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Berliner Republik
Widerstand gegen rechts in Jena

Kein braunes Nest

von 
Petra Sorge
19. November 2011
picture alliance
Neonazi-Trio, Rechtsterrorismus, Gedenken, Dönermorde, Jena, Blumen, Kundgebung
Blumen für die Opfer: Jena zeigt sich in tiefer Trauer über den Neonazi-Terror

Dass ausgerechnet sie die Brutstätte des Rechtsterrors sind, hat die Jenaer zutiefst schockiert. Bürger wehren sich hier schon lange gegen Neonazis. Dagegen blockierte die Thüringer Landesregierung nach CICERO-ONLINE-Informationen jahrelang ein Programm gegen den Rechtsextremismus

Seite 1 von 2

Hinten wummert die Musik aus den Boxen eines Minibusses, vorn spricht ein Redner ins Megaphon. Nein, es sei nicht ungewöhnlich, dass er mit marschiere, sagt der weißhaarige 72-Jährige. „Als Jenaer ist es meine Pflicht, hier zu sein. Wir wollen zeigen, dass Jena bunt und vielfältig ist. Ich bin traurig und entsetzt über die Nazi-Gewalt.“ Neben ihm läuft seine 68-jährige Frau, in ihren Händen halten sie weiße Rosen.

Mit der Kundgebung gedenkt Jena, Herkunftsort des rechten Terrortrios um Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe, der zehn Mordopfer.

Am Startpunkt der Veranstaltung, dem Rathenauplatz, trafen sich im September 1999 Vertreter der Jenaer Burschenschaft „Jenensia“ und des rechtsextremen Thüringer Heimatschutzes. NPD-Anhänger um den V-Mann Tino B. hätten sogar den Saalschutz gestellt. Damals habe eine zu starke Polizeipräsenz eine Blockade der Neonazis verhindert, ruft Stadtjugendpfarrer Lothar König ins Megaphon. König trägt seine Haare lang und zottelig, steht trotz der zwei Grad Celsius barfuß in den Kiefernlatschen. Seine linksalternative junge Gemeinde war in den Neunzigern die einzige Kraft, die immer wieder öffentlich die Konfrontation mit den Neonazis suchte. Heute ist das anders.

Der anfangs noch kleine, eilig anberaumte Protestzug gegen rechts wächst schnell, nach Angaben der „Ostthüringer Zeitung“ sind es 400 Demonstranten. Auf dem zentralen Holzmarkt rufen Teilnehmer die Namen der Mordopfer auf, legen Rosen und Kerzen nieder. „Meine Blume für alle, die Angst haben, wenn sie auf die Straße gehen, deren Angst nicht ernst oder nicht ernst genug genommen wird“, rief etwa der Rektor der Jenaer Universität, Klaus Dicke, der 21.400 Studenten aus dem In- und Ausland vertritt.

Einer dieser Menschen, denen Dickes Blume gewidmet ist, ist der deutsch-bengalische Schriftsteller Steven Uhly. Im ZDF-Kulturmagazin Aspekte redete er offen über seine Abneigung gegen Jena und ganz Ostdeutschland: „Ich habe einfach zu viel Angst, mich hier frei zu bewegen“.

Tatsächlich war das Versagen der Thüringer Behörden in den 1990er Jahren unübertroffen. Einem MDR-Bericht zufolge hatten Zielfahnder des Landeskriminalamts 1998 offenbar die konkrete Möglichkeit für einen Zugriff auf das Neonazi-Trio. Demnach habe es einen konkreten Einsatzplan des Thüringer Spezialeinsatzkommandos der Polizei gegeben. Die Aktion sei jedoch kurzfristig abgebrochen worden. Zudem führte der Thüringer Verfassungsschutz nach Spiegel-Informationen zur gleichen Zeit mindestens drei V-Leute im Umfeld der drei Neonazis.

