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Berliner Republik

Missionierungsaktion Warum verteilen Salafisten Koran-Exemplare?

Von Andrea Dernbach13. April 2012
picture alliance
Salafisten, Koran
Koran für Ungläubige?
Schrift:

Salafisten planen, 25 Millionen Exemplare des Koran kostenlos in Deutschland zu verteilen. Wie ist diese Aktion einzuschätzen?

Seite 1 von 2

Mit ihrem Versuch, bis zu 25 Millionen Ausgaben des Korans unters Volk zu bringen, vor allem unter dessen ungläubigen Teil, haben ultraorthodoxe Muslime in diesen Tagen einen Entrüstungssturm ausgelöst. Aus der CDU/CSU-Fraktionsführung gibt es Forderungen, diese „aggressive Aktion, wo immer möglich, zu stoppen“, Fraktionschef Volker Kauder verurteilte sie, Grünen-Chef Cem Özdemir sieht eine Werbestrategie von Radikalen, die man ihnen „nicht durchgehen lassen“ dürfe, und auch Kerstin Griese, kirchenpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, sieht die Gratis-Aktion in Fußgängerzonen „mit großer Sorge“. Am kommenden Samstag sollen nach Angaben der „Welt“ in 38 Städten Korane verteilt werden, auch in Berlin.

Die Ulmer Druckerei Ebner und Spiegel, die den Großauftrag vom Verein „Die wahre Religion“ bekam und seit Oktober 300 000 Exemplare ausgeliefert hat, prüft nach Angaben eines Sprechers inzwischen, ob sie den Anschlussauftrag über weitere 50 000 Stück nicht loswerden kann.

Dabei betonen die Kritiker fast unisono, dass im Grunde gegen die Verteilung religiöser Schriften nichts einzuwenden sei. Tatsächlich garantiert das Grundgesetz in Artikel 4 die Freiheit des religiösen Bekenntnisses und „die ungestörte Religionsausübung“. Dazu dürfte auch die Missionierung Anders- und Nichtgläubiger gehören. Schließlich ist sie beiden großen monotheistischen Religionen wichtig, Christentum wie Islam. Der SPD-Innenexperte Michael Hartmann nannte die Aufregung um die Koran-Aktion am Donnerstag denn auch „grotesk“: In einem freien Land dürfe „selbstverständlich die Heilige Schrift einer Weltreligion verbreitet werden“. Auch die FDP-Fraktionsvize Gisela Piltz sieht für ein Verbot der Aktion „keinen Raum“.

Was im Islam „da’wa“ heißt, Aufruf, Ruf oder Einladung – zum muslimischen Glauben – leitet das Christentum direkt von Jesu Wort im Matthäus-Evangelium ab, der dort seinen Jüngern den Auftrag gibt: „Geht nun hin und macht alle Nationen zu Jüngern, und tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie alles zu bewahren, was ich euch geboten habe.“ Dabei interpretieren Christentum wie Islam diese Pflicht inzwischen deutlich anders als seit der Zeit der Kreuzzüge und der frühislamischen Eroberungszüge. Auf beiden Seiten – deren fundamentalistische Strömungen und Sekten ausgenommen – wird sie inzwischen als Pflicht gesehen, den eigenen Glauben zu bezeugen. Selbst der im Westen beargwöhnte Schweizer Theologe und führende Theoretiker eines europäischen Islam Tariq Ramadan predigt diese Sicht.

Deutschlands Verfassungsschützer zählen diese "Salafisten" zur gefährlichsten Spielart militanten Islamismus

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Religionsfreiheit

ist immer auch eine Freiheit _von_ Religion. Ich beanspruche dies für mich, ich wünsche keine Missionierung, schon gar nicht in der Öffentlichkeit. Dabei ist es unerheblich, wie weit die jeweilige Religion noch im Mittelalter oder gar noch früher verhaftet ist. Ich empfinde dies in allen Fällen als Belästigung.

Jede Religion, die in irgend einer Form meint, als universales Herrschaftsinstrument auch in die Politik hinein wirken zu müssen, gehört mindestens überwacht, nach meiner persönlichen Meinung sollte man solche Umtriebe auch verbieten können.

Es gibt einige hundert Religionen weltweit. Jede beansprucht für sich, den einzigen wahren Weg gefunden zu haben und bestreitet dies für alle anderen. Das sollte zu Denken geben. Wir in Europa haben uns in jahrhundertelangem blutigem Kampf von Religion weitgehend emanzipiert. Ein Rückschritt in die Zeit vor der Aufklärung muss unbedingt mit allen Mitteln verhindert werden.

