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 > Westerwelles Kritiker machen es sich zu leicht

Berliner Republik

RücktrittsforderungWesterwelles Kritiker machen es sich zu leicht

Von Wulf Schmiese31. August 2011
picture alliance
Guido Westerwelle, Botschafterkonferenz, Auswärtiges Amt, Außenminister
Die Gründe von Westerwelles Kritikern reichen für einen Rücktritt nicht aus.
Schrift:

Selbstgefälligkeit kann man Guido Westerwelle sicherlich vorwerfen, nicht aber, dass er der Nato nicht schnell genug gedankt hat. Seine Kritiker fordern den Rücktriit des Außenministers nur dem Schein nach - sie haben dabei rein innenpolitische Motive.

Seite 1 von 2

Es ist leicht gesagt, dass Außenminister Westerwelle zurücktreten soll. Viele fordern das dieser Tage, längst nicht nur die Opposition. Es gibt auch zahlreiche Belege dafür, dass Westerwelle ein schwacher Außenminister ist. Aber der eine Grund, den jetzt seine Gegner nennen, der taugt nicht dazu, den Abgang zu erzwingen: Westerwelle habe der Nato nicht schnell genug gedankt für deren Sieg in Libyen. Hier wird außenpolitisch argumentiert, doch die Motive der Kritiker sind rein innenpolitisch motiviert.

Es stimmt, dass Westerwelle sich ungeschickt verhielt, als er einen Anteil am Siegeszug in Tripolis für Deutschland reklamierte, das für Sanktionen gegen Libyen eingetreten sei. Diese Rechthaberei wirkt penetrant. Es ist ebenso richtig, dass die deutsche Haltung zu Libyen gleichgültig schien, weil Deutschland sich im Weltsicherheitsrat enthalten, also gar keine Haltung eingenommen hatte. Es hat sich dadurch ins Abseits gestellt, was diesen Konflikt angeht. Denn die Enthaltungen Chinas und Russlands waren im Grunde Zustimmungen zum Einsatz, weil diese beiden Veto-Mächte diesmal nicht blockierten.

Aber hat sich Deutschland deshalb tatsächlich langfristig isoliert, wie nun hierzulande behauptet wird? Amerikaner, Briten und Franzosen versichern: Die Westbindung Deutschlands stehe keineswegs in Frage. Zwar habe man die deutsche Zurückhaltung in Libyen für falsch gehalten. Aber amerikanische Diplomaten gestehen heute freimütig ein, dass auch die USA sich vor acht Jahren verschätzt hätten, als es um den Krieg gegen den Irak ging. Damals habe Deutschland mit seiner Skepsis richtig reagiert. So sei das eben in Bündnissen, mal hätten die einen, mal die anderen Recht. Das im Kern enge Verhältnis der beiden Staaten zueinander könnten aber diese Differenzen nicht spalten. Genau so argumentierte 2003 auch Rot-Grün, nachdem es den Irak-Krieg öffentlich abgelehnt hatte. Damals hatte die Union das innenpolitisch zu nutzen versucht und den Riss innerhalb des westlichen Bündnisses größer dargestellt, als er grundsätzlich war. Heute schlägt die Opposition mit denselben Argumenten zurück.

Die Bundeskanzlerin und CDU-Vorsitzende ist allerdings nicht das vorderste Ziel der Demontage, obwohl sie in Wirklichkeit natürlich für die deutsche Enthaltung verantwortlich ist. Westerwelle war im Frühjahr nur ihr Handheber in New York. Tatsächlich gingen die Kanzlerin, ihr Verteidigungsminister Thomas de Maizière und Westerwelle damals gemeinsam fest davon aus, dass auch die USA sich im Sicherheitsrat enthalten würden. So hatte es der amerikanische Verteidigungsminister Robert Gates ihnen vorab versichert. Sein Wort und seine Einschätzung der Lage in Libyen zählte viel für Präsident Obama, davon waren sie im Kanzleramt überzeugt. Denn nichts fürchtete der Bush-Nachfolger doch mehr als ein zweites Irak-Desaster. 

Buchstäblich über Nacht überdachte Obama jedoch diese Haltung. Er war bedrängt worden durch seine Außenministerin Clinton, die vor den humanitär katastrophalen Folgen gewarnt und ein Blutbad für Libyens Aufständische vorausgesagt hatte, sollte Gaddafi nicht Einhalt geboten werden. Diese Wendung Obamas hatten die Deutschen so spät mitbekommen, dass sie bei ihrer Enthaltung blieben.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, welches Tabu Joschka Fischer im Hinblick auf Guido Westerwelle bricht.

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Westerwelle_ Fischer

Warum kann der ehemalige Außenminister Fischer nicht einfach mal die Klappe halten. In Diensten der pipeline Mafia bewirft er seine Nachfolger mit Dreck? Es gibt für mich keine opportunistischere Gestalt wie dieser Fischer, immer noch gesteuert von einem übermächtigen Ego ...

  • Antworten
Peter Thomas31.08.2011 | 11:56 Uhr

Westerwelle

Dass die FDP an ihrem ungeliebten Aussenminister festhält nützt nicht nur der Opposition,
sondern der FDP und vor allem ihrem Vorsitzenden Rösler.
Wenn die bevorstehenden Landtagswahlen für die FDP in die Hose gehen, und das werden sie,
ist Westerwelle ein willkommener Sündenbock.

Manfred Peter Oebel-Herrmann

  • Antworten
Oebel-Herrmann31.08.2011 | 15:15 Uhr

Das setzt ja voraus, dass die

Das setzt ja voraus, dass die FDP eh mit einem Verlust rechnet - Westerwelle ist schließlich jetzt im Moment eine Belastung. Die FDP mag blind und verwirrt sein aber so dämlich kann da doch niemand wirklich sein.

