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 > „Steinbrück ist keine Alternative zu Merkel“

Berliner Republik

Katja Kipping„Steinbrück ist keine Alternative zu Merkel“

Interview mit Katja Kipping26. Oktober 2012
picture alliance
Katja Kipping, Linke, Friedensnobelpreis, Grundeinkommen
„Man kann hörbar sein, ohne dass man laut sein muss“
Schrift:
Seite 2 von 3

Frau Kipping, Sie haben Ihrer Partei mehr Linkspopulismus empfohlen. In der Eurofrage scheint das schon ganz gut zu funktionieren. Plötzlich haben Linke und Rechte ganz ähnliche Positionen und Frau Wagenknecht teilt mit Herrn Gauweiler das Podium.
Das eigentliche Problem ist doch, dass der Kurs von Merkel in vielen europäischen Ländern rechtspopulistische Parteien stärkt. Was die Populismus-Forderung betrifft: Ja, die Linke braucht eine Doppelstrategie. Sie braucht zum einen Linkspopulismus, verstanden als eine zugespitzte Ansprache, um jene prekarisierten Gesellschaftsgruppen zurückzugewinnen, die von politischen Entscheidungsprozessen nahezu vollkommen abgekoppelt sind. Diese zu aktivieren ist unsere Aufgabe. Neben Linkspopulismus brauchen wir eine gezielte Ansprache des kreativ-ökologischen Milieus.

Sie hatten in den vergangenen Wochen für eine rot-rot-grüne Koalition unter bestimmten Bedingungen geworben. Warum diese offene Anbiederei an die SPD? Die Mehrheit ihrer Partei will doch gar nicht regieren.
Die Mehrheit in der Partei ist dafür, dass wir diese Gesellschaft verändern. Die Konstellationsfrage ist für uns zweitrangig. Wir wollen die Gesellschaft verändern in der Opposition, aber wir verweigern uns auch nicht, sie in der Regierung zu verändern. Mir geht es darum, die Frage – „Wie hältst du es mit anderen Parteien“– , die einem als Parteivorsitzende ständig gestellt wird, nicht mit angezogener Handbremse zu beantworten. Wir wollen nicht nur sagen, was mit uns nicht geht, sondern auch, was wir auf jeden Fall erreichen wollen. Dazu gehört der Rückzug der Truppen aus Afghanistan, dazu gehört der Stopp von Rüstungsexporten, dazu gehört, dass kein Mensch unter 1000 Euro im Monat fällt. Das ist keine Anbiederung an die SPD, sondern es zeigt, dass es jenseits von Merkel eine echte Alternative gibt.

Die Nominierung Steinbrücks ist doch aber die endgültige Absage an die Linke.
Die Nominierung geht auf den Mangel an Alternativen zurück. Steinmeier wollte nicht, Gabriel hat es sich nicht zugetraut, Kraft hatte abgesagt. Ich glaube nicht, dass das eine strategische Entscheidung der Partei war. Die SPD muss sich jetzt entscheiden, folgt sie ihrem Herzen nach links oder ihrem Kandidaten nach rechts. Es war nicht besonders klug von der SPD, ausgerechnet den Honorarkönig des Bundestags zu nominieren. Aber das ist ihr Problem. Entscheidend sind letztlich aber nicht Personen, sondern die Positionen, die eine Partei einnimmt. Und ob Steinbrück für die SPD nach den Wahlen tatsächlich am Verhandlungstisch sitzt, würde ich mit einem Fragezeichen versehen. Möglicherweise ist seine Halbwertszeit auf die Dauer des Wahlkampfes beschränkt.

Eine grundsätzliche Zusammenarbeit mit einer SPD unter Führung Steinbrück schließen Sie nicht aus?
Wenn die Position stimmt, schließe ich nichts aus. Wir sind sehr prinzipientreu, wenn es um die Inhalte geht, aber wir sind nicht dogmatisch, wenn es um Personen geht. Wir haben doch diese Woche im Bundestag gesehen, dass die Unterschiede zwischen Merkel und Steinbrück kaum wahrnehmbar sind. Wenn Steinbrück Merkel wegen ihrer Europapolitik attackiert, dann ist das so, als würde ein Dieb einen Betrüger dafür anzählen, dass er sich auf Kosten anderer Leute bereichert. Steinbrück steht einfach nicht für eine Alternative zu Merkel, weil ihn alle in Gedanken eher neben als gegen Merkel sehen.

