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Berliner Republik

ParteiaustritteTschüss, Piraten!

Von Petra Sorge2. Oktober 2012
picture alliance
Piratenpartei,orangefarbene Flyer,Kiel
Dämmerung am Mitgliederhorizont: Die ersten Piraten laufen der Partei von der Stange
Schrift:

Organisationschaos, thematische Inkompetenz, Mitglieder-Mobbing: Viele engagierte Piraten haben nicht die politische Alternative gefunden, von der sie immer geträumt haben. Die ersten Mitglieder kehren ihrer Partei entnervt den Rücken. Cicero Online sprach mit ihnen

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In William Goldings „Herr der Fliegen“ stirbt die Unschuld auf einer Insel. In dem Roman sind die Kinder nach einem Flugzeugabsturz dort gestrandet. Doch schon bald trennen sie sich in zwei Gruppen. Die „Jäger“ wollen mit den „Hüttenbauern“ nichts mehr zu tun haben, es kommt zum Streit. Erst mobben sie, dann morden sie. Aus der Insel der Erlösung wird eine Insel des Grauens.

„Genau das passiert zur Zeit bei den Piraten. Und zwar bis in die Details.“ Der Gießener Kreistagsabgeordnete der Piraten, Matthias Tampe-Haverkock, der sich hauptberuflich um schwer erziehbare Jugendliche kümmert, hat sich für die Beschreibung seiner Partei eine drastische Allegorie ausgesucht. Auf seinem Blog schreibt er, dass die Piraten zunächst noch auf „der Insel der Glückseligen“ seien, „im Besitz der neuen Denke“. Doch schließlich, so prophezeit der 48-Jährige, trete die anerzogene Friedfertigkeit „hinter ein rohes Faustrecht zurück“.

Tampe-Haverkock wollte warnen, aufrütteln, zur Diskussion anregen. Der Kreispolitiker sagt, er habe sich bereits mit dem Gedanken eines Parteiaustritts getragen. Wenngleich seine Goldings-Allegorie bewusst überzeichnet, so beschreibt sie vielleicht doch, was manche dachten, bevor sie austraten.

Keine Frage: Die Piraten wachsen weiterhin, ungebremst. Und doch gibt es unter den 34.000 Mitgliedern – auch den nicht-zahlenden – solche, die sich von der Partei wieder abgewandt haben.

Bildergalerie: Die Piratenpartei. Ein Landgang auf Bewährung
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Von den 16 Landesverbänden, die Cicero Online anfragte, teilten Brandenburg, Baden-Württemberg, Hamburg, Hessen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein die Zahlen ihrer Ein- und Austritte mit: 5.375 Piraten kamen in diesen sechs Ländern seit Jahresbeginn neu hinzu, 324 gingen – darunter wurden auch Todesfälle gezählt. Am zufriedensten waren die niedersächsischen Mitglieder, wo das Verhältnis von Ein- zu Austritten hundert zu zwei betrug, am unzufriedensten in Hamburg und Hessen mit je hundert zu zehn.

Die Ausstiegswilligen sitzen häufig an der Basis, sind wenig prominent, und haben sich oft wund gearbeitet.

Und sie teilen sich in vier Gruppen.

Da sind erstens jene, die bei den Piraten ein „strukturelles Problem in der Arbeitsweise“ sehen. So nennt es der Marburger Kommunalpolitiker Sascha Klee. Thesen, Argumente, Polemik und persönliche Angriffe würden bei den hessischen Piraten „zu einem üblen Brei vermengt“, schrieb er auf seiner Webseite, als er Ende Juli austrat.

Zugleich gebe es eine falsche Vorstellung von Gleichheit, erzählt der 42-jährige Kaufmann Cicero Online. „Einmal hatten wir einen Querschießer auf der hessischen Mailingliste.“ Der Rabauke pöbelte, beleidigte, hielt alle von der Arbeit ab. „Aber anstatt ihn von der Diskussion auszuschließen, stellte man zwei Tage lang die Liste ab.“ Ein ganzer Landesverband gelähmt, weil immer jeder mitreden soll. Klee sagt, es sei mit den Piraten schwer, Entscheidungen zu treffen, nach hitzigen Debatten auch mal zu einem Konsens zu kommen. Das ist die Funktion von Parteien: Sie sollen gesellschaftliche Meinungsfindung vorstrukturieren, Lösungen anbieten.