  • Antworten
Franz01.09.2011 | 19:51 Uhr

Der Fachmann staunt, der Laie wundert sich.

Da berichtet der Autor Wulf Schmiese, dass Westerwelle zwar ein schwacher Außenminister sei und zählt auch eine Reihe von Gründen auf, aber sie würden alle nicht ausreichen seine Abberufung zu erzwingen, da sie innenpolitisch motiviert seien. Na Bravo!. Unfähigkeit ist offenbar eine dehnbare Schulnote.

Auch die Lage in Libyen falsch eingeschätzt zu haben sei weiter nicht schlimm, denn die Amerikaner hätten sich schließlich im Irak auch verschätzt, meint der Autor. Offenbar versteht er unter Politik eine Art Roulettspiel, mal gewinnen, mal verlieren wir. Wie schön! Und was die Amerikaner falsch gemacht haben sei uns ebenfalls schadlos erlaubt.

Hier kann ich dem Autor nur entgegen halten: Falsche Politik anderer als eine Messlatte anzusehen, an der unsere Politiker das Maß für eigenes politisches Versagen ablesen können, sollte er nicht unbedingt publik machen. Es könnte noch mehr in Mode kommen.

Und überhaupt sei an der deutschen Enthaltung zum Libyenkrieg nicht die deutsche Regierung schuld, namentlich unser Außenminister, sondern die Amerikaner. Sie seien es die Westerwelle offenbar völlig irritiert hätten, indem sie ihre zuerst ablehnende Haltung zum Libyenkrieg später in eine zustimmende umgemünzt hätten, sagt der Autor, der offenbar das Ohr am Overall Office hat.

Will der Autor damit sagen, dass der arme Außenminister anfangs im politischen Deckungsbereich der Amerikaner geflogen sei und als sich die Amerikaner umorientierten habe Westerwelle das zu spät mitbekommen und sei einfach die alte politische Flugroute weitergeflogen. So als hätte er auf Autopilot gestellt. Und deshalb müsse er vom Vorwurf der Enthaltung freigesprochen werden. Denn schließlich sei er gemäß amerikanischer Koordinaten geflogen. Schuld seien die Amerikaner gewesen, die hätten ihm durch ihre Umorientierung die politische Sicht versperrt. Anmerkung: Vereinfacht ausgedrückt hat er an dieser Stelle wohl die Übersicht verloren. Da kann man nur von Glück reden, das nicht mehr passiert ist, als das was passiert ist.

Nun sitzen der Außenminister und die deutsche Regierung da, ein wenig aus der Kurve gekommen und beteuern erschrocken, dass die Westbindung nicht gefährdet sei. Wie gemein doch Geheimdiplomatie sein kann.

  • Antworten
Heinz Pelzer31.08.2011 | 19:55 Uhr

Weltbild

Nein, euer Weltbild stimmt nicht. Obama konnte einen weiteren Konflikt nicht gebrauchen und der Kongress würde ihm große Schwierigkeiten machen. Jeder wusste, dass ein militärisches Eingreifen unrealistisch ist und die Gaddafirebellen zu schwach.

Die Franzosen haben in letzter Sekunde die Drohkulisse in einen Angriff verwandelt. Das war Taktik, die nicht gegen Gaddafi sondern Amerika zielte. In Amerika musste das Pentagon eingestehen den Einsatz nicht zu leiten sondern in "führender Position" teilzunehmen. Die Franzosen hatten die Schlagzeilen über den Angriff. Sodann versuchten die Amerikaner die Führung an die NATO zu entsorgen, schimpften wild und laut über die Europäer und ihre angeblichen Versorgungsprobleme (als sei es wichtig, ob das Regime einen halbes Jahr vorher oder später fällt). Die Schachzüge der Franzosen gingen auf, Amerika hat Federn gelassen in der NATO und zieht sich ein Stück weit vom europäischen Schauplatz zurück.

Über Deutschlands Haltung im Sicherheitsrat hat niemand im Ausland auch nur Notiz genommen, denn alle Staaten stimmen ständig so ab wie sie wollen. Erstaunt war man allenfalls als der Fischer erklärte, was die Enthaltung angeblich bedeute. Wer was von transatlantischer Solidarität faselt, versteht nicht, dass es kein amerikanisches Projekt ist, sondern eine Falle für die Amerikaner, die um Gottes Willen keinen weiteren militärischen Konflikt haben wollen aus Haushaltsgründen und Fragen der Innenpolitik. Auch die Franzosen und Engländer wollen gar nicht, dass Deutschland im Mittelmeer rummischt. Die Kritiker von Westerwelles Politik überschätzen ferner die Bedeutung Deutschlands. Eines Landes, in dem einen Angriffskrieg vorzubereiten (gerecht oder nicht) immer noch strafbar ist.

Und nein, wieso sollte es in Libyen überhaupt eine Friedenstruppe geben? Irak und Afghanistan haben gezeigt, dass das gar nicht lohnt und zu viel Ressourcen frisst. Lieber darauf beschränken unangenehmen Regimen den Kopf abzuschlagen.

  • Antworten
KJ01.09.2011 | 02:32 Uhr

Mit der Nato-Aggression in

Mit der Nato-Aggression in Libyen
hat sich der siechende Kapitalismus
einer „Frischzellenkur“ unterzogen.
Und am Weltfriedenstag, dem 01.09.,
wird im Élysée der Kuchen verteilt!

  • Antworten
Dresdner01.09.2011 | 20:11 Uhr

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