Jump to Navigation
Startseite

Magazin im Mai: Nichts klappt, alle lieben sie: Das Geheimnis der verschlunzten Hauptstadt

Babel Berlin
  • Magazin
  • Mediathek
  • Literaturen
  • Service
  • Newsletter
  • Shop
  • Abo
  • Berliner Republik
  • Weltbühne
  • Kapital
  • Stil
  • Salon
  • Bücher
  • Themen der Zeit
  • Kolumnen
  • Blogs
  • Ressorts
  • Dossiers
  • Karikaturen
  • Suche

Suchformular


Mein Cicero


Sie sind hier: Startseite > Magazin
 > Religion braucht kein Messer

Berliner Republik

BeschneidungReligion braucht kein Messer

Von Paul-Hermann Gruner30. Juli 2012
picture alliance
Beschneidung von Jungen,Beschneidung Mann,Brit Mila,1.Buch Mose,Beschneidungsgebot
Im ersten Buch Mose ist die Beschneidung für Juden geregelt
Schrift:

Das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit gilt nicht ein bisschen oder manchmal oder immer dann, wenn wir es gut finden und es uns passt. Es gilt immer und zu hundert Prozent, deswegen muss Beschneidung verboten bleiben. Ein Kommentar

Seite 1 von 2

Das Kölner Landgericht hat in einem Ende Juni gefällten Urteil die Beschneidung von Jungen aus religiösen Gründen als strafbare Handlung gewertet. Seitdem tost die Debatte darüber durchs Land. Man sollte sich jedoch genau anschauen, wo, bei wem und wie heftig der Hut hochgeht. Und wo er schwer auf dem Schädel liegen bleibt.

Der Diskurs wird seltsam leise geführt auf der Seite der Juristen, abwartend wortkarg seitens der Mediziner; wortreich empört und herausgefordert dagegen zeigen sich Muslime und Juden, achselzuckend und schweigend verharrt die Seite des christlichen Publikums; pflichtschuldigst ein schnelles Zurückrudern kündigen verschreckte Politiker aus fast allen Parteien an, irgendwie müsse man da was machen, neu regeln, juristisch anders fassen, das Ganze geschickt deichseln. Damit möglichst alles bleiben kann, wie es war.

Viele suggerieren, die Sicht auf die Dinge sei trüb wie im Dampfbad. Falsch. Die Sache ist politisch-gesellschaftlich so klar wie eine von beiden Seiten frisch geputzte Glasscheibe. Die Kölner Richter haben halt nur an etwas erinnert, was der politischen Korrektheit nicht passt: Das Primat des Politischen gilt sogar dann, wenn es archaischem Brauchtum in die Quere kommt. Sogar dann, wenn es Imperative der Religion betrifft. Erstaunlich ist – für die intellektuelle wie die ethisch-moralische Debatte im Lande –, dass man offenbar die Unteilbarkeit von Grundrechten begründen und rechtfertigen muss.

Das Grund- und Menschenrecht auf körperliche Unversehrtheit, das Grundrecht der individuellen Selbstbestimmung gilt nicht nur ein wenig, manchmal ein bisschen, mitunter gar nicht, und überhaupt am bestem im Wesentlichen immer dann, wenn wir es gut finden, wenn es uns passt und es traditionelle Handlungen nicht wirklich stört.

Nein, so schnippisch, so gelegenheitsethisch und dosiert demokratisch, so ausschnitthaft und volatil geht man mit Grundrechten nicht um. Ganz und gar so, wie niemand ein bisschen tot oder ein bisschen schwanger ist, so ist Selbstbestimmung keine Sache von vierzig Prozent, von sechzig oder achtzig Prozent Wirklichkeitsgrad – sondern ausschließlich von hundert Prozent.

Lesen Sie weiter über das Verfeinern von Ritualen...

  • 1
  • 2
  • nächste Seite »
Twitter
drucken
merken
in mein Dossier
versenden

zum Ressort

zurück zum Dossier
Zu diesem Artikel gibt es
20 Kommentare

Weiterführende Links

Beschneidung: „Gleiche Rechte für Jungen und Mädchen!“

Beschnittene Grundrechte: Was die Politik tun sollte

Ethikprofessor: „Beschneidung ist keine Verstümmelung“

 

 

Diese Artikel könnten
Sie auch interessieren:

Homo-Ehe
Konservative, bleibt gelassen!
von
15.05.2013
Reporter ohne Grenzen
„Pressefreiheit wird massiv eingeschränkt”
Interview mit
Christian Mihr
03.05.2013
Strafverteidiger zum NSU-Prozess
„Wir wahren Rechte des Täters”
Interview mit
Jürgen Möthrath
12.04.2013
Wahlrecht
Schafft die Zweitstimme ab!
von
24.01.2013
Kirchenstaat
Religion hat in der Politik nichts verloren
von
18.12.2012

zum Dossier Religion und Gesellschaftzum Dossier Der Streit um ein Stück Vorhaut
Twitter
zum Ressort

zurück zum Dossier

Weiterführende Links

Beschneidung: „Gleiche Rechte für Jungen und Mädchen!“

Beschnittene Grundrechte: Was die Politik tun sollte

Ethikprofessor: „Beschneidung ist keine Verstümmelung“

 

 

Diese Artikeln könnten Sie auch interessieren:

Homo-Ehe
Konservative, bleibt gelassen!
von
15.05.2013
Reporter ohne Grenzen
„Pressefreiheit wird massiv eingeschränkt”
Interview mit
Christian Mihr
03.05.2013
Strafverteidiger zum NSU-Prozess
„Wir wahren Rechte des Täters”
Interview mit
Jürgen Möthrath
12.04.2013
Wahlrecht
Schafft die Zweitstimme ab!
von
24.01.2013
Kirchenstaat
Religion hat in der Politik nichts verloren
von
18.12.2012

 
Zu Dossier hinzufügen:
  • Europa
  • Kommentare
  • Detuschland
  • Jochen Thies, Was Hitler wirklich wollte
  • Goetz
  • Goetz
  • afrika
  • afrika
  • Syrien
  • Euro krise
  • familienpolitik
  • familienpolitik
  • familienpolitik
  • familienpolitik
  • familienpolitik
  • filosofia
  • Offenen Demokratie
  • LINKE
  • Vorbereitung_Wahlen
  • Cicero
  • Politik
  • Politik
  • Wirtschaft
  • Grüne
  • Wahlen in D
  • Atomenergie
  • Terror
  • Lesenswert
  • Serina
  • _Wj
  • Papstreise 2011 Deutschland
  • Kapitalismus
  • Kapitalismus
  • Piraten
  • Grüne
  • Grüne
  • Grüne
  • Leben
  • haha
  • Migration
  • Generation 2.0
  • Kunst
  • Kunst aA
  • Kunst
  • EURO
  • Russland
  • Steuerpolitik
  • Internet-Kultur
  • Wulf
  • Wulf
  • Parteien
  • Parteien
  • Parteien
  • Finanzkrise und Staatsschulden
  • Gesellschaftspolitik
  • Gesellschaftspolitik
  • Gesellschaftspolitik
  • kindle
  • kindle
  • Rechtsradikalismus
  • USA
  • Religion und Tradition
  • Architektur & Bauen
  • Architektur & Bauen
  • Architektur & Bauen
  • Architektur & Bauen
  • Parteien
  • Kirche
  • Grass
  • Linke
  • Linke
  • Linke
  • Linke
  • Netz
  • Politik, Gesellschaft ...
  • Politik, Gesellschaft ...
  • Politik, Gesellschaft ...
  • politik
  • Tourismus
  • Moral
  • Urheberrecht
  • favs
  • Digitalisierung
  • A Nachlesen
  • A Nachlesen
  • internet
  • Film
  • Literatur
  • Literatur
  • NH
  • Polemik
  • Praktische Philosophie
  • diethart
  • Steinbrück
  • Bildung & Schule
  • Bildung & Schule
  • Bildung & Schule
  • Mark Twain
  • Mark Twain
  • Mark Twain
  • MILANKO
  • Entwicklungspolitik
  • Gunter Hofmann
  • dudelfunk
  • pit
  • Material-SK
  • Steuern
  • Antisemitismus
  • Intellektuelle
  • Türkei
  • Jan von Alen
  • Autoren
  • Autoren
  • Autoren
  • Doppelte Staatsbürgerschaft
  • Test
  • Hyperkorrekte
  • Stasi
  • Fernsehen Qualität
  • Kretschmer
  • Kretschmann
  • Politik
  • Pressegleichschaltung
  • NSU
  • gender
  • gender
Neues Dossier anlegen:

Ein Blick ins Gesetz erleichtert die Rechtsfindung ...

Ein sehr notwendiger Kommentar angesichts der leicht panisch wirkenden Politik!