Seite 2: „Vom Regen in die Traufe“ gekommen

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Bill Gates ist der Sohn eines wohlhabenden US-Rechtsanwalts. Der hat nie in einer Garage gearbeitet. Der hat Garagen sein Leben lang nur betreten, um eins seiner Luxusautos herauszuholen.

Leute, die sogar bereits diesem längst widerlegten Gates'schen Tellerwäscher-Mythos aufsitzen, müssen sich die Frage gefallen lassen, ob sie angesichts dieses eklatanten Defizits an piratig-kulturellem Background wirklich der optimale Kandidat für exponierte Parteifunktionen sind.

  • Antworten
Radbert Grimmig02.10.2012 | 14:54 Uhr

Qualitätsjournalismus oder Wunschdenken?

Lieber Cicero,

klasse Artikel, unglaublich Messerscharfe Gedanken. Dumm das ein Blatt wie die FAZ hingeht, nachsieht und dann mal genauer hinguckt, und nicht selbst Politik machen, sondern einfach nur berichtet.

Tip: Dort mal lernen, könnte Helfen ;)

  • Antworten
Sir Thomas Marc02.10.2012 | 15:34 Uhr

Süße Idee...

...die über die Piratenpartei zu fragen, die ausgetreten sind. So erhält man natürlich neutrale und sachliche Aussagen. ;)

Früher(tm) gehörte es noch zur journalistischen Selbstverständlichkeit, immer auch die Gegenseite zu Wort kommen zu lassen. Aber das war zu der Zeit, als die Presse sich in der Aufgabe sah, Meinungen darzustellen. Heute wird sie gemacht.

Andererseits weiß man das ja und daher auch, das zu werten. :)

  • Antworten
Emanuel02.10.2012 | 15:53 Uhr

Ein altes Sprichwort sagt:

Getroffene Hunde bellen.
Jetzt kommen die ganzen Parteisoldaten und versuchen, den Artikel niederzumachen, der die Realität wiederspiegelt und somit die Transparenz bringt, die sie zwar immer fordern, aber selbst nicht herstellen.

  • Antworten
Lol03.10.2012 | 07:37 Uhr

Getroffene Hunde bellen.

Genau richtig, diese Anmerkung. Wenn ich mir so die Antworten durchlese, keinerlei Insichgehen, mal nachfragen, ob das wirklich so ist. Schuld sind immer die anderen. Lustig ist, dass auf die Ausgetretenen genau die Eigenschaften übergestülpt werden, welche man selbst vertritt. Einige müssen in der Partei noch lernen, dass sie nicht für sich selbst arbeiten, sondern eine Partei ist das Produkt einer Basis und diese Basis sehe ich leider für die Piraten nicht. Wenn möchte diese Partei denn eigentlich vertreten?

  • Antworten
zausel09.10.2012 | 19:29 Uhr

Sturm und Hohe Wellen am Piratenschiff

Glück Auf
der Beitrag ist ehr Untertreibung. Mobbing ist noch der harmlose Weg. Bleidigung und Verleumdung, Kandidaten Auslese und Defamierung per Twitter vor Personenwahl. Aufrufe zum Pressebeukott. Finanzgebaren einer Klassenkasse in der Realschule usw.
MfG

  • Antworten
DDR Bürger04.11.2012 | 22:52 Uhr

Schreibt was Ihr wollt, die

Schreibt was Ihr wollt, die Wahrheit kann man nicht verklären ;-)

Piraten, Ihr geht kaputt und keiner will euch haben - der Hype vergeht. Ciao!

  • Antworten
Anitpirat02.10.2012 | 17:02 Uhr

unglaublich

unter Naumann (der inselber Liga spielt mit Joffe) gibt es einfach nur Propaganda

  • Antworten
vera. andrea. schmidt03.10.2012 | 14:12 Uhr

Mobbing in der Piratenpartei

Leider begrenzt sich Mobbing nicht nur auf die Piratenpartei, sondern die Rattenfänger gehen damit auch über die Grenzen der Partei hinaus.

