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Berliner Republik

16 Gründe........warum die Piraten nicht zu stoppen sind

Von Christoph Seils30. April 2012
picture alliance
Piratenpartei, Schlömer, Urheberrecht
Neu, jung,sexy – die Antipartei auf Wählerfang
Schrift:

Der Piraten-Hype ist ungebrochen. Dabei haben sie kein Programm, keine schlagkräftige Organisation und keine Strategie. Aber es gibt trotzdem sechzehn Gründe, die ihren momentanen Erfolg erklären

Seite 1 von 2

Auch auf ihrem Parteitag in Neumünster hat sich wieder gezeigt, die Piraten haben kein Programm, keine schlagkräftige Organisation und keine Strategie. Trotzdem ist der Piraten-Hype ungebrochen, in Umfragen kommen sie auf bis zu 13 Prozent. Der Einzug in die Landtage von Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen scheint sicher zu sein. Längst hat die Piratenkogge Kurs auf den Bundestag genommen. Die etablierten Parteien können machen was sie wollen, jede Kritik prallt von der jungen Partei und ihren Anhängern ab. Die Partei hat einen Lauf und fast scheint es, als könne die Partei nicht einmal über sich selber stolpern.

1. Die Piraten sind neu

Die Piraten sind eine junge Partei. Ihr Erfolg bei den Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus im September vergangenen Jahres kam völlig überraschend. Seit dem sind sie in aller Munde. Die Wähler sind neugierig und entschuldigen fast jeden Anfängerfehler.

2. Die Piraten sind sympathisch unprofessionell

Die etablierten Parteien sind professionelle Marketingmaschinen. Kampagnen werden bis zum letzten Komma perfekt inszeniert. Dagegen wirken die unbeholfenen Piraten mit ihrer improvisierten Öffentlichkeitsarbeit und manchem Dilettantismus richtig liebenswert.

 3. Piraten nehmen das politische System auf die Schippe

„Vertrau keinem Plakat“ heißt es auf einem der erfolgreichen Wahlkampfplakate der Piraten, mit dem sie die Materialschlacht in Wahlkämpfen und auch sich selbst ironisieren.

Bildergalerie: Die Piratenpartei. Ein Landgang auf Bewährung
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4. Die Piraten bieten niedrige Schwelle für Politeinsteiger

Piraten funktionieren wie ein Franchise-Unternehmen. Jeder kann mitmachen. Eine orangene Fahne reicht, schon ist man Partei. Eine stotterfreie Rede reicht für die Wahl in den Vorstand. Aber auch verborgene politische Talente erhalten plötzlich ihre Chance.

5. Die Piraten bedienen die Klaviatur des Populismus

Die Piraten versprechen alles. Kostenlose Downloads, kostenlosen Nahverkehr und bedingungsloses Grundeinkommen. Da lässt sich so mancher Wähler billig ködern.

6. Die Piraten sanktionieren den kollektiven Rechtsbruch

Urheberrechtsverletzungen sind im Internet Volkssport. Die Piraten legitimieren dies politisch und präsentieren mit der Content-Industrie gleich noch einen übermächtigen Feind, gegen den alles erlaubt scheint.

7. Die Piraten interessieren sich nicht für die politischen Schlachten der etablierten Parteien.

Worüber wird in Deutschland nicht alles gestritten. Über Atomausstieg, Betreuungsgeld und Mindestlohn, Europa und Afghanistan. Doch selbst aus ihrem Desinteresse machen die Piraten keinen Hehl, stattdessen erklären sie selbstbewusst: Wir haben keine Antworten, sondern Fragen.

Seite 2: Weitere Gründe für den Erfolg der Piraten

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7. Die Piraten interessieren sich nicht für die politischen Schlachten der etablierten Parteien.

Wir produzieren lieber Inhalte und überlegen uns was wir tun können, anstatt an "politischen Schlachten" teilzunehmen.

  • Antworten
Jenkins30.04.2012 | 11:54 Uhr

17. Direkte Demokratie gerät in Reichweite

Dadurch, dass sich die Repräsentanten der Altparteien in ein selbstreferentielles Universum (Geschäftsmodell: Die Großen bekommen die Vereinigten Staaten von Europa, die Kleinen bekommen Posten, jeder fußlahme Europäer bekommt Sozialleistungen auf Pump, die heute Jungen dürfen die Suppe später auslöffeln) verabschiedet haben, wurden viele Wähler politisch heimatlos. Für diese ist zunächst der radikale Änderungsimpuls als solcher interessant, dann aber auch die Perspektive, die eigene Stimme über "Liquid Democracy" wieder unverfälscht durch die mittlerweile dominierenden Eigeninteressen der Gewählten in die politische Entscheidungsbildung einbringen zu können.