Die Bundesrepublik Deutschland als demokratischer Rechtsstaat hat mit dem Grundgesetz die einzig richtige Lehre aus Nationalsozialismus und Holocaust gezogen. Das Grundgesetz gibt jedoch nicht nur Rechte, es bindet auch alle, unabhängig von ihrer Religion oder ihrem Geschlecht. Archaische religiöse Riten können in diesem Rechtsrahmen nur gefeiert werden, wenn sich Männer in freier Selbstbestimmung diesem Ritus unterziehen. Babys und kleine Jungen haben ein Recht auf körperliche Unversehrtheit, und dieses individuelle Menschenrecht ist auch von gläubigen Eltern zu achten. Deshalb würde ich gern weniger Religionsgelehrte als viel mehr Verfassungsrechtler hören. Dieses Grundgesetz zu schützen und zu verteidigen hat sich die Bundeskanzlerin per Eid verpflichtet. Diejenigen, die sie jetzt kritisch daran erinnern, als “Komiker” zu bezeichnen, macht nur das Niveau deutlich, auf dem sich die Politik mittlerweile bewegt. Da ist nur noch intellektuelles Brachland. Ein Zeichen dafür, dass wir die “Wahrung der Gesetze” nicht allein der Politik und den willfährigen Medien überlassen dürfen.

  • Antworten
Maren Plaschnick30.07.2012 | 13:21 Uhr

"Religion braucht keine Messer"

Eine Anmaßung sondergleichen auf einer recht tiefen Ebene.

  • Antworten
giger30.07.2012 | 17:48 Uhr

Religiös begründete Menschenfresserei grundgesetzlich erlaubt??

Endlich mal ein klares Wort zu religiös begründeten Menschenverletzungen.

Nur um als tolerant zu gelten, haben fast alle Richter und Parteien bisher das Grundgesetz so ausgelegt, dass auch noch so archaische religiöse Bräuche einfach geduldet wurden.

Alle Religionen samt deren Anführer haben immer empört aufgeheult, wenn Staaten sich in ihren Augen erdreistet haben, menschenfeindliche Rituale zu verbieten.

Schon auf die Idee zu kommen, in einem säkularen Staat die absurdesten religiösen Vorstellungen mit einem gleich hohen Grundgesetzrang auszustatten wie die „Meinungsfreiheit“, zeugt von einem Stillstand der rationalen Entwicklung.

Das Abwägen der Grundrechte gegeneinander hängt ab von dem mentalen Zustand der Richter.

Sind solche Richter z. B. muslimischen Glaubens, womit in wenigen Jahrzehnten zu rechnen ist, dann werden jetzige Grundrechte zulasten einer übermäßig gewichteten Religionsfreiheit uminterpretiert.

Für Spätfolgen von Entscheidungen hatten die letzten Regierungen überhaupt kein Gespür. Deshalb ist es Zeit, jetzt das Grundgesetz derart zu ändern, dass religiöse Behauptungen/Glaubensüberzeugungen im Konfliktfall grundsätzlich rangmäßig hinter weltliche Überzeugungen zurücktreten müssen, denn weltlichen Überzeugungen liegen lt. Definition die Möglichkeit der Unwahrheit inne, während religiöse Überzeugungen Wahrheit beanspruchen.

Wie schnell wären wir ohne Änderung des GG wieder bei religiös begründeter Menschenfresserei, sofern eine Religion behauptet, dass diese Praxis zu ihren religiösen Glaubens-Überzeugungen gehöre, insbesondere, wenn sie das noch schnell in Ihren Glaubenscodex schriftlich aufnimmt. „Ein Gott habe einem XY genannten Propheten die religiösen Grundregeln auf einem Berg/in einem Tal eingegeben und auf einer von Gott stammenden Tafel eingeritzt überreicht, die leider inzwischen nicht mehr auffindbar wäre, auf der aber all dies schriftlich festgehalten worden sei usw.. Alles gehöre zum festen Inhalt der Menschenfresserreligion und man berufe sich bei der Ausübung auf die lt. Grundgesetz hier geltende Religionsfreiheit. Ja, was denn dann?

Würde das Parlament dann auch so schnell ein Gesetz verabschieden wollen, das die Menschenfresserei aus religiösen Gründen erlaubt, zumal nur volljährige Menschenopfer genommen würden dürfen, die mit den religiösen Zeremonien einverstanden sind?

Auf gesetzliche Weise sollen jetzt die die archaischen Bräuche des Schächtens und der Penisbeschneidung gerettet werden.

Das Wegschneiden eines Stücks des Penis ist für mich nur ein gradueller Unterschied zur Menschenfresserei.