Wie hier z.B.:
http://www.neunbeere.de/blog/2012/09/esm/

oder hier...
http://www.neunbeere.de/blog/2011/04/gegen-x003/

So jedenfalls ist keine Politik zu machen, das werden auch deren Wähler eines Tages sehen. Sackgasse bleibt Sackgasse, wie in den anderen Parteien des Deutschen Bundestages auch. Die Piratenpartei ist da noch gar nicht drinnen und trotzdem reiht sie sich schon ein in die Bundestagseinheitspartei...

Parteien werden nicht zur Lösung irgend eines Problems beitragen, sie wurden schlicht und ergreifend zum Hauptproblem...

  • Antworten
KLB03.10.2012 | 14:51 Uhr

Piraten in der Presse

Ein Großteil dieses Artikels besteht aus vom informativen Inhalt nicht ansatzweise gedeckten Ausflügen in stilistische Dramatik. Ich kenne die Autorin nicht, aber zwischen den Zeilen sickert eine solche Abneigung durch, dass ich mich frage, woher die wohl kommt.

Ich konnte mit den Piraten bisher nicht viel anfangen, sie gingen irgendwie an mir vorbei, aber seit sie so konsequent von der Presse niedergeschrieben werden, habe ich mir genauer angesehen, wofür sie stehen, was sie in den Parlamenten tun und wie sie sich in meiner Nähe geben. Was ich gefunden habe, gefällt mir. Davon, vor allem von der Arbeit in den Parlamenten, finde ich in der Presse leider gar nichts. Außer, wenn mal wieder ein Skandälchen aufsummiert werden kann.

  • Antworten
M.G.04.10.2012 | 05:02 Uhr

Man könnte Parteiaustritte

Man könnte Parteiaustritte als Niedergang sehen, genauso gut aber auch als Selbstreinigungsprozess. Die Ausgetretenen haben natürlich eine kritische Sicht zur Partei, das verzerrt das Bild einseitig. Dass nur gute, ehrliche, sozial kompetente, engagierte Leute der Partei den Rücken kehren, weil sie von irgendwelchen Spinnern herausgemobbt werden, ist möglich, aber doch nicht nur. Was ist, wenn die Verbände unter Umständen auch durch einen Austritt gewinnen, weil die verbliebenen Mitglieder konstruktiver zusammen arbeiten? Das die Ausgetretenen die inkompetenten Soziopathen waren, die sich in der Partei geirrt haben?

  • Antworten
Lars Helfer04.10.2012 | 12:54 Uhr

Die Ausgetretenen...

Diese These wird noch gestützt, wenn man guckt, wo die schnell wieder ausgetretenen Leute ursprünglich herkamen: CDU, CSU...

Ist mir eigentlich Recht, dass diese Leute, die sich in der Mehrheit nur schnellere Aufstiegschancen bei den "damals" in den Umfragen hoch stehenden Piraten erhofften, das Schiff schnell wieder verlassen. Sie passen nicht zu den Piraten und die Piraten nicht zu ihnen. Selbstreinigung, richtig. Leider auch "sehr laut".

  • Antworten
M.G.04.10.2012 | 16:22 Uhr

Piraten sind halt eben nur Piraten

Sie gleichen einem Pratenschiff, auf dem man sich um die Beute des letzten geenterten Schiffes schlägt. Sie sind durchaus mit den Piraten der Piratenfilme zu vergleichen. Nur ist heute in der Politik mit Piratenmentalität nicht viel anzufangen, denn der Wähler will heute eigentlich wieder mehr Grundsätze sehen als nur das Entern der Institutionen durch eine wilde Piratenbande. Räuberbanden haben wir ja schon genug, wie Papst Benedikt XVI. ganz treffend im Bundestag zu verstehen gab.

  • Antworten
Atreides04.10.2012 | 12:56 Uhr

Nur mal so...

