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Berliner Republik

Politische KompetenzWer löst die Probleme im Land?

Von Manfred Güllner2. Februar 2012
picture alliance
Reichstag, Forsa. Manfred Güllner, Politische Kompetenz, Parteien, CDU, SPD, FDP
„Welche Partei kann Ihrer Einschätzung nach mit den Problemen in Deutschland am besten fertig werden?“
Schrift:

Wem trauen die Deutschen am meisten zu? Was können die Grünen leisten – ein Jahr nach Fukushima? Wo steht die SPD? Wie stark ist die Union? Und steht es um die FDP wirklich so schlecht? Forsa-Chef Manfred Güllner über das Vertrauen der Menschen in die Parteien

Seite 1 von 2

Einer der Indikatoren der politischen Stimmung, die im RTL-Stern-Wahltrend seit nunmehr zwei Jahrzehnten Tag für Tag ermittelt werden, ist die Einschätzung der Kompetenz der politischen Parteien. Gefragt wird dabei nicht nach den Kompetenzen in einzelnen Politikfeldern (wie Wirtschafts-, Finanz-, Sozial-, Gesundheits- oder Außenpolitik, etc.), sondern nach der für die Meinungsbildungs- und Entscheidungsprozesse der Bürger und somit letztlich für ihre Wahlentscheidung wichtigeren, die diversen Einzelkompetenzen saldierenden Gesamtkompetenz: „Welche Partei kann Ihrer Einschätzung nach mit den Problemen in Deutschland am besten fertig werden?“.

Seit Jahren zeigt sich der Unmut vieler Bürgerinnen und Bürger über die Art und Weise, wie zahlreiche politische Akteure auf allen Politikebenen (Kommunen, Länder, Bund und Europa) Politik machen, auch bei den Ergebnissen auf diese Frage. Aktuell sagen 57 Prozent aller Bundesbürger, keine Partei könne die Probleme im Land lösen. Dieser Wert schwankt meist nur geringfügig. So bewegte er sich im Laufe des letzten Jahres zwischen 54 und 62 Prozent. Und in den letzten Jahren gab es nur wenige kurze Phasen, wo dieser Anteil unter der 50-Prozent-Marke lag: So z.B. im Spätsommer und Herbst 2000, als der damalige Kanzler Gerhard Schröder die von ihm erwarteten Reformen zur Erneuerung und Modernisierung des Landes mit zeitlicher Verzögerung endlich in Gang setzte (wie die Steuer- oder die Rentenreform).

Mit 25 Prozent billigen die meisten derer, die irgendeine politische Partei überhaupt noch für fähig halten, die anstehenden Probleme zu lösen, noch der Union politische Kompetenz zu. Damit hält sich die Union in etwa auf dem Kompetenz-Niveau, das sie seit 2003, als die SPD wegen der Agenda-Politik gegen ihren Kanzler rebellierte, zugebilligt bekommen hatte. Zuvor erreichte sie dieses Niveau zuletzt 1995, als Scharping die SPD in ein bis dahin historisches Stimmungstief führte.

Im letzten Jahr schwankte der Kompetenzwert der Union zwischen 16 und 26 Prozent. Er sank in den Wochen und Monaten nach der abrupten Kehrtwende in der Energiepolitik, die von der Mehrheit der Menschen als in dieser Form nicht notwendig, sondern eher als hektisch, opportunistisch und wenig glaubwürdig bewertet wurde. Erst als sich die deutsche Politik wieder um die aus Sicht der Bürger wirklich wichtigen Probleme kümmerte, stieg der Kompetenzwert der Union wieder auf das heutige Niveau.

Auf der nächsten Seite: Zu Schröders Zeiten trauten die Menschen der SPD mehr zu

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Starkes Stück!

Man muss kein Anhänger der Linken sein, um zu kritisieren, dass hier eine Partei komplett – ob bewusst oder unbewusst – ausgespart wird. Die Linkspartei wird nicht nur überwacht, sondern hat bei den letzten Bundestagswahlen 11,9 Prozent erreicht hat. Sie ist somit noch vor den Grünen drittstärkste Kraft im Bundestag, ist in 13 Länderparlamenten vertreten und hat in fünf Landtagen über 20 Prozent. Auch wenn Herr Güllner die Partei verachten mag, sollte er als Leiter eines Meinungsforschungsinstituts nicht Politik machen, sondern alle Meinung gelten lassen und sie in der Öffentlichkeit spiegeln. Die Partei komplett wegzuschweigen, ist schon ein starkes Stück. Das sage ich als Demokrat, ohne jemals die Linke gewählt zu haben!

