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 > „Patriotismus lässt sich missbrauchen“

Berliner Republik

Nationale Identität„Patriotismus lässt sich missbrauchen“

Interview mit Ulrich Wagner12. Juli 2012
picture alliance
Patriotismus,Nationalismus,Schrebergarten,
Kann die Identifikation mit dem eigenen Land Gefahren bergen?
Schrift:

Studien haben gezeigt, dass zu sportlichen Großveranstaltungen Nationalismus zunimmt, während Patriotismus abnimmt. Cicero Online sprach mit dem Sozialpsychologen Ulrich Wagner über die Gefahr nationaler Symbolik, ein gesundes Heimatbewusstsein, die Nationalhymne und ein befriedendes Europa

Seite 1 von 3

Herr Wagner, sind Sie ein Patriot?
Nein.

Warum nicht?
Es gibt gute Argumente für die Identifikation mit dem eigenen Land. Sie ist ganz wesentlich für das gesellschaftliche Zusammenleben, dafür, dass ein Land überhaupt funktioniert. Zu starke Identifikation mit dem eigenen Land birgt jedoch die Gefahr, dass diejenigen, die nicht dazu gehören, ausgegrenzt werden.

Ist das eine Sache, die vor allem für uns Deutsche gilt, aufgrund unserer Vergangenheit? Keine Generation nach dem Dritten Reich kann von sich behaupten, ein unverkrampftes Verhältnis zum deutschen Vaterland zu haben.
Das hat eher etwas mit Psychologie zu tun. In anderen Ländern ist das nicht anders. Dass wir eine nationalsozialistische Vergangenheit haben, erschwert das Problem nur zusätzlich. Empirische Studien zeigen, dass Patriotismus und Nationalismus immer mit der Gefahr einhergehen, andere abzugrenzen – insbesondere der Nationalismus. Es gibt die Überlegung, ob Patriotismus eher eine gute Form der Identifikation ist. Aber selbst an der Stelle wäre ich vorsichtig. Dahinter steckt ein ganz einfacher Mechanismus: Wenn ich mich sehr stark mit einer Gruppe identifiziere – das kann ein Fußballverein, eine Organisation, ein Betrieb oder auch das eigene Land sein – bedeutet das, dass ich einen Teil meiner Identität an diese Gruppe hänge. Und da die meisten von uns bemüht sind, ein positives Selbstbewusstsein zu entwickeln, führt das zu dem Versuch, meine Gruppe aufzuwerten – und zwar auf Kosten anderer.

Aber wir alle sind Weltenbürger, leben in unterschiedlichen Ländern auf unterschiedlichen Kontinenten. Allein durch die Andersartigkeit unserer Sprache oder durch unser Aussehen grenzen wir uns voneinander ab. Müssen wir das nicht auch ein Stück weit, um uns als Individuum zu profilieren oder richtet sich der Trend dahin gehend aus, dass wir dieses Bewusstsein im Zuge der Globalisierung nach und nach aufkündigen?
Bei nationalen Identifikationen besteht ein Risiko, weil wir uns hauptsächlich über nationale Zugehörigkeit definieren. Grieche zu sein, spielt derzeit beispielsweise eine große Rolle. Türke zu sein auch, aufgrund der Debatte über den Anschluss der Türkei an die Europäische Union. Aber Sie haben Recht: In den letzten 40, 50 Jahren haben wir eine ganz bedeutende Veränderung erlebt, weil wir uns heute als Deutsche stark mit Europa identifizieren und das hat eine sehr befriedende Konsequenz. In den 1960er und 1970er Jahren war der typische Einwanderer aus Sicht der Deutschen der Italiener. Vorurteile und Diskriminierung in diese Richtung sind praktisch verschwunden, weil wir uns heute mehr über eine europäische Gemeinschaft identifizieren.