Ich möchte nicht wissen, wann und wie sich die Einführung der Scharia hier vollziehen wird -ohne grundrechtliche Abwehrmechanismen. Gute Chancen wären ohne Abwehrmöglichkeit allemal gegeben, weil die Selbstvernebelung angeblich fortschrittlich denkender Gehirne angesichts eingefordeter Religionsfreiheit hier derzeit übermäßig weit geht.

  • Antworten
Karl-Heinz Ruppe30.07.2012 | 19:27 Uhr

Ein sehr guter Kommentar

Ein sehr guter Kommentar, dem man nur ohne wenn und aber zustimmen kann. Die ach so verständnisvollen (unbeschnittenen) Beschneidungsbefürwortern möchte man gerne fragen, wie sie die Sache wohl bewerten würden, wenn sie selber unbefragt beschnitten würden. Die Verharmlosung der Beschneidung kennt ja inzwischen keine Grenzen mehr. Tatsächlich würde jeder Richter bei einem erwachsenen Opfer auf schwere Körperverletzung erkennen. Warum sollte das bei einem Kind anders sein?

  • Antworten
Andreas30.07.2012 | 20:36 Uhr

zum thema beschneidung

in unserem heiligen buch steht es das ein yunge besnitten werden soll und als angehöriger dieser religion hab ich die aufgabe dieses zutun!dieses wird seit über vielen tausenden von jahren gemacht weil es auch wegen körperlichenpflege und aus gesundheitlichen gründen gemacht wird sehe ich keinen grund warum nicht beschnitten zu werden!deutschland ist doch ein land der freiheit es wundert mich warum die beschneidung verboten werden soll!will deutschland wieder in die zeit hitlers zurück???

  • Antworten
TİMUÇİN30.07.2012 | 23:01 Uhr

Danke für diesen Artikel!

Danke für diesen Artikel!

@giger: wo sehen Sie denn die Anmaßung? Etwa darin, dass man Säuglinge nicht mehr verstümmeln darf? Und was soll man von einem Gott halten, der Kinder mit Vorhaut geschaffen hat, dann aber sofort deren (schmerzhafte) Entfernung fordert? Und nicht vergessen: nicht jeder denkende Mensch nimmt Ihren "Gott" für real - machnen ist er eher eine cholerische Witzfigur.

Wo kämen wir denn hin, wenn jede (sic!) "Religion" für sich ungestraft beliebige menschenverachtende Rituale fordern könnte?

  • Antworten
gemaroth30.07.2012 | 23:45 Uhr

BESCHNEIDUNG

The Cologne judgment has sparked a fine debate also in the USA, Josef Joffe!!
in the Wall Street Journal

wsj.com/article/SB10000872396390443343704577550854160191664.html?KEYWORDS=josef+joffe

welt.de/print/die_welt/debatte/article108327689/Stellt-euch-der-Debatte.html

also in psycho-analytic and medical circles

circumcision.org/studies.htm

idw-online.de/de/news488890

The PSYCHIC trauma that circumcision entails consigns the practice to the domain of the atavistic An ethnic or religious group that after however many of thousand years cannot come up with a better unifying practice must be regarded as forever benighted. Like female circumcision, male circumcision exists not so much to cement a community, but as a patriarchal practice, to keep the sons and daughters in line, and, not so incidentally, eliminate a great deal of sexual pleasure. A number of matters are are being confused in the controversy: Inoculations can be administered painlessly - a mosquito bite is not comparable with the narcissistic and fundamental Oedipal trauma that is circumcision which is administered without an aneasthetic. Usage, custom could allow all sorts of other entirely atavistic traditions, no? Headhunters anyone? if someone wishes to argue the matter from that angle. To introduce the notion of intolerance into this discussion, also, is not pertinent to the issue, as well as contradictory, since a child if he wishes could decide to be circumcised, say, at the time of Bar Mitzvah, or equivalent Islam rite. Actually, the elimination of the practice of circumcision would also go some ways toward abating irrational forms of anti-Semitism, both Judaism and Islam being Semitic religions. That some of the Religious will be narcissistically mortified once one of their practices is prohibited - all I can say: EDUCATE yourselves, empathize with the child and the trauma it suffers so that you THE BELIEVER can regard its continuance as sacred! Or: get over it!

  • Antworten
franz angst31.07.2012 | 03:03 Uhr

Das Maß verloren?