  • Antworten
Karl Schade30.04.2012 | 12:52 Uhr

bemerkenswerte Feststellungen!

Hat sich diesen Kauderwelsch der mit sinnbefreiten Statements ueber eine neue Partei, vollgestpoft tatsaechlich eine Jornal-ist/in aus den Bezugshungrigen Fingern gesaugt oder ist es schon Wahlpropaganda der etablierten Parteien die immer vorgeben basisnahe Politik zu machen also fuer das Volk zu regieren?

Oder einfach nur die Angst das sich (endlichmal) was aendern koennte und die satten Pfruende fuer die wahren Nichtstuer versiegen koennten?

  • Antworten
mksamui30.04.2012 | 14:08 Uhr

... pirata, ae (mask.)

Nach Rückbesinnung mit einem literarischen Vorvater, der mir medial und mental und :
Und das Publikum wird sich gewiss schon gedacht haben, dass der Pirat als Dichter oder so verrückt sei. Dem ist aber nicht so. Das Publikum hat eben gar keine Ahnung von den Umständen, unter denen der Dichter als Pirat oder der Pirat als Dichter produziert und den Inhalt seiner Ins-PIRAT-ion vor die Öffentlichkeit bringt. Es kennt eben nicht jenes Kleinod, welches er allein besitzt, und das ihn befähigt, unabhängig von allen sonst etwa in Betracht kommenden Faktoren, nur seiner Ins-PIRAT-ion zu folgen und nur sie ganz und voll zum Ausdruck zu bringen: das, sag ich mal [mit allem Vorbehalt, ob ich medial eine Rückmeldung von oben erhalte] Gottesgnadentum der Piraten oder Dichter – oder der Dichter als Piraten oder der Piraten als Spielkinder.

Adhoc:
“Dic Dea, quae causae nobis post saecula tanta insolitam peperere luem piratarum?” (Geburstagsgruß in einer Flaschenpost)

  • Antworten
Antonius REyntjes30.04.2012 | 14:57 Uhr

....warum die Piraten nicht zu stoppen sind

Lieber Christoph Seils,
von einem Journalist des Cicero hätte ich mehr erwartet, als die Plattheiten, die ihre Kollegen der Boulvard-Presse fabrizieren:
Wissentlich Falsches zu schreiben oder - mit Verlaub - zu faul, zu recherchieren. "Kostenloser Nahverkehr" ist eine der dummen Legenden, die sich hartnäckig hält, wenn man über die PIRATEN spricht.
Es hieß schon IMMER "FAHRSCHEINLOS", NICHT "kostenlos" ! Wissen Sie um den Unterschied? Nein? Bitte informieren Sie sich mal!
"Kein Parteiprogramm" ? Ich schicke Ihnen gerne den Link. Googlen würde aber reichen.
Antisemitismus / Rechtradikalismus wird bei den Piraten NICHT toleriert, da können sie sicher sein! Man geht an dieser Sache nur anders heran und lässt sich von der Presse nicht hetzen.

Es ist bedauerlich, dass AUCH Cicero KEINE Ahnung hat, worum es bei den Piraten geht bzw. man will es gar nicht wissen!
Wie die etablierten Parteien hat sich auch die Presse auf eine Struktur eingeschossen, einen Standardfragebogen herunterzurasseln und in den Krümeln nach Kuriositäten und Sensationen zu suchen, statt sich der Bedeutung bewusst zu werden, dass hier versucht wird, Demokratie breit aufzustellen und die Politikverdrossenheit zu beheben, mehr Menschen am politischen Prozess beteiligen statt alle Entscheidungen den Lobbyisten zu überlassen.
Sie sollten diesen Prozess lieber unterstützen, statt sich darüber lustig zu machen!

  • Antworten
Matthias Bonatus01.05.2012 | 11:41 Uhr

Neue Partei

Haben die Grünen anders angefangen? Haben sie sich intern verjüngt?
Nein! Sie sind überflüssig geworden.Sie verbraten mit die Zukunft ihrer Kinder.
Einzig, sie haben gezeigt, dass man mit nur einem Thema, ohne Beruf und ohne Benimm einen in der ganzen Welt respektierten Außenminister hervorbringen kann.