Sie haben kürzlich Ihre Wahlkampfstrategie für 2013 beschlossen. Konkret geht es um die Öffnung der Partei über die Partei hinaus. Im Internet sollen alle Bürger am Wahlprogramm mitarbeiten. Damit schließen Sie doch aber einen großen Teil ihrer Mitglieder aus, die Älteren, die sich nicht mehr so im Netz tummeln.
Zum einen würde ich die Bewegung „Senioren ins Netz“ nicht unterschätzen. Es gibt viele betagte Genossen, die sich im Netz sehr viel besser auskennen als ich. Zum Zweiten finden sich genug Partizipationsmöglichkeiten im echten Leben.

Wer führt die Linkspartei 2013 in den Wahlkampf?
Wer in welcher Konstellation die Partei in den Wahlkampf führt, werden wir nach der Niedersachsenwahl vorschlagen. Es wird aber keine rein männliche Doppelspitze mehr geben.

Seite 3: Die Piraten verstehen sich eher als eine FDP mit Smartphone und ohne Frauen

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Umarmungsstrategie der SPD

DIE LINKE sollte sich hüten, vorbehaltlos und überstürzt in eine Koalitionsregierung mit den Sozialdemokraten einzutreten, wenn die SPD eine Mehrheitsbeschafferin suchen sucht, weil die Stimmen von SPD und BÜNDNISGRÜNEN für eine parlamentarische Mehrheit nicht ausreichen.
Denn die SPD, aber auch die BÜNDNISGRÜNEN, stehen für eine Fortsetzung des kapitalistischen Gesellschafts- und Wirtschaftssystems. Und dieses bedeutet eine Stützung der Herrschaft der Oberen Zehntausend, also des Großkapitals, seiner Verbandsfunktionäre und Wirtschaftslobbyisten.
Katja Kipping favorisiert, wie Viele in ihrer Partei, die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens.
Dieses wird in der Partei DIE LINKE nicht deshalb verteufelt, weil etwa der Gründer der DM-Drogiermarktkette, Götz W. Werner, ebenfalls für ein solches Modell eintritt.
Es bleibt die Sorge, daß DIE LINKE in einer SPD-geführten Koalitionsregierung "politisch erdrückt" wird. Regierungskoalitionen sollen nicht dazu dienen, Parteifunktionäre mit öffentlichen Ämtern und Altersbezügen zu "versorgen".
Wenn programmatische Inhalte dabei auf der Strecke bleiben, sollte sich DIE LINKE von jedweder Zusammenarbeit mit der SPD fernhalten.

  • Antworten
Yvonne Walden21.10.2012 | 11:13 Uhr

Umverteilung

..von oben nach unten wird Katja Kipping gefordert haben, nicht von unten nach oben wie es hier steht!

  • Antworten
fepix21.10.2012 | 18:20 Uhr

die nächste Wahl ----

warum lässt man Frau Kraft nicht in den Wahlkampf- Sie ist eine Person, die sich nicht Verbiegen lässt. Damit hätte die SPD wenigstens die größte Chance - gegen die Zonenwachtel Merkel.- Damit diese Kommunistin endlich Verschwindet.

  • Antworten
Christina22.10.2012 | 12:23 Uhr

@ Christina

Liebe Christina,

hier nur mit halben Namen aufzutreten, heißt nur mit halber Kraft, auch für Ministerpräsidentin Frau Kraft zu werben,
also halb ehrlich – halb unehrlich,
also eigentlich mit Null – oder unendlich viel aus dem Nichts?

Warum Hannelore Kraft nicht in den Ring gerufen wurde, liegt einfach daran, dass die SPD eine Schmale Personal Decke (SPD)hat.
Ist das auch ein Zufall?

Die Verwendung des Begriffes „ZoWa“ bezüglich von Frau Dr. Merkel läst erkennen,
das Sie wohl viel von einer tiefschwarzen Rabenkrähe in sich tragen – und die sind bekanntlich nicht sehr beliebt und sollen Unglück bringen.

Eher werden alle politischen Parteien in der Bundesrepublik Deutschland abgeschafft, als das eine Frau Merkel einseitig ideologisch zur Kommunistin wird.

Auch wird eher ein Basisdemokrat/in zum Kanzler/in oder unter Frau Dr. Merkel zum Vizekanzler/in (z.B. Freie Wähler) gewählt, als das unsere Kanzlerin sich als Fideline Castro neu erfindet.
Wobei Fidel C. es geschafft hat, die eigene staatliche Souveränität gegenüber der USA zu behaupten……., was uns auch gut zu Gesicht sehen würde …..??!!

Siehe auch, ich will mich hier nicht wiederholen:

http://www.cicero.de/berliner-republik/bundeskanzlerschaft-2013-gong-merkel-zum-dritten-mal/51545

Bis ....!