Es sieht so aus, dass Beschneidungsgegner vermutlich in Personalunion gleichzeitig Abtreibungsbefürworter sind, was für eine Maßlosigkeit!
Der Anspruch, den Menschen absolut und ausschließlich dem staatlichen positivistischen Gesetz unterzuordnen ist zutiefst unmenschlich, siehe "die Revolution, die ihre Kinder fraß", den Bolschewismus und Nazismus - da lobe ich mir Sokrates der einmal sagte, und dies gilt auch heute: "Ich bin euch, ihr Athener, zwar zugetan und Freund, gehorchen aber werde ich dem Gotte mehr als euch, und solange ich noch atme und es vermag, werde ich nicht aufhören, nach Weisheit zu suchen ..."

  • Antworten
Blase31.07.2012 | 11:17 Uhr

Religion braucht keine Besserwisser

Selbstverständlich gibt es an der juristischen Bewertung des Kölner Landgerichtes hinsichtlich der Körperverletzung sachlich kaum etwas zu kritisieren. Und gewiss lassen sich auch religiöse Rituale hinterfragen, ob sie zeitgemäß sind, ob sie im Sinne des Kindeswohls sind und ob sie die freie Wahl der Religion einschränken.

Was mich dennoch an dieser Vorhaut-Debatte entsetzt, ist die Wucht, mit der hier eine breite Debatte erst aufgrund eines plötzlichen Verbotes einsetzte. Auf einmal lese ich Aufrufe besorgter Kinderärzte zum Beschneidungsverzicht, lese Kritiken über archaische Rituale und sehe ein ganzes Volk im Kampf gegen "Verstümmelungen" in Aufruhr. Getrieben aus der allgemeinen Sorge um das Kindeswohl erfolgt nun eine eingehende Betrachtung präputialer Lustzonen und kindlicher Selbstbestimmung. Das erscheint mir mehr als verdächtig.

Wenn Kinderärzte erst jetzt von der Beschneidung abraten, dann müssen sie Jahrzehnte lang wider besseres Wissen gehandelt haben und weltweit handeln, und wenn das Volk im Falle einer frühen Beschneidung das Knabenwohl infrage gestellt sieht, dann steht es im Widerspruch zum Urteil des Kölner Amtsgerichts, welches auch den Eltern des beschnittenen Knaben bescheinigte, im Sinne des Kindeswohl gehandelt zu haben. Auch hört man trotz jahrelangen Praktizierens recht wenig von den Opferns selbst.

Was zum Wohl und Wehe eines Menschen gehört, darüber gibt es in allen Gesellschaften recht kontroverse Ansichten, die nicht zuletzt durch willkürliche (und nicht allein religiöse) Wertungen begründet sind. So streitet man hier nicht über kosmetische Operationen im Kindesalter, die riskant, irreversibel, mit unsicherem Erfolg ebenfalls die Selbstentscheidung des Kindes ignorieren. Fast scheint es so, als hätte Volkes Zorn eine Lücke erspäht, durch die mit "sauberen" Argumenten dem religiösen Misstrauen gefrönt werden kann.

Was missfällt, wird verboten! Doch Verbote ersetzen keinen Diskurs. Und so bleibt es bei den sonntäglichen Lippenbekenntnissen unserer Staatsoberhäupter, was inzwischen zu Deutschland gehöre. Dabei würde gerade unserer Nation etwas mehr Toleranz nicht schaden. Womöglich könnte die sogar dem Kindeswohl zuträglicher sein.

  • Antworten
Jörn Bünning31.07.2012 | 13:52 Uhr

"Religion hat bitte etwas mit

"Religion hat bitte etwas mit Glauben, Geist und Transzendenz zu tun."

Dieser Satz beweist leider, dass der Autor sich nie mit dem Judentum auseinander gesetzt hat und unreflektiert aus den tief verwurzelten Werten des Christentums und Humanismus heraus argumentiert. Nein, das Judentum funktioniert eben nicht durch vage persönliche Überzeugungen, sondern durch Geburt, Ritus und Gebote.

Das mögen Sie finden, wie Sie wollen - zum Glück herrscht hier Religionsfreiheit, so dass ich religiös leben darf, auch wenn die sekuläre Gesellschaft um mich herum dies als Fanatismus, Fundamentalismus oder gar Affront auffasst.

Es ist auch lange nicht so rechtlich eindeutig, wei der Autor dies dem Leser vorgaukeln will.

Eltern stimmen regelmäßig zum Kindswohl in Körperverletzungen ein, die keine medizinische Notwendigkeit haben, seien es die angelegten Segelohren, der kosmetische Nabelbruch, die Ohrlöcher oder das entfernte Muttermal. Eltern haben das Recht, treuhänderisch für ihre Kinder zu entscheiden. Nichts anderes tun jüdische und muslimische (und amerikanische, und und und) Eltern - so lange dies nicht gegen das Kindeswohl geht, ist dies rechtlich in Ordnung.