Beobachten wir hier aber nicht auch gerade im Zuge der Eurokrise einen gegenläufigen Trend? Gerade Eurokritiker und nationalistische Populisten streben nach weniger Europa und versuchen, die einzelnen Länder wieder zu stärken.
Das ist eine sehr strenge Frage für einen Wissenschaftler. Ich kenne keine Daten, die das bestätigen würden. Natürlich wird mir, gerade in Bezug auf die Verschuldung Griechenlands, berichtet, dass es in Griechenland so etwas wie Deutschenfeindlichkeit gibt, weil die Griechen den Eindruck haben, wir würden ihnen den Hahn nun endgültig zudrehen. Aber ob das zu einer Rückorientierung auf nationale Identitäten führt, kann ich nicht sagen. Zumindest habe ich aber die Befürchtung, dass das den Populisten das Feld öffnet.

Seite 2: Nationalismus geht mit der Abwertung anderer einher

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Patriotismus lässt sich missbrauchen Interview mit U. Wagner

"Vorab: Eine demokratische Gesellschaftsentwicklung ist nicht mit Landesgrenzen verbunden."

Das ist doch absurd! Demokratie heisst doch nichts anderes als Volksherrschaft - und sofort stellen sich zwei Fragen:
1. wer ist das "Volk"?
2. wo "herrscht" es?
Und damit sind wir sofort bei den Landesgrenzen, die das Herrschaftsgebiet umreissen, und bei der Staatsbürgerschaft, welche die Zugehörigkeit zum "Demos" bestimmt, und in Gestalt des Wahlrechts die "Volksherrschaft" verwirklicht.

Die Vorstellung, man könne Demokratie davon abstrahieren, ist schlichtweg utopisch.

Es ist aber normal und keineswegs unmoralisch oder gefährlich, dass sich der Staatsbürger mit demjenigen Land identifiziert, wo er über sein Wahlrecht einen Bruchteil der Herrschaft ausübt. Der Staatsbürger trägt ja auch dafür die Mitverantwortung!

Da nützt auch keine Flucht nach "EU-Europa". Denn dann wäre die Staatsbürgerschaft eben "EU-Bürgerschaft", die Landesgrenzen die Aussengrenzen der EU, und das Wahlrecht das Wahlrecht zum EU-Parlament.

Ansonsten gilt dasselbe wie oben.

vermutlich hätten ohne Patriotismus weder Frankreich noch Polen noch die Niederlande, noch Norwegen usw. die deutsche Besatzung (in Polen danach noch die sowjetische) durchgehalten, vermutlich hätten ohne Patriotismus die Briten dem scheinbar siegreichen Hitler-Regime nicht als einzige in Europa die Stirn geboten, und die Russen und Amerikaner Nazi-Deutschland nicht besiegt.

Auch das sollte man nicht vergessen!

  • Antworten
Andreas Thomsen12.07.2012 | 15:54 Uhr

Gutes Interview, Danke!

Gutes Interview, Danke!

  • Antworten
Marque12.07.2012 | 19:03 Uhr

keine Eier

Muß man solchen pseudointellektuellen Texten in Cicero Raum geben? Schon der voranstehende Kommentar enthält mehr Wahrheiten als der professorale Text aus dem Marburg der Gutmenschen.

  • Antworten
Otto Maier12.07.2012 | 22:57 Uhr

4 Zeilen Intelligenz

Otto du hast erneut bewiesen, wie intelligent man in 4 Zeilen seien kann. Wenn du Eier hättest, wärst du ein Gutmensch. Alle Gutmenschen sind schlauer, mutiger und libenswerter als alle Ottos und Maiers zusammen.

  • Antworten
HHanseat14.07.2012 | 08:04 Uhr

Mit dem

Begriff "Verfassungspatriotismus" kann ich schon etwas anfangen.

Ich bin froh, in einem Staat leben zu dürfen, der ein hohes Maß an Demokratie, individueller Freiheit und (hoffentlich noch lange) sozialer Sicherheit bietet.

Die Nationalhymne ist für mich unwichtig. Ich bin auch nicht stolz darauf, Deutsche zu sein (Stolz kann man nur für seine eigenen Leistungen empfinden).

Vielleicht ist diese ganze quälende Suche nach der nationalen Identität typisch deutsch.

  • Antworten
Katharina K.13.07.2012 | 01:17 Uhr

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