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 > Ursulas Angst vor den armen Alten

Berliner Republik

Von der Leyens RentenpläneUrsulas Angst vor den armen Alten

Von Marie Amrhein24. März 2012
picture alliance
Ursula von der Leyen, Rente, Selbstständige
Ursula von der Leyen fürchtet die Unbedarftheit der heutigen Selbstständigen
Schrift:

Auch unter den Selbstständigen klafft die Einkommensschere. Während die einen ihre Schäfchen ins Trockene bringen, können die anderen vor lauter Alltagssorgen über eine Altersvorsorge, wie sie die Bundesarbeitsministerin nun fordert, nur müde lächeln

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Wer sich früher für eine Selbstständigkeit entschied, der tat das oft aus freien Stücken. Auch heute noch wird gerne das Bild des aufstrebenden Jungunternehmers gezeichnet, der mit einer großartigen Geschäftsidee um die Ecke kommt, der mit dem Kaffeeverkauf auf Rädern, der sauberen Toilettenbenutzung im öffentlichen Raum oder dem Freundesportal im Internet den ganz großen Reibach macht. Aber auch unter den Selbstständigen macht sich die Einkommensschere bemerkbar, klafft eine Lücke zwischen gut verdienenden Selbstständigen und denen, die trotz Arbeit nicht davon leben können.

Denn was heute hinter einer Selbstständigkeit steht, ist oft der pure Überlebenskampf. Die vielen neuen Selbstständigen, die auf den Arbeitsmarkt drängen, lassen sich nicht alle mit urplötzlich aus dem Boden schießenden Bombenideen erklären. Häufig ist es die Angst vor der drohenden Arbeitslosigkeit, die Menschen in die Selbstständigkeit drängt. Da ist zum Beispiel der Paketausträger von Hermes, der sich nun als eigenverantwortlicher Lieferant verdingen muss.

Mehr als 40 Prozent mehr von ihnen in den vergangenen zwei Jahrzehnten – ein Anstieg auf 4,3 Millionen Menschen – das bedeutet einen Wandel, an dem Ursula von der Leyen nicht vorbeischauen kann. Erst recht nicht, wenn sie bedenkt, dass viele von ihnen im Hier und Jetzt leben. Dass sie sich mit ihrer Arbeit vielleicht gerade einmal die eigene Wohnung finanzieren, nicht aber an ihre Versorgung jenseits der 60 denken. Eine Armada aus armen Alten, die dem Staat auf der Tasche liegt, das ist kein schöner Gedanke für die Bundesarbeitsministerin.

Fast jeder fünfte Hochschulabsolvent macht sich im Laufe seines beruflichen Lebens irgendwann selbstständig, hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung kürzlich verkündet. Wer aber bedenkt im jugendlichen Gründerfieber, dass er als Selbstständiger, so die Faustregel, etwa das Doppelte verdienen muss, um auf das gleiche Gehalt wie ein Angestellter zu kommen. Sozialleistungen, Versicherungen, Risiken – all das wird alleine geschultert. Und nun auch noch die Altersvorsorge.

Und so hat Ursula von der Leyen nun ihre Erwartungen an diese Menschen formuliert. Die Ministerinmutter erwarte künftig mehr Initiative, Verantwortungsgefühl, vorausschauendes Denken von den arbeitenden Sorgenkindern der Nation. Nun heißt es, sich abzusichern: durch Lebensversicherungen, private oder gesetzliche Rentenversicherung, Rürup- oder Riester-Rente.

Damit am Ende des Lebens mehr zur Verfügung steht als die Grundsicherung. Diese staatliche Leistung beläuft sich zurzeit im Bundesdurchschnitt auf knapp 700 Euro im Monat. Dafür werden bei 45 Beitragsjahren im Monat 250 bis 300 Euro plus 100 Euro für den Schutz vor Erwerbsminderung fällig.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, wen die Arbeitsministerin im Visier hat

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Was nutzt eine Versicherungspflicht auch für prekäre Selbstständige,wenn sich die Einnahmesituation nicht verbessert? Das Problem der Scheinselbstständigen wird nicht durch neue Gesetze, sondern Anwendung der Alten besser gelöst! Wieder einmal ein typischer von-der-Laien-Aktionismus. Was diese Frau gefährlich macht ist, dass sie nicht blöd ist, sondern vielmehr eine eiskalte Inszenierungsmaschine!

