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 > Steinbrück muss den Genscher machen

Berliner Republik

Vision AmpelkoalitionSteinbrück muss den Genscher machen

Von Timo Stein28. September 2012
picture alliance
Peer Steinbrück,SPD-Kanzlerkandidat,Cicero, Ampelkoalition
Peer Steinbrück soll die SPD für eine Ampel öffnen
Schrift:

Jetzt ist es offiziell: Peer Steinbrück wird Kanzlerkandidat. Dies verkündete die SPD-Troika im Willy-Brandt-Haus. Die Personalie Steinbrück  ist nicht nur eine Kampfansage an Angela Merkel, sondern die Weichenstellung für eine Ampelkoalition. Ein Kommentar

Seite 1 von 2

Peer Steinbrück selbst sprach von „ungelegten Eiern“. Eine Woche ist das her. Doch nun steht er auf der Bühne im Berliner Willy-Brandt-Haus und will davon nichts mehr wissen. Die ungelegten Eier, sie liegen nun. Der Kanzlerkandidat der SPD ist geschlüpft, Steinbrück tritt gegen Angela Merkel an. Ein letztes Mal trat am Freitag die alte Troika vor die Kamera, um eine neue zu verkünden.

Das Mienenspiel von Parteichef Sigmar Gabriel, dem Fraktionsvorsitzenden Frank-Walter Steinmeier und Peer Steinbrück oszillierte zwischen Anspannung und Entladung, zwischen Erlösung und Aufbruch. Ein letztes Mal führte Gabriel das Trio an. Vor vier Wochen habe Steinmeier ihm signalisiert, dass er nicht antreten würde. Damit war der Weg für Steinbrück frei. Gabriel selbst hatte nach eigener Aussage nie vor, neben dem SPD-Vorsitz auch noch in die Rolle des Merkel-Herausforderers zu schlüpfen. Vor gut zwei Wochen schließlich ließ Gabriel Steinbrück bei einem Treffen in Hannover wissen: Du bist es!

[gallery:Merkels Gegner für 2013 steht fest – Peer Steinbrücks politische Karriere]

Eigentlich wollten die drei weiter munter schweigen. Den alten Fahrplan, der vorsah, den Kandidaten entweder Ende Januar oder frühestens im November zu küren, wollten sie eisern durchhalten. „Inhalte vor Personen“ lautete die Formel. Doch nachdem Cicero vor einer Woche das innerhalb der Troika bereits fest stehende Ergebnis verkündet hatte, machten die drei ihre Personalentscheidung nun offiziell.

Gabriel und Steinmeier legten vor. Sprachen vom „besten Kanzler für die SPD“. Steinbrück redete als letzter der drei und nahm die Herausforderung, gegen Merkel antreten zu dürfen, dankbar, fast demütig an. Seine zunächst verkniffe Ernsthaftigkeit entspannte sich zusehends, mit jedem gesagtem Wort, mit jedem Schritt in die neugewonnene Kanzlerkandidatenschaft.  

Die Troika in Form gleichberechtigter Akteure ist nun Vergangenheit. Peer Steinbrück wird zum primus inter pares. Die Troika, die im ursprünglichen Sinne ein Dreigespann bezeichnet, in dem das mittlere Pferd trabt und die beiden äußeren galoppieren, wird sich neu formieren. Steinbrück wird sie als Kanzlerkandidat anführen, Gabriel soll auf der linken Seite des Wählerspektrums auf Stimmenfang gehen und Steinmeier die Mitte absorbieren. Er wird, so sagt er heute, in den Wahlkampf ziehen, als sei es sein eigener. Der Treueschwur kommt an.

Auch die Solidaritätsbekundungen aus der Partei ließen nicht lange auf sich warten. Steinbrück sei der personifizierte Versuch, „über die Anhängerschaft der SPD hinaus Zustimmung zu finden“. So formuliert es Münchens Oberbürgermeister Christian Ude. Doch Steinbrück ist noch mehr. Er ist ein Signal über den sozialdemokratischen Tellerrand hinaus in die bürgerliche Mitte, ein Signal an Unentschlossene. Die Personalie Steinbrück ist aber vor allem auch ein Zeichen für die FDP und damit die endgültige Absage an die Linke, die zuletzt der Sozialdemokratie die Hand reichte und wohl auf Gabriel als Kandidaten hoffte.

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