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Berliner Republik

Die Wulff-Affäre als KrimiPolitischer Sumpf in Niedersachsen

Von Ludwig Greven2. Juli 2012
picture alliance
Bettina Raddatz, Hannover-Connection, Wulff, Maschmeyer, Glaesecker
Sie waren ein Herz und eine Seele: Maschmeyer und Wulf
Schrift:

Sie arbeitet seit 30 Jahren in der Staatskanzlei in Hannover. Nun hat Bettina Raddatz ihren zweiten, gleichnamigen Krimi geschrieben – mit deutlichen Parallelen zur Wulff-Affäre, aber auch zu dessen Vorgängern. Manchen gefällt das gar nicht

Seite 1 von 2

In die Kakao-Stube, ihr Lieblingscafé im Herzen Hannovers, geht Bettina Raddatz nicht mehr. Vor einiger Zeit hat die Ministerialrätin und Krimi-Autorin dort mit einem Journalisten gesessen und über ihr neues Buch gesprochen, über ihre Erfahrungen mit Christian Wulff, Gerhard Schröder und Sigmar Gabriel. Für alle drei Ministerpräsidenten hat sie in der niedersächsischen Machtzentrale gearbeitet, als Pressereferentin, Mittelstandsbeauftragte und manchmal auch Wahlkampfhelferin. Sie war ziemlich nah dran an all diesen niedersächsischen Ministerpräsidenten von CDU und SPD, weshalb sie eine Menge zu erzählen weiß über deren Politikstil, ihren persönlichen Umgang mit Untergebenen, Partei- und Wirtschaftsfreunden, aber auch viele Machenschaften in der Staatskanzlei unweit des Maschsees.

Als dann in dem Café-Gespräch mehrmals der Name Wulff fiel, stand ein anderer Gast auf. Er trat an ihren Tisch und zischte, was ihr denn einfiele, den früheren Ministerpräsidenten schlecht zu machen. Schließlich habe der „so viel für unser Land getan“.

Deshalb trifft sich Bettina Raddatz mit Journalisten jetzt lieber in abgelegeneren Lokalen. Wer weiß, wer diesmal zuhört. Sie hat auch sonst eigenartigen Erfahrungen mit ihrem zweiten Kriminalroman „Die Staatskanzlei“ gemacht: In Buchhandlungen in Hannover wird er kaum ausgelegt, obwohl er in der Stadt spielt und lokale Krimis bei den Lesern normalerweise als Genre sehr beliebt sind. Lesungen wurden ohne nähere Begründung abgesagt. Ja, ein gewisser Olaf Glaeseker, vordem Sprecher des zurückgetretenen Bundespräsidenten Wulff, soll bei der niedersächsischen CDU angerufen haben, ob man nicht bei parteinahen Buchhändlern dafür sorgen könne, dass das inkriminierende Buch aus den Schaufenstern verschwinde. Offenbar mit Erfolg.

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Manche, selbst Rezensenten, werfen Raddatz vor, sie hänge Verschwörungstheorien an. Sie habe sich das alles nur ausgedacht – die Geschichten in wie um ihr Buch. Aber wer sich mit ihr länger unterhält und wer nicht nur die Wulff-Affäre verfolgt hat, sondern sich auch schon mit der Politik und dem Gebaren seiner verschiedenen Vorgänger befasst hat und wer sich auch sonst im Land umtut, kommt nicht auf den Gedanken, dass dies alles Hirngespinste sind. „Das Netzwerk, über das ich in meinen Büchern schreibe, habe ich mir nicht ausgedacht“, sagt sie selber.

