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 > Politik kennt keine Freunde

Berliner Republik

Streben nach MachtPolitik kennt keine Freunde

Von Christoph Seils20. August 2012
picture alliance
Steinbrück,Albig,SPD,Freund,Feind
Zwischen Freund und Feind: Peer Steinbrück und Torsten Albig
Schrift:

Politiker sprechen gerne von ihren Freunden. Doch Schlagzeilen machen politische Freundschaften vor allem dann, wenn sie spektakulär enden und die einstigen Gefährten öffentlich miteinander abrechnen. Denn hinter der Fassade verbergen sich Klüngel, Netzwerke und politische Seilschaften

Seite 1 von 2

Peer Steinbrück und Torsten Albig sind Freunde. Dachte man zumindest. Viele Jahre galten die beiden als unzertrennlich. Seinen Ruf als „Mr. Euro“ und aussichtsreicher SPD-Kanzlerkandidat verdankt der Ex-Bundesfinanzminister zu einem großen Teil seinem langjährigen Sprecher. Vor ein paar Jahren startete Albig seine eigene politische Karriere. Er wurde erst Oberbürgermeister in Kiel, schließlich im Frühjahr Ministerpräsident von Schleswig-Holstein. Im erfolgreichen Wahlkampf konnte sich Albig auf den unermüdlichen Einsatz und die uneingeschränkte Loyalität von Peer Steinbrück verlassen.

[gallery:20 Gründe, warum man eine Freundschaft beenden sollte]

Wenn die beiden tatsächlich jemals Freunde waren, dann sind Steinbrück und Albig es seit einer Woche vermutlich nicht mehr. Denn in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS) hatte sich der Ministerpräsident nicht nur für Frank-Walter Steinmeier als SPD-Kanzlerkandidaten ausgesprochen. Zugleich legte er Peer Steinbrück mit dem vergifteten freundschaftlichen Rat („Tu dir das nicht an!“) den Rückzug aus dem Kandidatenduell nahe. Steinbrück war stinksauer, in der SPD macht seitdem das Wort vom „Vatermord“ die Runde und wieder einmal stellt sich die Frage: Kann es in der Politik Freunde geben? Oder schließen sich Freundschaft und das Streben nach Macht, schließen sich eine emotionale persönliche Bindung und die von Interessen geprägten politischen Beziehungen gegenseitig aus? Hört Freundschaft da auf, wo Politik beginnt?

Von Freunden ist in der Politik häufig die Rede. Helmut Kohl zum Beispiel nannte den letzten Sowjet-Führer Michail Gorbatschow seinen „Freund“, die amerikanische Außenministerin Madeleine Albright ihren grünen deutschen Amtskollegen Joschka Fischer einen „wirklich guten Freund“. Doch tatsächlich ging es nur darum, im Geflecht internationaler Beziehungen gegenseitig Respekt zu bekunden und Interessenkoalitionen zu schmieden.

Die noch nicht so mächtigen versuchen, mit dem Ritterschlag „Freund“ politische Mitstreiter um sich zu scharen. Zudem dient der Begriff in der Sphäre der Macht dazu, die Welt in Freund und Feind zu teilen. Dem Bundespräsidenten Christian Wulff schließlich wurden seine reichen Freunde zum Verhängnis. Irgendwann konnte der CDU-Politiker nicht mehr erkennen, welche Freundschaftsdienste nur der Anbiederung an die Macht, der Anbahnung von Geschäften oder dem persönlichen Vorteil dienten. Die Öffentlichkeit war empört, Wulffs politische Karriere zu Ende. Inzwischen streitet sich der Ex-Bundespräsident öffentlich mit seinem Ex-Sprecher Olaf Glaeseker darüber, wer wann was über welche Gefälligkeit gewusst hat. Vor einem Jahr waren die beiden noch unzertrennlich und hätten sicherlich erklärt, sie seien Freunde.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, wie viel Offenheit, Aufrichtigkeit und Vertrauen die Politik aushält?

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Der zerbrochene politische Spiegel

Freundschaften unter Politikern können immer nur politische Freundschaften sein. Sie sind geprägt vom gegenseitigen Aufstiegswillen. Wenn man genau hinschaut, sind sie die Verinnerlichung eines sozialen politischen Gefälles ist. Wobei das Gefälle unterschiedlicher Natur sein kann: Macht, Reichtum, Ruhm, Protektion, Ratgeber, etc. sind die natürlichen Böden auf dem politische Freundschaften gedeihen. Hierbei wenden die politischen Protagonisten sowohl das Nützlichkeitsprinzip als auch die gegenseitiger Bespiegelung an.

Der politische Förderer erwartet vom Beförderten zumindest eine Weile das er als Spiegel fungiert, indem er sich gütlich betrachten kann und der Beförderte das er für diesen „Dienst“ auf der Karriereleiter ein Stück nach oben gelangt. Beide bedingen sich wie Proton und Neutron eines Atoms. Sie halten solange bis der eine den anderen in der politischen sozialen Hierarchie ein- oder überholt. Spätestens dann zerbricht der Spiegel in dem der Förderer seinen Ruhm bemissen hat.

So beförderte Peer Steinbrück Torsten Albig viel zu lange. Dies ging solange gut wie Albig als Spiegel für Steinbrücks Großartigkeit herhielt. Jetzt dreht sich durch den Erfolg Torsten Albigs offenbar das politische soziale Gefälle um und Steinbrücks Spiegel in dem er lange Zeit seine Großartigkeit betrachten konnte zerbricht und damit auch möglicherweise die Freundschaft, wenn sie den je bestanden hat.

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Heinz Pelzer21.08.2012 | 08:33 Uhr

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