Jede Religion, die sich für körperliche Strafen und/oder die Einschränkung von Menschen- und Freiheitsrechten ausspricht, ist mit dem Grundgesetz nicht vereinbar und gehört somit als verfassungsfeindliche Organisation verboten. Die Protagonisten sind, wo immer es möglich ist, auszuweisen. Besser heute als morgen.

  • Antworten
Mauermer13.04.2012 | 09:59 Uhr

Scheinbare Neutralität ...

oder habe ich da etwas missverstanden: Also ist mit den Aussagen "Jede Religion gehört ... überwacht oder (wahlweise) ... verboten, gemeint "wirklich jede" gehört verboten oder "Es gibt "schlimme" und "nicht ganz so schlimme" - und letztere gehören verboten. Wenn das gemeint sein sollte, unterstelle ich mal, dass "natürlich" der Islam die schlimme Religion sein soll, die verfassungsfeindlich sein soll und verboten gehört. Nur - dann soll man das auch sagen und bitte gerne belegen.
Denn meines Wissens ist es auch(!)beim Islam nicht die Religion, die gefährlich ist, sondern ihre Auslegung. Die Parallelen zum Christentum und Judentum sind augenfällig und würden hier den Rahmen sprengen.

  • Antworten
ingwersen13.04.2012 | 18:46 Uhr

Koran und Verfassungmäßigkeit

Ich verstehe nicht, wieso man in den politischen Diskussionen nicht in den Koran hineinschaut. Man findet dort z. B. die Aufforderung, Nichtgläubige zu töten (was explizit so formuliert wird), die Einschränkung der Religionsfreiheit (wer sich vom Islam abwendet, muss getötet werden) und dass der Status von Frauen zweitklassig ist, sowie die Forderung nach archaischen Körperstrafen (Auspeitschen, Handabhacken). Das allein würde doch schon genügen, um die Verteilung des Korans zu verbieten.
E s gibt Rechtsgutachten über die Verfassungsmäßigkeit des Korans. Demnach müsste der Koran zumindest in Teilen als verfassungswidrig eingestuft werden, wie etwa auch rechtsradikale Schriften, und dürfte nur ohne die entsprechenden Textteile in Deutschland verwendet und verbreitet werden.
Wenn gelegentlich auch auf Mord und Todschlag in der Bibel hingewiesen wird, gibt es einen fundamentalen Unterschied zum Koran: Im Alten Testament wird darauf hingewiesen, dass Gott straft bzw. strafen wird; es wird aber in der gesamten Bibel kein Mensch aufgefordert, Andersgläubige zu verletzen oder töten, während dies im Koran explizit geschieht.
Nebenbei: Man sollte einmal eine entsprechende Aktion mit Bibeln in einem islamischen Land durchführen. Diese missionierenden Christen würden sofort festgenommen, ausgepeitscht oder umgebracht werden.
Link zu den Rechtsgutachten: http://www.deusvult.info/lexislamia.htm

  • Antworten
Otto Schwarzer15.04.2012 | 13:13 Uhr

Selbstverständlich finden

Selbstverständlich finden sich in der Bibel gleichfalls Aufforderungen zu Totschlag und Vertreibung und was ist das Gebot "Auge um Auge" anders als die Androhung martialischer Strafen.
Es kommt eben nicht darauf an, was Bibel und Koran oder auch andere Schriften enthält, sondern es kommt auf die Asleung dieser Schriften an.
Es ist völlig unbedeutend, ob die Aktion einer kostenlosen Bibelverteilung in einem islamisch geprägten Staat zugelassen würde. Wie leben hier und wir stehen für unsere Rechtsordnung ein und wollen sie. Ein solcher Vergleich mit als Begründung für ein Verbot heranzuziehen heißt, sich hier gleiche Sichtweise, lediglich aus einer anderen Richtung, zu eigen zu machen, wie sie den Anhängern des Koran hier vorgeworfe wurde.

  • Antworten
Ulrich17.06.2012 | 16:38 Uhr

Warum verteilen Salafisten Koran-Exemplare?

Schon erstaunlich, dass ein Kulturmagazin so viel Angst vor Büchern hat. Offenbar habt ihr ein großes Problem mit unserer Verfassung und der darin verankerten Meinungsfreiheit.

  • Antworten
Jonas13.04.2012 | 14:16 Uhr

Koranverteilung

Wie doch eine repressive Fanatikergruppe die Möglichkeiten einer freien Gesellschaft nutzt. Die Frage, was in islamistisch geprägten Ländern mit Christen passieren würde, die vor Moscheen gratis Bibeln verteilen würden, ist müßig - dort gibt es solche Freiheiten nicht.