  • Antworten
Peter_Knobloch02.02.2012 | 12:03 Uhr

Der verhängnisvolle Würgegriff des Großkapitals

Peter Knobloch hat die Situation richtig erkannt und beschrieben, wobei der sich politisch nicht als Sympathisant der Partei DIE LINKE zu erkennen gegeben hat.

Politische Organisationen und Parteien, die sich im Würgegriff des Großkapitals befinden, dürfen die anstehenden "Probleme" garnicht lösen bzw. beseitigen. Dies wird von Manfred Güllner geflissentlich übersehen.

Es gibt hunderte von Beispielen, an denen ersichtlich ist, wie sich die Unternehmen und ihre Verbände politische Entscheidungen "erkaufen" bzw. erkauft haben. Und zwar zu Lasten der Allgemeinheit, also der "einfachen" Bürgerinnen und Bürger. Und mit Hilfestellung der sogenannten Altparteien CDUSCUFPDSPDGRÜNE.

Warum schauen diese Altparteien in Deutschland denn so gebannt auf DIE LINKE? Weil die Befürchtung besteht, daß die bestehenden Verflechtungen zwischen der CDUCSUFDPSPD und sogar den BÜNDNISGRÜNEN und unn Konzernen und der Großindustrie stärker in den Blick der Öffentlichkeit geraten könnten.

Deshalb wird DIE LINKE als Partei der "Schmuddelkinder" gebrandmarkt und formell sogar durch die Verfassungsschutzbehörden "beobachtet", obwohl ihr eine Verfassungsfeindlichkeit bis heute in keiner Weise angehängt werden konnte. Die reine "Rufschädigung" wird ihre Wirkung schon nicht verfehlen, so die Hoffnung des politischen Establishments.

Die Altparteien lösen politische Probleme nach den Vorgaben der "Herrschenden Klasse".
DIE LINKE dagegen beabsichtigt, diese Verkrustungen aufzubrechen und die ungerechten Vermögensverhältnisse zu ändern mit dem Ziel der Verwirklichung eines Demokratischen Sozialismus.

Dies würde allerdings die Privilegien der Reichen und Superreichen gefährden bzw. aufheben.
Deshalb fürchtet man bei CDUCSUFDPSPDGRÜNE einen Machtzuwachs der Partei DIE LINKE wie der Teufel das Weihwasser.

Über diese wirklichen politischen Verhältnisse hat Herr Güllner leider kein Wort verloren. Warum eigentlich nicht?

  • Antworten
Yvonne Walden02.02.2012 | 14:44 Uhr

Probleme in Deutschland

Hätte die CDU die Proleme lösen wollen, hatte sie dazu die Gelegenheit. Ich verspüre aber nicht den Willen dazu, statt dessen werden die Probleme übersehen. Die Deutsche Einheit ist unvollendet. Der Binnenkarkt wurde vernachlässigtm, denn die Löhne und Renten blieben zurück. Der Schuldenberg ist weiter gewachsen, ebenso wie die Armut, Die Niedriglöhne sollten niedrog bleiben und die Reichen blieben verschont. Wenn die SPD die Wahl gewinnt, hat sie viel sehr Arbeit.

  • Antworten
Otmar Schütze02.02.2012 | 18:29 Uhr

Wer löst die Probleme im Land?

Interessante Langzeitbeobachtng. Ein Problem, und zwar, dass via
Brüssel und EURO sich das sarkastische Bonmot des LE FIGARO bewahrheitet: "Maastricht ist Versailles ohne Krieg. (Die Deutschen zahlen)", wird von den meiten Deutschen gar nicht wahrgenommen, geht
also auch nicht in die Problemlösungsüberlegungen mit ein.
Die Deutschen werden - höchstwahrschein, wenn auch hoffentlich nicht
so dramatisch wie bei den erten beiden Malen - ihre Ersparnisse ein
dritts Mal abgenommen bekommen. Ohne starke Inflation wird sich die
europäische Schuldenkrise nicht lösen lassen. Man schaue sich die Zahlen und die ständig schlechter werdende internationale Wettbewerbsfähigkeit der PIIGS-Länder an.

  • Antworten
Wolfram Wiesel03.02.2012 | 07:45 Uhr

Versuch einer Vision

Wer kann die Probleme im Lande lösen? Das ist ohne Zweifel eine 100 Millionen – Dollar – Frage.

Die Frage suggeriert dem Beobachter, dass man ausgewählte Punkte finden könne, so dass man, im Sinne Archimedes, nur den Hebel dort anzusetzen brauche und schon könne man die Welt ein Stück aus den Angeln heben und zwar so, dass sie zur Zufriedenheit aller besser sei als die alte. Ich denke die Zeiten sind vorbei, dass einzelne solche Hebel bedienen dürfen, geschweige es können. Aber wenn es einzelne nicht mehr schaffen, dann bleibt nur noch übrig, dass es viele tun müssen. Wer sind die vielen und wie sollen sie vorgehen?