Hallo Frau Sorge,
Sie schreiben, dass lediglich Herrn Semken ein eigenes Zutun zu diesem Dilemma zuzuschreiben ist. Sind Sie da ganz sicher, dass die anderen Austritte "Opfer" von innerparteilichen Auseinandersetzungen waren? Ich wage das zu bezweifeln. Die mir in unserer Region bekannten Austritte begründen sich oft darin, dass diese Mitglieder in der Piratenpartei versucht haben, ihre mitgebrachten Koffer aus anderen Parteien bei den Piraten auszupacken. Natürlich stoßen sie auf Widerstand, wenn sich herausstellt, dass es ihnen nicht um Inhalte, sondern um die eigene Person geht. Dann sind manche Reaktionen durchaus nicht fein aber das erlebe ich selbst auch woanders, z.B. im Berufsleben. Es ist teilweise unglaublich, wie widersprüchlich Menschen in ihren eigenen Ansprüchen, wie wahrnehmungsgestört sie sind und ja, warum soll es diese Menschen nicht auch in der Piratenpartei geben? Leider ist hier auch der Mangel an Selbstreflektion mit den anderen Defiziten einhergehend. Das führt zwangsläufig zu Konflikten. Dass die Schuldzuweisungen reiner Selbstschutz sind, sei einmal dahingestellt. Hinzu kommt, dass manche Mitglieder sich keine Vorstellung davon gemacht haben, was es bedeutet, einer Mitmachpartei beigetreten zu sein. Mitreden heißt lange nicht, mitmachen. Oft habe ich erlebt, dass es beim Mitreden blieb und das Mitmachen und Machen dann den anderen überlassen wurde. Das stößt selbstverständlich längerfristig nicht auf Akzeptanz. Wer die Auseinandersetzung mit sich, mit anderen scheut und den Austritt vorzieht, der MUSS zwangsläufig die Schuldzuweisung ausschließlich nach außen verlagern, er verlöre ja sonst gänzlich sein Gesicht.

  • Antworten
LadyUnbekannt07.10.2012 | 14:13 Uhr

Mitmachpartei?

Glück auf,
bin seit Anfang des jahres Pirat. Von Mitmachpartei kann da kaum die Rede sein. Ehr mit Laberpartei, besonders die jungen Piraten erschöpfen sich in ewigen Debatten an ehr nebensächliche Themen. Wenns ans Arbeiten geht, um konkrete Taten, z.B.Infostände, Besuch von Ratssitzungen usw, ist dann nicht viel los. Anträge werden kopiert und fern jeden Realitätssinn mit ummöglichen Forderungen vollgepackt.

  • Antworten
DDR Bürger04.11.2012 | 23:27 Uhr

Treffende Beschreibung der Piraten

Mir fällt da folgende Szene aus *das Leben des Brain ein*
http://www.youtube.com/watch?v=GryQiamGxpY

  • Antworten
Thüringer30.12.2012 | 15:28 Uhr

Ostfriesland UEK

"Auch André Braselmann wollte für eine gute Sache kämpfen. In Ostfriesland geht es um den Erhalt der Kreiskrankenhäuser. Dort sollen wichtige chirurgische Abteilungen geschlossen werden; für ältere und weniger mobile Menschen ein großes Problem. „Aber hier diskutiert man lieber, wie die Homepage aussehen soll ...“

Moin,

seit Mai 2012 bin ich in Aurich, Ostfriesland Pirat und Stammtisch Ansprechpartner. Die Stadt Aurich ist Sitz des angesprochenen Krankenhauses. Ein Andre´ Braselmann hat bei uns Piraten in Aurich nie wegen des Krankenhauses vorgesprochen. Zudem ist die Piratenpartei keine Partei, die Themen für andere erledigt, sondern hier hätte sich Andre´ Braselmann selbst einbringen können. Auch hiervon ist mir nichts bekannt. Selbstverständlich ist das UEK Thema bei den Piraten in der Region. Wir Piraten möchte aber nicht rummosern, sonder Konstruktiv mitarbeiten. Leider haben auch wir haben im Moment keine verkündbaren Lösungsvorschläge für die bestehenden Probleme des Krankenhauses.

Ich bin in die Piratenpartei eingetreten, weil ich mein eigenes gemütliches politisch aber wirkungsloses "gemosere" nicht mehr ertrug und selbst Verantwortung übernehmen wollte. Ich wünsche mir viele Piraten, die deshalb dabei bleiben und auch unter dem derzeiten Beschuss auf die Bewegung und Partei nicht gleich über Bord springen.

  • Antworten
Karsten Paulsen02.03.2013 | 13:30 Uhr

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