Stellungnahme - Kurze Antwort vom „Drecksblatt“

Der stellvertretende Freitag-Chefredakteur hat den stellvertretenden Chefredakteur des Cicero für einen Kommentar zum staatlichen Kontrollverlust in der Flüchtlingskrise scharf kritisiert. Eine Entgegnung 

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Autoreninfo

Alexander Marguier ist Chefredakteur von Cicero.

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Lieber Herr Angele,

ich war für ein paar Tage im Ausland (was zugegebenermaßen zwischendurch ganz gut tut), und nach meiner Rückkehr finde ich nun Ihre Replik auf meinen Kommentar von Dienstag vor. Ich wusste ja, dass Sie bei uns darauf antworten werden. Und hatte mit einem mittleren Donnerwetter gerechnet. Nach der Lektüre habe ich allerdings den Eindruck, dass Sie doch eher eine Knallerbse abgeliefert haben. Verzeihen Sie mir bitte diesen despektierlichen Vergleich. Aber ich hatte tatsächlich mit einem inhaltlichen Konter gerechnet. Stattdessen vergeben Sie vor allem Stilnoten. Dass ich in dieser Hinsicht in Ihren Augen die Versetzung nicht schaffe, war mir aber ohnehin klar.

Doch lassen Sie mich mit etwas anderem beginnen. Sie beschreiben eingangs die Reaktion eines Ihrer Kollegen auf Ihre Ankündigung, bei uns einen Beitrag veröffentlichen zu wollen. „Was, bei diesem Drecksblatt?“, habe dieser entsetzt geantwortet. Ich glaube, damit wird schon einiges deutlich. Sie und ich, lieber Herr Angele, arbeiten offenbar in völlig unterschiedlichen Milieus. Jedenfalls kann ich mir nicht vorstellen, dass meine Kollegen bei Cicero den Freitag als ein „Drecksblatt“ bezeichnen würden, nur weil dem einen oder anderen von uns die politische Ausrichtung Ihrer Zeitung nicht gefällt. Das hat wohl etwas mit einem Grundrespekt gegenüber Andersdenkenden zu tun, den wir hier pflegen. Darauf bin ich stolz, und deswegen war ich auch sehr dafür, dass Sie Ihre Kritik an mir direkt hier bei uns artikulieren können.

Gesinnung ersetzt das Argument
 

Ich weiß, die Invektive von wegen „Drecksblatt“ machen Sie sich nicht zu eigen. Aber da Sie diese Begebenheit nun schon erwähnt haben, möchte ich sie aufgreifen. Denn es geht mir um etwas Grundsätzliches, nämlich die Möglichkeit zum offenen Diskurs – den ich für eine Demokratie als unverzichtbar erachte. Aus dem „Drecksblatt“-Vorwurf Ihres Kollegen aber spricht eine derartige Selbstgefälligkeit und Selbstgewissheit, wie ich sie – gerade im Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise – immer häufiger wahrnehme. Die vermeintlich gute Gesinnung, so kommt es mir vor, ersetzt das Argument. Und wer diese Gesinnung nicht teilt, wird dann eben als „Drecksblatt“ beschimpft und als „Rechtspopulist“ vorgeführt. Auch ich muss damit leben. Wenn ich Ihnen nun sage, dass ich mich keineswegs als „Rechtspopulisten“ sehe, werden Sie einwenden, dass das natürlich keiner freiwillig tun würde. Aber ist es wirklich „rechts“ und „populistisch“, einen Kontrollverlust des Staates zu beklagen, wie wir ihn in der Silvesternacht von Köln erlebt haben?

Mir ist völlig klar, lieber Herr Angele, dass ich in Ihren Augen ein Spießer bin. Sie bemühen ein entsprechendes Zitat von Matthias Horx, um es mir unter die Nase zu reiben. Sie werfen mir vor, ich würde Ängste schüren. In der Tat beschleicht mich ein mulmiges Gefühl, wenn ich sehe, dass unser Land die Kontrolle über seine Grenzen faktisch aufgegeben hat und einige von den Zuzüglern nun ganz offen Frauen drangsalieren, Diebstähle begehen, Menschen ausrauben. Mir ist auch klar, dass das nur ein winziger Bruchteil der vielen Migranten ist, die in den vergangenen Monaten nach Deutschland gekommen sind. Dies aber, wie Ihr Verleger und Chefredakteur Jakob Augstein es getan hat, als „ein paar grapschende Ausländer“ zu bagatellisieren, erscheint mir nicht nur dumm, sondern gefährlich. Denn ja: Vorfälle wie in Köln machen den Menschen Angst. Was ihnen aber noch viel mehr Angst macht ist die Tatsache, dass diese Ereignisse vertuscht und schöngeredet werden sollten. Vom Staat, von der Polizei, von dem, was ich „linksideologische Willkommensmedien und einen sich selbst gleichschaltenden öffentlich-rechtlichen Rundfunk“ genannt habe.