Da 30% der Männer weltweit beschnitten sind, aus den unterschiedlichsten Gründen, kann wohl kaum von einem Makel oder einer Verstümmelung gesprochen werden. Sehr viel risikoreicher ist eine Beschneidung zu einem späteren Zeitpunkt, weshalb diese zum Beispiel in Schweden nach dem 2. Monat strengen Auflagen unterliegt. Niemals würde ich meinem Sohn eine Beschneidung im Erwachsenenalter zumuten wollen, wenn ich diese risikofrei und vergleichsweise schmerzfrei am 8. Tag durchführen kann.

Bei der Vehemenz der Diskussion frage ich mich nur, ob die Allgemeinheit bisher dachte, Juden und Moslems kämen beschnitten auf die Welt... oder ob eine Zwangsbeschneidung aller Deutschen befürchtet wird. Denn der Aufschrei der Empörung scheint ja vor allem durch die unbeschnittenen Gesellschaftsgruppen zu gehen...

  • Antworten
Gila31.07.2012 | 15:19 Uhr

Die Beschneidung Wehrloser im

Die Beschneidung Wehrloser im frühkindlichen Alter ist die unwiderrufliche Beschlagnahme unmündiger Wesen für eine Religion.

  • Antworten
markus31.07.2012 | 22:44 Uhr

Abrahamitische Religionen ein Fluch für die Menschheit

Der abrahamitische Gott: Gott des Judentums, des Christentums und des Islams ist eine Horrorgestalt. Die abrahamitischen Religionen sind in der Gedankenwelt aggressiver Hirtenvölker stehen geblieben. Dort gilt Bevormundung anstatt Selbstbestimmung.

Den Übergang zur Stadtgesellschaft, zur Demokratie, zum Humanismus und zur wissenschaftlichen Weltsicht haben die abrahamitischen Religionen nie vollzogen. Die Beschneidung von Kindern ist zutiefst inhuman und barbarisch.

Religionsfreiheit ist nicht die Freiheit der Priester, das Selbstbestimmungsrecht der Menschen mit Füßen zu treten, sondern die Freiheit des Individuums sich selbst zu entscheiden, ob es einer Religion angehören will oder nicht.

Humanismus und naturwissenschaftliche Weltsicht sind wesentlich besser als religiöse Weltanschauungen.

Ich bin gerne bereit, gegenüber Print- und Internetmedien zum Unterschied zwischen religiöser Weltsicht und rationaler Welterklärung Stellung zu nehmen.

Joachim Datko - Physiker, Philosoph
Forum für eine faire, soziale Marktwirtschaft
http://www.monopole.de

  • Antworten
Joachim Datko31.07.2012 | 23:53 Uhr

Warum wird nicht nachgefragt weshalb Muslime und Juden,

die in Deutschland leben der Meinung sind dass deutsche Gesetze nur bedingt für sie gelten? Nur weil archaeische
Rituale seit tausenden von Jahren ausgeübt werden stehen sie nicht unter Artenschutz .

  • Antworten
Lill-Karin Bryant01.08.2012 | 00:33 Uhr

Weiter

"Wir sind inzwischen einfach weiter."
Die Frage ist, wer mit "wir" gemeint ist. Ich habe große Schwierigkeiten damit, wenn Aufklärung mit einem Herumfuchteln mit dem Strafgesetzbuch betrieben wird. Das ist nicht die Methode der Vernunft.

Wenn allerdings eine Beschäftigung mit dem Kinderschutz dazu führt, dass unsere Kanzlerin, dies scheinbar für so komisch hält, dass sie ganz Deutschland als Komikernation bezeichnet oder wenn Seligmann und Mazyek dies als Posse bezeichnen, dann kommen mir Zweifel, ob es anders als mit dem Strafgesetz möglich ist, diesen Humoristen klar zu machen, dass Kinderschutz eine ernste Angelegenheit ist und das hierfür heute eben strengere Maßstäbe gelten sollten, als vor Jahrhunderten oder Jahrtausenden. Der Versuch, die Beschneidungsgegner lächerlich zu machen, der bei solchen Aussagen vorliegt, ist dem gesellschaftlichen Diskurs, der nun aufgrund des Kölner Urteils angestoßen wurde, nicht zuträglich.

  • Antworten
Heinz Hertlein01.08.2012 | 13:05 Uhr

Dem ist nichts hinzuzufuegen, ausser vielleicht...

dass der Artikel den Nagel auf den Kopf trifft. Kein Wort von wegen Sommerlochthema oder ein ideologischer Subtext der durchscheint; nein, einfach eine klare und an der Verfassung orientierte, objektive Analyse dieser nervigen Kausa. Danke.

