Das Ansehen von Politikern und Parteien hat in den vergangenen Jahren nicht zuletzt durch das Handeln der Amtsträger gelitten. Nirgends ist das so deutlich wie beim Bundespräsidenten: Die Affäre um Christian Wulff hat das Amt nachhaltig beschädigt. Forsa-Chef Manfred Güllner fragt sich: Wem vertrauen die Deutschen?
Dass der Unmut der Bürger über die Art und Weise, wie viele politische Akteure Politik betreiben, groß ist, zeigen viele Ergebnisse der politischen Meinungsforschung. So trauen fast 60 Prozent keiner Partei mehr zu, Lösungen für die im Lande anstehenden Probleme zu finden. Und der Anteil derer, die die Politiker, so wie sie derzeit agieren, für das größte Problem in Deutschland halten, steigt kontinuierlich. Beispiel Energiepolitik: Viele Bürger hielten die abrupte Kehrtwende für „kollektiven Irrsinn“. Sie empfanden die Wende sogar als größeres Problem (35 Prozent) als den Reaktorunfall in Fukushima selbst (30 Prozent).
Dass die politischen Parteien vor dem Hintergrund des steigenden Unmuts auch im neuesten Stern-Vertrauens-Ranking der Institutionen mit 18 Prozent nur einen geringen Vertrauenswert aufweisen, ist insofern wenig überraschend. Doch wie schon in den Vorjahren zeigt sich auch in diesem Jahr wieder, dass nicht nur den Politikern, sondern auch Institutionen aus anderen gesellschaftlichen Bereichen von den Bürgern wenig Vertrauen entgegengebracht wird. So sind die Vertrauenswerte der Manager-Kaste (mit 18 Prozent), der katholischen Kirche (mit 21 Prozent) oder der Banken (mit 22 Prozent) ähnlich niedrig wie die der der politischen Parteien.
Noch geringer ist der Vertrauenswert des Zentralrats der Muslime mit 16 Prozent. Und das geringste Vertrauen bringen die Bürger den Werbeagenturen entgegen, zu denen nur 12 Prozent noch Vertrauen haben. Alle, die viel Geld für Werbung ausgeben, wären also gut beraten, genau zu prüfen, ob das, was ihnen die Kreativen jedweder Agentur vorlegen, bei den Menschen wirklich so wie gewünscht ankommt. Wie handwerklich unbefriedigend manche Werbung geworden ist, lässt sich alleine an der Wahlwerbung ablesen. Gemessen etwa am Adenauer-Plakat von 1957 – dem besten bisherigen Wahl-kampf der CDU/CSU – oder dem Brandt-Plakat von 1969 – dem besten bisherigen Wahlkampf der SPD – wirken die Werbemittel fast aller nachfolgenden Wahlkämpfe eher dilletantisch.
Nicht besonders groß ist auch das Vertrauen zu Versicherungen (26 Prozent) oder zum Papst (29 Prozent).
Seite 2: Vertrauen ins Amt des Bundespräsidenten um 30 Prozentpunkte abgestürzt









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