Aber noch ist der extreme Aufruhr erinnerlich, als Amerikaner in Afghanistan Koranexemplare vernichtet hatten - Mord und Totschlag waren die Folge. Wir wollen sehen, was hierzuland passiert, wenn die verschenkten Koranexemplare in öffentlichen Papierkörben oder Müllbehältern landen. Sind wir gerüstet ?

  • Antworten
Gottfried Knoll13.04.2012 | 14:28 Uhr

Lieber Herr Knoll,

Lieber Herr Knoll,

Gegenfrage eines Atheisten: Was wurde passieren, wenn die Afghanen (bzw. Moslems oder irgendjemand anders) Deutschland besetzen und Bibel (die Ihnen nur sonntags heilig ist) verbrennen? Als stolzer Mitglied der „freien Gesellschaft“ (Poppermist!) bzw. der drittgrößter Waffenexporteur der Welt sehen Sie nicht so unschuldig aus, wie Sie behaupten, oder?
Nicht nur die Dummheit, sondern Selbstbetrüg kann unendlich sein!
Ein atheistischer Orientaler

  • Antworten
Zwangsmitglied der freien Welt13.04.2012 | 22:08 Uhr

Es gibt genügend islamische Länder in den schon

Der Besitz einer Bibel eine Straftat darstellt,in der angeblich säkulareren Türkei wurden vor nicht sehr länger zeit Menschen ermordet weil sie offenbar Bibeln vertrieben.das offizielle Bibeln verbrennen ist auch keine Rarität sondern SOP - standard operational procedur- im orient. Und ganz sicher wuerde in Deutschlan kein pfarrer Oder pastor Von der Kanzel zum Mord an bibelverbrennern aufrufen wogegen islamische Mullahs sich nicht scheuen zu fordern dass christliche Gotteshäuser vernichtet werden.
Dass ex Muslime selbst in westlichen Ländern gefährlich leben ist auch kein Geheimnis dazu kommen Fatwas zur Ermordung von Karikaturisten usw. total normal .....
Dazu möchte ich noch bemerken dass es keine zwangsmitglieder in der freien Welt gibt,jeder ist frei sie jeder zeit zu verlassen.

  • Antworten
Karin Bryant14.04.2012 | 17:18 Uhr

Was ist der Unterschied

zwischen dem Verteilen des Korans und dem jederzeit möglichen Download des Korans?
Es ist doch nicht so, dass wir erst jetzt per Geschenk Zugang zu diesem Buch hätten. Man darf gespannt sein, wie viele Menschen das Geschenk annehmen und wie aggressiv (oder nicht) die Verteilung erfolgt.

  • Antworten
Hallertauer13.04.2012 | 19:21 Uhr

Wer Bücher,Handzettel usw., verteilt

Muss damit rechnen dass das Gros davon im Müll landet,verbrannt oder anderweitig entsorgt wird. Also sollte es keine Reaktion geben wenn auch auch die Erzählungen des Onkel Mo auf der Müllkippe landen

  • Antworten
Karin Bryant13.04.2012 | 20:42 Uhr

Koran

Mein Gott, so lasst sie doch Korane verteilen! So weit ich weiß ist dieses Buch (noch) nicht verboten. Wo ist das Problem? Ich würde auch nicht protestieren, wenn Bibeln verschenkt würden.