  • Antworten
pengertz26.03.2012 | 17:19 Uhr

Können denn wenigstens mal

Können denn wenigstens mal die Politiker SELBST für ihr Alter vorsorgen?

  • Antworten
H. S.26.03.2012 | 20:35 Uhr

Das ist kurz und knapp, ...

... zusammen mit dem zitierten Martenstein, die einzig richtige Frage: immer öfte sind es subventionierte Menschen in beamtenähnlichem Status, die über Eignung zur Selbständigkeit und und fremde Notwendigkeiten entscheiden. Kommen wir mal dahin, dass die entscheiden, die das aus eigener Erfahrung kennen, nicht die, die sich mit weiteren Beiträgen klamme Kassen oder freundliche Freunde a la Maschmeyer finanzieren wollen?

  • Antworten
Leo28.03.2012 | 14:34 Uhr

Ursula von der Leyen und ihre Rentenpläne

Politiker, die glauben sie könnten zukünftige Altersarmut bei den heutigen jungen Selbständigen verhindern indem sie ihnen eine Pflicht zur Altersvorsorge auferlegen, irren sich. Gerade junge, kleine Selbständige haben eine lange Durststrecke zu überwinden bis sie in die Gewinnzone kommen. Scheitern sie, verlieren sie relativ zu den abhängig Beschäftigen für den gleichen Zeitraum mehr an Rentenanwartschaften. Da gibt es keine Auffanggesellschaft oder sonstigen Institutionen, die die Beiträge reduziert weiter bezahlen. Hier ist das soziale Netz ziemlich weitmaschig oder gar nicht vorhanden.

Und weil das so ist, sollte die Politik die jungen Selbständigen nicht schon am Anfang mit Rentenzwangsabgaben belasten. Zumindest sollt sie sie solange damit in Ruhe lassen, bis sie in die Gewinnzone kommen und von ihnen nicht schon bei Null Gewinn einen Mindestbeitrag von 300 € plus 100€ für die Erwerbsunfähigkeit fordern. Im schlimmsten Fall fließt nämlich die gesamte Ersparnis oder der eventuell aufgenommene Kredit für das Geschäft in die Rentenversicherung. Und das darf nicht sein!

Da ist eine Gleichstellung gegenüber manchen Arbeitnehmern von Nöten, die in gesicherten Arbeitverhältnissen des Staates oder in sonstigen Großorganisationen arbeiten. Sie können in vielfacher Hinsicht höhere Ansprüche auf staatliche Hilfeleistungen und Sozialpläne geltend machen als die kleinen Selbständigen.
Gleichwohl sollte man den Blick auf die generelle Altersarmut richten. Sie zeigt, egal, ob selbstständig oder abhängig beschäftigt wie stark die Rentenanwartschaften von einer wachsenden Wirtschaft und einer wachsenden Bevölkerung abhängen. Tritt beides nicht ein entsteht für viele Menschen eine nicht zu verhindernde Altersarmut.

Da wir es in Deutschland mit einer schrumpfenden Gesellschaft zu tun haben ist ein notwendiger Indikator für zukünftige Altersarmut schon gegeben. Dieses ist leicht einzusehen, wenn man betrachtet, dass bei einer Sterberate, die höher als die Geburtenrate ist, die Zahl der Konsumenten bei vorläufiger gleichbleibender Zahl der Erwerbsuchender sinkt. Mit der Folge steigender Arbeitslosigkeit und somit fehlender Einzahlungen in die Sozialsysteme.

So kommt man zum Schluss immer an den Punkt, dass eine schrumpfende Gesellschaft, die durch eine sinkende Geburtenrate gekennzeichnet ist, zukünftige Altersarmut unvermeidbar macht. Bei einer dadurch bedingten sinkenden Bevölkerungszahl hilft nur ein intelligentes vermehrt steuerfinanziertes Konzept aller Sozialsysteme bis sich die Verhältnisse durch eine Erhöhung der Geburtenrate über die Sterberate umdrehen. Hier sollten vorrangig die politischen Ansätze liegen, nämlich in der Familienpolitik und da speziell in der Schaffung familiengerechter Arbeitsplätze um die Geburtenrate zu erhöhen.

  • Antworten
Heinz Pelzer28.03.2012 | 13:09 Uhr

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