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 > Raus aus der Koalition, aber schnell!

Berliner Republik

FDPRaus aus der Koalition, aber schnell!

Von Christoph Schwennicke25. Oktober 2012
picture alliance
Tigerente,Janosch,schwarz-gelbe Koalition
Die Gelben werden das Kindchen nicht mehr schaukeln
Schrift:

In der schwarz-gelben Bundesregierung tut die Kanzlerin alles dafür, dass den Liberalen die Luft zum Atmen fehlt. Jeder Tag an der Seite der Kanzlerin bringt die FDP deshalb ihrem politischen Tod etwas näher. Dabei hätte sie eine Alternative. Ein Kommentar

Seite 1 von 2

Mal eine Frage, mit der Bitte um Antwort: Versteht noch einer die FDP?

Nach drei Jahren Merkel, einem beispiellosen Absturz, einem misslungenen Neustart und kurz vor einer absehbar debakulösen Landtagswahl in Niedersachsen verhalten sich die Liberalen so, als hätten sie noch alle Zeit der Welt. Es drängt sich der Eindruck auf, als sähen sie ihrem politischen Tod ohne jedes Aufbäumen entgegen, willenlos, entkräftet, ratlos.

Dabei gilt für die FDP dreierlei. Erstens: Jeder Tag zählt, und jeder Tag des Nichthandelns bringt sie ihrem Ableben einen Tag näher. Zweitens: Ein neuer Vorsitzender allein bringt auch keine Rettung. Drittens: Es gibt eine Lösung, eine radikale. Sie gehorcht dem Gedanken, der dem Märchen von den Bremer Stadtmusikanten zugrunde liegt.

Angela Merkel geht, das hat vor der FDP schon die SPD erfahren müssen, mit ihren Koalitionspartnern nicht sehr zartfühlend um, um es vorsichtig zu sagen. Härter formuliert: Sie lässt ihnen keine Luft zum Atmen, schiebt ihnen die „Baddies“ rüber und lässt ihnen kein einziges „Goodie“. Die SPD steckt bis heute seltsamerweise ganz allein die Prügel für die Rente mit 67 ein. Die FDP hat ganz alleine die unselige Hotelsteuer am Hals, dabei hatte die CSU mindestens genauso engagiert auf deren Einführung gedrängt wie die Liberalen.

[gallery:Szenen einer Ehe – Bilder aus dem schwarz-gelben Fotoalbum]

Und wo ist das Thema, das die Kanzlerin der FDP in den drei Jahren zwecks politischer Profilierung gegönnt hätte? Es gibt kein einziges. Steuersenkungen? Nein! Abschaffung des Solidaritätszuschlags? Niemals! Streichung der Praxisgebühr? Nicht dran zu denken. Dafür kommt das Betreuungsgeld, obwohl die FDP gute Gründe hat, dieses zu verhindern. Der CSU tut Merkel jenen Gefallen, den sie der FDP verweigert.

Unverkennbar ist das Bemühen der Union, die FDP kleinzukriegen. Jeder liberale Gedanke wird, kaum wurde er geäußert, von Merkel abgeräumt. Alles, was der FDP bleibt, ist es, sich als Schlimmstverhinderer zu „profilieren“, etwa bei der Vorratsdatenspeicherung.

Helmut Kohl und Gerhard Schröder waren ungleich generöser ihrem Koalitionspartner gegenüber. Kohl ließ einem FDP-Außenminister mehr Raum als Merkel Westerwelle heute. Und Schröder akzeptierte den Atomausstieg, das Dosenpfand und die Gleichstellung Homosexueller, alles drei keine Themen, für die sich der SPD-Kanzler selbst politisch entleibt hätte wie für die Agenda 2010.

Seite 2: Warum ist die FDP nur so lammfromm?

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Also... alles schön und gut,

Also... alles schön und gut, kann man so analysieren (auch wenn meines Erachtens das eigentliche Problem der FDP nicht ist, dass sie zu fromm wäre - sondern dass sie bis dato zwar gezeigt hat, dass sie etwas blockieren kann, aber sie hat nie gezeigt, dass sie selbst gestalten kann. Da kommt ja nichts.)

Was ich aber wirklich nicht verstehe ist der Satz "Das Betreuungsgeld sieht nur aus wie eine Petitesse, dahinter steht ein völlig antiquiertes Gesellschaftsbild." Was um Himmels Willen ist daran antiquiert, wenn ein- und zweijährige Kinder nicht in eine Kita gehen, sondern zu Hause aufwachsen? Und was ist umgekehrt an einer Kita "modern"? Ich verstehe es wirklich nicht, warum man das nicht einfach den Eltern überläßt, ohne sie als antiquierte Idioten hinzustellen.

  • Antworten
Dorothea25.10.2012 | 16:27 Uhr

Warum sich selbst ersäufen?

Weshalb die FDP sich nicht voluntaristisch in den Abgrund stürzt? Das ist in meinen Augen doch ganz einfach zu erklären: Weil ganz viele FDP-Minister - auch deren Mitarbeiter - die volle Zeit für eine angemessene Apanage noch nicht zusammen haben. Erst nach vier Jahren gibt es satte 3.600 Euro monatliche Pension in etwa. Und weil zudem alle wissen, dass nochmals 93 Bundestagsabgeordnete wie im Jubeljahr 2009 eine blanke Illusion sind. Allenfalls werden das 20 Männeken, vermutlich sogar nicht einer, weil der deutsche Liberalismus der Bevölkerung inzwischen ähnlich sinnvoll erscheint, wie ein Pickel am Mors ...

  • Antworten
Klaus Jarchow25.10.2012 | 17:09 Uhr

Merkel ist

tatsächlich ein großes Problem für die FDP. Ob allerdings ein schnelles Verlassen der Regierung die Rettung ist, wage ich zu bezweifeln. Gerade was die Energiewende betrifft, wird ja immer klarer, dass eine derartiges ideologiebasiertes und dilettantisches Vorhaben vor allem auf Merkels Konto geht. Die FDP hat jetzt praktisch die Chance noch ein Jahr Wahlkampf in der Regierung gegen die Regierung zu machen. Das ist insoweit ganz praktisch, das die Mehrheit sowieso eine Koalition von Union und SPD in der nächsten Regierung erwartet. Ich finde der Rösler macht das ganz geschickt.

  • Antworten
Quentin Quencher27.10.2012 | 10:16 Uhr

na klar, nichts wie raus

die FDP hat in der Koalition nichts, aber auch gar nichts bewirkt. Wie konnte sie nur so dumm sein am Anfang das Gesundheitsministerium zu übernehmen?. Gerhard Schröder hat doch vor Jahren schon bewiesen wie man den Koalitionspartner gegen die Wand laufen lässt. (Man erinnere sich an die überforderte Ministerin A. Fischer). Eine FDP, die seit 3 Jahren nicht in der Lage ist, die lächerliche Praxisgebühr abzuschaffen ist es wirklich nicht wert, wiedergewählt zu werden. Ja, leider wollen offensichtlich viele FDP-Abgeordnete Ihre "Dienstzeit" voll machen, um später die anfallende Versorgung kassieren zu können. Fazit: Die FDP ist überflüssig, wirkungslos und damit nicht mehr wählbar.
"Eigentlich schade"

  • Antworten
Felix Krull28.10.2012 | 23:18 Uhr

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