  • Antworten
jens schmachulke14.04.2012 | 00:07 Uhr

Sorgen machen sollte man sich

Ich mache mir Sorgen. In der BRD haben wir es mit einem gefährlichen Extremismus der Mitte zu tun. Jüngst hat er sich mit Thilo Sarrazin artikuliert. Der Mittelschichts-Extremismus bildet die ideologische Flanke für die rechtsextremen Mordtaten an Randgruppen. Bei dem Versuch nationale Identitäten in europäische Identitäten um zu konzipieren, wurde leider der Islam als grosser Anderer aufgebaut. Es kamen seltsame ahistorische Kontrukte wie das jüdisch-christliche Abendland zustande. Eine Kultur- und Ideologiegemeinschaft wurde konstruiert und der europäische Antisemitismus geleugnet, um eine Front gegen den Islam zu schaffen. In diesem Kontext ist eine weitere Ausbreitung des Islams ein gefundendes Fressen für Rechtsradikale, Rassisten und Rechtskonservative. Der Islam verfolgt auch eine Sexualpolitik, die anti-rassistische Politik schwierig macht. Rassismus wird nämlich immer über die Kategorie soziales Geschlecht in soziale Ausgrenzungspraxis umgesetzt. Kopftuchmädchen werden gern als Gebärmaschine für Unterschichten angesehen, während muslimische Halbstarke als Gewalttäter repräsentiert werden. Ähnliche Erfahrungen mit dem Nexus Rassismus-Sexismus und Klassismus machten die Juden, Afroamerikaner, Inder, Pakistaner etc durch. Man kann sich nun auf den Standpunkt stellen, dass wenn es soviele Gruppen mit Akzeptanzproblemen und Diskriminierungserfahrung gibt mit dem Verursacher extremistische Mittelschichtsmilieus, ob es da nicht besser wäre an den Einstellungen da anzusetzen. Die Sozialpädagogik und soziale Arbeit müsste also eigentlich auf die Integration und Sozialisation der extremistischen Mittelschichtsmilieus ausgerichtet werden. Jedoch sollte man die Salafisten im Auge behalten. Religion leistet sehr viel ideologische Verdunkelungsarbeit und hält die Opfer davon ab zu erkennen, wie Ungleichheit und Ausgrenzung konkret organisiert und durchgesetzt wird. Für einen Lösungsansatz gegen die sozialen Übel gibt es keinen besseren Ort als die Forschungsuniversität, und es gibt keine bessere Tätigkeit, als durch die Bücherregale zu gehen und zu lesen. Die Universitäten müssen die Ritterburgen werden, um gegen die Moscheen, Kirchen, Synagogen Zeitungsoligopole und Privatfernsehen zu streiten. Wir haben eine hervorragende emanzipatorische Tradition im atlantischen Diskursraum. Es kommt darauf an, sich geistig wieder zu bewaffnen. Jede Generation muss sich immer wieder an den Menschen abarbeiten, die Menschen unterdrücken, ausbeuten und ermorden wollen. Thilo Sarrazin und die Salafisten sollten uns eine Warnung sein.

  • Antworten
Brandt14.04.2012 | 13:59 Uhr

frechheit

was hier los ist im land, da bleibt keine frage unbeantwortet ! verteilen wir mal die bibel in der türkei oder in irgendeinem andern gottes staat. hier wundert mich nichts mehr, das ist nicht mehr zum aushalten in diesem affenland

  • Antworten
daniel14.04.2012 | 14:03 Uhr

Niemand zwingt dich in diesem

Niemand zwingt dich in diesem "Affenland" zu bleiben.

  • Antworten
Ulrich17.06.2012 | 16:42 Uhr

Herrn Weimer wird es freuen und das NRW Kultusministerium

Herr Weimer und das NRW Kultusministerium wird sich über so viel neue Glaubensbereitschaft und Religiösität sehr freuen.

  • Antworten
Paul-H. Koop14.04.2012 | 17:56 Uhr

Fürchtet Euch nicht ...

Prima, freut Euch, deutschsprachige Europäer doch, dass vermutlich Saudi-Arabien endlich die kostenfreie Aufklärung der "Ungläubigen" in D und A fördert.
Wer lesen kann und will, kann nun -kostenfrei- "des Pudels Kern" des "real existierenden" Islam erkennen. In der Vergangenheit gab es ja viele einfache Botschaften, zuletzt das "Grüne Buch" des "Revolutionsführers" Ghaddafi, davor das "Rote Buch" des früheren (anderen) "Revolutionsführers" Mao, vom "Kommunistischen Manifest" Mal abgesehen, und dann doch auch den auch so "grünen" Koran.
Die (durchaus im Hinblick auf das "wahre" Kulturverstädnis reizvolle) Vorstellung z.B. der Frau Künast oder Roth im "Ganzkörpersack", auch Burka genannt, ist morbide reizvoll...
Die chronologisch früheren Evangelien und die ursprüngliche Thora gelten den Anhängern Mohammads ja als Fälschung... Wer lesen kann ind will, kann das nun verifizieren oder falsifizieren - los geht's.

  • Antworten
AJMazurek15.04.2012 | 01:46 Uhr

Nicht das Buch ist das Problem...

... sondern diejenigen, die das Buch verteilen und wie sie auf Ablehnung reagieren. Im Grunde können wir gespannt darauf warten, wann die ersten Passanten angegriffen werden, die das Buch nehmen und (wie es mit dem Wachturm und anderen verteilten missionarischen Schriften, auch Parteiprogrammen usw.) in den nächsten Mülleimer werfen.

  • Antworten
Menschenfreund16.04.2012 | 08:37 Uhr

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