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 > „Rentenzuschlag für uns Westdeutsche“

Berliner Republik

Wutrentnerin zum Betreuungsgeld„Rentenzuschlag für uns Westdeutsche“

Von Renate Fuchs24. April 2012
picture alliance
Großmutter, Oma, Kind, Spielzeugeisenbahn, Betreuungsgeld
Zusätzliche Rentenpunkte dank eigener Kinder?
Schrift:

Um den Streit ums Betreuungsgeld in der Union zu schlichten, sagte CDU-Fraktionschef Volker Kauder: "Wir wollen, dass Frauen, die Kinder vor 1992 geboren haben, dafür auch mehr Rentenversicherungszeiten anerkannt bekommen." Was für ein verrückter Vorschlag, meint die Rentnerin Renate Fuchs und schrieb einen satirischen Brief an Herrn Kauder

Seite 1 von 2

Sehr geehrter Herr Abgeordneter, lieber Herr Kauder,

Ihre Idee, zusätzlich zum bayerischen Betreuungsgeld uns deutsche Alt-Eltern mit einer Art Kindergeld-Nachzahlung in Höhe von mehreren Milliarden Euro zu belohnen, ist rundweg großartig. Fabelhaft. Dass es viel zu teuer wird, glaube ich nicht. Die ostdeutschen Eltern haben ja ihre Kinder zu 90 Prozent in die sozialistischen Kitas delegiert, sie kommen als Zuwendungsempfänger natürlich nicht infrage. Außerdem wählen die sowieso die Gysi-Partei. Es ist jedenfalls schön, dass Ihnen dieser post-pädagogische Rentenzuschlag für uns Westdeutsche eingefallen ist.

Bestimmt hatten Sie die Sterbetafel der deutschen Versicherungen im Auge, als Sie die Idee hatten, neben der unsinnigen Kita-Finanzierung allen Eltern, die vor 1992 Kinder in die Welt gesetzt hatten, eine Art monatliche Geburtenprämie, gewissenmaßen ein Betreuungsgeld a posteriori, zu gewähren. Es ist ja absehbar, dass dies keine teure Verpflichtung für die Ewigkeit ist. Aber so lange wir Alt-Eltern leben, in meinem Falle wahrscheinlich noch 15 Jahre,  werden wir Sie und Ihre Gerechtigkeitspartei wählen.

Ich bin Rentnerin, Herr Kauder, und wahrscheinlich geht es Ihnen bald genauso wie mir: Ich verstehe die so genannten „Entgeltpunkte“, die der Berechnung meiner Rente zugrunde liegen, ebenso wenig wie meine Altersgenossen. Aber ein Zuschlag ist immer willkommen.  Wir haben hart gearbeitet und wir danken der katholischen Soziallehre, der dynamischen Rentenanpassung und der CDU, dass sie uns ein würdiges Leben bis zum absehbaren Tod ermöglichen.  

Natürlich werden die Verfassungsrichter noch klären wollen, ob das Stichjahr 1992 dem grundgesetzlichen Gleichheitsprinzip gehorcht. Dafür ist es ja da, und ich habe auch persönliche Bedenken, die ich nicht verhehlen will.  Meine jüngere Schwester hat erst 1993 ein Töchterlein zur Welt gebracht. Soll sie wirklich leer ausgehen? Und wie verhält es sich mit jenen Frauen, deren Wehen am 31. Dezember 1992 einsetzten, deren Kinder aber erst am 1. Januar 1993 zur Welt kamen? Und, noch ein Sonderfall, was kommt auf die Eltern von Zwillingen oder gar Drillingen zu? Dreifach Zahlungen? Nun, ihre Beamten können das noch ausarbeiten.

