Das geplante Betreuungsgeld sorgt für Zwist innerhalb der Koalition. Zurecht regt sich viel Widerstand gegen die 'Herdprämie'. Es wäre unsinnig, an dieser Idee wider alle Vernunft festzuhalten. Ein Kommentar
Psychologen kennen das Phänomen aus Paartherapien. Wenn ein Partner das eine will, will der andere automatisch das andere umso mehr, beide steigern sich immer mehr in Extrempositionen hinein und bewegen sich voneinander weg anstatt aufeinander zu. Man müsse Paare immer systemisch begreifen, sagen sie dann und ermuntern ihre Klienten, sich jederzeit dieses Effektes bewusst zu sein und gezielt gegenzusteuern, anstatt sich immer weiter in zwei verschiedenen Bäumen zu versteigen.
Koalitionspartner funktionieren auch oft systemisch. Je mehr der eine etwas will, umso mehr ist der andere geneigt, das Gegenteil für richtig zu betrachten. So gesehen ist die Koalition in ihrem Streit um das Betreuungsgeld reif für eine Paartherapie.
Wobei bei dieser Ménage à trois aus CDU, CSU und FDP sich der Riss vor allem zwischen den beiden Unionspartnern auftut. Die CSU, selbsternannte Schutzmatrone der Familie traditioneller Prägung, hat sich in ihrem bayrischen Sturschädel fest vorgenommen, den modischen Flausen von Elterngeld und Kitaförderung ein Äquivalent für die klassische Familie aus dem vorigen Jahrhundert entgegenzusetzen. Dabei ist sie von zumindest einem richtigen Gedanken geleitet: Es ist gut für ein Kind (und für die Eltern im übrigen auch) viel Zeit mit den Eltern zu verbringen und von ihnen das richtige Leben vorgelebt zu bekommen, also zu sozial intakten Individuen geformt zu werden.
Dennoch dämmert immer mehr vernunftbegabten in der Union, jedenfalls in der CDU, sogar in der CSU, dass es sich beim Betreuungsgeld, vulgo: der Herdprämie um die blödeste Idee seit Einführung der Hotelprämie handelt - die übrigens auch vor allem von der CSU stammte, die aber als Schimpf und Schande vor allem bei der FDP abgeladen wurde.
Auch bei der Hotelsteuer hätte eine Art Paartherapie vielleicht helfen können. Wo es dort schon zu spät ist, sollte die Koalition im Falle des Betreuungsgelds unter Moderation einer Mediatorin namens Merkel versuchen, über Nachdenken und Einsicht einen Irrweg zu verlassen.
Es ist keine Schande, zu einer besseren Einsicht zu kommen. Schändlich ist, aus Trotz an einer Idee wider alle Vernunft festzuhalten. Es ist eindeutig erwiesen, dass viele Eltern sich nichts mehr wünschen, als eine gute staatliche Unterstützung bei ihrem Vorhaben beiderseits Beruf und Familie für alle Beteiligten auskömmlich unter einen Hut zu bringen. Daran hapert es immer noch in Deutschland, bei starken regionalen Unterschieden. Niemand ist dabei gezwungen, auf Angebote wie Kitas und Betreuungsgeld zurückzugreifen.
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