Zum Teil formieren sich solche Kräfte schon in einer Art plebiszitärer Politik. Es sind Bürger, die nicht mehr an die zentrale gestaltende Kraft der Regierung und deren Berufspolitiker glauben. Sie vertrauen mehr und mehr den dezentralen kreativen Zirkeln. Dort im regionalen Bereich vermuten sie den Urquell neuer sozialer Systeme. Systeme, die sich eng an den sozialen Erwartungen und deren Erfüllung orientieren.

Diese dezentrale Volksintelligenz kennt offenbar den gesellschaftlichen, sozialen und wirtschaftlichen Bedarf besser als die in Parteien organisierten Berufspolitiker. Sie formuliert direkter weil sie die wirklichen Bedürfnissen der Menschen aus der Nähe kennt und hofft Ergebnisse liefern zu können, die sozialverträglicher und auch wohlstandstauglicher für alle sind. Die Frage ist, ob die Sehnsucht ausreicht, diese Vorgehensweise zu einem allgemeinen stärker regional ausgerichteten gesellschaftlichen Prinzip zu erheben.

Es wäre eine Entwicklung, die nicht von oben verordnet werden könnte, sondern von unten langsam wachsen müsste. Sie müsste dort wo sie entsteht mehr als bisher zugelassen werden, so ähnlich wie man mit einem jungen Trieb umgeht. Über diesen Weg würde die Gesellschaft vielleicht eine neue Form der Selbstorganisation finden. Langsam, aber stetig würde dann in einer Art vergleichenden Betrachtung alles auf den Prüfstand gestellt.

Ebenso sollten alle gesellschaftlichen Gruppen bereit sein, und zwar viel stärker als bisher, eine durchgängige Transparenz aller gesellschaftlichen Vorgänge zu gestatten. Es müsste ein nationales Vorschlagswesen geben, in dem neue soziale Systeme ausgeschrieben und über die Medien diskutiert werden. Vor allem aber müssen die speziellen Erwartungen des Einzelnen möglichst so formuliert werden, dass sie von der gesamten Gesellschaft gedeckt werden können.

Dabei müssen sich die politischen Parteien frei machen von den Fesseln ihrer Parteiprogramme. Programme, von denen Politiker glauben sie seien eine Art Hosenanzug der Wirklichkeit in dem sie nach Belieben herumspazieren können, obwohl er ihnen viel zu eng oder zu weit geworden ist.

Am Ende müsste ein Wettstreit um soziale Systeme mit Prämierung erfolgen. Dann ging es in der Politik nicht mehr darum welche Parteiprogramme durchgesetzt werden, sondern inwieweit die prämierten sozialen Systeme umgesetzt werden können. Der Nachweis ihrer Realisierung müsste in einen jährlichen nationalen Rechenschaftsbericht einfließen der allen Bürgern über die Medien zugänglich gemacht würde. Und zwar nicht nur als Zahlenwerk, sondern in Form sichtbarer echter sozialer Teilhabe.

Dabei wäre es unumgänglich, dass das Zusammenspiel von Wirtschaft und Politik besser synchronisiert werden müsste. Arbeitgeberverbände, Gewerkschaften und deren Lobbyisten könnten ohne Scham enger zusammenarbeiten als bisher. Aber immer mit Blick darauf, die auf den Prüfstand stehenden prämierten sozialen System zu realisieren und nicht das fesselnde eigene Parteiprogramm, dass nie von der gesamten Gesellschaft gedeckt ist.

So würden die beteiligten Bürger viel stärker als bisher ein Sprachrohr für ihre Bedürfnisse finden. Das Ziel wäre keine Erfüllungsmaschine wie sie zurzeit in der Parteiendemokratie praktiziert wird, sondern eine echte Erwartungsbefriedigung, die durch den Wettbewerb der sozialen Systeme garantiert werden. Ein Wettbewerb, an dem alle Bürger beteiligt wären und von dem sie wissen, dass sie sozial mitgenommen werden.

Wobei wechselnde Bedürfnissen in wechselnden sozialen Systemen ihren Niederschlag finden müssten. Es wäre eine Politik, deren Ergebnisse in einem nach oben offenen Lebensraum sichtbar würden und nach Bedarf immer wieder infrage gestellt werden könnte. Die Frage ist, bedarf es dazu eines neuen sozialen Bürgertyps.

  • Antworten
Heinz Pelzer03.02.2012 | 12:20 Uhr

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