Wem trauen die Deutschen am meisten zu? Was können die Grünen leisten – ein Jahr nach Fukushima? Wo steht die SPD? Wie stark ist die Union? Und steht es um die FDP wirklich so schlecht? Forsa-Chef Manfred Güllner über das Vertrauen der Menschen in die Parteien
Einer der Indikatoren der politischen Stimmung, die im RTL-Stern-Wahltrend seit nunmehr zwei Jahrzehnten Tag für Tag ermittelt werden, ist die Einschätzung der Kompetenz der politischen Parteien. Gefragt wird dabei nicht nach den Kompetenzen in einzelnen Politikfeldern (wie Wirtschafts-, Finanz-, Sozial-, Gesundheits- oder Außenpolitik, etc.), sondern nach der für die Meinungsbildungs- und Entscheidungsprozesse der Bürger und somit letztlich für ihre Wahlentscheidung wichtigeren, die diversen Einzelkompetenzen saldierenden Gesamtkompetenz: „Welche Partei kann Ihrer Einschätzung nach mit den Problemen in Deutschland am besten fertig werden?“.
Seit Jahren zeigt sich der Unmut vieler Bürgerinnen und Bürger über die Art und Weise, wie zahlreiche politische Akteure auf allen Politikebenen (Kommunen, Länder, Bund und Europa) Politik machen, auch bei den Ergebnissen auf diese Frage. Aktuell sagen 57 Prozent aller Bundesbürger, keine Partei könne die Probleme im Land lösen. Dieser Wert schwankt meist nur geringfügig. So bewegte er sich im Laufe des letzten Jahres zwischen 54 und 62 Prozent. Und in den letzten Jahren gab es nur wenige kurze Phasen, wo dieser Anteil unter der 50-Prozent-Marke lag: So z.B. im Spätsommer und Herbst 2000, als der damalige Kanzler Gerhard Schröder die von ihm erwarteten Reformen zur Erneuerung und Modernisierung des Landes mit zeitlicher Verzögerung endlich in Gang setzte (wie die Steuer- oder die Rentenreform).
Mit 25 Prozent billigen die meisten derer, die irgendeine politische Partei überhaupt noch für fähig halten, die anstehenden Probleme zu lösen, noch der Union politische Kompetenz zu. Damit hält sich die Union in etwa auf dem Kompetenz-Niveau, das sie seit 2003, als die SPD wegen der Agenda-Politik gegen ihren Kanzler rebellierte, zugebilligt bekommen hatte. Zuvor erreichte sie dieses Niveau zuletzt 1995, als Scharping die SPD in ein bis dahin historisches Stimmungstief führte.
Im letzten Jahr schwankte der Kompetenzwert der Union zwischen 16 und 26 Prozent. Er sank in den Wochen und Monaten nach der abrupten Kehrtwende in der Energiepolitik, die von der Mehrheit der Menschen als in dieser Form nicht notwendig, sondern eher als hektisch, opportunistisch und wenig glaubwürdig bewertet wurde. Erst als sich die deutsche Politik wieder um die aus Sicht der Bürger wirklich wichtigen Probleme kümmerte, stieg der Kompetenzwert der Union wieder auf das heutige Niveau.
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