  • Antworten
chris böhmer01.05.2012 | 19:08 Uhr

Punkt 11 + 12

Immer wenn in Deutschland etwas aus der Gutmenschendiktatur ausbricht und etwas neues passiert, ist die veröffentlichte Empörung groß. Also Zeit sich damit zu beschäftigen. Ob ich die Piraten gut finden soll oder nicht, weiss ich noch nicht abschließend. Wichtig ist immer, dass zementierte aber morsche Gedankengebäude zu verlassen und Korrekturen für die Gegenwart und Zukunft vorzunehmen. Der Reflex der veröffentlichen Meinung ist immer der selbe: Sie versuchen die Nazischiene. Bisher hat es immer funktioniert. Diesmal wohl nicht. Auch die Behauptung das die Solidarität mit Israel Staatsräson ist, ist lächerlich. Klar, es werden für tote Juden ein Denkmal nach dem anderen eröffnet, auf jeden Faschu kommen drei Antifaschus aber im nahen Osten sind doch offiziell die Palästinenser die Guten und die Israelis die Bösen. Thats the reality! Unglaublich wie die veröffentliche Meinung diesen Konsens hinbekommen hat glauben zu machen das diese Politik eine antisemitische ist und die Bösen ausserhalb des Systems lauern! . Als Punkt 18. würde ich sagen es ist an der Zeit die Dinge so darzustellen wie sie wirklich sind dazu hat uns der Politprofi bisher nichts zu sagen gehabt.

  • Antworten
fuzzler01.05.2012 | 22:05 Uhr

Selten so was dämliches gelesen

Äh, meinen sie Punkt 11. und 12. wirklich ernst? Die Piraten hätten Erfolg, weil sie Rechtsextreme anziehen? Also die einige tausend Neueintritte der letzten Jahre wären alles Nazis? Da hat der Parteitag (der übrigens nicht nur offen war für Delegierte, sondern für die gesamte Basis) aber ganz was anderes gezeigt! Und: In welchem Netz hängen Sie denn rum, in dem Antisemitismus allgegenwärtig wäre? Und was bitte heißt denn überhaupt in Bezug auf das Netz "allgegenwärtig"? Im Gegenteil, die Piraten sind das Korrektiv gegen neue rechtspopulistische Bewegungen, oder was glauben Sie, warum es in Deutschland immer noch keinen Wilders, Haider oder Le Pen gibt?

  • Antworten
Al04.05.2012 | 16:21 Uhr

Piraten

Die Piraten haben das gleiche wie die anderen Parteien auch:
Kein Programm, keine Organisation, keine Strategie...
Mit dem Unterschied, das sie dazu stehen und es auch sagen!
Vielen Dank für Eure Ehrlichkeit, liebe Piraten!

  • Antworten
Markus Gorke07.05.2012 | 20:15 Uhr

Piraten

"Es ist eine Mär, dass sich die Wähler für Wahlprogramme interessieren. Kaum einer liest, was die Parteien zu Papier gebracht haben."

Und genau das ist der Punkt, der die Piraten so interessant macht. Etablierte Parteien schreiben Parteiprogramme für die nachste Wahlperiode (und darüber hinaus), in der ideologischen Verblendung, die Realität würde sich ihrem Weltbild entsprechend verhalten. Die Realität aber ist das Ergebnis unzähliger Prozesse, von denen nur ein winziger Bruchteil überhaupt beeinflussbar ist, und ist daher, wie alle chaotisch verlaufenden Prozesse, unvorhersehbar. Was also ist ein Parteiprogramm unter diesen Bedingungen wert? Was ist es beispielsweise wert, den Abzug aus Afghanistan auf 2014 zu terminieren, wenn morgen die Taliban mit offener Unterstützung Pakistans die BW in diesem Land überrennen? Außerdem, was bringt mir ein Parteiprogramm, wenn ich, aufgrund des Wahlergebnisses, mit einer Partei koalieren muss, in deren Programm etwas ganz anderes steht? Ist es da nicht viel realistischer, parteipolitische Entscheidungen dann (und erst dann!)zu treffen, wenn die gegebene Situation es erfordert? Entscheidungen, für die via Internet das Votum der Partei (und der Wählerschaft?) eingeholt wird? Ein solcher Entscheidungsprozess innerhalb der Piraten würde garantiert weniger Zeit benötigen als die parteipolitischen Kungelrunden der Etablierten in den Ausschüssen. Ob das wirklich so funktionieren kann, bleibt abzuwarten. Funktioniert es, wäre es eine Revolution im Zusammenleben der Gesellschaft.

  • Antworten
Max Hoffmann11.05.2012 | 22:55 Uhr

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