Die Suche nach dem Nachfolger des zurückgetretenen Bundespräsidenten ist bereits im Gange. Wir analysieren, wer infrage käme – und warum
Der Volksliebling
Theoretisch müsste alles auf ihn zulaufen: Joachim Gauck, zu DDR-Zeiten Pastor in Rostock, in den 90ern erster – nicht unumstrittener – Stasi-Akten-Verwalter, parteilos, war zur Bundespräsidentenwahl im Juni 2010 von SPD und Grünen ins Rennen geschickt worden, obwohl er eher als Bürgerlich-Konservativer zu verorten war. Gaucks Kandidatur nötigte dem späteren Bundespräsidenten einen dritten Wahlgang ab. Und der Ostdeutsche genoss als „Präsident der Herzen“ den Rückhalt in breiten Bevölkerungskreisen. Was damals ein Coup von SPD und Grünen war, um die Regierungskoalition zu ärgern, könnte nun zum Bumerang werden: Als überparteilicher Kandidat entspräche der 72-jährige dem wichtigsten Kriterium der Kanzlerin.
SPD und Grüne könnten angesichts der damaligen Begeisterung für Gauck kaum von ihm abrücken – und müssten verschmerzen, dass sie einen „Schwarzen“ ins Amt hieven würden. Zuletzt hatte sich Gauck mit abfälligen Äußerungen über die Occupy-Bewegung unbeliebt gemacht. Gauck selbst bat am Freitagnachmittag um „noch ein wenig Zeit“ zum Überlegen. Später lobte ihn SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier in der ARD: „Er hat an seinen Qualitäten noch nichts verloren.“ Gauck selbst zog es am Abend bei einer Lesung in Kassel dann vor, gar nichts mehr zu sagen.
Der Loyale
Die Fähigkeit, sich nicht zu allzu wichtig zu nehmen, hat Thomas de Maizière erst kürzlich unter Beweis gestellt: Ihm werde die Ausstrahlung einer Heftklammer nachgesagt, behauptete er. Richtig ist: Der Verteidigungminister hat sich mit seiner sachlichen, zurückhaltenden Art einen Ruf als loyaler Staatsdiener erarbeitet. Das kommt offenbar gut an, wie die Umfragewerte des CDU-Politikers belegen. Der Merkel-Vertraute hat im Lauf seines politischen Lebens allerdings schon so viele Ämter ausgefüllt, dass sich mit seiner Person kein eigenes Thema verbindet. Der 58-Jährige hat bislang nicht den Ehrgeiz erkennen lassen, über die Union hinaus zur gesellschaftlichen Sinnstiftung beizutragen.
Allenfalls fällt er mit gelegentlichen großkoalitionären Signalen auf. Zwar achten viele Oppositionsabgeordnete Gründlichkeit und Fairness des Ministers. Doch allen ist bewusst, dass de Maizière seit Jahren zum engsten Kreis um Merkel gehört. Das ist keine gute Voraussetzung für einen Präsidenten, der, wenn nötig, auch die Kanzlerin kritisieren muss. Zudem hat die Opposition schon signalisiert, keinen derzeit aktiven Minister akzeptieren zu wollen. De Maizière selbst bezeichnete die Spekulationen am Freitag auf seiner Rückreise aus den USA als „abwegig“. hmt









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