Im Jahr 2000 blockierte das Innenministerium auch Mittel für die Bekämpfung des Rechtsradikalismus. Ein landesweites Personenbündnis aus Gewerkschaften, Kirchen und jüdischer Gemeinde habe damals eine mobile Beratung gegen Rechtsextremismus schaffen wollen, erzählt Michael Ebenau, Chef der Gewerkschaft IG-Metall Jena und Gera, im Gespräch mit CICERO ONLINE.

Dafür seien Mittel aus dem Bundes- und EU-Programm Civitas-Forum beantragt worden. „Von der Landesregierung wurde das aber nie unterstützt“, sagt der Gewerkschafter. „Die Begründung lautete: Wir haben kein besonderes Problem in Thüringen“. Erst drei Jahre später – auf das beharrliche Dringen der Zivilgesellschaft – sei das Projekt bewilligt worden. Das Schwesterprogramm „Mobile Opferberatung“ sei noch feindseliger behandelt worden, erzählt Ebenau. „Irgendwann wurde das nicht mehr weiter gefördert.“

"Ihr gehört alle nach Buchenwald": Lesen Sie, wie Neonazis auf einem Kinderfest randalierten.

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Jenas OB Schröter

Zu Herrn Schröter fällt mir etwas ein ...

In dem kleinen württembergischen Städtchen Bad Boll gibt es eine Evangelische Akademie. Dort fand im Juni 2010 eine Veranstaltung statt unter dem Titel „ Partner des Friedens“. Geladener Gast: Der Hamas-Gesundheitsminister Gazas Basam Naim. Er musste sein Erscheinen absagen, nicht etwa, weil der Akademie in letzter Minute Bedenken gekommen waren, sondern weil ihm von den deutschen Behörden das Einreisevisum verweigert worden war.
Die Veranstaltung war gespickt mit den üblichen antizionistisch- antisemitischen (Israel-Nazivergleich, Israel als Terrorregime, etc.) Tiraden gegen Israel.
Oberbürgermeister Albrecht Schröter hatte ebenfalls seinen Auftritt, trotz warnender Hinweise der Deutsch-Israelische Gesellschaft Erfurt und der AG Kirche und Judentum. Er wollte „Denkblockaden“ durchbrechen!
Ca. 450 Kilometer nordwestlich: Essen.
Im Mai dieses Jahres sollte in der dortigen Alten Synagoge ein Vortrag über Zusammenhänge zwischen Islam und Antisemitismus gehalten werden (wie wir sie auch in Bezug auf das Christentum kennen). Einem Herrn Muhammed Balaban gefiel dies nicht und er protestierte beim SPD-Oberbürgermeister Reinhard Paß, der sogleich folgsam handelte. Allerdings ohne rechten Erfolg, denn die Zivilcourage einiger Bürger machte den Deal ruchbar. Nun hat sich Reinhard Paß nach der Pensionierung der renitenten Verwalterin der Alten Synagoge einen ihm und den aggressiven Islamgemeinden genehmeren Verwalter gesucht...
Hierzu passt auch das Interview mit Kenan Kolat in dieser Zeitschrift, in der er eine neue Rassismusdebatte fordert.
Die gibt es allerdings schon – und zwar so, wie Kolat sie wünscht.
Die „Jüdische Allgemeine“ (online vom 7.11.2011) konstatiert ein Ignorieren des Antisemitismus nach dem Motto, „die Juden reiten auf ihrer Opferrolle“. Die dort genannten Beispiele waren die RBB-Affäre (Ken Jebsen) und Artikel in der taz.
Herr Schröter und Herr Paß werden Herrn Kolat sicher gern bei einer Neudefinition von Rassismus behilflich sein.
Nach dieser sind dann Rassismus und Antisemitismus nur Nazis oder andere „Rechten“ eigen. Rassismus/Antisemitismus aus dem linken und linksliberalen Lager sowie der Dritten Seite gelten dann nur als Halluzination Überempfindlicher Juden oder islamophober „Rechter“.

  • Antworten
Dr. Hans-Peter Rösler20.11.2011 | 10:47 Uhr

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