Die Piraten in Nordhrein-Westfalen lehnen den permanenten Euro-Rettungsschirm ESM ab. Doch damit sind sie nicht alleine: In der Partei gibt es starke Kräfte, die sich gegen weitere Eurohilfen stellen – bis hin zur Ablehnung der Gemeinschaftswährung. Die Piraten könnten sich als Partei der Eurogegner entpuppen
Sie haben es geschafft, endlich. Mit ihrem vierten Einzug in den nordrhein-westfälischen Landtag, dem nunmehr vierten Parlament, gehören die Piraten zum politischen System. Schon 2013 könnten sie im Bundestag sitzen. Den Politneulingen ist klar: Sie sind nun nah dran an der Macht, sie können mitgestalten.
Und längst tun sie das nicht mehr nur bei ihren „weichen“ Themen, bei Transparenz und Datenschutz, direkter Demokratie und Bürgerbeteiligung. Sie tastet sich nun auch in harten finanz- und wirtschaftspolitischen Fragen vor. Eine zentrale Frage dabei: Wie steht die Partei zum Euro und zur Eurokrise? Die Antwort muss beunruhigen. Denn es zeichnet sich ab, dass die Piraten im Begriff sind, eine Partei der Eurokritiker zu werden. Eine Partei, die die europaweiten Hilfsbemühungen blockieren würde, wenn sie dies mitbestimmen könnte.
Als erster Landesverband hat sich der soeben in den Landtag gewählte nordrhein-westfälische zu diesem Kurs bekannt: Er lehnt den permanenten Euro-Rettungsschirm ab. Der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) sei „intransparent“, „voreingenommen“ und unter „Einbeziehung der Finanzlobby“ entstanden, heißt es in einem Positionspapier. Er verstoße weiterhin gegen den Parlamentsvorbehalt, das Rechtsstaatsprinzip und gegen die Transparenz-Grundsätze der Partei. Deswegen haben die NRW-Piraten ihre Landesregierung aufgefordert, im Bundesrat ein Veto gegen den Gesetzentwurf einzulegen. Spitzenkandidat Joachim Paul erklärte, die Abgeordneten könnten dem Vertragswerk nur zustimmen – „oder Europa mit einer Ablehnung endgültig in die Krise stürzen“. Also wollen die Piraten es jetzt tun.
Der ESM soll die Wirtschafts- und Währungsunion eigentlich aus der Krise führen. Ob er das wirklich kann, da sind sich selbst die Finanzexperten uneinig – manche fordern sogar noch viel weitergehende Rettungsmaßnahmen. Dagegen haben sich alle großen Parteien außer der Linkspartei zum Euro bekannt: Sieht man von den wenigen schwarz-gelben Abweichlern ab, gibt es eine große Koalition der ESM-Befürworter. Am 1. Juli soll der Stabilitätsmechanismus kommen.
Bei den Piraten walten schon seit Monaten Kräfte, die die Partei in eine Anti-Euro-Richtung lenken wollen. Es sind kleine, gut vernetzte Basisgruppen. Ihr Einfluss reicht etwa in jene Zeit zurück, als in der FDP gerade der Eurokritiker Frank Schäffler Unterschriften für seine Mitgliederinitiative suchte. Schäffler lehnte den ESM ab – und hoffte, die liberale Basis könne die Parteiführung zu einem Kurswechsel zwingen. Daraus wurde bekanntlich nichts. Wahrscheinlich auch deshalb, weil die Mitglieder nicht die schwarz-gelbe Koalition gefährden wollten.
Anders die Piraten: Sie profilieren sich als Oppositionspartei, sind von Regierungsverantwortung noch weit entfernt. Die Partei der Basisdemokratie sieht sich zudem von den Umfragen bestätigt. Im September lehnten 55 Prozent der Deutschen weitere Eurohilfen ab. 71 Prozent sagten, sie hätten das Vertrauen in den Euro verloren. Käme es zu einem Volksentscheid – den die NRW-Piraten fordern – würden weitere Eurohilfen krachend scheitern.
Seite 2: Europa werde zur „Tyrannei mutieren“











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