  • Antworten
Uwe E. Mertens22.10.2012 | 14:46 Uhr

common decency

an eben dieser fehlt es Ihnen im Gegensatz zu Frau Merkel, welche, unbesehen ihrer Ansichten oder ihrer Herkunft den Anstand beherrscht. Man kann auch anständig miteinander umgehen, so man es kann.

  • Antworten
hanna zweig23.10.2012 | 12:47 Uhr

Unqualifizierte Äußerung

Wer Bundeskanzlerin Angela Merkel als "Kommunistin" verteufelt, weiß nicht, wovon sie schreibt.
Es wäre schön, wenn sich auch Frau Merkel entschlossen für ein deutliches Mehr an sozialer Gerechtigkeit in Deutschland und Europa stark machen würde.
Unser derzeitiges Gesellschafts- und Wirtschaftssystem ist vollkommen ungerecht.
Eine Clique Reicher und Superreicher regiert in Wahrheit dieses Land - und auch Europa.
Die sogenannte Finanzkrise ist vor allem deshalb entstanden, weil es weltweit riesige Kapitalanhäufungen gibt, deren Eigentümer nur ein Ziel haben: dieses Kapital in 2, 5, 8 oder maximal 10 Jahren zu verdoppeln.
Eine Kapitaltransaktionssteuer könnte dazu beitragen, die Erträge aus solchen Riesenvermögen "abzuschöpfen".
Das wäre nicht einmal "kommunistisch-gedacht". Frau Merkel denkt und handelt jedoch nicht anti-kapitalistisch, sondern stärkt die gewachsenen kapitalistischen Strukturen.
Von "Kommunistin" keine Spur!

  • Antworten
Yvonne Walden23.10.2012 | 13:08 Uhr

Heute stimme ich Frau Yvonne W. zu....betreffs A.M. und weiter..

So ohne Instinkt ist Frau Katja Kipping gar nicht – Dresdnerinnen sind eh etwas Besonderes,
den Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück und die derzeitige Zustand der SPD hat Frau Kipping wohl auch gut durchschaut.
Mich sollte nicht wundern, wenn die Linke der 1. Partei ist, die konsequent und knallhart für die Rettung des deutschen Mittelstandes eintritt. Frau Kipping scheint diesbezüglich auch normal und bodenständig zu sein.
Ja kann es wohl locker mit Frau Wagenknecht aufnehmen kann, da diese etwas zu theoretisch tiefgründig und kämpferisch daherkommt und über vielleicht etwas zu weit über der „Masse“ steht.
Ich staunte schon öfter, dass so mancher Linker das Wort Weltgeldbetrug im Munde führte und das Mittelstandsinstitut von Prof. Dr. Eberhard Hamer und seine Veröffentlichen genau zu kennen schien.
Letztens erzählte mir ein Linker, den ich oft schon für einen Trottel hielt, haarklein die Ansichten von Prof. Bernd Senf, Prof. Hankel, Prof. Hörmann, Prof. Berger und Andreas Popp (Plan-B), so dass ich meine bisherige Meinung doch etwas differenzieren musste. ( www.franzhoermann.com/ die Abschaffung des Geldes …..(kostenloser download) -www.wissensmanufaktur.net- und www.berndsenf.de)
Erstaunlich ist das nicht – schließlich soll das Kommunistische Manifest ja ein Auftragswerk des Rothschildclan gewesen zu sein. Die Linken waren immer schon bildungshungrig und das erste Mal
in der Geschichte können die sich auch, wie wir alle, frei per Internet weltweit informieren.
Die Linken so scheint es, können ideologiefreier entscheiden,schließlich waren sie es die über Gregor Gysi klar und deutlich einen Verfassungsbruch im deutschen Bundestag anzeigten
und die Linke stimmte geschlossen gegen den ESM – Vertrag – das war ein deutliches Zeichen.
Siehe: http://www.youtube.com/watch?v=hwO3XYkyYhw&feature=related

  • Antworten
Uwe E. Mertens23.10.2012 | 16:11 Uhr

Erfreuliches Interview

mit einer ruhigen, klugen Frau.

  • Antworten
Lesum23.10.2012 | 16:59 Uhr

Die Vögel sie SÄEN nicht, sehen tun

sie sehr wohl, vielleicht sollten Texte nochmals gelesen werden, bevor sie veröffentlicht werden.

  • Antworten
pengertz26.10.2012 | 20:43 Uhr

Danke für den Hinweis

Danke für den Hinweis, wir haben das geändert.

  • Antworten
Marie Preuss28.10.2012 | 14:40 Uhr

Die kluge Politikerin

wird hoffentlich nach der nächsten Bundestagswahl mehr zu sagen und zu tun haben. Weiter< gehen wie bisher kann nicht gutgehen.

  • Antworten
rehse31.10.2012 | 12:03 Uhr

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