Man liest ja, dass die Kanzlerin sparen will. Das kann so schwer nicht sein. Zur „Gegenfinanzierung“ Ihres Alt-Eltern-Erziehungsnachschlags ließe sich die Höhe des geplanten bundesweiten Betreuungsgeldes reduzieren. Und damit Ihre Koalition nicht platzt (um Gotteswillen!), stelle ich mir eine konfessionelle Ausnahmeregel vor: Für die bayerischen Eltern und CSU-Wähler ließe sich gleichzeitig ein höheres Betreuungsgeld festschreiben. Allerdings unter bestimmten Voraussetzungen. Warum zum Beispiel sollen die unchristlichen Einwanderer, die doch freiwillig gekommen sind und sowieso viel zu viele Kinder haben, mit diesem Betreuungsgeld bevorteilt werden? Wissen wir denn, wo ihre Kinder gezeugt wurden und ob die überhaupt Bayern sind? Kurzum, katholische Kindseltern unter 35 Jahren könnten unter Vorlage eines bischöflichen Einverständnisscheins ein erhöhtes Betreuungsgeld erhalten, sofern sie über einen echten Herd verfügen.

Seite 2: Ein Segen dank der „Lex Seehofer“

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(Altmutter) Renate Fuchs

Ihr Beitrag ist absolut Klasse. Jedes Satiremagazin könnte stolz sein, einen solchen Beitrag drucken zu dürfen.
Es ist schon hochnotpeinlich, was sich Politiker ausschwitzen, um Wählerstimmen zu sichern.

  • Antworten
Richard Müller24.04.2012 | 16:35 Uhr

Zugabe von der Wutrentnerin

Frau Fuchs, ein herrlicher Beitrag!
Hier argumentiert eine Wutrentnerin aus der Mitte der Gesellschaft, voller Lebenserfahrung, die zwei wohlgeratene Kinder erzogen hat, ihren demografischen Reproduktionspflichten (bis auf 0,7 Kinder) nachgekommen ist und außerdem noch die wirklich teuren Gameboys und Atari-Computer aus eigener Tasche gezahlt hat. Frau Fuchs, meine Frau und ich hatten Glück, unsere ebenso wohlgeratenen zwei Kinder wählen nicht die Piraten. Und seien Sie nicht so streng mit Ihrem Mann, er hat doch Ihrem Sohn Skat beigebracht.
Herrlich, Frau Fuchs, habe herzhaft gelacht!

  • Antworten
bernhard jasper24.04.2012 | 18:27 Uhr

Rentenzuschlag für uns Wetdeutsche

Sehr schöne Satire.
Aber noch schöner ist die Satire, dass es die deutsche Wiedervereinigung auch dann gegeben hätte, wenn der Lebensstandard in der DDR drei mal so hoch gewesen wäre wie in der BRD.
Noch schöner ist die Satire, dss es den EURO auch dann gegeben hätte, wenn die DM so "schwach/stark" wie DRACHME/LIRA/PESETE/ESCUDO und in Grenzen auch FRANC, gewesen wäre.
Es darf gelacht werden.
Und noch mal schöner ist die Satire, wenn die Politiker vom "Spar-Haushalt" sprechen, der allerdings darin besteht, dass weniger "aufgeschuldet" wird als geplant.
Variante der Satire: man darf doch die Länder nicht "kaputtsparen".
Nur, wirklich gespart wird ja nicht.
Das sarkastische Bonmot des LE FIGARO lautete:
"Maastricht ist Versailles ohne Krieg. (Die Deutschen zahlen)".
Also: CARPE DIEM und immer fröhlich bleiben.

  • Antworten
Wolfram Wiesel24.04.2012 | 23:18 Uhr

Kommentar der Altmutter

Sehr geehrte Frau Fuchs!
Als Leser Ihrer "Glosse" über das Betreuungsgeld frage ich mich, war das wirklich ein satirischer Nasenstüber in Richtung von Herrn Kauder und Frau Schröder oder eher ein in Satire verpackter Kopfstoß in Richtung all der Kloogschieter, die sich an den beiden genannten Herrschaften abarbeiten. Ich neige eher zur zweiten Interprätation. Wenn das so seien sollte gratuliere ich Ihnen, trotz der dann nicht immer ganz stimmigen Ableitungen. Sollte aber die erste Version gemeint sein, hätte eine Abrechnung mit Ihrem Mann auch anders gestaltet werden können.
Herzliche Grüße
Gerold von Busse

  • Antworten
Gerold v. Busse25.04.2012 | 17:31 Uhr

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