Wettlauf um die beste Moral
 

Ich gebe zu, das mögen harte Worte gewesen sein (auch wenn ich den Begriff „Lügenpresse“, wie Sie es mir vorwerfen, nicht benutzt habe). Aber tatsächlich kommt es mir doch sehr so vor, als wären da, fast wie von selbst, Sprechverbote entstanden – belegt mit dem Strafmaß der sozialen Ausgrenzung. Und zwar im Zuge eines regelrechten Willkommens-Hypes, der von vielen Medien und den allermeisten Politikern in einer Rigorosität inszeniert wurde, wie ich es nicht für möglich gehalten hätte: ein Totalitarismus der Wohlmeinenden. Das „Gute“, nämlich die deutsche Hilfsbereitschaft, durfte nicht hinterfragt werden. Anstatt einen Plan zu präsentieren, hieß es aus dem Kanzleramt immer nur wieder: „Wir schaffen das!“ Und wer, wie ich, es zwischendurch wagte, sich nach den Details zu erkundigen, wurde und wird immer noch als Defätist abgestempelt. Es hat etwas Wahnhaftes. Und diese Wahnhaftigkeit droht nun in einen wahnhaften Aktionismus umzuschlagen, mit dem weder unserem Land noch jenen gedient ist, die als Flüchtlinge tatsächlich unserer Hilfe bedürfen. Übrigens kommt es mir so vor, als ginge es vielen „Refugees welcome“-Jublern mehr um sich als um die Sache selbst: eine Art Wettlauf um die beste Moral.

Lieber Herr Angele, Sie schreiben in Ihrer Replik: „Man muss Dinge, die schwach sind stärken, und Dinge, die zu stark und mächtig sind, schwächen“, dies sei Ihr journalistisches Ethos. Ich kann mit solchen Bekenntnissen, ehrlich gesagt, nicht allzu viel anfangen. Aber wenn das nun schon für Sie gilt: Hatten Sie denn in letzter Zeit nie den Eindruck, dass ausgerechnet die nichthinterfragte Willkommenskultur ein bisschen arg mächtig geworden war? Wenn etwa der Kriminologe Christian Pfeiffer davon berichtet, ihm seien vor einem Interview mit einem öffentlich-rechtlichen Sender Sprechverbote zu gewissen Themen auferlegt worden: Ist denn dann nicht irgendetwas in unserer sogenannten Mediendemokratie kolossal aus dem Ruder gelaufen? Finden Sie es okay, dass Ihr eigener Verleger, Jakob Augstein nämlich, hinter meinem Rücken bei Cicero-Redaktionsmitgliedern Stimmung gegen mich machen will, weil ihm meine Ansichten nicht passen? (Sollten Sie ihm demnächst begegnen, so richten Sie ihm doch bitte aus, er könne sich auch direkt an mich wenden.) Und wie gefällt es Ihnen, wenn das Kulturmagazin eines öffentlich-rechtlichen Senders bei ehemaligen Kollegen anruft, um irgendwelche Ungeheuerlichkeiten über die vermeintlich rechtspopulistischen Umtriebe bei Cicero erzählt zu bekommen? (Bei uns selbst haben sich die Herrschaften übrigens nicht gemeldet, denn das hätte womöglich die Arbeitshypothese gefährdet).

Lieber Herr Angele, Sie wissen hoffentlich, dass ich Sie schätze. Aber in dieser Angelegenheit hat sich einer von uns beiden verrannt. Und ich fürchte, wir werden uns nicht darauf einigen können, wer. In jedem Fall freut es mich, dass „einige“ von Ihnen, wie Sie schreiben, derzeit beim Freitag „Lernprozesse“ durchmachen. Doch gehen Sie dabei nicht zu weit. Denn das Ergebnis dieser Lernprozesse könnte Ihre Leserschaft verstören.

In diesem Sinne und mit freundlichen Grüßen (auch an den Kollegen, der uns für ein „Drecksblatt“ hält),

Ihr

Alexander Marguier

Georg Dallmann | Mo, 18. Juli 2016 - 10:43

Dieser Diskurs zeigt mehr als eindrucksvoll, WAS in diesem Lande in fuchtbarer Weise schief läuft:

Der offene Diskurs ist TOT! Gerade die sog. "Linken" (auch und gerade die linken Medien) entpuppen sich als HORT der ZENSUR.
Peking und Moskau lassen grüßen, werter Herr AUGSTEIN. Auch die TAZ tut sich in dieser Hinsicht besonders hervor.
Alle - seien sie auch noch so sachlich formuliert - Kommentare, die den tatsächlich gegebenen und für jedermann sichtbaren (!) totalen Kontrollverlust des Staates an der Grenze einerseits, und den totalen Kontroll- und Durchsetzungsverlust des "staatlichen Gewaltmonopols" andererseits thematisieren, werden als "Rechtspopulismus", als "Rassismus", als Xenophobie", als was auch sonst noch immer den linken GESINNUNGSTÄTERN einfallen mag, mit brutaler Abschätzigkeit unter Ausblendung jedweder realer FAKTEN ignoriert. Die LINKEN (Extremisten)zeigen damit, daß sie den RECHTEN
Extremisten in NICHTS nachstehen.
Drecksblätter sind bisweilen BESSER!

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