Auch unter den Selbstständigen klafft die Einkommensschere. Während die einen ihre Schäfchen ins Trockene bringen, können die anderen vor lauter Alltagssorgen über eine Altersvorsorge, wie sie die Bundesarbeitsministerin nun fordert, nur müde lächeln
Wer sich früher für eine Selbstständigkeit entschied, der tat das oft aus freien Stücken. Auch heute noch wird gerne das Bild des aufstrebenden Jungunternehmers gezeichnet, der mit einer großartigen Geschäftsidee um die Ecke kommt, der mit dem Kaffeeverkauf auf Rädern, der sauberen Toilettenbenutzung im öffentlichen Raum oder dem Freundesportal im Internet den ganz großen Reibach macht. Aber auch unter den Selbstständigen macht sich die Einkommensschere bemerkbar, klafft eine Lücke zwischen gut verdienenden Selbstständigen und denen, die trotz Arbeit nicht davon leben können.
Denn was heute hinter einer Selbstständigkeit steht, ist oft der pure Überlebenskampf. Die vielen neuen Selbstständigen, die auf den Arbeitsmarkt drängen, lassen sich nicht alle mit urplötzlich aus dem Boden schießenden Bombenideen erklären. Häufig ist es die Angst vor der drohenden Arbeitslosigkeit, die Menschen in die Selbstständigkeit drängt. Da ist zum Beispiel der Paketausträger von Hermes, der sich nun als eigenverantwortlicher Lieferant verdingen muss.
Mehr als 40 Prozent mehr von ihnen in den vergangenen zwei Jahrzehnten – ein Anstieg auf 4,3 Millionen Menschen – das bedeutet einen Wandel, an dem Ursula von der Leyen nicht vorbeischauen kann. Erst recht nicht, wenn sie bedenkt, dass viele von ihnen im Hier und Jetzt leben. Dass sie sich mit ihrer Arbeit vielleicht gerade einmal die eigene Wohnung finanzieren, nicht aber an ihre Versorgung jenseits der 60 denken. Eine Armada aus armen Alten, die dem Staat auf der Tasche liegt, das ist kein schöner Gedanke für die Bundesarbeitsministerin.
Fast jeder fünfte Hochschulabsolvent macht sich im Laufe seines beruflichen Lebens irgendwann selbstständig, hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung kürzlich verkündet. Wer aber bedenkt im jugendlichen Gründerfieber, dass er als Selbstständiger, so die Faustregel, etwa das Doppelte verdienen muss, um auf das gleiche Gehalt wie ein Angestellter zu kommen. Sozialleistungen, Versicherungen, Risiken – all das wird alleine geschultert. Und nun auch noch die Altersvorsorge.
Und so hat Ursula von der Leyen nun ihre Erwartungen an diese Menschen formuliert. Die Ministerinmutter erwarte künftig mehr Initiative, Verantwortungsgefühl, vorausschauendes Denken von den arbeitenden Sorgenkindern der Nation. Nun heißt es, sich abzusichern: durch Lebensversicherungen, private oder gesetzliche Rentenversicherung, Rürup- oder Riester-Rente.
Damit am Ende des Lebens mehr zur Verfügung steht als die Grundsicherung. Diese staatliche Leistung beläuft sich zurzeit im Bundesdurchschnitt auf knapp 700 Euro im Monat. Dafür werden bei 45 Beitragsjahren im Monat 250 bis 300 Euro plus 100 Euro für den Schutz vor Erwerbsminderung fällig.
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