  • Antworten
christian ned01.08.2012 | 13:33 Uhr

Beschneidung ist keine Kleinigkeit

Ein höchstnotwendiger Artikel!
Was die Problematik der Beschneidung angeht,
so gibt es dazu eine Website :
<a href="http://www.beschneidung-von-jungen.de/">beschneidung-von-jungen</a>

  • Antworten
Heinz Göd02.08.2012 | 15:36 Uhr

Und die "Abtreibung"?

Wie steht es denn mit der so genannten "Abtreibung"? Nicht ein unnützes Teil des Körpers wird weggeschnitten, sondern gleich der ganze Mensch. Wo bleibt denn sein Recht auf körperliche Unversehrtheit?

  • Antworten
Ausgewogenheit10.08.2012 | 11:23 Uhr

Marschrichtung liegt fest

Die Marschrichtung wurde schon letztes Jahr vorgegeben. Mit den gleichen, dümmlichen, höchstwahrscheinlich von interessierter Seite vorgekauten Argumenten die heute wieder auftauchen. Mit gebetsmühlenartiger Wiederholung.
Nur diesmal hat der online-Petitionsausschuss dazugelernt und veröffentlicht keine eingereichten Petitionen zum Thema mehr.

https://epetitionen.bundestag.de/index.php?action=petition
Kennummer: 10061
Leider hat der Autor den(verständlichen?) Fehler gemacht es mit schwerer Körperverletzung gleichzusetzen.
Ablehnungsbegründung Zitat:
Abhängig von den Umständen des jeweiligen Einzelfalls kann die Beschneidung
allerdings durch die Einwilligung (§ 228 StGB) gerechtfertigt sein, was eine
Strafbarkeit ausschließt. Die Einwilligung ist allerdings unbeachtlich, wenn die Tat gegen die guten Sitten verstößt. Bei der Abwägung zum Sittenverstoß finden alle die Tat begleitenden Umstände Berücksichtigung. Zu diesen Umständen gehören bei der religiösen Beschneidung männlicher Personen, die religiöse Motivation und Bedeutung des Vorgangs, die ihrerseits vor dem Hintergrund der verfassungsrechtlich garantierten Religionsfreiheit, insbesondere der ungestörten Religionsausübung (Artikel 4 Absatz 2 GG) bewertet werden müssen. Bei einem noch nicht religionsmündigen Kind hängt es von einer einzelfallbezogenen Prüfung ab, ob die Einwilligung der Eltern oder sonstigen Erziehungsberechtigten zum Ausschluss der Strafbarkeit führt.
In all diesen Fällen kann die Vereinbarkeit mit den guten Sitten nur deswegen
überhaupt erwogen werden, weil die Beschneidung der Penisvorhaut keine schwerwiegenden körperlichen Folgen nach sich zieht. Bei sachgerechter
Handhabung durch einen Arzt werden körperliche Funktionen nicht auf Dauer
beeinträchtigt. Insbesondere können beschnittene Männer uneingeschränkt sexuelle Lust empfinden und werden in ihrem Sexualleben nicht behindert. Dies unterscheidet die Beschneidung männlicher von der Beschneidung weiblicher

  • Antworten
Isnogod12.08.2012 | 05:41 Uhr

Besser hätte man das Thema nicht abhandeln können

Die in Art. 4 GG geschützte Freiheit des Glaubens, des
Gewissens und der Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses ist kein Herrschaftsrecht zur Bestimmung über andere, also keine Ermächtigung zur Machtausübung über andere, sondern ein höchstpersönliches Recht zum individuellen Umgang mit seinem eigenen Glauben und seiner eigenen Religion. Es legitimiert keine Eingriffe in die Grundrechte anderer, auch keine Eingriffe in Grundrechte der eigenen Kinder.

Das wird in "Religion braucht kein Messer" präzise herausgearbeitet - und von den Gegnern des Kölner Urteils verkannt.

  • Antworten
Wolfgang Höfft15.08.2012 | 01:28 Uhr

Bei Verbot - der illegale Hinterzimmer-Quacksalber ?