Wenn man „Die Staatskanzlei“ liest, einen durchaus spannenden Krimi, für Eingeweihte vor allem aber ein Schlüsselroman, ist man in der Tat verblüfft. Denn unverkennbar sind zahlreiche Parallelen zu den bekannt gewordenen Aktivitäten und Verbindungen des früheren Regierungschefs Wulff und seiner Vertrauten und leitenden Mitarbeiter etwa zu Wirtschaftsgrößen des Landes – obwohl das Buch vorher geschrieben und abgeschlossen wurde! Da gibt es beispielsweise einen Immobilienhändler Baumgart, der deutliche Züge des Finanzprodukt-Großhändlers Carsten Maschmeyer trägt und der (nicht nur im Buch) enge Drähte zum Ministerpräsidenten und dessen Parteifreunden unterhält. Baumgart schmiert Beamte, spendiert ihnen Geburtstagsfeiern und macht mit ausländischen Investoren krumme Geschäfte.

Da gibt es ein Wirtschaftslobbytreffen, das im Buch Ost-West-Dialog heißt und im wahren Leben Nord-Süd-Dialog hieß. Es wird von einem Partymanager veranstaltet, mit freundlicher Hilfe des Ministerpräsidenten und seiner Leute. Dessen  Sponsorengeld-Ertrag kommt dem Veranstalter sowie zu gleichen Teilen dem Regierungschef und dessen Imagepflege und der regierenden Bürgerpartei alias CDU zugute. Und da gibt es noch viele andere Bezüge zu Intrigen, Durchstechereien und Vetternwirtschaft und deren Protagonisten, die sich die Autorin keineswegs aus den Fingern gesogen hat.

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diese Personen, die einem Lügner auch noch die Stange halten sind nicht Besser als die, die Hitler die Stange gehalten haben, die ewig Gestrigen, wollen die Wahrheit nicht Wahrhaben.Solche sind sehr Gefährlich -- aber auf Saudummheit ist bisher noch kein Kraut gewachsen.

  • Antworten
Christina02.07.2012 | 16:19 Uhr

Politischer Sumpf in Niedersachsen

folgenden Text habe ich gefunden und bitte darum, diesen zu lesen und ggf. den Aufruf zu unterschreiben. Ich bitte weiterhin um Weiterleitung über den Verteiler.
http://tv-orange.de/2012/03/sofortige-veroeffentlichung-des-gutachtens-ueber-abgeordnetenkorruption/

  • Antworten
Anita Künstle02.07.2012 | 23:25 Uhr

Bettina Raddatz

Mensch Ludwig, erst mal ein bisschen zu der Autorin recherchieren. Dann das Thema Sumpf.

  • Antworten
Louis van Buyten03.07.2012 | 09:47 Uhr

www.cicero.de

Nicht nur in Niedersachsen befindet sich ein "politischer Sumpf". Auch der frühere Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Oettinger, war bekanntlich an der Sause mit Herrn Wulff beteiligt.
Wer mit dem AWD-Gründer Carsten Maschmeyer gemeinsame Sache macht, offenbart einen labilen Charakter. Aber ein Er-Kenntnisstand dieser Ausprädung war Christian Wulff nie gegeben. Er ließ sich lieber von anderen aushalten....

  • Antworten
Yvonne Walden03.07.2012 | 11:11 Uhr

Wahnsinn, ich bin nicht der einzige

Ist es nicht wunderbar, wenn man nicht alleine steht mit seinen Beobachtungen. Ich hab, als viel kleineres Licht auf anderer Ebene sehr ähnliche Erfahrungen gemacht. Mein Bericht ist aber kaum Roman und dennoch lesenswert. (hab ich mir sagen lassen)
Daher wollte ich das Trittbrett nutzen um hier mitzufahren ;)

http://www.amazon.de/In-heiter-eitlem-Sonnenschein-ebook/dp/B0085UM9DI

Wer Korruption nur auf dem Balkan oder sonstwo sucht, der ist Weltfremd! Deutschland funktioniert scheinbar/leider nicht ohne Klüngel, Filz und Meierei.

Gruß
Heiner

  • Antworten
heiner luesmann03.07.2012 | 18:10 Uhr

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