ali Ertan Toprak, Angela Merkel
Halbherzige Lippenbekenntnisse beim Integrationsgipfel: Migrationsbeauftragte Maria Böhmer, der Alevite Ali Ertan Toprak und Kanzlerin Angela Merkel (v.l.n.r.)
Schrift:

Mit einem Nationalen Integrationsplan will die CDU ihr migrationspolitisches Image aufpolieren. Doch ein Blick hinter die Fassade des nunmehr fünften Integrationsgipfels zeigt: An echten Reformen ist die Union nicht interessiert

Seite 1 von 3

Wenn Journalisten nichts zu berichten wissen, schmücken sie ihre Sätze gern mit einem Adjektiv – am besten mit dem Wörtchen „neu“ – um damit einen Nachrichtenwert zu suggerieren. Da werden gern „neue Trends“ beschworen, oder, wie kürzlich in der Berliner tageszeitung, eine „Neue Angst um Griechenland“.

Den gleichen Trick konnte man auch beobachten, als die Ergebnisse des fünften Integrationsgipfels in Berlin vorgestellt wurden. Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, CDU-Staatsministerin Maria Böhmer, sprach da von einem „neuen Qualitätsschub in der Integration“ und einer „neuen Willkommenskultur“. Um große Worte war auch Bundeskanzlerin Angela Merkel nicht verlegen, als sie verkündete, dass es nicht ausreiche, von einer „gelungenen Integration“ zu sprechen. Vielmehr solle die Offenheit für alle in Deutschland eine Chance sein.

Nicht nur adjektivisch aufgeblasene Meldungen entpuppen sich bei genauerem Lesen häufig als Scheinnachrichten; auch bei der Regierung ist das Interesse an echter Migrationspolitik nur oberflächlich.

Bezeichnend war da die Pressekonferenz am Vorabend des Integrationsgipfels. Ein Journalist fragte den stellvertretenden Regierungssprecher Georg Streiter, was denn der Unterschied zwischen dem früheren Integrations- und dem jetzigen Nationalen Aktionsplan sei. Streiter stockte und räumte ein, der Fragensteller habe ihn „auf dem ganz falschen Fuß“ erwischt. Die Antwort (der Aktionsplan setzt den Integrationsplan fort) reichte Streiter später schriftlich nach. Um fair zu sein: Es ist nicht leicht, bei den vielen Euro- und Integrationsgipfeln noch den Überblick zu behalten. Und dennoch scheint der Aktionsplan, der ja nicht weniger als das Herzstück des diesjährigen Integrationsgipfels ist, irgendwie nicht in die Schaltzentrale des Bundespresseamts vorgedrungen zu sein.

Der Integrationsgipfel, der mittlerweile in die fünfte Runde geht, ist daher vor allem eines – Symbolpolitik. Die ist mithin auch aus anderen schwarz-gelben Politikbereichen hinlänglich bekannt: Mit dem Atomausstieg soll Merkels CDU als die ökologischere, mit der Mindestlohnpolitik als die sozialere und mit dem Ausstieg aus der Wehrpflicht als die modernere Partei daherkommen. Und natürlich will Merkel damit auch den linken Parteien den Wind aus den Segeln nehmen. Dieses Ziel verfolgt gleichsam der turnusmäßige Integrations-Ritus. „Seht her, wir sind die ausländerfreundlichere, buntere Partei, wir helfen unseren Migranten“, ruft die CDU damit ihren Kritikern zu.

Zunächst einmal hilft die Union damit vor allem sich selbst: In Deutschland haben knapp 20 Prozent der Bewohner einen Migrationshintergrund, etwa 5,6 Millionen von ihnen sind wahlberechtigt. Tendenz steigend. Bislang haben die Migrantenwähler vor allem mit den Sozialdemokraten sympathisiert. Doch die unrühmliche Debatte um den SPD-Rebellen Thilo Sarrazin im vergangenen Jahr dürfte nicht wenige von ihnen verschreckt haben.

Lesen Sie auf der zweiten Seite, wie sich die Union beim Ziel der frühkindlichen Förderung selbst widerspricht.

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Es ist erschreckend, daß eine Journalistin nicht zu wissen scheint, daß eine Migrantenquote dem Grundgesetz widerspricht. Es ist sozusagen ein umgedrehter "Ariernachweis".
Keinem "Migranten" ist es übrigens verwehrt, bei ENTSPRECHENDER EIGNUNG die Beamtenlaufbahn oder eine sonstige Karriere im öffentlichen Dienst zu machen. Was hier aber propagiert wird, ist eine grundgesetzwidrige Sonderbehandlung, indem "Migranten" offenbar auch bei mangelnder Qualifikation wegen ihres "Volkstums" doch eingestellt werden.

  • Antworten
H. S.31.01.2012 | 20:05 Uhr

.

.
Der Begriff "Quotentürke", bezugnehmend auf meine Beschäftigung im öffentlichen Dienst, verfolgt mich schon 20 Jahre.
Immer wieder aufgegriffen von einigen meiner lieben deutschen Arbeitskollegen.

Auf die nächsten 20 Jahre meine lieben Quotenerfüller,
viel Erfolg und Glück!
Werdet ihr brauchen wenn ihr dieser Kultur glaubt Menschenwürde zu finden.
.

  • Antworten
Ugur Gözel01.02.2012 | 02:26 Uhr

Widerwilliges Einknicken.......

Ich habe den Schwadronierartikel gar nicht gelesen sondern lediglich
überflogen. Fakt ist:

Ich möchte auch kein Quotentürke - und damit abgestempelt - sein. Quoten bewirken das Gegenteil von Integration. Freiwilligkeit VON BEI-
DEN SEITEN ist angesagt.

Der viel zitierte Spruch von Willi Brandt darf nicht auf jedes
Thema angewendet werden, sonst verliert er seine SEHR GUTE AUSSAGE-
KRAFT. Im letzten Satz des merkwürdigen Kommentars wird dies offen-
sichtlich.

  • Antworten
Gerhard Thiel01.02.2012 | 12:43 Uhr

Widerwilliges Einknicken vor der Realität

Im Jahre 2040 wird es mich und die fünf Familien, mit denen ich verwandt bzw. veschwägert bin, nicht mehr geben. Höchstwahrscheinlich vorher. Keine Kinder da, mit Ausnahme meiner Tochter, die ein Jahr in Kanada war, im Ausland studiert hat und für die Deutschland allenfalls eine nachrangige Option für ihr weiteres Leben ist. Ihre türkische Studienfreundin, in Deutschland geboren, Abitur, Studium, job, natürlich deutschen Pass, sagt, ohne besondere Emotion: "Ich bin Türkin. Ich bin stolz Türkin zu sein. Deutschland interessiert mich nicht".
2040 spätestens 2050 sind die Deutschen in allen großen Städten in der Minderheit. Ob sie dann von den Menschen mit Migrationshintergrund "integriert" werden, das wird sich zeigen.

  • Antworten
Wolfram Wiesel01.02.2012 | 20:33 Uhr

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