Gegen ein 'Verbot der Beschneidung von Kindern' gibt es den Einwand:
Bei einem Verbot könnten sehr religiöse Eltern
ihre Kinder im Hinterzimmer von einem Quacksalber beschneiden lassen -
was für die Kinder möglicherweise noch schlimmer wäre.
Als möglichen Ausweg ist mir bis jetzt nur eine 'mittelalterliche' Idee eingefallen.
Neben dem Verbot noch die Möglichkeit eines "Gottes-Gerichtes" -
- ein "Gottes-Gericht" können religiöse Menschen ja kaum ablehnen -:
z.B. der Vater würfelt mit einem gezinkten Würfel,
bei 1 wird das Kind beschnitten, sonst nicht.
Der Würfel ist so gezinkt, dass 1 nicht möglich ist -
einen religiösen Menschen dürfte das nicht stören,
denn für Gott ist ja nichts unmöglich.
Ich bin mir zu 99.99% sicher, dass dann kein Kind beschnitten wird und die religiösen Eltern können sich und den anderen sagen, dass Gott es so gewollt hat.
Das ganze könnte so ablaufen wie früher der "Eid vor dem Kruzifix".
Verrückt ? Ja, aber das wird man, wenn man eine Lösung für religiöse Taditionen sucht.
Besser wäre natürlich, wenn die religiösen Führer überzeugt werden könnten, von der Beschneidung der Kinder abzurücken,
aber das ist wahrscheinlich nicht möglich.

  • Antworten
Heinz Göd16.08.2012 | 12:05 Uhr

Ihr Kommentar zu diesem Artikel

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.
Bildergalerie

Erste Figuren, letzte Ideen – die Karikaturen der Woche

zur Bildergalerie
Anzeige

Kisslers Konter

Dienstagskolumne von Alexander Kissler

Fetischisierung der Sexualität über die Grenzen hinaus

Im Zentrum der Kritik: Theodor-Heuss-Preisträger Daniel Cohn-Bendit

Kisslers Konter: Die Grünen geraten aufgrund früherer Positionen zur Pädophilie unter immer heftigeren Druck. Sicher ist: Das Thema wird die Partei noch lange beschäftigen


DAS NEUESTE AUS DEN BLOGS VON CICERO ONLINE

Bild des Benutzers Christian Jakubetz - unhipster
Ruhe bitte, wir arbeiten gerade!

Netzgemeinde? Digitaler Graben, gesellschaftliche Kluft? Unfug - tatsächlich handelt es sich…

zum Blogeintrag

Frage des Tages

Klone der Schöpfung
In Kooperation mit dem Tagesspiegel
zur Frage

Thema der Woche

150 Jahre SPD: Vom Fürstenfeind zur Kaviarlinken
zum Dossier
Sollte die Bundeswehr Drohnen kaufen?
Das Cicero-Meinungsbild

Das Verteidigungsministerium will unbemannte Flugkörper kaufen. Ist das ethisch zu vertreten?

Umfrage
Die Türkei muss in die EU, fordert Gerhard Schröder im Cicero. Hat er Recht?
Ja, ein Beitritt ist dringend nötig, um die Region zu stabilisieren
15%
Nein, die EU wäre heillos überfordert
85%
Gesamtstimmen: 737
zur Umfrage
Medizin, Gesundheitssystem, krank
Dossier

Wie krank ist unser Gesundheitssystem?

zum Dossier

Dossier

Nordkorea zündelt

zum Dossier

Mittelstand,Mittelschickt,Bürgertum,Internetstore AG
Dossier

Mythos Mittelstand

zum Dossier

Anzeige
Anzeige

Video

„Deutschland wird nicht mehr zu den G8 gehören“

Video
alle Videos
Anzeige

Jetzt den Newsletter von Cicero Online abonnieren

Liebe Leserinnen und Leser. Gerne informieren wir Sie regelmäßig über das aktuelle Angebot von Cicero Online. Bitte tragen Sie ihre E-Mail-Adresse ein und wir schicken ihnen montags bis freitags unseren täglichen Newsletter.

E-Mail*
Anrede
Vorname
Nachname

Anzeige

Weitere Angebote des Ringier Verlags: Monopol – Magazin für Kunst und Leben | Geschenkidee.de – Der Shop für ausgefallene Geschenkideen
© Cicero 2013
  • Impressum
  • Nutzungsbedingungen
  • AGB
  • Stellenangebote

Weitere Angebote des Ringier Verlags: Monopol – Magazin für Kunst und Leben | Geschenkidee.de – Der Shop für ausgefallene Geschenkideen
© Cicero 2013
 
RESSORTS
Startseite
Berliner Republik
Weltbühne
Kapital
Stil
Salon
Bücher
Karikaturen
Bildergalerien
Videos
Blogs
Dossiers
Newsletter
 
  • Datenschutz
  • Impressum
  • Redaktion
© Cicero Online 2013zum Seitenanfang