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Berliner Republik

PetitionswahnUnterschreiben Sie hier!

Von Alexander Marguier11. Juli 2012
picture alliance
Unterschriften, Unterschriftenlisten, Petition, Hans-Werner-Sinn, Ifo-Institut
Unterschriften der Listen-Lemminge
Schrift:

Ständig und überall soll man seinen Namen unter irgendwelche Listen setzen. Jetzt sind sogar die deutschen Wirtschaftsprofessoren diesem Wahn verfallen – und machen sich wieder einmal lächerlich

Seite 1 von 2

Ich unterschreibe gar nichts mehr. Früher habe ich oft und gerne unter jeden auf deutschen Fußgängerzonen vorgehaltenen Zettel meinen Namen gesetzt, plus Adresse und womöglich sogar Kontonummer. Es diente ja dem guten Zweck. Wer will denn schon unverrichteter Dinge davonlaufen, wenn mit einer simplen Signatur das Abschmelzen der Polkappen verhindert werden kann? Wenn sich mit einem Füllfederstreich die EU-Agrarsubventionen und damit der Hunger in der Dritten Welt beseitigen lassen? Wenn eine einfache Paraphe genügt, um das örtliche Schwimmbad zu retten oder das globale Klimasystem? Jawohl, diese herz- und verantwortungslose, eigensüchtige, ignorante Person im akuten Unterschrifts-Verweigerungs-Modus trägt seit Neuestem meinen Namen.

Es wird nämlich so langsam zu viel. Laufen Sie hier in Berlin an einem halbwegs sonnigen Tag einfach mal die Friedrichstraße entlang, dann wissen Sie, was ich meine: Alle paar Meter kommen verhaltensauffällige Jugendliche auf einen zugesprungen und wedeln einem mit irgendwelchen Petitionen vor der Nase herum; ein Entkommen ist praktisch unmöglich. Und wenn ich sage „zugesprungen“, dann meine ich das auch so: Die Unterschriftensammler von heute hauen einen nicht mehr im Vorbeigehen von der Seite an, sondern sie fixieren ihre Opfer bereits im Abstand von etwa 20 Metern, um sie dann armschwenkend und mit Gummiball-ähnlichen Hüpfbewegungen frontal in Angriff zu nehmen.

In Russland würden freilaufende Menschen mit derart bedrohlicher Motorik auf offener Straße erschossen, und zwar aus Putativnotwehr. Aber selbst hierzulande hilft oft nur aggressives Forechecking, um die caritativ enthemmten Autogrammjäger abzuschütteln. Wobei ich mir habe sagen lassen, dass deren bemerkenswertes Engagement nicht einmal uneigennützigen Motiven entspringt, weil sie in Wahrheit von den mildtätigen Organisationen für das Drangsalieren argloser Passanten bezahlt werden, inklusive Abschussprämie für jede abgerungene Unterschrift.

Da ist es natürlich nur konsequent, dass Angehörige osteuropäischer Großfamilien, die sich bisher auf Hütchenspiele oder das ungebetene Putzen von Windschutzscheiben an Ampeln beschränkten, ihr Geschäftsmodell mittlerweile durch öffentliches Unterschriftensammeln mit anschließender Spendenkollekte erweitert haben. Offenbar hat sich herumgesprochen, dass einfaches Betteln nicht mehr ganz zeitgemäß ist. Womöglich ist dies aber auch eine unmittelbare Folge aus dem Merkel‘schen Rettungsdiktat, welches gerade in abgelegenen Balkanregionen die Erkenntnis hat reifen lassen, dass die Deutschen ihr Geld nur bei Gewährleistung funktionierender Verwaltungsstrukturen auf Nehmerseite herausrücken – selbst wenn diese im sinnlosen Auffüllen von Petitionslisten bestehen. Die kapitalistische Logik treibt mitunter eben seltsame Blüten.

Lesen Sie weiter über die Listen-Lemminge von Hans-Werner Sinn...

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petition gegen die gema

petition gegen die gema tarifreform? auch ein beispiel für lemminge? lemminghaft erscheint mir eher die artikel - und schreibaufmachung wie bei spiegel online. cicerounwürdig! dummer artikel!

  • Antworten
Edgar11.07.2012 | 12:15 Uhr

was aoll uns dieser artikel

was aoll uns dieser artikel sagen?? will der autor zeigen wie dumm er halbgebildete (verhaltensauffällige) findet (wow) und gleichzeitig seine eigene schlauheit zusätzlich dadurch unterstreichen, indem er wirtschaftswissenschaftler als lemminge bezeichnet? oh man. die unterzeichner der laufenden online petition gegen die gema tarifreform 2013 empfinde ich alles andere als lemminge. acta ist ebenfalls ein gelungenes beispiel für einen organisierten zusammenschluss im netz, der sinn macht(e). der artikel ist für mich damit eher eine selbstbeweihräucherung des autors und so vom journalistischen wertgehalt her in die kategorie SPON einzuordnen. cicerounwürdig herr stellvertreter!

  • Antworten
Edgar300011.07.2012 | 12:57 Uhr

Edgardämmerung

Zwar möchte ich die vernichtenden Einwürfe von Edgar und Edgarsoundsoviel nicht bemäkeln, aber dass sie so hart und ablehnend gegen diesen netten, kurzweiligen Text einschreiten, scheint mir doch eher einer persönlich schlechten Tagesform entsprungen zu sein. Was auch immer. Mir gefällt der Artikel!

Ja, geschätzter Herr Marguier, ich teile Ihre Meinung und ihre Schreibe gefällt mir auch. Aber ich unterschreibe nix mehr ;-))

  • Antworten
edgar511311.07.2012 | 13:51 Uhr

naja .. die schlechte

naja .. die schlechte tagesform lag da wohl woanders gelagert ;) sei es drum. finds schade, dass inzwischen auch hier schon effekthascherisch gearbeitet wird. denn mehr als die absicht einer "alle sind doof außer ich" darstellung ist das wirklich nicht, egal wie gekonnt geschrieben. und wer pauschal sagt, ich unterschreibe nichts mehr, ist auch ... naja.. übertrieben. schau dir mal das anliegen der petition gegen die gema tarifreform an ... sollte man unterschreiben ;) gruß

  • Antworten
Edgar300011.07.2012 | 15:46 Uhr

Edgar3000

Wie war das jetzt noch gleich mit der anti-gema-petition?

  • Antworten
Roland300012.07.2012 | 16:49 Uhr

unterschreiben....

Der erste Teil ist ja sehr gut nachvollziehbar!!....bis zu den „Listen – Lemmingen“; spätestens da wird die Sache populistisch und ähnelt in ihrer Diktion dem Geschreibe von relativ jugendlichen Autoren der „Jungen Welt“, in ihren selbstgerechten Vorstellungen einer linksemanzipierbaren Welt.
Wenn Sie damit eine Marke für das Niveau ihrer Zeitschrift setzen wollen........ bitte schön.......weiter so.......
Können wir auch noch ertragen ......oder vielleicht auch nicht.

  • Antworten
petervonkloss13.07.2012 | 03:33 Uhr

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